Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/dirk-woessner-deutsche-telekom-greift-shared-medium-kabel-an-1806-134939.html    Veröffentlicht: 13.06.2018 16:45    Kurz-URL: https://glm.io/134939

Dirk Wössner

Deutsche Telekom greift Shared Medium Kabel an

Laut Telekom bietet das Kabelnetz nur nominal eine höhere Datenübertragungsrate. Nach 20 Uhr werde es dann eng im Node. Doch das ist bei DSL und Vectoring nicht grundlegend anders.

Die Kabelnetzbetreiber "bieten zwar höhere Nominalgeschwindigkeit, aber abends um 20 Uhr kann es schon mal eng werden." Das sagte Dirk Wössner, Vorstand Deutschland der Deutschen Telekom, am 13. Juni 2018 auf der Branchenmesse Anga Com. Auch im Kabelnetz müsse für Gigabit massiv Glasfaser im Verteilnetz ausgebaut werden, wenn auch nicht auf den letzten Metern.

Was Wössner nicht sagte, ist, dass auch beim Vectoring die beworbenen Geschwindigkeiten nur bei einer begrenzten Anzahl von Nutzern gelten: Je mehr Anwender verbunden sind, desto geringer ist die Datenrate. Und auch Glasfaser ist ein Shared Medium ab der Kopfstelle. "Der Unterschied zum Festnetz und dem Kabelnetz ist, dass sich an unseren Clustern fünf- bis zehnmal weniger Kunden einen Anschluss teilen", sagte ein Telekom-Sprecher Golem.de. Das mache die Stabilität besser und verringere die Schwankungen in der Geschwindigkeit deutlich.

Telekom: "Wir kämpfen dann mit einer Hand auf dem Rücken"

Wössner äußerte sich auch zur anstehenden Übernahme von Unitymedia durch Vodafone. "Wir freuen uns über Wettbewerb. Der muss aber fair sein." Unfair sei dies in Bezug auf den TV-Markt und die Wohnungswirtschaft. "Einer bekommt Einspeiseentgelte und wir müssen für den Content bezahlen, wie soll es da einen fairen Wettbewerb geben", klagte er. Es gebe millionenfach Exklusivverträge, weil der Kabelanschluss schon in der Miete schon beinhaltet sei und Satellitenschüsseln nicht angebracht werden dürften. Komme die Fusion von Vodafone und Unitymedia zustande, werde die Telekom mit einer auf den Rücken gebundenen Hand weiterkämpfen.

Unitymedia-Chef Lutz Schüler sagte, dass Vodafone für Unitymedia einen sehr guten Preis gezahlt habe. "Alles ist käuflich, es kommt nur auf den Preis an. Interessant ist das, was wir zusammen auf die Straßen bringen können." Das TV-Kabel habe sich in Deutschland in einer Hand befunden, sei in Stücke geschnitten worden, und es habe 18 Jahre gedauert, um daraus wieder eine starke Infrastruktur zu machen, betonte Schüler. Die Telekom stehe deshalb unter Druck, Glasfaser mit Gigabit-Datenraten anzubieten, was Unitymedia jetzt schon in Bochum und bald in Frankfurt könne.  (asa)


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