Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/usa-erschuetternde-menge-nazipropaganda-im-amazon-marketplace-1807-135532.html    Veröffentlicht: 18.07.2018 14:12    Kurz-URL: https://glm.io/135532

USA

"Erschütternde Menge Nazipropaganda" im Amazon Marketplace

Trotz anderslautender Geschäftsbedingungen bieten Verkäufer auf dem Amazon Marketplace in den USA "eine erschütternde" Menge Neonazi-Produkte an. Der US-Abgeordnete Keith Ellison verlangt Konsequenzen.

In einem Brief fordert der US-Kongressabgeordnete Keith Ellison Amazon-Chef Jeff Bezos auf, Produkte mit rechtsradikalen Inhalten vom Amazon Marketplace zu entfernen, wie das IT-Magazin The Verge berichtet. Obwohl die Geschäftsbedingungen den Verkauf von Produkten verbieten, die "Hass, Gewalt, Rassismus und sexuelle oder religiöse Intoleranz bewerben", wird dem demokratischen Abgeordneten zufolge weiterhin eine "erschütternde Menge" solcher Propaganda in dem in den USA betriebenen Online-Shop angeboten.

Auch möchte Ellison wissen, wie viel Amazon durch den Verkauf solcher Produkte verdient, darunter Bücher, E-Books und Musik. In New York protestierten am Dienstag Amazon-Kunden anlässlich des Prime Day dagegen, dass der Konzern durch den Verkauf rassistischer und antisemitischer Produkte Geld verdient.

Grundlage der Proteste ist eine im Juli 2018 veröffentlichte Studie (PDF), bei der Forscher unter anderem Produkte mit SS-Runen und anderer Nazi-Symbolik im Amazon Marketplace gefunden haben. Ellison zählt neben Büchern auf: "Strampelanzüge, Spielzeuge, Kinder-Halloween-Kostüme, Flaggen, Kleidung und Schmuck mit Nazi-, Neonazi, Nationalisten-, antisemitischen und islamophoben Emblemen und brutalen und rassistischen Motiven".

In der Vergangenheit habe Amazon nicht effektiv reagiert, schreibt Ellison. Ein Amazon-Sprecher sagte dazu, das Unternehmen ergreife "schnelle Maßnahmen", wenn Verkäufer des Amazon Marketplace gegen die Geschäftsbedingungen verstießen. Diese könnten bis zum Entfernen des Verkäuferkontos reichen.

"Odin-statt-Allah"-T-Shirts und Kaiserreichsflaggen

Das ist eine Standardantwort seitens des Unternehmens, die auch schon im Jahr 2013 dem deutschsprachigen Magazin Der Stern auf Nachfrage geschickt wurde. Schon damals berichtete das Magazin von der "braunen Ecke" auf Amazon.de in Deutschland. Das Magazin Bento fand 2017 eine Menge "SS-Outfits und Wehrmachts-Spielzeug" auf dem deutschen Marketplace.

Eine schnelle Suche bestätigt, dass viele dieser Produkte noch verfügbar sind, darunter T-Shirts mit dem Spruch "Hier kommt 1.200 x pro Minute Einigkeit und Recht und Freiheit". Darunter ist das Maschinengewehr MG-3 abgebildet, das dem MG-42 der deutschen Wehrmacht sehr ähnlich sieht. Auch Flaggen in den Farben des Deutschen Kaiserreichs und damit bedruckte Kleidung sind bereits auf der ersten Seite einsehbar.

Der Amazon Marketplace macht mittlerweile einen bedeutenden Teil des Angebots im Onlineshop aus. Laut einem Bericht des Online-Businessportals Entrepreneur tragen Drittanbieter etwa 135 Milliarden US-Dollar zum Umsatz des Unternehmens bei. Das war 2017. Bis 2020 wird angenommen, dass sich dieser Wert auf 259 Milliarden US-Dollar fast verdoppelt. Anscheinend ist es dabei selbst für einen großen Konzern wie Amazon schwierig, immer und überall die Geschäftsbedingungen durchzusetzen - ein Problem, das Googles Videoplattform Youtube beispielsweise mit Machine Learning angehen möchte.  (on)


Verwandte Artikel:
Justizministerin: Vertriebs-Stopp für Mein Kampf   
(22.11.1999, https://glm.io/5252 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/