Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/live-linux-knoppix-8-3-mit-docker-1806-134876.html    Veröffentlicht: 11.06.2018 15:06    Kurz-URL: https://glm.io/134876

Live-Linux

Knoppix 8.3 mit Docker

Die Live-Distribution Knoppix Linux-Magazin Edition bringt nicht nur die üblichen Aktualisierungen und einen gegen Meltdown und Spectre geschützten Kernel. Mir ist das kleine Kunststück gelungen, Knoppix als Docker-Container zu starten.

Seit mehr als 15 Jahren stelle ich rund zweimal pro Jahr ein eigenes Linux zusammen, das den Namen Knoppix (Knoppers Unix System) trägt. Es fußt auf freier Software von Debian-GNU/Linux und ist so ausgelegt, dass es ohne Installation auf Festplatte von DVD, USB-Flashdisk oder übers Netzwerk fertig konfiguriert sofort läuft. Das Software-Set eignet sich zum Arbeiten, Surfen im Internet, Spielen, Unterrichten, Lernen, Programmieren und Retten von Daten defekter Betriebssysteme.

Die Version 8.3.0 habe ich für das aktuelle Linux-Magazin zeitlich passend zur Cebit zusammengestellt. Sie mixt Debian Stable (Stretch) mit etlichen Paketen aus Testing und Unstable (Buster, Sid), in erster Linie wegen der neueren Grafikbibliotheken, die für aktuelle Hardware notwendig sind, und aktuelle Desktop-Programme.

Um eine möglichst breite Hardwareunterstützung zu erreichen, verwende ich den kürzlich erschienenen Kernel 4.16.5 mit wichtigen Patches sowie X.org 7.7. Ohne weiteres Zutun startet dann sehr flott die schlanke Desktopoberfläche LXDE sowie als optisches Schmankerl die komfortable 3-D-Erweiterung Compiz 0.9.13.1.

Bootoptionen als Notnagel

Normalerweise benötigt Knoppix keinerlei Bootoptionen, um die vorgefundene Hardware inklusive Grafikkarte zu erkennen und das System optimal zu konfigurieren. Die zunehmende Anzahl verschiedener Chipsätze macht es aber manchmal doch notwendig, das eine oder andere Feature oder eine einzelne Komponente (diagnostisch und vorübergehend) abzuschalten, um zum regulären Desktop durchzustarten. Dazu tippt der Benutzer hinter dem Bootprompt »knoppix64« (64 Bit) oder »knoppix« (32 Bit) für den Kernel, gefolgt von den gewünschten Optionen.

Häufige Bootoptionen nennt gleich die Boot-Hilfe, abrufbar mit [F2] oder [F3], andere sind in der Textdatei »KNOPPIX/knoppix-cheatcodes.txt« aufgelistet. Klemmt etwa der Desktop, wenn der 3-D-Windowmanager Compiz starten soll, helfen oft die Bootoptionen »knoppix nocomposite« oder »knoppix no3d«. Die eine schaltet die Composite-Erweiterung des Grafiksubsystems ab, die andere verhindert den Compiz-Start.

Umgekehrt kann der Benutzer für Grafikkarten, die eigentlich nicht schnell genug für Compiz sind und daher automatisch mit der flachen Windowmanager-Alternative Metacity starten, mit der Option »knoppix 3d« die 3-D-Oberfläche mit Software-Rendering erzwingen.

Hybrides USB-Image

Heute installieren die meisten Anwender Knoppix nach dem ersten Start auf einem USB-Stick (8 GByte oder größer), statt immer von DVD zu starten. Denn obwohl ich das ISO durch eine Sortlist fürs DVD-Lesen optimiert habe - das reduziert das sehr langsame Positionieren des Laser-Lesekopfs -, beschleunigt Flashmemory den Startvorgang und das Arbeiten mit Knoppix, sodass Startzeiten vom Laden des Kernels bis zum kompletten Desktop inklusive Compiz unter 15 Sekunden möglich sind, einigermaßen moderne Computerhardware und einen schnellen USB-Stick oder SD-Kartenleser vorausgesetzt.

Mit Knoppix Version 8.0 begonnen, kommt auch Version 8.3 in Gestalt eines Hybrid-Image zu seinen Benutzern. Deshalb dürfen diese das DVD-Image mit »dd« (Linux) oder Etcher (Windows) 1:1 auf einen USB-Stick kopieren. (Es gibt auch fertig bespielte Knoppix-8.3-Sticks bei Tuxedo Computers zu kaufen.) Der Stick ist automatisch bootfähig. Das Unterfangen ergibt insbesondere für die mittlerweile vielen Notebooks Sinn, die kein DVD-Laufwerk besitzen.

Wer dagegen ein DVD-Laufwerk in seinem Rechner hat, kann mit dem Programm »flash-knoppix« (Menü »Knoppix/Knoppix auf Flash kopieren«) bequem das DVD-Image auf einen USB-Stick flashen. Neben dem Flash-bedingten Geschwindigkeitsvorteil eröffnet sich Benutzern so auch die Möglichkeit, eigene Einstellungen sowie zusätzlich installierte Software persistent zu speichern. Flash-knoppix formatiert die erste Partition auf FAT32 und damit schreib- und änderbar. Die Partition beherbergt zugleich die für UEFI-Boot benötigten Dateien. Das voll beschreibbare System auf dem Ziel-USB-Laufwerk besitzt zudem die Option, die im Zuge der Knoppix-Benutzung selbst angelegten persönlichen Daten zu verschlüsseln.



Lange Ausstattungsliste

Für Systeme mit 64-Bit-CPUs startet - automatisch erkannt oder mit der Bootoption »knoppix64« - Linux 4.16.5 als 64-Bit-Kernel, jedoch mit einem 32-Bit-Userspace. Dennoch bleibt der Start auch auf älteren Computern ohne 64-Bit-Erweiterung möglich.

Ich lege Knoppix stark komprimiert auf der DVD ab, um die Distribution umfangreich gestalten zu können. Deshalb muss man die Liste mit Highlights der Version 8.3 als stark gekürzt bezeichnen:



Neuer Knocker sowie echte Virtualisierung

Als spezielles Feature in dieser Cebit Edition sind einerseits Virtualisierung und andererseits Container-Funktionen in Form von Docker eingezogen - zu finden im Knoppix-Menü und als Shellstarter.

Das Skript »knocker« erzeugt einen minimalen Knoppix-Container. Der wiederum beinhaltet das vorhandene Knoppix-System Read-only und kann Programme innerhalb des Docker-Behältnisses starten. Als zusätzliches Feature habe ich den Zugriff aus dem Container heraus auf die laufende Grafikoberfläche freigeschaltet, sodass Benutzer aus Docker-Containern heraus grafische Programme starten dürfen.

Auch ein Starter, um den kompletten Knoppix-Datenträger in KVM oder Qemu paravirtualisert zu starten, findet sich nun im Knoppix-Menü. Es ist vor allem zu Unterrichtszwecken praktisch, Knoppix ein- oder gar mehrmals in Knoppix zu starten. Sofern die CPU Hardware-Virtualisierung unterstützt, aktivieren sich die Kernelmodul »kvm_intel« oder »kvm_amd« entsprechend automatisch. Ansonsten arbeitet Qemu als Software-Emulator für 64-Bit-CPUs verwendet, was allerdings deutlich langsamer ist.

Knoppix-Onlinekonferenz

Seit vielen Jahren habe ich jeden Mittag auf der Bühne des Open Source Forum Vorträge zu meinem jeweils aktuellen Knoppix gehalten. Für dieses Jahr hat allerdings die Cebit jedoch ihr Eventkonzept umgestellt, weshalb es den ganzen Open-Source-Bereich nicht mehr gibt.

Als Alternative hat sich die Redaktion des Linux-Magazins für Knoppix-Fans eine Alternative überlegt: Eine Streaming-Konferenz, in der ich per Video und Screencasts die interessantestens Features von Knoppix und ungewöhnliche Linux-technischen Hintergründe erklären kann. Das Event läuft die ganze Cebit über und ist für jedermann dank der Unterstützung eines Linux-Notebook-Anbieters kosten- und registrierungsfrei.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 7/2018 des Linux Magazins, das seit September 2014 wie Golem.de zum Verlag Computec Media gehört. Knoppix 8.3 erscheint zunächst exklusiv auf der beiliegenden Delug-DVD.


Zum Autor: Knoppix-Erfinder Klaus Knopper, Jahrgang 1968 und Dipl.-Ing. der Elektrotechnik, arbeitet als selbstständiger IT-Berater und Entwickler, ist Professor an der Hochschule Kaiserslautern und gibt Kurse zu freier Software. Angeregt durch Erfahrungen seiner blinden Ehefrau entwickelte Knopper die in Knoppix integrierte Lösung Adriane, die Blinden den Umgang mit Linux-PCs vereinfacht.

 (kkn)


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