Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/always-connected-pcs-im-test-das-kann-windows-10-on-snapdragon-1807-135162.html    Veröffentlicht: 12.07.2018 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/135162

Always Connected PCs im Test

Das kann Windows 10 on Snapdragon

Noch keine Konkurrenz für x86-Notebooks: Die Convertibles mit Snapdragon-Chip und Windows 10 on ARM sind flott, haben LTE integriert und eine extrem lange Akkulaufzeit. Der App- und der Treiber-Support ist im Alltag teils ein Manko, aber nur eins der bisherigen Geräte überzeugt uns.

Nach genau 602 Minuten ist die erste Staffel von Star Trek Discovery fast vorbei - und wir sind eingeschlafen, auch wenn's spannend war. Der Akku unseres Detachables hingegen hat bis kurz vor dem Finale durchgehalten. Denn eine der größten Stärken der sogenannten Always Connected PCs mit Windows 10 on ARM und Snapdragon-Smartphone-Chip ist ihre Laufzeit, hinzu kommt das immer integrierte LTE-Modem für Internet unterwegs. Nach mehreren Wochen im Test mit zwei WoS-Notebooks von Asus und HP wissen wir diese beiden Vorteile zu schätzen und haben uns mit den durchaus vorhandenen Schwächen arrangiert.

Die Always Connected PCs sind aus einer Zusammenarbeit zweier Hardware- und Software-Konzerne entstanden: Qualcomm liefert den Snapdragon-835-SoC mit ARM- statt x86-Technik und Microsoft das entsprechend angepasste Windows 10 on ARM als Betriebssystem. Diese Kombination soll mit Geräten, in denen Chips von AMD oder Intel stecken, wenigstens konkurrieren - in Teilbereichen wie Akkulaufzeit und mobiles Internet sind sie besser. Ob ein Convertible oder ein Detachable mit Windows 10 on Snapdragon denn Sinn ergibt, hängt vom Anwender ab und wie versiert dieser im Umgang mit Programmen sowie Treibern er ist.

Auf allen WoS-Geräten läuft entweder Windows 10 Pro oder Windows 10 S, wobei wir empfehlen, Letzteres kostenlos auf die Pro-Version aufzurüsten. Damit das Microsoft-OS auf einem Snapdragon-Chip oder allgemein SoCs mit ARM-Architektur funktioniert, musste Redmond einiges am Betriebssystem umbauen. Mit Windows RT oder Windows Phone alias Windows 10 Mobile teilt sich Windows 10 on ARM zwar den Kernel, neu ist aber die x86-Emulation, da ein ARM-Chip solchen Code nicht nativ ausführen kann. Folgerichtig befinden sich zwischen Snapdragon und Anwendung mehrere Ausführungsschichten - was bedeutet, dass Apps unterschiedlich flott laufen.

Windows 10 selbst, der Kernel und diverse integrierte Treiber oder Programme wie der Edge-Browser, sind nativ in ARM64 kompiliert und daher schnell. Gleiches gilt für die Unmengen an NTDLLs und die darauf aufsetzenden DLLs, die das Betriebssystem zwingend zur Ausführung von Programmen benötigt. Liegen diese als ARM32- oder ARM64-Code vor, läuft beides auf einem Snapdragon-Chip spätestens seit April 2018 Update ziemlich rund. Anders sieht es bei klassischen x86-Win32- oder gar x86-64-Bit-Anwendungen aus, welche das Gros der Windows-Apps stellen.

Generell wird x86-64-Bit-Software nicht unterstützt, das gilt auch für entsprechende Treiber, da nur ARM-kompatible funktionieren. Weitere Einschränkungen betreffen Anwendungen, die OpenGL 1.1 und älter oder Direct3D8 und älter benötigen. Spiele wie The Elders Scrolls Morrowind stürzen daher kommentarlos ab, wenngleich die reine Geschwindigkeit eines Snapdragon 835 eigentlich völlig ausreichen dürfte.

x86-32-Bit läuft per Emulator

Für Win32-Apps verwendet Microsoft einen x86-Emulator, der über die WoW-Abstraktionsebene (Windows-on-Windows) und über spezielle CHPEs (Compiled Hybrid Portable Executables) auf den Kernel und die Hardware zugreift. Die CHPEs sind x86-DLLs mit ARM-Code, das WoW-System wird bei einem 64-Bit-Windows seit Jahren für 32-Bit-Anwendungen genutzt. Microsoft hat eine JIT-Kompilierung (Just-in-Time) implementiert, welche zumindest manchmal an die Geschwindigkeit einer nativen Ausführung herankommt.

Zuerst muss aber eine andere Hürde genommen werden: Welche Software startet überhaupt auf einem Always Connected PCs mit Windows 10 on ARM und wenn nicht, wieso - und wenn doch, wie flüssig ist das Programm bedienbar. Wir haben zwar ziemlich viel ausprobiert, angesichts der schier unermesslichen Anzahl von Windows-Apps ergibt unser Versuch aber trotzdem kein vollständiges Bild.

Was läuft - was läuft nicht

Direkt nach dem Starten eines Convertibles mit Windows 10 on ARM bewirbt Microsoft den Edge-Browser: Der liegt nativ als ARM64-Version vor und hat keine Kompatibilitätsprobleme. Anders sieht es bei Googles Chrome oder Mozillas Firefox aus, da beide emulierte x86-Win32-Apps sind, weil die x86-64-Bit-Versionen nicht unterstützt werden. Bei Chrome gibt es bei den zwei uns vorliegenden Always Connected PCs - dem Asus Nova Go und dem HP Envy x2 (12e) - einen obskuren Ladefehler: Egal welche Webseite wir aufrufen, nach einigen Sekunden zeigt der Browser nur noch den 'Aw, Snap!'-Hinweis und keine Inhalte mehr an. Der Firefox läuft brav - abgesehen davon, dass nach der Installation der Tab mit der Einführung abstürzt.

Weitere alltägliche Software sind Office-Pakete, beispielsweise Microsofts eigenes Office 365 oder Libre Office von The Document Foundation, eine freie Sammlung. Beide sind als x86-Win32-Versionen verfügbar und funktionieren auf einem Always Connected PCs ohne Einschränkungen bei der Kompatibilität. Das gilt auch für Outlook, welches dank Connected Standby durchweg E-Mails aktualisiert - mit Thunderbird klappt das bisher nicht. Prinzipiell ist Always Connected PC eine irreführende Bezeichnung: Wird ein Download im Edge-Browser oder mit dem FTP-Client Filezilla oder per Valves Steam für Spiele via WiFi oder LTE gestartet, bricht dieser ab, sobald wir das Display abschalten. Allerdings kann uns ein Kollege in diesem Modus per Skype anrufen, was bei einem regulären x86-Windows-10-Notebook im Standby nicht funktioniert.

Viele Anwender nutzen ihr Convertible zum Surfen im Netz und für wenig rechenintensive Tätigkeiten, egal ob geschäftlich oder privat. Wir versuchten, während des Tests an einem Online-Meeting teilzunehmen, das Cisco WebEx benötigt. Das von Firefox vorgeschlagene Plugin verweigerte seine Funktion, auch das UWP-Derivat aus dem Microsoft Store wollte nicht. Besser erging es uns bei der Installation eines HP Deskjet 3630, einem günstigen Drucker: Die Installation per Hersteller-Software scheitert mangels ARM-Treibern, die Einrichtung über Windows 10 selbst plus Verwendung der UWP-App hingegen sorgt für vollen Funktionsumfang wie dem Scannen von Dokumenten.

Ohnehin finden sich im Store überraschend viele Anwendungen, die anstelle von Legacy-Software genutzt werden können. Wir sind naiverweise aber davon ausgegangen, dass alle Apps auf Windows 10 on ARM laufen, weil nur kompatible angezeigt werden. Ärgerlicherweise gibt es Ausnahmen wie Newton Mail, welches offenbar nur als x86-64-Version vorliegt und daher der Knopf zur Installation ausgegraut ist ('It won't run on this device'). Gleiches gilt für Autodesk Sketchbook und gar für Photoshop Elements 2018, was immerhin 100 Euro kostet - und nicht läuft! Hier sollte Microsoft dringend und schnell handeln, da Nutzer ansonsten dumm dreinschauen. Eine gute Wahl - wenn verfügbar - sind Progressive Web Apps im Browser statt lokal auf dem Gerät.

Die Situation wirkt auf uns kurios: Vor nicht allzu langer Zeit waren wir froh, wenn eine Anwendung eine 64-Bit-Unterstützung für eine höhere Geschwindigkeit und mehr Arbeitsspeicher aufwies. Bei Windows 10 on ARM hingegen suchen wir explizit die 32-Bit-Installer oder 32-Bit-Software heraus, weil sie zwingend notwendig ist. Das ist für den Otto-Normal-Kunden nicht zumutbar, da er nicht weiß, wieso welche App läuft - oder eben nicht. Gerade bei Spielen wie Cuphead (Test), die nun wahrlich nicht anspruchsvoll sind, nervt diese Unsicherheit vor dem Kauf, denn Cuphead läuft nicht.

Insbesondere bei Firefox oder Libre Office können wir nur den Kopf schütteln: Beide Anwendungen gibt es seit Jahren als ARM-kompatible Versionen selbst für leistungsschwache Hardware wie den Raspberry Pi, wenn auch unter Linux statt unter Windows. Besonders fies sind Programme, die selbst als 32-Bit-App vorliegen, aber mit einem 64-Bit-Installer ausgeliefert werden. Im Taskmanager können wir immerhin nachsehen, ob es sich um einen nativen ARM- oder um einen emulierten x86-Win32-Prozess handelt. Dennoch bleibt Nutzern am Ende leider einzig übrig, ihre Software auszuprobieren und auf künftige Unterstützung zu hoffen.

Und selbst wenn eine Anwendung kompatibel ist, heißt das nicht, dass sie rundläuft. So hat uns die Analyse-Software Aida64 mal eben Windows 10 abgeschossen und vermeintlich anspruchslose Apps wie Spotify sind eine einzige Ruckelorgie. Manche Spiele hingegen laufen besser als auf einem Ultrabook mit 15-Watt-Chip ...

Ohne natives ARM oft zäh

Als Testgeräte haben wir das Asus Nova Go und das HP Envy x2 (12e) im Büro, beide sind mit einem Snapdragon 835 und 4 GByte statt mit 6 GByte oder 8 GByte LPDDR4X-Arbeitsspeicher ausgestattet. Das reicht für den Alltag, allerdings sind 8 GByte RAM gerade bei heutigen 64-Bit-Browsern und vielen Tabs hilfreich. Bei unserer Performance-Beurteilung sollten die 4 GByte Speicher also immer im Hinterkopf behalten werden, wir zumindest waren vorsichtiger bei der Browser-Tab-Anzahl und bei parallel laufender Software.

Programme wie Microsoft Office oder Libre Office, beide x86-Win32, brauchen einige wenige Sekunden, dann sind sie startbereit - so wie auf fast jedem anderen Notebook. Beim Acrobat Reader warten wir etwas länger als bei einem Core M3 mit ebenfalls sechs Watt TDP, allerdings ist Adobes PDF-Reader ohnehin kein Geschwindigkeitskünstler. Was jedoch definitiv dauert, ist die Installation von Software: Office 365 braucht auf dem HP Envy x2 ganze 5:05 Minuten, ein passiv gekühltes Xiaomi Mi Notebook Air (Test) von 2016 mit Core M3-6Y30 und 4 GByte RAM schafft das in 2:41 Minuten.

In diesem Fall ist es tatsächlich die CPU, welche durch den emulierten x86-Code länger rechnen muss. Denn die 128 GByte Festspeicher des Asus- und des HP-Convertibles basieren auf UFS 2.0, der ziemlich flott Daten liest sowie schreibt. Im nativ laufenden Edge-Browser können wir locker ein Dutzend Tabs öffnen und das System reagiert noch zügig, auch 4K-Youtube-Videos lassen keine Frames aus. Mit Chrome oder Firefox landen wir mit dem gleichen Szenario bei fast 100 Prozent CPU-Last und der Browser ruckelt stark. Faktisch sind Nutzer derzeit also auf den Edge festgelegt, was uns als Performance- oder Plugin-Junkies etwas missfällt, da der Microsoft-Browser hier nicht mithalten kann.

Geht es um Multimedia, liefert der Snapdragon zumeist: Egal ob Streaming per Netflix-App oder lokal per ARM-Version des VLC Players, flüssiger Filmgenuss ist bis hin zu 4K60 möglich. Umso erstaunter waren wir, dass ausgerechnet der Spotify-Desktop-Client praktisch kaum zu benutzen ist, da extrem zäh - blöderweise scheint die Version aus dem Store identisch und daher ebenfalls nahezu unbrauchbar. Wir können zwar Musik sauber abspielen, aber nach Alben stöbern wird schlicht zur Zumutung.

Eher Schreibmaschine als Arbeitstier

Professionelle Anwendungen wie Adobes Photoshop laufen durchaus rund, wenngleich der Wechsel zwischen einzelnen Werkzeugen immer ein kurzes Päuschen erfordert. Das Vorserien-Convertible mit dem kommenden Snadragon 850, welches wir im Juni 2018 anschauen konnten, zeigte ein solches Verhalten nicht. Für diesen Chip verspricht Qualcomm allerdings auch gleich eine um 30 Prozent höhere Leistung, was den Unterschied erklären könnte. Testweise haben wir mit dem Faststone Image Viewer noch 25 Raw-Fotos exportiert, der Snapdragon 835 benötigt dafür 9:01 Minuten, der Core M3-6Y30 nur 2:41 Minuten. Die x86-Emulation macht sich bemerkbar.

Da Steam auf Windows 10 on ARM funktioniert, haben wir ein paar Spiele ausprobiert: Counter Strike Source läuft in 720p mit mittleren Details bei über 40 fps und stottert leicht, das neuere Counter Strike Global Offensive stürzt beim Laden einer Map ab. Trine 2 erreicht in 720p mit mittleren Einstellungen nur 20 fps und zeigt flackernde Wasser-Shader, wohingegen Defense Grid in 720p mit Medium-Settings bei über 60 fps unterwegs viel Laune macht. Der Akku hält dabei wie versprochen sehr lange durch.

Die Laufzeiten sind enorm

Eines der größten Versprechen von Microsoft und Qualcomm für die Always Connected PCs ist die hohe Akkulaufzeit. Laut HP hält das Envy x2 satte 20 Stunden durch, wenn ein lokales 1080p-Video bei einer Displayhelligkeit von 150 cd/m² abgespielt wird. Das Intel-Pendant soll unter gleichen Voraussetzungen nur 15,9 Stunden schaffen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Envy x2 mit 49 Wattstunden weniger Kapazität aufweist als das Asus Nova Go mit 52 Wattstunden. Andere 13,3-Zoll-Geräte wie das exzellente Dell XPS 13 (9360R) von Herbst 2017 haben gar 60 Wattstunden.

Die praktische Laufzeit hängt stark vom jeweiligen Nutzerverhalten ab, standardisierte und manchmal synthetische Tests können immer nur einen Teil davon abdecken. Zum Start streamten wir die erste Staffel von Star Trek Discovery auf beiden WoS-Geräten per Netflix, sie umfasst 15 Episoden (rund elf Stunden). Die Display-Helligkeit beträgt je 200 cd/m², was voller Leuchtkraft bei Asus' Nova Go und Stufe 6/10 bei HPs Envy x2 entspricht. Am Ende stehen 10:37 Stunden (Asus) und 10:02 Stunden (HP), sprich Episode 14 auf unserem Zettel.

Als Vergleich: Lenovos aktuelles Thinkpad X1 Carbon Gen6 (Test) mit 57-Wattstunden-Akku kommt bei ebenfalls 200 cd/m² nur bis Episode #11, das macht 8:15 Stunden. Zumindest in diesem Szenario sind die Always Connected PCs absolut überzeugend, es ist aber ein durchaus spezifisches. Wie gut die Laufzeit im Alltag ausfällt, wollten wir mit dem Productivity-Test des Powermark und dem Home-3.0-Conventional-Test des PCMark 8 prüfen. Beide nutzen eine x86-Emulation und nicht den Edge-Browser, allerdings brachen die Tests mit einer Fehlermeldung ab.

Der Batteryreport ist nützlich

Eine von uns gerne für längere Observierung genutzte Methode zur Einschätzung der Laufzeit ist die Windows-10-eigene Berechnung. Sie kann per Eingabekonsole und 'powercfg /batteryreport' ausgelesen werden und zeigt alle Zyklen seit OS-Installation sowie den Akkuverschleiß an. So ist einsehbar, wie lange das System an der Steckdose hing, wie lange es per Akku lief und wie viel Zeit es im Connected Standy verbrachte. Nach drei Wochen im Redaktionsalltag, im Büro sowie bei Messen mit dem HP Envy x2 gibt Windows 10 satte 16:43 aktive Stunden aus. Unser normalerweise verwendetes Thinkpad X1 Carbon Gen4 kommt (bei theoretischen 52 Wattstunden) auf gerade einmal 7:18 Stunden.

Weil die Always Connected PCs im Standby ähnlich wie ein Smartphone nie wirklich aus sind, ist die sogenannte Uptime relevant. Ein Druck auf den Power-Button und das Gerät steht in Millisekunden bereit. Ähnliches gibt es zwar auch bei x86-Windows-Ultrabooks, die verlieren jedoch deutlich mehr Akkukapazität. Im Prinzip verhält sich ein WoS-Convertible eher wie ein iPad, welches tagelang auf dem Sofa liegt. Im Alltag ist Connected Standby alias Instant Go unserer Ansicht nach bedingt sinnvoll: Mal eben kurz E-Mails checken oder per Skype telefonieren erfolgte trotz Always Connected PC weiterhin über Smartphone ... Vielleicht müssen wir uns aber einfach erst umgewöhnen.

Klasse finden wir hingegen das integrierte LTE-Modem, das in der x86-Welt selten ist und meist einen happigen Aufpreis kostet - sofern Kunden es überhaupt nachrüsten können, weil die Antennen fehlen. Wir haben unsere Telekom-Multi-SIM genutzt, waren aber immer bedacht, nicht zu viele Daten zu ziehen, da Traffic in Deutschland verglichen mit dem (europäischen) Ausland weiterhin ein rares und teures Gut ist.

Asus Nova Go trifft HP Envy x2

Das Nova Go (TP370QL) von Asus ist ein 13,3-Zoll-Convertible mit 360-Grad-Scharnier für das kontrastreiche Touch-Display. Mit niedrigen 220 cd/m² maximaler Helligkeit ist der 1080p-IPS-Bildschirm angesichts der spiegelnden Oberfläche viel zu dunkel, selbst an einem wolkigen Tag. Die Verarbeitung des Kunstoffgehäuses mit Metalldeckel geht noch in Ordnung, es knarzt an einigen Stellen für unseren Geschmack zu sehr. Das Nova Go misst 316 x 221 x 15 mm bei 1,4 kg - als Tablet ist es ergo kein Leichtgewicht.

Asus hat dem Nova Go zwei USB-3.0-Type-A-Ports spendiert, das aktuelle USB-C fehlt. Hinzu kommen ein HDMI 1.4 für externe 4K30-Monitore, ein kombinierter Schacht für eine Micro-SD-Speicherkarte und eine Nano-SIM sowie 3,5-mm-Klinke plus Power-Button und Lautstärkewippe. Die leider nicht beleuchtete Tastatur mit ihrem kurzen Hub empfinden wir als ein bisschen schwammig und die Pfeil-Tasten als zu klein. Das Precision-Clickpad arbeitet tadellos, dort befindet sich auch der flotte Fingerabdrucksensor. Alternativ unterstützt das Nova Go noch Windows Hello per zusätzlicher Infrarot-Kamera.

Im Vorserienexemplar steckt ein passiv gekühlter Snapdragon 835 mit integriertem LTE-Modem für 1 GBit/s im Downstream sowie Bluetooth 4.1 und ac-2x2-WLAN. Unser Muster hat 4 GByte LPDDR4X-Speicher und 128 GByte UFS-2.0-Storage, der Akku weist eine Kapazität von 52 Wattstunden auf. Alle Komponenten sind verlötet, also können RAM und Flash-Speicher nicht getauscht werden. Im Test hatten wir keine Probleme, externe Displays anzuschließen, wenngleich HDMI maximal 4K bei 30 Hz ermöglicht.

HPs Envy x2 gefällt uns besser

Das Envy x2 verkauft HP als 12g-Variante mit x86-Intel-Chip und als 12e-Modell mit Qualcomms Snapdragon 845. Das Detachable hat ein 12,3-Zoll-Display und wird mit Anstecktastatur ausgeliefert. Es misst 293 x 210 x 7 mm und wiegt samt Keybord 1,21 kg. Der Touch-Bildschirm löst mit 1.920 x 1.280 Pixeln im 3:2-Format auf, was zum Arbeiten nützlich ist. Wir messen hohe 430 cd/m², dennoch nerven Reflexionen. HP legt einen Windows-Ink-Stift bei, anders als Microsoft beim Surface Pro.

Am Tablet selbst gibt es nur einen USB-3.0-Type-C-Anschluss, über den das Gerät geladen wird. Alternativ schließen wir per Adapter ein HDMI-Display an, mit in der Kiste befindet sich aber nur ein USB-C-auf-USB-A-Konverter. Eine Audio-Klinke, ein Nano-SIM-Schacht und ein Micro-SD-Kartenleser vervollständigen die geringe Anschlussvielfalt. Die beleuchtete Anstecktastatur tippt sich angewinkelt gut, das Clickpad erfüllt seinen Dienst und die 720p-Webcam, nun ja, funktioniert. Das Cover des Envy x2 ist durchdacht, weil das Tablet so in verschiedenen Positionen aufgestellt werden kann.

Auch HP setzt auf einen passiv gekühlten Snapdragon 835 sowie 4 GByte RAM und 128 GByte Flash-Speicher. Neben Bluetooth, WiFi und LTE hat das Envy x2 sogar GPS integriert. Der Akku weist 49 Wattstunden auf, was angesichts der Tablet-Größe positiv ist. Microsofts aktuelles Surface Pro (Test) etwa hat nur 45 Wattstunden.

Verfügbarkeit und Fazit

Asus verkauft das Nova Go (TP370QL) für 800 Euro, dafür stecken 6 GByte RAM (nicht 4 GByte!) und 128 GByte Storage drin - verfügbar ist es bisher nur per Ratenzahlung bei 1&1. Das von uns verwendete HP Envy x2 (12e) gibt es einzig im Ausland, dort kostet es 1.000 US-Dollar. Für Intel-Pendant mit Core M und LTE-Modem, das Envy x2 (12g), ruft der Hersteller 150 US-Dollar mehr auf. Das Lenovo Miix 630 ist nicht in Europa erhältlich.

Fazit

Nach mehreren Wochen mit zwei Always Connected PCs von Asus und HP samt Windows 10 on Snapdragon sind wir angetan - und ernüchtert: Im besten Fall fühlen sich die beiden lautlosen Notebooks an wie ein reguläres x86-Convertible, sie weisen eine drastisch längere Akkulaufzeit auf und wir haben dank LTE nahezu überall Internetzugriff. Im schlimmsten Fall hingegen dauert der Foto-Export viel zu lange und dann verweigert der Drucker mangels ARM-Treiber auch noch den Dienst.

Der generelle Ansatz von Windows 10 on Snapdragon gefällt uns, denn wir können grundlegend die meiste Software verwenden, egal ob diese als nativer ARM-Code oder als emulierte x86-App vorliegt. Die Performance des Snapdragon 835 liegt etwa auf dem Niveau eines Core M, für alltägliche Programme ist der Chip mehr als flott genug. Wer primär (per Microsofts Edge) im Internet surft, mit Office-Lösungen arbeitet und Filme anschaut, erhält ein tolles Paket. Auch Photoshop läuft samt Stift, ältere Spiele wie Defense Grid laufen ebenfalls.

Bei aufwendigeren Aufgaben wie Foto-Exports müssen wir aber länger warten, was je nach Software nerven kann. Einige beliebte Anwendungen wie Chrome oder Spotify sind im aktuellen Zustand schlicht nicht nutzbar, da sie aufgrund der x86-Emulation heftig ruckeln oder abstürzen. Hier sind die jeweiligen Entwickler gefragt, entsprechende ARM64-Versionen zu programmieren, nachdem Microsoft und Qualcomm vorgelegt haben. Neben der teils unzureichenden Performance ist es die Kompatibilität problematisch, denn x86-64-Bit-Software wird (bisher) nicht unterstützt. Käufer sind banal ausgedrückt noch Beta-Tester.

Hinsichtlich der Laufzeit überzeugen die Always Connected PCs bereits, effektiv haben wir beim Surfen im Internet, Anschauen von Serien oder Tippen von Texten locker 50 Prozent mehr oder doppelt so viele Akkureserven. Effektiv sind 15 bis 20 Stunden statt 10 bis 15 Stunden realistisch, wobei wie üblich das Nutzerverhalten eine Rolle spielt. Die Systeme fühlen sich dank Connected Standby per dauerhafter LTE-Internetverbindung wie ein Smartphone an, wenngleich ihn nicht alle Apps beherrschen: Skype-Anrufe und E-Mails schreiben per Outlook klappt, reguläre Downloads allerdings brechen ab.

Asus' Nova Go als 360-Grad-Convertible für 800 Euro finden wir nur bei geringem Budget empfehlenswert, da die Verarbeitung mäßig und das Glare-Display zu dunkel ist. Für den Preis erhalten Käufer auch im x86-Segment ähnliches, von daher ist das keine Kritik an Windows 10 on Snapdragon. Besser gefällt uns das in Deutschland nicht verfügbare HP Envy x2: Das Detachable mit hellem Display, mitgeliefertem Stift und schön steifer Anstecktastatur überzeugt - es kostet aber gleich 1.000 US-Dollar vor Steuern.

Die Always Connected PCs sind die ersten ihrer Art, sie treffen allerdings gleich zum Start auf etablierte und exzellente x86-Geräte. Schon im Herbst 2018 soll der nächste Schwung mit dem Snapdragon 850 folgen und Qualcomm arbeitet längst an der übernächsten Generation für 2019. Wir raten interessierten Käufern, die Entwicklung der Always Connected PCs die nächsten Monate über zu verfolgen.  (ms)


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