Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/weltraumteleskop-chandra-forscher-entdeckten-planeten-verschlingenden-stern-1807-135571.html    Veröffentlicht: 19.07.2018 13:53    Kurz-URL: https://glm.io/135571

Weltraumteleskop Chandra

Forscher entdecken Planeten verschlingenden Stern

Zum Glück ist er weit weg: Der Jungstern RW Aur A hat mutmaßlich einen oder mehreren Protoplaneten verschlungen. Bestätigt sich das, wäre es das erste Mal, dass Wissenschaftler beobachten, wie ein Planet in einen jungen Stern stürzt. Die Daten wurden mit dem Weltraumteleskop Chandra gesammelt.

Drama in den Tiefen der Galaxis? Astronomen beobachten seit über 80 Jahren den Stern RW Aur A und sein schwankendes Licht. Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben eine mögliche Erklärung für die Verdunkelung seines Lichts: Sie vermuten, dass RW Aur A einen Planeten verschlungen hat.

RW Aur A ist nur wenige Millionen Jahre alt und befindet sich in der Taurus-Auriga-Konstellation, einer 450 Lichtjahre entfernten Region, in der Sterne entstehen. Er gehört zu einem Doppelsystem mit dem Stern RW Aur B, den RW Aur A umkreist. Beide Sterne haben etwa die Masse der Sonne. Seit 1937 beobachten Forscher den Stern und haben festgestellt, dass die Helligkeit seines Lichts schwankt.

Schon im Jahr nach der Entdeckung verdunkelte sich der Stern für etwa einen Monat. Das wiederholte sich im Laufe der Jahrzehnte. Doch in der letzten Zeit verlängerten sich die Phasen, in denen das Licht von RW Aur A sich abschwächte: 2011 dauerte sie gut ein halbes Jahr. Mitte 2014 wurde das Sternenlicht erneut dunkel und das blieb so bis November 2016.

Um mehr darüber zu erfahren, richteten der MIT-Forscher Hans Moritz Günther und sein Team das Röntgen-Weltraumteleskop Chandra auf den Stern, als er sich im Januar 2017 erneut verdunkelte. Fast 14 Stunden Röntgendaten zeichnete das Teleskop von RW Aur A auf.

Bei der Auswertung der Daten stellten die Wissenschaftler fest, dass der Stern von einer dichten Scheibe aus Gas und Staub umgeben ist. Auch ist er viel heißer als erwartet. Außerdem enthält die Scheibe einen hohen Anteil an Eisen.

Der Eisenanteil überraschte die Forscher am meisten. Der sei etwa um den Faktor 10 höher als üblich, sagt Günther. Das sei sehr ungewöhnlich, "denn normalerweise haben aktive und heiße Sterne weniger Eisen als andere, während dieser mehr hat." Die Frage sei: "Wo kommt all das Eisen her?"

Dafür gibt es zwei mögliche Erklärungen. Die eine ist, dass Eisenpartikel in einer stellaren Scheibe eingeschlossen werden können. Wenn sich die Struktur der Scheibe plötzlich ändert, etwa wenn der zweite Stern vorbeizieht, können die Eisenpartikel freigesetzt werden. Die zweite Theorie besagt, dass das Eisen von zwei Planetesimalen in der Umlaufbahn des Sterns stammt. Sie kollidierten miteinander, und die eisenhaltige Trümmerwolke verdunkelt den Stern zeitweise. Einen Teil der Trümmer könnte die stellare Scheibe aufgenommen haben.

"Es gibt viele Prozesse, die in jungen Sternen ablaufen", sagt Günther. Aber diese beiden könnten die Phänomene ausgelöst haben, die die Forscher beobachtet hätten. Das Team favorisiert in einem Aufsatz in der Fachzeitschrift The Astronomical Journal die zweite Erklärung. Die ist natürlich auch die spektakulärere Variante: "Computersimulationen haben seit Langem vorhergesagt, dass Planeten in einen jungen Stern fallen können, aber das haben wir noch nie beobachtet", sagt der Forscher. "Wenn unsere Interpretation der Daten stimmt, ist das das erste Mal, dass wir einen jungen Stern dabei beobachten, wie er einen oder mehrere Planeten verschlingt."  (wp)


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