Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/finanzdaten-facebook-will-bankdienstleistungen-ueber-messenger-anbieten-1808-135876.html    Veröffentlicht: 07.08.2018 11:50    Kurz-URL: https://glm.io/135876

Finanzdaten

Facebook will Bankdienstleistungen über Messenger anbieten

Facebook verhandelt mit Großbanken über eine Kooperation, um Nutzern zum Beispiel das Abfragen des Kontostandes über Messenger zu ermöglichen. Persönliche Finanzdaten sollen dabei nicht für Werbezwecke genutzt werden. Ein zweites Whatsapp?

Facebook will Banken Dienstleistungen zur Kundenbetreuung anbieten, wie ein Firmensprecher bestätigte. Das Unternehmen wolle dabei mit Banken und Kreditkartenunternehmen zusammenarbeiten, um Dienstleistungen wie Kundenchat oder Kontoführung über den hauseigenen Messenger anzubieten.

Das Wallstreet Journal (WSJ) hatte berichtet, Facebook sei an große US-Banken wie JPMorgan Chase, Wells Fargo, Citigroup und US Bancorp herangetreten, damit diese detaillierte Finanzinformationen ihrer Kunden für Bankdienstleistungen auf dem Messenger zur Verfügung stellen. Facebook dementierte den Bericht teilweise: "Die aktuelle Geschichte des Wall Street Journal behauptet fälschlicherweise, dass wir Finanzdienstleister aktiv nach Finanztransaktionsdaten fragen - das ist nicht wahr", erklärte ein Firmensprecher. Wie viele Online-Unternehmen arbeite Facebook mit Banken und Kreditkartenunternehmen zusammen, um Dienstleistungen wie Kundenchat oder Kontoführung anzubieten.

Unklares Dementi

Unklar bleibt dabei, welchen Teil des WSJ-Berichts Facebook genau dementierte. Die Zeitung hatte unter Berufung auf "mit dem Thema vertraute Quellen" lediglich berichtet, Facebook spreche mit den Banken über eine Funktion, mit der Nutzer Dienstleistungen wie Kundenchat oder Kontoführung über den Facebook Messenger nutzen könnten, was auch Facebook bestätigt. Es sei einfacher, mit einer Bank über Facebook zu kommunizieren, statt am Telefon auf Informationen zu warten, erklärte das Unternehmen.

Das Wall Street Journal meldete zudem, die Finanzwirtschaft habe Bedenken wegen der Datensicherheit geäußert. Eine große US-Bank habe sich aus Sorge um den Schutz der Privatsphäre ihrer Kunden aus den Gesprächen zurückgezogen. Gegen Facebook laufen nach dem Cambridge-Analytica-Skandal Ermittlungen, was die Gespräche erschwere und bereits eine Bank habe abwinken lassen.

Halbwertszeit eines Datenschutzversprechens

Facebook versucht, solche Bedenken zu zerstreuen: "Wir benutzen die Bankdaten für nichts anderes - weder für Werbezwecke noch sonst irgendetwas", sagte ein Firmensprecher. Die Anwender könnten selbst entscheiden, ob sie diese Dienste nutzen wollten. Ein ähnliches Versprechen, persönliche Daten nicht anderweitig zu verwenden, hatte Facebook bereits im Rahmen des Kaufs von Whatsapp gemacht und später gebrochen.

Die Investoren reagierten jedenfalls positiv auf die Aussichten auf ein zusätzliches Dienstleistungsgeschäft. Der Aktienkurs von Facebook stieg am Montagabend an der New Yorker Börse Nasdaq um 4,45 Prozent, nachdem das Papier Ende Juli nach der Vorlage der jüngsten Quartalsergebnisse noch um rund 20 Prozent abgestürzt war.

Kontozugriff nicht neu

Tatsächlich wäre Facebook nicht der erste Drittanbieter, der Zugriff auf persönliche Finanzinformationen der Bankkunden erhält. Seit Jahren bieten Apps für die Account-Aggregation Nutzern mit mehreren Bankkonten einen Überblick über ihre Finanzen. Um die Daten zu aggregieren, loggen sie sich im Namen des Nutzers in dessen Onlinebanking ein und laden die entsprechenden Daten mit Hilfe einer bankeigenen API oder per Screenscraping herunter.

In Europa sind solche Dienste und die Frage, was sie mit persönlichen Finanzdaten tun dürfen, durch die zweite EU-Zahlungsdiensterichtlinie sogar eigens reguliert. Die Frage wird wohl sein, ob Banken und Nutzer Facebook zutrauen, sich an solche Regeln zu halten.  (jaw)


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