Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/octopath-traveler-im-test-nostalgisch-auf-der-switch-leveln-1807-135591.html    Veröffentlicht: 20.07.2018 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/135591

Octopath Traveler im Test

Nostalgisch auf der Switch leveln

Schöne Klänge, ein klassischer Look und acht unterschiedliche Helden. Square Enix setzt mit Octopath Traveler für die Nintendo Switch auf viel Nostalgie.

Final Fantasy, Dragon Quest, Xenogears - wer Genremeilensteine wie diese in bester Erinnerung hat, dürfte beim Anblick von Octopath Traveler entzückt sein. Das neue japanische Rollenspiel von Square Enix für die Nintendo Switch ist darauf fokussiert, die guten alten Zeiten heraufzubeschwören. Die Entwickler haben zu diesem Zweck einen Hybrid-Look erdacht. Der punktet mit viel 16-Bit-Pixel-Charme, wird aber gleichzeitig durch moderne Effekte wie Motion Blur, Tiefenschärfe, Partikelreigen und Echtzeitbelichtung in der Unreal Engine 4 vollendet.

Das Ergebnis wirkt teils wunderschön, verträumt und angenehm neuartig, andererseits aber auch niedrig aufgelöst mit Texturen, die an Tapeten vom Nintendo 64 erinnern. Octopath Traveler läuft maximal in einer Auflösung von 1.280 x 720 Bildpunkten bei meist stabilen 30 Bildern pro Sekunde.

Der gute alte JRPG-Alltag

In der Welt von Octopath Traveler gibt es viele kleine Handlungsstränge und acht große. Jeder der acht Haupthelden ist nämlich ein gleichwertiger Charakter. Zwar wählt der Spieler zu Beginn seinen persönlichen Anführer, allerdings bedeutet das nur, dass er mit ihm startet und darauf die weiteren sieben anderen nacheinander kennenlernt und mit ihnen gemeinsam die Welt erkundet. Die Helden entsprechen dabei den bekannten Stereotypen Magier, Diebin, Waldläuferin, Kämpfer und so weiter. Ihre Handlungsstränge versprühen aber trotz ihrer Vorhersehbarkeit einigen Charme, was nicht zuletzt an den locker verfassten Dialogen liegt.

Auf den linearen, aber abzweigungsfreudigen Wegen zwischen den großen Städten und kleinen Dörfern, düsteren Höhlen oder hohen Bergketten gibt es versteckte Schatzkisten zu entdecken und jede Menge Zufallskämpfe. Freiheit beim Erkunden wie beispielsweise in Dragon Quest 8 sollten Spieler nicht erwarten, eher ein lineares Abklappern von interessanten Örtlichkeiten. Immerhin lässt sich die Abfolge der vielen Aufgaben im Land selbst festlegen, einzig der eigene Charakterlevel sollte stimmen.

In den 20 Stunden während unseres Tests haben wir noch keine größere Verwebung der acht primären Handlungen entdeckt, sind aber noch gespannt, was am Ende des äußerst langen Abenteuers passieren wird. Es scheint so, als wäre jede einzelne Handlung eher in sich abgeschlossen. Für Hardcore-Rollenspieler wartet Octopath Traveler mit einigen Endgame-Bossen, sekundären Jobklassen und mächtigem Loot auf. Auch hier setzt Square Enix auf das altbewährte Konzept wie beispielsweise aus Final Fantasy 7.

Genügend Tiefgang für taktische Kämpfe, Verfügbarkeit und Fazit

Square Enix sollte mit ihrer Erfahrung ja wissen, wie gute Kämpfe in einem rundenbasierten Rollenspiel funktionieren. Uns haben die taktischen Manöver in Octopath Traveler überzeugt. Man kommt schnell in die Kämpfe rein, die Melodien erzeugen Spannung, die Sieg-Fanfare motiviert und es gibt keine störenden Ladezeiten. Dadurch geraten wir selbst beim recht stumpfen Aufleveln für das nächste Areal in einen guten Flow. Hier bewährt sich die jahrzentelange Erfahrung vom Publisher.

So ähnlich wie in der Bravely-Serie vom Nintendo 3DS ist es in den Kämpfen von höchster Bedeutung, den Gegner erst im richtigen Moment mit allen verfügbaren Mitteln anzugreifen. Jeder Gegner besitzt einen natürlichen Schutzschild, der vorher mit den passenden Waffengattungen gebrochen werden muss. Darauf lassen sich zuvor angesparte Aktionspunkte für besonders effiziente Schadensverteilung ausgeben.

Bei den Elementen und Waffengattungen, Fertigkeiten und Rüstungen fahren die Entwickler das pure Standardprogramm auf. Es gibt Feuer, Eis, Donner und Gift - Bogen, Stabwaffen, Schwert und Axt. Das ist nicht sehr originell. Dass die Kämpfe trotzdem Spaß machen, liegt an den wichtigen Spezialmanövern jedes Charakters. So kann die Waldläuferin H'aanit zum Beispiel Standardgegner wie Pokemon einfangen und darauf im Kampf beschwören. Die Klerikerin Ophilia überzeugt einfache Dorfbewohner oder Händler, die sie ebenfalls zu Hilfe rufen kann.

Octopath Traveler ist seit dem 13. Juli 2018 für die Nintendo Switch erhältlich und ab zwölf Jahren von der USK freigegeben. Der Titel kostet 50 Euro. Die Sprachausgabe des Titels ist wahlweise auf Japanisch (empfehlen wir) oder Englisch. Einige ausgewählte Sequenzen sind komplett vertont, ansonsten gibt es nur kurze Sprachfetzen. Die geschriebenen Texte orientieren sich an der Systemsprache der Nintendo Switch. Im E-Shop findet sich eine kostenlose Demofassung, die den Beginn des Spiels umfasst. Der Spielstand der Demo lässt sich in die Vollversion übernehmen.

Fazit

In vielen Bereichen fühlt sich Octopath Traveler an wie die Vorgängerstücke der beiden Haupt-Produzenten: Bravely Default und Bravely Second - nur ein gutes Stück besser. Die Kämpfe sind sehr traditionell und durchaus fordernd, beim Tiefgang können wir ebenfalls nicht meckern. In puncto Handlung nehmen sich die Titel nicht viel. Auch das neue Werk ist für erfahrene Spieler vorhersehbar und dürfte nur Neueinsteiger mit den Wendungen überraschen.

Echte Highlights sind der meist sehr stimmungsvolle und neuartige Hybrid-Look, den wir gerne öfter sehen würden und die absolut traumhaften schönen Melodien im Soundtrack.  (mw)


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