Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/warenagent-europaweiter-grosseinsatz-gegen-online-betruegerbanden-1807-135602.html    Veröffentlicht: 20.07.2018 15:16    Kurz-URL: https://glm.io/135602

Warenagent

Europaweiter Großeinsatz gegen Online-Betrügerbanden

Ein Nebenverdienst von bis zu 1.500 Euro als Warenagent lockt viele Geringverdiener. Doch sie erhalten Pakete mit Elektronik, die mit gestohlenen Kreditkartendaten gekauft wurde und weitergeleitet werden soll.

Bei dem Actionday Atlantis wurden 31 Wohnungen und Geschäftsräume in Deutschland, Litauen, Estland, der Schweiz, Zypern, Großbritannien und Nordirland, der Ukraine, Finnland und Lettland durchsucht, um Online-Warenbetrüger festzunehmen. Das gab die Staatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen am 20. Juli 2018 bekannt. Den derzeit 15 Beschuldigten wird vorgeworfen, durch Onlinebestellungen mit gestohlenen Kreditkartendaten Waren im Wert von über 18 Millionen Euro erlangt zu haben.

Laut Angaben des LKA gehen in Deutschland oft Geringverdiener und Studenten auf die Angebote ein, bei denen ein Nebenverdienst von bis zu 1.500 Euro versprochen wird. An ihre Adresse gehen Online-Bestellungen, die zuvor mit gestohlenen Kreditkartendaten bei Händlern bestellt wurden. Der Warenagent müsse die Artikel umpacken und an eine Adresse im Ausland, häufig nach Osteuropa, weiterschicken, wo die hochwertige Elektronik über Internetplattformen oder Händler verkauft werde. Der Warenagent mache sich dabei strafbar.

Bei den Aktionen erfolgten vier Verhaftungen in der Nähe von Würzburg, in der Schweiz sowie in Litauen. Der mutmaßliche Organisator des Netzwerks wurde in Zypern verhaftet und soll ausgeliefert werden.

Die Abwicklung von Zahlungen erfolgte mit Kryptowährungen. Bei dem Einsatz seien viele Datenträger und Wertgegenstände sichergestellt worden. In Finnland gelang es, einen Paketempfänger und -versender "auf frischer Tat" festzunehmen. Die Ermittlungen ergaben, dass seit dem Jahr 2012 über 35.000-mal hochwertige Waren über ein Netz von Warenagenten bestellt wurden.

Seit September 2015 ermittelt die Abteilung für Organisierte Kriminalität zusammen mit dem LKA Sachsen in dem Verfahren. Die Republik Litauen und sieben andere europäische Staaten waren eingebunden.  (asa)


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