Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kooperationen-vereinbart-deutschland-setzt-beim-auto-der-zukunft-auf-china-1807-135404.html    Veröffentlicht: 10.07.2018 16:16    Kurz-URL: https://glm.io/135404

Kooperationen vereinbart

Deutschland setzt beim Auto der Zukunft auf China

Die Zukunft des Autos ist autonom und elektrisch. Für Produktion und Entwicklung setzen deutsche Firmen verstärkt auf Kooperationen mit China. Sogar chinesische Batteriezellen sollen hierzulande produziert werden.

Deutschland und China wollen bei Entwicklung und Bau von Autos enger zusammenarbeiten. Das ist das Ergebnis der fünften deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen am Montag und Dienstag in Berlin. Neben staatlichen Vereinbarungen wurden mehrere Kooperationen zwischen Autofirmen bekanntgegeben. Zudem kündigte der chinesische Batteriehersteller Contemporary Amperex Technology Ltd. (CATL) an, in Thüringen sein erstes Werk zur Batteriezellproduktion außerhalb Chinas zu errichten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang ließen sich auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof in Berlin von der Autoindustrie selbstfahrende Autos vorführen. Es wäre schön, wenn Deutschland und China beim autonomen Fahren "ganz vorne" mit dabei wären, sagte Merkel nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa. Es gehe um eine offene, transparente Kooperation.

BMW kehrt wieder zu Baidu zurück

Auf Regierungsebene vereinbarten das Bundeswirtschaftsministerium, das Bundesverkehrsministerium und das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie eine gemeinsame Absichtserklärung. Die Zusammenarbeit beim vernetzten und automatisierten Fahren solle auf den Prinzipien des diskriminierungsfreien Marktzugangs, der Transparenz, der Verlässlichkeit und der Gleichbehandlung beruhen. Beide Seiten wollten fairen Wettbewerb und günstige Marktbedingungen für Unternehmen schaffen, heißt es in dem 22-seitigen Abschlussdokument (PDF).

Gleich mehrere Kooperationen zwischen deutschen und chinesischen Firmen wurden präsentiert. So will BMW seine vor gut zwei Jahren beendete Zusammenarbeit mit dem chinesischen IT-Konzern Baidu wieder reaktivieren. Beide Firmen unterzeichneten laut BMW eine Absichtserklärung, wonach BMW Mitglied im Vorstand von Apollo, Baidus offener Plattform für automatisiertes Fahren, wird. An der im April 2017 vorgestellten Apollo-Plattform ist neben Microsoft auch der deutschen Zulieferer Bosch beteiligt.

Audi kooperiert mit Huawei

Darüber hinaus vereinbarte BMW nach eigenen Angaben mit dem chinesischen Hersteller Great Wall Motor die Produktion von elektrischen Mini-Fahrzeugen in China. Neben elektrischen Minis soll das Joint Venture mit dem Namen Spotlight Automotive Limited auch Elektroautos für Great Wall Motor herstellen. Das Unternehmen soll seinen Sitz in der Provinz Jiangsu haben, wo die beiden Partner gemeinsam eine Produktionsstätte nach modernsten Maßstäben errichten.

Die Ingolstädter Volkswagen-Tochter Audi kooperiert wiederum beim vernetzten Fahren mit dem chinesischen Telekommunikationsausrüster Huawei. "Unser Ziel ist die Verbesserung der Sicherheit und Optimierung des Verkehrsflusses für eine intelligente Stadt. In den Konzepten konzentrieren wir uns dabei zunächst auf den chinesischen Markt", teilte Audi mit. Audi testete bereits im vergangenen Jahr auf der Basis von LTE-V im chinesischen Wuxi die Kommunikation mit der Infrastruktur wie Ampeln.

BMW steckt hinter Zellproduktion

Auf der Liste mit 22 vereinbarten Hochschul- und Wirtschaftsabkommen (PDF) gehört zudem eine "strategische Kooperationsvereinbarung" zwischen BMW und der chinesischen Brilliance Group im Bereich Elektromobilität. Nach Angaben Merkels ist es künftig für deutsche Firmen in der Automobilkooperation möglich, höhere Anteile als 50 Prozent an Joint Ventures zu erlangen.

BMW steckt teilweise auch hinter der Ankündigung von CATL, eine Batteriezellproduktion in der Nähe der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt zu bauen. Medienberichten zufolge hat BMW für die Summe von vier Milliarden Euro Batterien bei CATL bestellt. Davon entfielen 1,5 Milliarden Euro auf den Produktionsstandort in Deutschland. Die in Erfurt produzierten Zellen sollen im bayerischen BMW-Standort Dingolfing zu Batterien für den neuen iNext zusammengebaut werden. Laut Einkaufschef Markus Duesmann beteiligt sich BMW auch an den Kosten der Erfurter Fabrik. Er forderte die Konkurrenz von Daimler auf, dort ebenfalls Zellen einzukaufen, um die Kosten zu senken.

Investitionen von 240 Millionen Euro

Nach Angaben der thüringischen Landesregierung soll die Fabrik eine Kapazität von 14 Gigawattstunden im Jahr erhalten. Das ist deutlich weniger als Teslas Gigafabrik im US-Bundesstaat Nevada, die im Jahr 2018 bereits eine Kapazität von 35 Gigawattstunden erreichen sollte. In Erfurt liege der Schwerpunkt "auf der automatisierten Produktion und intelligenten Herstellung von Batterien". CATL will demnach bis zum Jahr 2022 rund 240 Millionen Euro investieren und 600 neue Arbeitsplätze schaffen. Das Werk sei auf einem 70 Hektar großen Areal im Industriegebiet Erfurter Kreuz geplant.

Das Werk in Thüringen ist demnach als eigenständige Firma mit Produktion, Forschung und Entwicklung sowie Logistik geplant. "Der Bau eines Werks zur Herstellung von intelligenten Batterien in Deutschland ist der erste Schritt unseres Investitionsplans für Europa. Er dient der Zusammenarbeit zwischen europäischen Autoherstellern und CATL", sagte Firmenchef Robin Zeng.

Merkel forderte Zellproduktion

Bundeskanzlerin Merkel bezeichnete die Investition als "neuen Schritt" und eine "gute Nachricht für das Bundesland Thüringen". Merkel hatte im vergangenen Jahr bedauert, dass es in Deutschland keine Batteriezellproduktion gebe. Bosch hatte im März dieses Jahres bekanntgegeben, nicht in die Zellproduktion einzusteigen.  (fg)


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