Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/pubg-global-invitational-fuenf-tage-chicken-dinner-bratpfannen-und-nebengeschaefte-1807-135748.html    Veröffentlicht: 31.07.2018 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/135748

Pubg Global Invitational

Fünf Tage Chicken Dinner, Bratpfannen und Nebengeschäfte

In Berlin hat das bislang wichtigste Pubg-Turnier stattgefunden. Große Gewinner: Teams aus Asien - selbst in Modi, in denen es nicht zu erwarten war. Die Stimmung unter den Fans aus aller Welt war gut, auch die leeren Stuhlreihen in der Halle hätten wohl besetzt werden können.

"O-M-G, O-M-G!": Im großen Finale kochen die Emotionen noch einmal so richtig hoch. Ein paar Tausend Fans in der Berliner Mercedes-Benz-Halle feuern das aus China stammende Team OMG (Oh My God) lautstark an - und unhörbar mit ihnen bis zu 39 Millionen Zuschauer, die sich die Partien des Pubg Global Invitational 2018 per Stream über Twitch und andere Kanäle anschauen. Im letzten Spiel wird es noch mal spannend: Das aus Europa stammende Team Liquid kämpft sich mit einer bravourösen Aufholjagd immerhin noch auf den zweiten Platz.

Die digitalen Krieger von OMG haben allerdings bereits am Tag zuvor einen zu großen Vorsprung herausgearbeitet. Dadurch reicht es trotz einiger Niederlagen am Ende tatsächlich für den Sieg in der Königsdisziplin, nämlich im zweitägigen Modus in der First-Person-Perspektive.

Bereits am Mittwoch und Donnerstag hat sich Gen G. Gold aus Südkorea im Third-Person-Modus gegen die 19 anderen Teams aus aller Welt durchgesetzt. Für die Gewinner gibt es jeweils 400.000 US-Dollar, insgesamt liegt das Preisgeld bei 2 Millionen US-Dollar. Der einzige deutsche Teilnehmer Christian "W1ckk" Lasarov kommt mit seinem Team Honey Badger Nation auf den 13. Platz.

Die Überlegenheit der chinesischen und koreanischen Teams bei dieser Quasi-Weltmeisterschaft hat in dieser Deutlichkeit viele Beobachter überrascht - zumal auch beim Charity-Tagesturnier (Freitag) weitgehend die Profis aus Asien das Feld dominierten. Sie traten zusammen mit Streamern und anderen Promis an, darunter Szenestars wie Ninja und der aus Deutschland stammende LeFloid. Das Preisgeld der Schaukämpfe kommt wohltätigen Zwecken zugute.

"Die asiatischen Teams spielen wesentlich aggressiver": So erklärt Pubg-Chefentwickler Brendan Greene im Gespräch mit Golem.de die Dominanz der Spieler aus China und Südkorea im Vergleich mit den westlichen Profis. Dazu kommt wohl noch eine bessere Infrastruktur mit Betreuern und Trainern. OMG etwa verdient schon seit Jahren Millionen über Titel wie League of Legends.

Die finanziell meist nicht ganz so stark aufgestellten westlichen Teams können da kaum mithalten. "Unsere Unfähigkeit, uns an die Geschwindigkeit, das Können und den Umgang mit 20 Teams anzupassen, ist einfach enttäuschend", kommentiert Frank Sangy auf Twitter. Sangy ist Gründer und Eigner des angesehenen australischen Teams Chiefs Esports Club, das beim Pubg Global Invitational praktisch keine Chance hat und auf einem der hinteren Plätze landet.

Für Stimmung beim Turnier in Berlin sorgen vor allem die vielen angereisten Fans aus China, die ihre Mannschaften mit dem Schwenken von Fahnen und Bannern anfeuern. Darunter auch solche mit der Aufschrift "Winner Winner, China Dinner" - eine Abwandlung des Pubg-Slogans "Winner Winner, Chicken Dinner".

Winner Winner, China Dinner

Die Veranstaltung in der mittelgroßen Halle ist an fast allen Tagen ausverkauft. Trotzdem sind fast während des gesamten Turniers auffallend viele Sitzreihen leer. An der Nachfrage liegt das wohl nicht: Golem.de ist (zufällig) selbst Zeuge geworden, wie vor allem am Wochenende immer wieder mit Flaggen, Kameras und Pubg-Shirts ausstaffierte Spielefans an der Tageskasse erfolglos nach Karten fragen.

Die haben sich zuvor allerdings Geschäftemacher besorgt, die mit den Tickets einen lukrativen Nebenverdient eingefahren haben dürften: Einer der aufgedruckten Codes etwa schaltet ein Extra im Spiel frei, das sonst nicht erhältlich ist. Im Netz werden dafür zum Teil mehrere Hundert Euro gezahlt - ein satter Aufschlag für die knapp 30 Euro, die ohne Rabatte für eine Standardkarte fällig sind.

Der Stimmung in der Halle hat das einen mal mehr, mal weniger spürbaren Dämpfer verpasst. Möglicherweise hat Veranstalter Pubg Corp mit seiner Muttergesellschaft Bluehole aber einfach nur sicherstellen wollen, dass alle Tickets einen Abnehmer finden. Viel wichtiger für die Vermarktung dürften die offiziell über Twitch ausgestrahlten Partien gewesen sein sowie die Beiträge durch die Sponsoren.

Die Zuschauer, die tatsächlich vor Ort sind, stehen teils etwas verloren in den weiten Gängen und Hallen der Arena. Spaß haben sie trotzdem: Neben den Partien gibt es die bei derlei Veranstaltungen üblichen Merchandisingstände, eine Bühne für Fotos mit der Pubg-typischen Bratpfanne und einer Handvoll weiterer Ausrüstungsgegenstände.

Pubg funktioniert nach dem Eindruck von Golem.de ganz ordentlich als E-Sport-Spiel. Auffällig: Während der ersten etwa 20 Minuten in jeder Partie ist das Publikum sehr ruhig und beobachtet, wie sich das Feld von 80 Spielern (20 Teams mit je vier Athleten) allmählich reduziert. Sobald es aber eine gelungene Aktion gibt, brandet spontan Applaus durch die Halle - offenbar schauen die Leute tatsächlich zu, statt etwa auf ihrem Smartphone zu surfen.

Richtig packend wird es meist erst in den letzten zehn Minuten, wenn es auf dem deutlich geschrumpften virtuellen Spielfeld immer öfter zu direkten Konfrontationen kommt. Laut Brendan Greene gibt es in der Pubg-Version des Turniers kleinere Anpassungen, insbesondere verursacht die blaue Zone mehr Schaden als sonst - so wird das Spiel für die Zuschauer schneller und attraktiver. Möglicherweise wäre es sinnvoll, noch ein paar weitere Änderungen für Turniere einzubauen, etwa eine stärker beschleunigte Ausdehnung der Zone.

Wie auch immer: Bei den Zuschauern kommt das Spektakel gut an - nicht nur bei den Chinesen, die ihre Stars nach dem Finale am Sonntag feiern und bis zum Mannschaftsbus vor der Arena verfolgen. Sondern auch bei den deutschen Fans. "Vor allem die ersten Partien im First-Person-Modus waren richtig gut, da habe ich mir auch ein paar neue Tricks abgeschaut", erzählt uns einer der Zuschauer.

Die meisten Besucher sind entspannt mit Freund, Freundin oder in kleinen Gruppen vor Ort, alle bringen es auf Nachfrage auf mehrere Hundert Spielstunden in Pubg (und ausnahmslos alle wissen übrigens auswendig, wie viel sie schon gespielt haben). Wer weiß - vielleicht war unter den Zuschauern ja der Pubg-Meister von übermorgen, der sich irgendwo auf der Welt über ein "Chicken Dinner" freuen kann.  (ps)


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