Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/honor-10-vs-oneplus-6-oberklasse-ab-400-euro-1806-134773.html    Veröffentlicht: 06.06.2018 09:05    Kurz-URL: https://glm.io/134773

Honor 10 vs. Oneplus 6

Oberklasse ab 400 Euro

Das Honor 10 und das Oneplus 6 haben eines gemeinsam: Sie bieten eine Menge Leistung für einen recht niedrigen Preis. Im Vergleichstest zeigt sich, dass Käufer des teureren Oneplus 6 zwar immer noch mehr für ihr Geld bekommen - das Preis-Leistungs-Verhältnis des Honor 10 aber schwer zu schlagen ist.

Oneplus hat Mitte Mai 2018 sein neues Android-Smartphone Oneplus 6 vorgestellt, das wie seine Vorgänger wieder Hardware aus der Oberklasse zu einem merklich geringeren Preis als die Konkurrenz bietet. Nur wenige Tage später hat auch die Huawei-Tochter Honor den weltweiten Start ihres neuen Gerätes Honor 10 bekanntgegeben.

Das Honor 10 ist wieder einmal eine etwas reduzierte Version des aktuellen Huawei-Top-Smartphones. In diesem Fall vereint das Gerät Funktionen des P20 Pro und des P20, und bietet damit für einen Preis ab 400 Euro auf dem Papier eine Menge fürs Geld. Zwei Smartphones also, die viel für weniger bieten - im Vergleichstest von Golem.de interessiert uns natürlich, ob eines der beiden Geräte das andere schlägt. Beim Testen merken wir schnell, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis des Honor 10 auch vom Oneplus 6 nicht überboten werden kann.

Beide Smartphones sind aus Glas und haben am oberen Rand des Displays eine Einbuchtung, die sogenannte Notch. Mit einer Bildschirmgröße von 6,28 Zoll ist das Oneplus 6 merklich größer als das Honor 10, das einen 5,84 Zoll großen Bildschirm hat. Beide Geräte haben ein Bildschirmformat von 19 zu 9 und eine Auflösung von 2.280 x 1.080 Pixel. Die Schärfe ist entsprechend auf dem Honor 10 etwas besser, was, wenn überhaupt, nur bei sehr genauem Hinschauen auffällt.

Die Farbwiedergabe ist bei den getesteten Smartphones ähnlich, ebenso die Blickwinkelstabilität. Bei beiden Geräten können wir die Farbtemperatur wärmer oder kälter einstellen. Im Auslieferungszustand sind die Farben sowohl beim Oneplus 6 als auch beim Honor 10 recht neutral eingestellt. Die Notch kann bei beiden Geräten verborgen werden, so dass sie nicht auffällt - gut für Nutzer, denen der Einschnitt oben im Display nicht gefällt. Anders als beim Oneplus 6 hat Huawei beim Honor 10 den Fingerabdrucksensor übrigens nicht auf der Rückseite eingebaut, sondern unterhalb des Bildschirms. Dadurch ist der untere Rahmen etwas breiter.

Insgesamt gefallen uns beide Displays gut, bis auf die Größe gibt es keine großen Unterschiede. Das ist bei den Kameras zumindest auf dem Papier anders: Das Honor 10 unterstützt den Nutzer beim Fotografieren mit künstlicher Intelligenz, was die Ergebnisse verbessern soll. Das Oneplus 6 verzichtet auf ein derartiges System. Beide Smartphones haben Dualkameras: Beim Oneplus 6 wird das Hauptobjektiv mit 16 Megapixeln vom einem zweiten Objektiv mit einem 10-Megapixel-Sensor unterstützt. Beim Honor 10 kommt ein 24-Megapixel-Sensor zum Einsatz, dem ein 16-Megapixel-Sensor zur Seite steht. Die Frontkamera des Oneplus 6 hat 16 Megapixel, die des Honor 10 kommt auf 24 Megapixel.

Im direkten Vergleich unterscheiden sich das Honor 10 und das Oneplus 6 hauptsächlich in den Farben und der Bilddynamik. Das Honor-Smartphone hat eine stärkere Sättigung, das Oneplus 6 hingegen belichtet dunkle Bereiche besser, was zu einem ausgeglicheneren Gesamteindruck führt. Von der Bildschärfe sind die beiden Smartphones sehr nah beieinander: Das Oneplus 6 hat eine etwas geringere Kantenschärfe und daher die leichte Tendenz, mehr Details zu zeigen. Diese Unterschiede sind aber nur bei starker Vergrößerung sichtbar, in der normalen Ansicht oder auch unter leichter Vergrößerung merken wir das nicht. Der Hauptunterschied liegt demnach bei der Dynamik und den Farben - und bei der Möglichkeit, beim Honor 10 die KI-Funktionen zu verwenden.

Fotoqualität liegt nah beieinander

Den KI-Modus des Honor 10 müssen wir explizit hinzuschalten. Bei Huaweis P20 Pro ist der KI-Modus in der Grundeinstellung automatisch aktiviert, die einzelnen Verbesserungen können vom Nutzer aber weggeklickt werden. Alternativ lassen sich die Verbesserungen dort auch komplett deaktivieren. Beim Honor 10 hingegen entscheidet sich der Nutzer durch die Aktivierung der KI-Kamera vor der Aufnahme direkt für die Verbesserungen; standardmäßig macht die Kamera Fotos im Normalmodus. Praktisch ist, dass wir in der Galerie die KI-Nachbearbeitung im Nachhinein deaktivieren können. So sehen wir zum einen die Unterschiede, zum anderen können wir eine uns missfallende Bearbeitung auch einfach verwerfen.

Der KI-Modus erkennt verschiedene Szenen, unter anderem blauen Himmel und Grünpflanzen sowie Blumen und Text, und passt die Bildeinstellungen entsprechend an. Unser Eindruck ist aber, dass die Verbesserungen immer recht ähnlich sind: Das Honor 10 schraubt die Sättigung hoch und hellt dunkle Bereiche etwas auf, zudem wird der Kontrast erhöht - sowohl bei Blumen, grünen Landschaften als auch bei Text.

Das sieht teilweise gut aus, etwa bei den Aufnahmen mit viel blauem Himmel. Anders als beim P20 Pro wird der Bildeindruck nicht zu kühl und sieht weniger nach einem Instagram-Filter aus. Wir finden die Verbesserungen des Honor 10 dezenter und dadurch realistischer. In manchen Situationen ist die erhöhte Sättigung aber zu viel des Guten, beispielsweise bei bunten Blumen. Diese wirken für unseren Geschmack durch die Bearbeitung nur noch quietschbunt.

Tageslichtaufnahmen sind dank der KI-Verbesserung des Honor 10 in manchen Situationen lebhafter als beim Oneplus 6, das eher wenig Sättigung in die Farben legt. Letztlich ist das aber Geschmackssache und vor allem ein Punkt, der sich leicht durch eine spätere Bearbeitung ändern lässt. Der KI-Modus des Honor 10 aktiviert automatisch den Porträtmodus, was wir sehr praktisch finden. Beide Smartphones machen gute Porträts mit einer sauberen Trennung zwischen Vorder- und Hintergrund; die Hintergrundunschärfe des Honor 10 gefällt uns besser.

Kamera des Oneplus kommt mit schlechten Lichtbedingungen besser klar

Bei schlechteren Lichtbedingungen macht das Oneplus 6 bessere Aufnahmen. Die Bilder sind insgesamt heller belichtet, das Honor 10 macht in unseren Test tendenziell etwas zu dunkle Aufnahmen. Zudem sind mehr Artefakte zu sehen, da das Oneplus 6 einen besseren Algorithmus zur Beseitigung von Bildstörungen verwendet. Schlecht sind aber auch die Bilder des Honor 10 nicht.

Insgesamt liegen die Kameras der beiden Smartphones aber dennoch nah beieinander. Die KI-Funktion des Honor 10 macht unserem Eindruck nach meist das Gleiche und erhöht die Sättigung und die Tiefen; das ist nicht zwingenderweise schlecht, ist für uns aber kein Kaufgrund. Bei schlechten Lichtbedingungen gefallen uns die Bilder des Oneplus 6 besser, bei Porträtaufnahmen hingegen liegt das Honor 10 vorne.

Beide Smartphones mit starkem SoC

So nahe sich die beiden Smartphones bei den Kameras sind, so unterschiedlich sind sie bei der Prozessorausstattung. Im Oneplus 6 kommt Qualcomms aktuelles Top-SoC Snapdragon 845 zum Einsatz, das in unserem Test erwartungsgemäß hohe Ergebnisse in den Benchmark-Tests erzielt. Im Honor 10 hingegen wird Huaweis Kirin 970 verwendet, der mittlerweile ein Dreivierteljahr alt ist und eher auf dem Stand des Snapdragon 835 liegt. Die Unterschiede in den Benchmark-Tests sind entsprechend deutlich.

Im Geräte-Benchmark Geekbench erreicht das Honor 10 einen Single-Wert von 1.896 Punkten, das Oneplus 6 hingegen kommt auf 2.445 Zähler. Im Icestorm-Unlimited-Test des 3DMark schafft das Honor 10 mit 30.995 Punkten weniger als die Hälfte des Ergebnisses des Oneplus 6. Im Car-Chase-Test des Grafik-Benchmark GFX Bench erreicht das Honor 10 22 fps, das Oneplus 6 35 fps. Die Ergebnisse des Honor 10 entsprechen denen, die wir mit anderen Kirin-970-Geräten erreichen - etwa dem Mate 10 Pro oder dem P20 Pro. Im Alltag dürften viele Nutzer von den Unterschieden nicht viel mitbekommen: Selbst aufwendige Spiele laufen auf dem Honor 10 flüssig, bei alltäglichen Anwendungen können wir keine Unterschiede in der Leistung zwischen den Smartphones feststellen.

Das Honor 10 kommt wahlweise mit 4 GByte Arbeitsspeicher und 64 GByte Flash-Speicher oder mit 4 GByte RAM und 128 GByte Flash-Speicher. Das Oneplus 6 hat in der günstigsten Version 6 GByte Arbeitsspeicher und 64 GByte Flash-Speicher, die teureren Versionen haben 8 GByte RAM und bis zu 256 GByte Flash-Speicher. Beide Smartphones unterstützen LTE und WLAN nach 802.11ac. Nutzer können sowohl das Oneplus 6 als auch das Honor 10 mit zwei SIM-Karten gleichzeitig verwenden; einen Steckplatz für Micro-SD-Karten hat keines der Geräte. Bluetooth läuft beim Honor 10 in der Version 4.1, beim Oneplus 6 in der Version 5.0. Beide Geräte haben einen Klinkenanschluss für Kopfhörer.

Ausgeliefert werden beide Smartphones mit Android in der Version 8.1. Huawei installiert beim Honor 10 seine Benutzeroberfläche Emotion UI 8.1, die auch bei den unter der eigenen Marke verkauften Top-Geräten wie dem P20 Pro zum Einsatz kommt. Oneplus liefert das Oneplus 6 mit OxygenOS aus, einem eigenen Android-Fork, der vom Aussehen nah an das unbearbeitete Android kommt. Beide Systeme laufen stabil und bieten verschiedene Anpassungsmöglichkeiten.

Wer vorhat, eine alternative Android-Version auf seinem Smartphone zu installieren, dürfte mit dem Honor 10 nicht glücklich werden. Huawei hat vor kurzem angekündigt, in Zukunft den Bootloader nicht mehr zu entsperren. Nutzer können also nicht mehr ohne weiteres eine alternative Custom Recovery installieren, die nötig ist, um ein alternatives Android-ROM zu installieren.

Gute Akkulaufzeiten bei beiden Smartphones

Der Akku des Honor 10 hat eine Nennladung von 3.400 mAh, der des Oneplus 6 kommt auf 3.300 mAh. Full-HD-Filme können wir mit dem Honor 10 bei maximaler Helligkeit knapp neun Stunden lang anschauen - das ist ein guter Wert. Das Oneplus 6 kommt im gleichen Test auf eine Laufzeit von 14 Stunden, was noch einmal deutlich mehr ist. In der alltäglichen Nutzung schaffen beide Smartphones problemlos einen Tag intensiver Nutzung.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Honor 10 ist mit 4 GByte Arbeitsspeicher und 64 GByte Flash-Speicher für 400 Euro erhältlich. Mit 128 GByte Flash-Speicher kostet das Smartphone 450 Euro. Das Oneplus 6 kostet mit 6 GByte RAM und 64 GByte Flash-Speicher 520 Euro, die teuerste Kombination mit 8 GByte Arbeitsspeicher und 256 GByte Speicher 620 Euro - diese ist aktuell allerdings laut Oneplus-Webseite nicht verfügbar.

Fazit

Das Oneplus 6 hat verglichen mit dem Honor 10 einen besseren Prozessor und eine bessere Speicherauswahl, zudem gibt es bei allen Modellen mehr Arbeitsspeicher. Bei der Kamera hingegen sind die beiden Smartphones von der Qualität her nah beieinander, ebenso beim Display.

Für Käufer dürfte entscheidend sein, inwieweit diese Unterschiede im Verhältnis zum Preisvorteil des Honor 10 stehen: Verglichen mit dem Oneplus 6 mit 64 GByte Speicher kostet das Honor 10 120 Euro weniger, verglichen mit der 128-GByte-Version ebenfalls, wobei es bei Oneplus dann doppelt so viel Arbeitsspeicher gibt.

Wer nicht Dutzende Apps innerhalb kurzer Zeit öffnet, dürfte aber erfahrungsgemäß auch mit 4 GByte RAM keinen Leistungseinbruch beobachten. Ähnlich ist es beim SoC: Der Snapdragon 845 ist zwar auf dem Papier merklich schneller, im Alltag hingegen dürfte der Unterschied nicht auffallen. Da die Smartphones von Oneplus erfahrungsgemäß nicht nennenswert im Preis sinken, dürfte der Preisunterschied bestehen bleiben oder - beim zu erwartenden sinkenden Preis des Honor 10 - sogar noch größer werden.

Wir haben in unserem Test kaum einen Grund gefunden, warum wir 120 Euro mehr für das Oneplus 6 ausgeben sollten. Das bedeutet nicht, dass es für niemanden einen derartigen Grund gibt: Wer beispielsweise sein Smartphone mit einem alternativen Android-ROM flashen will, sollte sich nicht für das Honor 10 entscheiden, da dort der Bootloader nicht mehr entsperrt werden kann. Das bedeutet zudem, dass sich Nutzer darauf verlassen können müssen, dass Huawei für das Gerät auch in Zukunft noch Updates anbieten wird - die letzten Jahre geben hierzu allerdings durchaus Hoffnung. Auch wer häufig Fotos in schummrigen Umgebungen macht, könnte die 120 Euro mehr als sinnvolle Investition auffassen.

Das ändert aber nichts am Umstand, dass das Honor 10 ein Smartphone mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis ist, das in vielerlei Hinsicht dem Oneplus 6 in nichts nachsteht. Für die meisten Nutzer dürfte das Honor 10 mit seiner guten Kamera, dem schnellen Kirin-970-Prozessor und einem guten Bildschirm alles bieten, was ein Top-Smartphone ausmacht - auch, wenn das Smartphone sich nicht ganz an die Spitze setzt. Für 400 Euro finden sich aktuell im deutschen Handel kaum gleichwertige Alternativen.  (tk)


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