Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/the-crew-2-im-test-nordamerika-als-spielplatz-fuer-raser-1806-135229.html    Veröffentlicht: 29.06.2018 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/135229

The Crew 2 im Test

Nordamerika als Spielplatz für Raser

Hochgeschwindigkeits-Verkehrsverbund USA: In The Crew 2 rasen wir mit dem Auto durch die Innenstadt, wechseln dann zum Flugzeug und brettern anschließend noch mit dem Boot entlang der West- oder Ostküste.

Die Entfernung von Miami nach Nashville beträgt ungefähr 1.500 Kilometer - in der echten Welt. Mit dem Auto benötigen wir in The Crew 2 immerhin um die 20 Minuten, aber es geht noch schneller: In dem Rennspiel von Ubisoft können wir mitten während der Fahrt unser Fortbewegungsmittel wechseln und ins Flugzeug umsteigen - dann sind wir schon in 10 bis 15 Minuten in der Hauptstadt von Tennessee. Besonders abenteuerlustige Gesellen können allerdings jenseits von Straßen und Luftlinien auch nach Flüssen suchen, um ebenfalls innerhalb einer Sekunde ins Schnellboot umzusteigen und wenigstens ein paar Meter auf dem Wasser zurückzulegen.

Der sofortige Wechsel des Verkehrsmittels ist die auffälligste Neuerung von The Crew gegenüber dem Ende 2014 veröffentlichten Serienerstling. Das Umsteigen ist natürlich nur dort möglich, wo es Sinn ergibt: Wir können also nicht mitten in einem Autorennen zum Flugzeug wechseln oder mitten in der Wüste das Boot auswählen.

Ein anderes wesentliches Element hat sich in The Crew 2 nicht geändert: Wir sind erneut in den USA unterwegs und dürfen Städte wie Los Angeles, Miami, New York und Las Vegas ansteuern. Nun können wir diese Metropolen übrigens von Anfang an auch per Blitzreise sofort erreichen - wer mag, kann aber auch ganz gemächlich querbeet durchs Land fahren oder darüber hinwegfliegen und die sich immer wieder ändernde Landschaft bewundern.

The Crew 2 ist zwar in einer Onlinewelt angesiedelt - ohne dauerhafte Verbindung zu den Servern können wir das Spiel nicht starten. Besonders aufdringlich sind die Onlineelemente aber nicht, im Gegenteil: Wir folgen in unserem eigenen Tempo der Handlung oder fahren nach Lust und Laune kreuz und quer durchs Land. Das können wir grundsätzlich ganz auf eigene Faust tun, oder mit bis zu drei Kumpels im Koop-Modus. Die ziemlich banale Story dreht sich darum, dass wir in einem fiktiven sozialen Netzwerk zum Superstar aufsteigen wollen, wofür wir durch das Gewinnen von Autorennen oder durch Stunts mit dem Flugzeug möglichst viele Follower gewinnen müssen.

Die Wettbewerbe sind in vier Serien unterteilt: Wir können Follower in Straßenrennen gegen computergesteuerte Konkurrenten sammeln. In Offroad-Rennen fahren wir jenseits von Straßen im Jeep oder auf dem Motorrad gegen unseren Ghost von Kontrollpunkt zu Kontrollpunkt. Mit Booten fahren wir Rennen auf dem Wasser, und im Flugzeug müssen wir entweder durch große Tore sausen oder unser Können durch Stunts beweisen.

Für das Flugzeug gilt das Gleiche wie für Autos und Boote: Die Steuerung ist extrem unkompliziert und arcadig. Im Flieger finden wir das angenehm, weil wir sofort schicke Loopings und ähnliche Manöver hinbekommen. Ein bisschen anders ist die Sache bei den Autos, in denen die Steuerung sehr derjenigen aus den Vorgängern ähnelt. Trotz Kritik aus einem Teil der Community hat das zu Ubisoft gehörende Entwicklerstudio Ivory Tower also daran festgehalten, dass die Autos vor allem zu Beginn fast wie auf Schienen fahren und erst spätere oder besser ausgebaute Vehikel sich minimal glaubwürdiger anfühlen. Wer die Steuerung in The Crew mochte, findet also mehr vom Gleichen.

Neben den Wettbewerben gibt es in der riesigen offenen Welt übrigens noch weitere Aufgaben, die uns Follower einbringen. So können wir etwa per Radargerät nach Extras suchen oder Extrajobs mit dem Fotomodus absolvieren, indem wir uns etwa mit einem Auto auf der Spitze des Luxor-Hotels in Las Vegas knipsen. Die Haupt- und Nebenaufgaben sind sehr unaufdringlich ins Spiel integriert, sodass sich The Crew 2 relativ entspannt spielen lässt. Wer mag, kurvt einfach zu der meist schwungvollen Musik aus dem Autoradio durchs Land und nimmt nur mal hier an einem Bootsrennen teil oder fliegt mal ein paar Kilometer - damit kann man locker und gut unterhalten viele Dutzend Stunden verbringen.

Wer sich auf Straßen- oder Offroad-Rennen mit den mehr als 200 lizenzierten Autos der meisten namhaften Hersteller (darunter Porsche und Ferrari) einlässt, bekommt Herausforderungen in zwei Schwierigkeitsstufen. Die KI-Fahrer legen vom Startschuss an ein sehr ordentliches Tempo vor. Wir haben meist ein paar Anläufe benötigt, um weiter vorne auf dem Siegertreppchen zu landen, zumal die Kurse extrem unterschiedlich ausgefallen sind: Es gibt interessante Stadtkurse mit vielen Kurven, aber auch Wettrennen mit langen Landpartien und vielen Geraden - beides teils mit Gegenverkehr, dem wir natürlich ausweichen müssen.

Verfügbarkeit und Fazit

Die Gummiband-KI aus dem Vorgänger ist manchmal noch spürbar, aber weniger stark ausgeprägt. Wenn wir zu oft in Lkws auf der Gegenfahrbahn oder Brückenpfeiler rauschen, zieht das Feld dann irgendwann doch mal so weit davon, dass wir keine Chance mehr zum Aufholen haben. Umgekehrt ist es aber nach wie vor fast unmöglich, einen größeren Vorsprung herauszuholen - irgendwie bleiben die Verfolger immer an unserer Stoßstange kleben.

Obwohl die Welt von The Crew 2 auf einer überarbeiteten Engine von Grund auf neu erstellt wurde, erinnert die Grafik an den Vorgänger. Wieder gibt es sehr viel Abwechslung und teils schöne Übergänge zwischen Landschaften, aber auch detailarm aussehende Gebäude. Die Tag- und Nachtwechsel finden wir inklusive der stimmungsvollen Sonnenuntergänge und -aufgänge sehr gelungen.

Dafür ist uns das Spiel in der Nacht zu dunkel: Wenn wir Pech mit dem Timing haben und bei einem Autorennen gerade Nacht ist, haben wir oft keine Chance auf den Sieg, weil wir die Strecken nicht erkennen; übrigens ist es auch bei Tageslicht nicht immer ganz einfach, die Art des Untergrunds auszumachen.

The Crew 2 ist ab sofort für Playstation 4, Xbox One und Windows-PC für jeweils rund 60 Euro erhältlich. Die PC-Fassung muss bei Ubisoft aktiviert werden, auch wenn sie von Steam stammt. Das Spiel enthält Mikrotransaktionen, über die man Fahrzeuge und Ausstattungsgegenstände mit echtem Geld früher kaufen kann; die dafür nötigen Pakete gibt es ab rund 5 Euro.

Onlinerennen gegen andere Spieler sollen im Dezember 2018 per Patch folgen. Bildschirmtexte und Sprachausgabe sind vollständig übersetzt, die deutschen Synchronstimmen finden wir sehr künstlich. Wer mag, kann über das Audiomenü die englische Tonspur einstellen. Von der USK hat The Crew 2 eine Freigabe ab 12 Jahren erhalten.

Fazit

Merkwürdig: The Crew 2 bietet mit den Sofortwechseln von Autos zu Flugzeugen oder Booten eine riesige Neuerung im Vergleich zum Vorgänger. Trotzdem hat sich beim Spielgefühl seltsam wenig getan. Das liegt wohl vor allem daran, dass es bei einigen zentralen Knackpunkten kaum Verbesserungen gegeben hat: Insbesondere muss man wieder die sehr arcadige Steuerung mögen. Wir tun das nicht, für uns ist die Fahrphysik zu kantig.

Auch in anderen Bereichen haben wir mehr erwartet. Die Grafik wirkt wenig zeitgemäß, stellenweise sind Details der Streckenführung oder der Abstand zum Boden schlecht zu erkennen. Die KI hat in manchen Rennen eine Neigung zur Gummiband-Grüppchenbildung, was den Schwierigkeitsgrad wie schon im Vorgänger etwas unausgeglichen macht. Der direkte Konkurrent Forza Horizon 3 gefällt uns insgesamt besser.

Die Anschaffung von The Crew 2 lohnt sich in erster Linie für Spieler, die einfach nur entspannt bei guter Musik durch die virtuellen Vereinigten Staaten von Amerika fahren oder fliegen möchten. Wer dabei ab und zu ein Rennen mitnimmt oder eine der vielen anderen Herausforderungen absolviert, sich auf das Entdecken von neuen Gegenden freut oder gerne Kunststückchen mit dem Flugzeug übt, kann durchaus seinen Spaß haben.  (ps)


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