Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/spotify-konkurrent-youtube-music-startet-gratis-musikstreaming-in-deutschland-1806-135012.html    Veröffentlicht: 18.06.2018 17:00    Kurz-URL: https://glm.io/135012

Spotify-Konkurrent

Youtube Music startet Gratis-Musikstreaming in Deutschland

Youtube Music kommt nach Deutschland. Mit dem Nachfolger von Play Musik bringt Google einen neuen Musikstreaming-Abodienst auf den Markt. Wie auch Spotify kann Youtube Music mit Werbung kostenlos verwendet werden.

Youtube Music gibt es nun auch in Deutschland. Damit bietet Google einen weiteren Musikstreaming-Abodienst neben Play Musik an. Das neue Angebot deckt auch Videos mit ab und soll alle offiziellen Alben und Singles der Künstler umfassen, die auch bei Play Musik dabei sind. Zudem sollen sich über Youtube Music auch Inhalte anhören lassen, die von Nutzern hochgeladen wurden. Damit sind auch Lieder und Stücke verfügbar, die etwa bei Spotify, Play Musik, Apple Music fehlen.

Außerdem gibt es - anders als bei Play Musik - ein kostenloses Angebot, das damit direkt in Konkurrenz zu Spotify tritt, die ebenfalls eine werbefinanzierte Gratisversion anbieten. Die Umsetzung der Gratisangebote unterscheidet sich bei beiden Anbietern allerdings.

Die kostenlose Version von Youtube Music wird über Werbeeinblendungen finanziert, der Nutzer soll dann direkt auf alle Inhalte zugreifen können, auch der Sprung zu bestimmten Titeln ist möglich. Die entscheidende Einschränkung ist, dass die Youtube-Music-App dafür immer im Vordergrund laufen muss. Sobald etwa Whatsapp, Facebook oder eine andere App auf dem Smartphone nach vorn geholt wird, unterbricht die Wiedergabe. Aber auch beim Ausschalten des Displays wird die Musikwiedergabe augenblicklich unterbrochen.

Google tritt damit verstärkt in Konkurrenz zu Spotify. Seit kurzem kann der Spotify-Free-Kunde zumindest in ausgewählten Wiedergabelisten gezielt auch zu bestimmten Stücken springen. Ansonsten werden in der kostenlosen Version Alben oder Wiedergabelisten immer nur im Zufallsmodus abgespielt, das gezielte Abspielen eines bestimmten Songs ist nicht möglich. Insgesamt kann Spotify in der werbefinanzierten Version aber eher sinnvoll verwendet werden als Youtube Music. Bei Spotify können andere Apps aufgerufen werden und das Smartphone-Display darf auch ausgehen, die Wiedergabe läuft immer weiter.

Play-Music-Kunden erhalten Youtube Music dazu

Wer bei Youtube Music keine Werbung haben möchte, kann das Abo Youtube Music Premium für monatlich 9,99 Euro buchen. Als Family-Tarif für bis zu sechs Nutzer kostet der Dienst 14,99 Euro pro Monat - wie auch beim Play-Musik-Family-Abo. Wer Youtube Music Premium über die iOS-App von Youtube Music bucht, zahlt für das Abo hingegen 12,99 Euro pro Monat. Der Monatspreis für den Family-Tarif erhöht sich auf 19,99 Euro. Das entspricht einem Preisaufschlag von 3 Euro bzw. 5 Euro im Monat. Neben dem Wegfall der Werbung gibt es eine Hintergrundwiedergabe und der Nutzer kann Musik auf dem Gerät speichern, um diese auch ohne Internetverbindung abspielen zu können.

Wer in Deutschland ein aktives Google-Play-Musik-Abo gebucht hat, soll zugleich auch Youtube Music Premium nutzen können. Die Abopreise von Play Musik sind identisch mit denen von Youtube Music. Zunächst will Google beide Dienste parallel anbieten. Auch wird anfangs nicht der volle Funktionsumfang von Play Musik in Youtube Music enthalten sein. Google will aber alle Funktionen von Play Musik schrittweise in Youtube Music integrieren. Der Anbieter machte keine Angaben dazu, bis wann der Schritt abgeschlossen sein wird. Offen ist auch, wie lange beide Musikstreamingdienste parallel angeboten werden.

Youtube Premium mit Komfortfunktionen für Videos

Anders als bei Play Musik gibt es bei Youtube Music ein zusätzliches Abomodell, das Youtube Premium heißt. Es löst den in Deutschland nie angebotenen Dienst Youtube Red ab. Für monatlich 11,99 Euro stehen zusätzlich zu den Leistungen von Youtube Music Premium weitere Funktionen bereit, die den Konsum von Videos komfortabler machen soll. Damit lassen sich alle Videos werbefrei ansehen und sie können für die Offline-Nutzung gespeichert werden. Zudem können Videos im Hintergrund weiter abgespielt werden. Auch Youtube Premium ist als Family-Tarif verfügbar und kostet monatlich 17,99 Euro. Damit können bis zu sechs Familienmitglieder alle Youtube-Premium-Funktionen parallel nutzen. Sämtliche Youtube-Abos können auf bis zu zehn Geräten genutzt werden. Bei den Einzelabos kann der Dienst dann immer nur auf einem der Geräte genutzt werden. Wer sich Youtube Premium über die iOS-App bucht, zahlt 15,99 Euro im Monat für das Einzelabo und 22,99 Euro monatlich für das Familienabo. Je nach Abomodell steigt der Preis also um 4 Euro oder 5 Euro.

Im Herbst 2018 will Google auf Youtube Premium auch eigene Filme und Serien anbieten, die als Youtube Originals bezeichnet werden. Hierzulande wird es die Youtube Originals in Originalversion mit Untertiteln geben, eine Synchronisation ist nicht geplant. Zudem sollen im Herbst 2018 speziell für den deutschen Markt produzierte Youtube Originals erscheinen.

Mit dem Start von Youtube Music wird der Dienst auch auf smarten Lautsprechern mit Google Assistant angeboten.

Youtube Music kommt auf smarte Lautsprecher

Mit dem Start von Youtube Music sollen auch alle smarten Lautsprecher mit Google Assistant in der Lage sein, den neuen Musikstreamingdienst zu nutzen - mit Sprachsteuerung. Dann soll die Google-Home-App einen neuen Eintrag erhalten, um den neuen Dienst als Standard festlegen zu können. Dann unterstützen die Google-Assistant-Lautsprecher derzeit vier Musikstreaming-Anbieter, bis Play Musik irgendwann nicht mehr angeboten wird.

Anders als bei Spotify können Google-Assistant-Lautsprecher Youtube Music nicht in der Gratisversion nutzen. Es muss ein Abo gebucht sein, wie Google Golem.de auf Nachfrage erklärte. Mit dem Start von Youtube Music gibt es weiterhin keinen Spezialtarif für Besitzer eines Google-Assistant-Lautsprechers. Amazon bietet seinen Musikstreamingdienst vergünstigt an, wenn dieser für einen einzelnen Echo-Lautsprecher gebucht wird. Wer einen Alexa-Lautsprecher eines anderen Herstellers hat, kann das vergünstigte Abo nicht buchen.

Google will das Finden passender Musik mit verschiedenen Maßnahmen vereinfachen. Unter anderem gibt es einen neuen Startbildschirm, der sich an den Nutzer anpasst und ihm immer die passenden Inhalte anbieten soll. Hierbei wird Musik vorgeschlagen, die ähnlich dem bisher Gehörten ist. Bei all dem beobachtet Google das Gehörte und wertet es aus, um die richtigen Inhalte für den Kunden präsentieren zu können.

Inhalte ändern sich

Ergänzend dazu ändern sich die Inhalte abhängig vom Ort oder von der Tageszeit. Google geht davon aus, dass Kunden im Fitnessstudio andere Musik hören wollen als morgens auf der Weg zur Arbeit oder abends daheim. Je nach Ort oder Zeit schlägt die Youtube-Music-App dem Nutzer daher andere Inhalte vor.

Youtube Music soll mit einer intelligenten Suche ausgestattet sein, um auch Songs zu finden, zu denen der Nutzer nur eine Liedzeile kennt. Im Zusammenspiel mit dem Google Assistant würde Google zu Amazon aufschließen. Mit einem Alexa-Lautsprecher und bei aktivem Amazon-Music-Abo können auf Zuruf auch Lieder gespielt werden, indem der Nutzer die passende Liedzeile ansagt.

Musik wird automatisch heruntergeladen

Bei allen Youtube-Abos gibt es die Möglichkeit, Musik auf dem Smartphone zu speichern, um diese auch ohne Internetanbindung anhören zu können. Eine Komfortfunktion ist die Wiedergabeliste Offline-Mixtape mit bis zu 100 Songs, die von der App automatisch im Hintergrund geladen werden kann. Der Nutzer kann auch ohne Internetverbindung auf die 100 Lieder zugreifen, ohne sich selbst um das Herunterladen kümmern zu müssen.

Um das neue Youtube Music nutzen zu können, ist eine spezielle App erforderlich, die es für Android und iOS gibt. Zudem kann Youtube Music im Browser genutzt werden. Wie auch bei Google Play Musik ist eine Gmail-Adresse erforderlich, um den Dienst nutzen zu können.

Nachtrag vom 29. Juni 2018

Wer Youtube Music Premium oder Youtube Premium über die iOS-App von Youtube Music bucht, muss für das gleiche Abo mehr bezahlen. In einem Überblicksartikel beschreiben wir, welche Dienste davon ebenfalls betroffen sind. Wir haben diese Information im Artikel an der entsprechenden Stelle nachgetragen.  (ip)


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