Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/deutsche-telekom-kabelnetze-sind-groesstes-hindernis-zum-glasfaserausbau-1806-134960.html    Veröffentlicht: 14.06.2018 13:05    Kurz-URL: https://glm.io/134960

Deutsche Telekom

"Kabelnetze sind größtes Hindernis zum Glasfaserausbau"

Die Telekom hat sich die Kabelnetze als neuen Hauptgegner ausgesucht. Auf der Kabelnetzbetreibermesse Anga Com wagt der Vectoringkonzern einen weiteren Angriff.

Für die Deutsche Telekom sind nun die Kabelnetzbetreiber schuld am geringen Glasfaserausbau in Deutschland. "Die Kabelnetze sind das größte Hindernis zum Glasfaserausbau in Deutschland", sagte Marcus Isermann, Leiter Politische Interessenvertretung Regulierung bei der Deutschen Telekom am 14. Juni auf der Fachmesse Anga Com. Die Kabelnetze könnten kein Gigabit zuverlässig transportieren, sonst müssten sie FTTB (Fiber To The Building) oder FTTH (Fiber To The Home) machen.

Die Kabelbetreiber würden zu Unrecht behaupten, auf Knopfdruck eine Datenübertragungsrate von 1 Gigabit pro Sekunde bieten zu können, meinte Isermann.

VATM: Koaxial ist besser als haardünnes Kupfer der Telekom

VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten) hielt dagegen, dass das "Koaxialkabel sehr viel leistungsfähiger als das dünne Kupfer der Telekom ist, über das Vectoring realisiert wird." Wo die Nachfrage steige, könnten die Betreiber dann mit Nodesplits die versprochene Kapazität auch bieten. Dagegen schwäche das Vectoring der Telekom die Auslastung der neuen Glasfasernetze und verzögere den nächsten Ausbauschritt.

Tele-Columbus-Chef Timm Degenhardt betonte, im größten Teil der Netze des drittgrößten Kabelnetzbetreibers schon 400 MBit/s zu erreichen. Clustergrößen von 30 bis 40 Haushalten pro Cluster würden erreicht, jedoch nur bei neuen Ausbauprojekten. Andrea Huber, Geschäftsführerin vom Anga (Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber) sagte, die Clustergrößen würden verkleinert, je nachdem, wie sich die Nachfrage entwickle. 70 Prozent der deutschen Haushalte würden von den Mitgliedsunternehmen abgedeckt.

Unitymedia-Chef Lutz Schüler sagte beim Docsis-3.1-Start am 7. Mai 2018 in Bochum offen: "Wenn die Kapazität der Zelle erschöpft ist, haben alle Haushalte weniger Kapazität. Wenn morgen alle Bochumer das Gigabit kaufen würden, hätten wir ein Problem." Dann bräuchte Unitymedia nur sechs Monate, um den Bedarf zu decken.  (asa)


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