Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/telefonica-chef-haas-deutschland-hatt-in-europa-mit-die-schwaechsten-netze-1808-135972.html    Veröffentlicht: 13.08.2018 11:22    Kurz-URL: https://glm.io/135972

Telefónica-Chef Haas

Deutschland hat "in Europa mit die schwächsten Netze"

Der Chef der Telefónica kritisiert den Ausbau der Mobilfunknetze in Deutschland. Wie zuvor bereits die Telekom, greift er zudem 1&1 und Freenet an.

Telefónica-Deutschlandchef Markus Haas gibt den Mobilfunkprovidern und der Regierung die Schuld für ein relativ schlecht ausgebautes Netz. Haas sagte dem Handelsblatt: "Die deutsche Telekommunikationsinfrastruktur ist unterinvestiert. Wir haben in Europa mit die schwächsten Netze und die meisten MVNOs (Mobile Virtual Network Operator). Da muss es einen Zusammenhang geben."

Zudem sei die Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen ein Fehler. "Der bisherige Weg in Deutschland war falsch", sagte Haas. Wie in Frankreich sollte Deutschland die Lizenzen für den nächsten Mobilfunkstandard 5G kostenlos vergeben und dafür an Ausbauverpflichtungen knüpfen.

Haas sprach sich wie zuvor schon die Deutsche Telekom gegen den Vorschlag von United-Internet-Gründer Ralph Dommermuth aus, ein weiteres Mobilfunknetz aufzubauen. "Wenn jemand glaubt, er löse die Infrastrukturprobleme in Deutschland mit einem vierten Netz, der ist aus meiner Sicht auf dem Holzweg", sagte Haas.

Telefónica: Neuer Netzbetreiber schlecht für bestehende Investitionen

Ein neuer Wettbewerber wird aus Sicht von Haas keine Funklöcher schließen, sondern bestehende Investitionen entwerten. "Mit Blick darauf, dass Deutschland eine so schlechte Infrastruktur hat, muss sich die Bundesnetzagentur fragen, ob sie die Spielregeln nachträglich weiter verschärfen und die Netzbetreiber noch mehr schwächen will", sagte der Telefonica-Chef.

Um die Mobilfunkmasten mit Glasfaser zu verbinden, müsse man keine eigene Infrastruktur besitzen. Die Glasfaserpreise für die Anbindung von Mobilfunkmasten würden gerade dramatisch sinken, weil es Überkapazitäten in den Städten gebe. "Ich kann mir also aussuchen, mit welchem Anbieter ich unsere Antennen anbinde. Das ist für uns von Vorteil", führte Haas weiter aus. Im Februar hatten nur 20 Prozent der Mobilfunkstationen der Telefónica eine Glasfaseranbindung.  (asa)


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