Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/indiegames-rundschau-schiffbruch-anime-und-viel-brummbrumm-1807-135324.html    Veröffentlicht: 11.07.2018 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/135324

Indiegames-Rundschau

Schiffbruch, Anime und viel Brummbrumm

Gas geben, den weißen Hai besiegen und endlich die eine verlorene Socke wiederfinden: Die sommerlichen Indiegames bieten für jeden etwas - besonders fürs Spielen zu zweit.

Sommer ist bei großen Spielen immer ein bisschen Saure-Gurken-Zeit - nach dem Effektfeuerwerk der E3 und vor dem Einsetzen des jährlichen Vorweihnachtshypes machen die großen Spiele Sommerpause. Nicht so die unabhängigen Entwicklerstudios: Die nutzen die Pause der großen Konkurrenz zunehmend für eigene Veröffentlichungen. Gespielt wird schließlich immer - auch im Sommer.

Hier deshalb die spannendsten Indiegames der vergangenen Wochen. Schönen Spielesommer!



Raft - Mein schwimmendes Zuhause

Survival-Sandkisten gibt es einige, solche mit einer neuen Idee allerdings eher weniger. Raft hat eine und macht sie gleich zum Dreh- und Angelpunkt: Statt seine Spielerinnen und Spieler überall in einer offenen Welt auf Ressourcensuche für den Basisbau zu schicken, sitzen diese stationär auf einem im endlosen Ozean treibenden Stückchen Holz fest und müssen sich aus vorbeischipperndem Treibgut ein seetaugliches Floß zusammenbasteln.

Was spielerisch beschränkt klingt, dampft im Gegenteil ein Spielkonzept aufs Wesentliche ein: Das einsame oder kooperative Sammeln, Craften und Ausbauen des schwimmenden Domizils ist ebenso entspannend wie überraschend motivierend. Bedroht wird der Frieden nur durch Hunger, Durst, diebische Seevögel sowie vor allem durch mörderische Haie. Raft ist vor einigen Wochen im Early Access erschienen, der immer noch verfügbare Prototyp des Spiels bietet einen kostenlosen Einblick ins Spielprinzip.

Erhältlich für Windows, um 20 Euro (Early Access)



Wreckfest - Bleifuß bis zum Schrottplatz

Das finnische Entwicklerstudio Bugbear, bekannt für die Flatout-Reihe, hat sich für sein PS-Spektakel Wreckfest zunächst unabhängig von großen Publishern auf Kickstarter die nötigen Finanzen für sein Traumspiel besorgt. Nach Fertigstellung hilft nun allerdings THQ Nordic beim Vertrieb - das macht das Spiel zu einem der immer häufiger werdenden Hybriden zwischen Indie und AAA. Fans explosiver motorisierter Rennen können solche Feinheiten indes egal sein, denn Wreckfest bemüht sich erfolgreich, alle nur denkbaren Wünsche von Genre-Fans abzudecken.

Spektakuläre Demolition-Rennen mit unterschiedlichen Gefährten, vom Sitzrasenmäher (!) aufwärts, bei denen wunderbar physikalisch simuliert die Fetzen und viel Blech durch die Luft fliegen: Wreckfest ist so etwas wie der grimmig-fröhliche Erbe des Klassikers Destruction Derby, ein dank unzähliger Spielmodi wochenlang motivierender Arcade Racer mit gelungener Physiksimulation und viel Charakter.

Erhältlich für Windows ab 45 Euro; PS4, Xbox One ab November



Forgotton Anne und Pode

Nein, an diesem hinreißend aussehenden Action-Adventure eines dänischen Entwicklers hat Studio Ghibli nicht mitgearbeitet, auch wenn Forgotton Anne sowohl durch die Präsentation als auch durch die anrührend originelle Geschichte an die außergewöhnlichen Zeichentrickfilme des japanischen Kultanimationsstudios erinnert. In Gestalt von Anne sind Spielerinnen und Spieler die Wächter über das seltsame Land der Vergessenen, in dem alle verlorenen oder schlicht vergessenen Gegenstände aus der realen Welt landen und dort zum Leben erwachen - endlich gibt es eine Erklärung für das globale Verschwinden einzelner Socken aus Tausenden Waschmaschinen.

Spielerisch ist Forgotton Anne ein Sidescroller mit mäßig fordernden Puzzles und einem starken Fokus auf der faszinierenden Geschichte; dass an gar nicht so wenigen Stellen der Story stark beeinflussende Entscheidungen zu fällen sind, macht auch nach dem Spielende nach etwa acht Stunden eine Rückkehr interessant. Forgotton Anne ist ein hinreißend präsentiertes Action-Adventure mit einer Extraportion Charme und Herz - nicht nur für Anime-Freunde.

Erhältlich für Windows, Mac, PS4 und Xbox One, um 20 Euro



Pode - Gemeinsam rätseln als Stein und Stern

Nintendos Switch entwickelt sich dank zahlreicher Re-Releases zum Handheld der Wahl für Indie-Freunde, hin und wieder erscheinen aber auch exklusive Neuerscheinungen unabhängiger Studios zuerst hier. Pode, vom norwegischen Studio Henchman & Goon, passt perfekt auf Nintendos Konsole: Die anrührende Geschichte um die unwahrscheinliche Freundschaft zwischen einem Stern und einem Felsen erfreut Spielerinnen und Spieler jeden Alters und eignet sich für entspannte Puzzle-Abende zu zweit ebenso wie für Einzelspieler.

Um die von norwegischen Mythen inspirierte, im hübschen Cartoon-Look dargestellte geheimnisvolle Ruinenwelt zu durchqueren, ist cleveres Teamwork gefragt. Dank unterschiedlicher Fähigkeiten des ungleichen Paares braucht es ein gutes Maß an Koordination, um schlussendlich den höchsten Gipfel dieser Welt zu erklimmen. Pode erzählt mit atmosphärischer Präsentation und außergewöhnlichem Soundtrack des von Journey oder The Banner Saga bekannten Komponisten Austin Wintory eine wunderschöne Geschichte über Freundschaft, die sich natürlich am besten zu zweit erleben lässt.

Erhältlich für Nintendo Switch, um 25 Euro

Unravel Two, Shape of the World und mehr



Das ist mal eine Abwechslung zum ansonsten in der Spielebranche üblichen langsamen Aufbau von Pressehype bis zum Release: Mitten auf der diesjährigen Spielemesse E3 wurde der Nachfolger des erfolgreichen Wollmännchen-Abenteuers Unravel nicht etwa nur angekündigt, sondern sogleich veröffentlicht. Auch die Spielereihe des schwedischen Studios Coldwood ist ein Indie-Spezialfall: Unabhängig von der Einflussnahme großer Publisher entwickelt, wird sie doch vom Branchenriesen EA im Rahmen seiner Indie-Schiene EA Originals veröffentlicht.

Auch Unravel Two bietet - wie das oben genannte Pode - jedoch im Unterschied zum Vorgänger ein Koop-Abenteuer für zwei Spieler; allein kommt man zwar auch voran, doch im Team macht der hübsche Puzzle-Plattformer gleich bedeutend mehr Spaß. Freunde des Vorgängers finden alles, was sie am ersten Teil geliebt haben - und nicht sehr viel bahnbrechend Neues. Das macht dank der gleichgebliebenen Qualität zum Glück nicht allzu viel aus.

Erhältlich für WIndows, PS4 und Xbox One, um 20 Euro

Und sonst?

Freunde atmosphärischer Walking-Simulatoren erwartet mit Shape of the World (Windows, PS4, Xbox One, Switch, um 10 Euro) ein besonders beeindruckender Spaziergang durch eine abstrakt-minimalistische Welt, die sich Schritt für Schritt entfaltet; ein psychedelisches Erlebnis, das den Fokus ganz aufs wortlose Erforschen einer künstlerisch spannenden Umgebung legt.



Weitaus handfester geht es in einem Spiel zur Sache, das in Kürze eine lange Early-Access-Phase hinter sich lässt: Dig or Die (Windows, 12 Euro) ist sichtlich inspiriert von 2D-Survival-Sandbox-Strategiespielen wie Terraria oder Starbound, bietet aber dank stärkerem Fokus auf Action sowie den Bau von Verteidigungsanlagen eine eigenständige Spielerfahrung, die bei der organisch gewachsenen Community für Begeisterung sorgt.

Ein Hinweis auf einen kürzlich erweiterten Klassiker zum Schluss: Das erfolgreiche Rollenspiel Darkest Dungeon hat mit dem DLC The Color of Madness ein weiteres Mal umfangreichen Nachschub erhalten - vermutlich ist ein bisschen Gänsehaut in finsteren Verliesen auch das beste Mittel gegen sommerliche Überhitzung.

 (rs)


Verwandte Artikel:
Indiegames-Rundschau: Schwerelose Action statt höllischer Qualen   
(08.06.2018, https://glm.io/134752 )
Indiegames-Rundschau: Kampfkrieger und Abenteuer in 1001 Nacht   
(16.05.2018, https://glm.io/134391 )
Indiegames-Rundschau: Mutige Mäuse und tapfere Trabbis   
(19.04.2018, https://glm.io/133903 )
Bestseller des Halbjahres: Spiele mit Tradition verkaufen sich bei Steam am besten   
(09.07.2018, https://glm.io/135377 )
Cloud-Gaming auf dem Fire TV Stick: 60 Frames für 40 Euro   
(25.06.2018, https://glm.io/135009 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/