Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/nordschwarzwald-region-ruft-wegen-schlechter-festnetzversorgung-nach-telekom-1808-135934.html    Veröffentlicht: 09.08.2018 18:52    Kurz-URL: https://glm.io/135934

Nordschwarzwald

Region ruft wegen schlechter Festnetzversorgung nach Telekom

Die Telekom soll nach dem Willen des Regionalverbandes Nordschwarzwald ihre Vectoring-Anschlüsse überall ausbauen, dann in FTTH umwandeln und dafür 250 Millionen Euro ausgeben. Beim Ausbau der Region Stuttgart sei der beabsichtigte kommunale Verzicht zum Auf- und Ausbau eigener Backbone-Netze keine gute Sache.

Der Regionalverband Nordschwarzwald lädt die Deutsche Telekom zu Investitionen in der schlecht ausgebauten Region ein und kritisiert zugleich den Netzbetreiber massiv. Vielerorts sei die Breitbandversorgung in der Region noch unzulänglich. "Womit wir es zu tun haben, ist ein Marktversagen, das der Gesetzgeber bei der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes nicht voraussehen konnte oder wollte", sagte Regionalverbandschef Jürgen Kurz am 9. August 2018.

Eine Summe von 250 Millionen Euro sei im Vergleich zu dem Telekom-Ausbauprojekt Raum Stuttgart im Nordschwarzwald nötig, um dieselbe Investitionsbereitschaft zu zeigen. "Wir laden die Telekom herzlich dazu ein, sich bei der Aufrüstung ihrer vectoring-basierten Breitbandanschlüsse auf glasfaserbasierte Hausanschlüsse in diesem Umfang einzubringen. Das würde auch die regionsweiten Anstrengungen der Kreise zur Schließung von 'weißen Flecken' nicht torpedieren, sondern sinnvoll ergänzen", erklärte Matthias Proske, Verbandsdirektor des Regionalverbands.

Telekom: Vectoring-Versprechen falsch verstanden

Die Telekom sei zudem ihrer vertraglichen Verpflichtung zur Herstellung eines bis Ende 2018 bundesweit flächendeckenden Ausbaus auf Basis der Vectoring-Technologie noch nicht umfassend nachgekommen, betonte Proske. Telekom-Sprecher Hubertus Kischkewitz sagte Golem.de auf Anfrage: "Es gibt keine vertragliche Verpflichtung der Telekom, bundesweit flächendeckend für Vectoring zu sorgen. Wir haben gesagt, rund 80 Prozent der Haushalte mit Bandbreiten von 50 MBit/s zu versorgen und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen der Breitbandziele der Bundesregierung."

Hintergrund der Debatte ist die Zusage der Telekom, die Region Stuttgart mit FTTH (Fiber To The Home) zu versorgen. Dazu würden bis zu 1,1 Milliarden Euro im Festnetzbereich in der Landeshauptstadt Stuttgart und den fünf umliegenden Landkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr für alle 179 Städte und Kommunen investiert. Die Region stellt für den Ausbau 500 Millionen Euro zur Verfügung, was auch Sachleistungen wie bereits verlegte Glasfaserkabel oder Leerrohre sein können. 90 Prozent der insgesamt 1,38 Millionen Haushalte sollen schließlich bis 2030 Gigabit-Anschlüsse erhalten.

Doch der Pakt sei nicht nützlich. "Nach unserer Prüfung und nach Gesprächen mit den Landräten aus Calw und Freudenstadt sowie des Enzkreises und dem Oberbürgermeister der Stadt Pforzheim kommen wir zu dem Schluss, dass eine ähnliche Vereinbarung uns nicht weiterhilft", sagte Kurz. Dabei kritisierte er insbesondere den beabsichtigten kommunalen Verzicht zum Auf- und Ausbau eigener Backbone-Netze. "Auch sonst scheint der Deal in Stuttgart für die dortigen Kommunen nicht unbedingt ein besonders guter zu sein.". Es werde sich zeigen, ob 1,6 Milliarden Euro in der Region Stuttgart für den Vollausbau überhaupt ausreichten. Schätzungen zufolge sei eher die dreifache Summe erforderlich.

Telekom-Sprecher Kischkewitz betont dagegen, dass der dargestellte finanzielle Rahmen des Gesamtprojekts auf "unseren Kenntnissen der Gegebenheiten" basiere. Die Quellen für die höhere Schätzung seien unklar.  (asa)


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