Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/gemini-pda-im-test-2004-ist-nicht-2018-1806-134716.html    Veröffentlicht: 04.06.2018 12:16    Kurz-URL: https://glm.io/134716

Gemini PDA im Test

2004 ist nicht 2018

Knapp über ein Jahr nach der erfolgreichen Finanzierung hat das Startup Planet Computers mit der Auslieferung seines Gemini PDA begonnen. Die Tastatur ist gewöhnungsbedürftig, längere Texte lassen sich aber mit Geduld durchaus damit tippen. Die Frage ist: Brauchen wir heute noch einen PDA?

Das Startup Planet Computers hat mit der Auslieferung seines Gemini PDA begonnen. Das Gemini steht in der Tradition von klassischen Personal Digital Assistants (PDA) wie dem Psion und bietet eine vollwertige Tastatur für Texteingaben. Dadurch sollte sich das klappbare Android-Gerät bestens für längere Texte eignen - ein Umstand, der Smartphones ohne physische Tastatur nicht zwingenderweise nachgesagt wird.

Golem.de hat bereits frühzeitig die Crowdfunding-Kampagne unterstützt, nun haben wir unser Gerät bekommen. Im Test überprüfen wir, wie gut die Tastatur des Gemini funktioniert und wie sinnvoll der PDA im Alltag ist. Dabei sind uns zahlreiche Kritikpunkte aufgefallen, die zum großen Teil die Software betreffen - aber auch die Tastatur, also das Herzstück des PDA, und weitere Hardwareentscheidungen. Am Ende stellen wir uns zudem die Frage, inwieweit ein Gerät wie das Gemini heutzutage wirklich noch notwendig ist - bei aller Nostalgie.

Das Gemini ist ein klassischer PDA, das ähnlich wie ein kleiner Laptop aufgebaut ist: Im unteren Teil der Konstruktion sitzt die Tastatur, um oberen das 6-Zoll-Display; ein Touchpad hat das Gemini nicht. Den Klappmechanismus hat Planet Computers clever konstruiert: Anstelle eines Scharniers kommt eine Art Spange aus Metall zum Einsatz. Diese sorgt zum einen für die Spannkraft beim Auf- und Zuklappen, zum anderen dient sie als Standfuß. Die Tastatur fährt allerdings nicht aus dem Gehäuse heraus, wie sie es beim Psion macht.

Die beiden Spangenteile sind mit einem Kunststoffband miteinander verbunden. Dieses könnte dafür sorgen, dass der PDA beim Tippen nicht verrutscht - leider ist das Band aber nicht rutschfest genug. Da das Gemini auch sonst über keine Gummifüße auf der Unterseite verfügt, kann es bei schnellerem Tippen durchaus über den Tisch rutschen.

Der für viele Nutzer wohl interessanteste Teil des Gemini dürfte die Tastatur sein. Auf seiner Webseite preist Planet Computers sie als "mechanical full keyboard" an, was nur bedingt stimmt: Es dürfte sich um Scissor-Switches handeln, also im Grunde um Rubberdomes. Für echte mechanische Schalter ist im Gemini schlicht kein Platz.

Planet Computers hat sich während der Entwicklung des Gemini viele Gedanken um die Tastenverteilung der verschiedenen Layouts gemacht. Dazu wurden auch Muttersprachler hinzugezogen. Überhaupt war die Kommunikation mit den Unterstützern vorbildlich: Bis zum heutigen Tag gingen 55 E-Mails an die Indiegogo-Backer raus, in denen die Macher sehr transparent über die verschiedenen Produktionsschritte informiert haben.

Deutsches Tastaturlayout gewöhnungsbedürftig, aber funktional

Beim deutschen Layout müssen wir aufgrund von Sonderzeichen wie den Umlauten und dem ß mit ein paar Kompromissen leben. So finden sich diese Buchstaben nicht auf gesonderten Tasten, sondern als Zweitbelegung auf den jeweiligen Vokalen beziehungsweise dem S. Wir erreichen die Buchstaben über die FN-Taste, die sich in der unteren Reihe am linken Rand rechts von der Steuerungstaste befinden.

Das ist etwas ungewohnt und stört auch nach einiger Eingewöhnungszeit den Tippfluss noch; allerdings halten wir diese Belegung angesichts des begrenzten Platzes für die beste Wahl: Dadurch findet sich auf der Tastatur des Gemini unter anderem Platz für vier Cursor-Tasten sowie eine ausreichend große Enter-Taste. Das Gemini selbst ist mit 171,4 x 151 x 8 mm verhältnismäßig kompakt.

Der Druckpunkt der Tasten ist angenehm, ihre Oberfläche ist merklich kleiner als die herkömmlicher Keycaps. Das bedeutet, dass wir etwas genauer zielen müssen als bei herkömmlichen Tastaturen. Schlampiges Tippen verzeiht uns die Tastatur des Gemini nur sehr schwer: Die Tasten haben ein merkliches Binding, was bedeutet, dass sie sich etwas verkanten, wenn sie nicht mittig getroffen werden. Dann lösen sie mitunter den Buchstaben nicht aus, was zu Fehlern bei der Eingabe führt. Besonders stark ausgeprägt ist das Binding bei der Leertaste: Drücken wir sie etwas zu weit nach unten, wird sie sofort schwerfällig oder lässt sich gar nicht mehr herunterdrücken.

Die anderen Tasten zeigen besonders in den Ecken der Keycaps Binding, was zu Aussetzern beim Tippen führen kann - ohne dass wir es sofort merken. Es ist mit normal großen Fingern nicht einfach, die Tasten immer mittig zu treffen; sobald wir etwas stärker vom Zentrum der Tastaturkappe abweichen, ist die Gefahr aber hoch, dass das Zeichen nicht ausgelöst wird. Wir machen beim Tippen längerer Texte immer wieder Fehler durch fehlende Buchstaben, was auf Dauer nervt.

Zehnfingertippen funktioniert dank des deutschen Layouts auf dem Gemini übrigens auch mit kleinen Fingern nicht, zumindest nicht ohne Einschränkungen: Aufgrund der fehlenden Umlauttasten müssen Zehnfingertipper ihren Schreibfluss für das Drücken der FN-Taste und der Zweitbelegung unterbrechen, was im antrainierten Ablauf nicht vorgesehen und daher schwer einzuprägen ist. Englische Texte dürften sich hingegen mit entsprechend schmalen Fingern durchaus im Zehnfingersystem tippen lassen - Nutzer mit größeren Händen dürften aber auch hier ihre Schwierigkeiten haben.

Tastatur ist erst nach Eingewöhnung gut nutzbar

Als Zweitbelegung finden sich nicht nur Umlaute und andere Sonderzeichen wie Klammern auf den Tasten. Neben der Helligkeit lässt sich auch die Lautstärke auf diese Weise regulieren, separate Lautstärkeknöpfe hat das Gemini nicht. Außerdem gibt es Medientasten sowie Android-Shortcuts als Zweitbelegung auf den Tasten. Apps mit dem Druck auf einen Buchstaben öffnen wie bei Blackberry-Geräten können wir nicht.

Insgesamt betrachtet verdient die Tastatur des Gemini in puncto Layout durchaus Lob: Wir halten die Aufteilung für einen guten Kompromiss aus Platzangebot und Funktion. Abzüge gibt es allerdings bei der Alltagstauglichkeit der Tastatur: Das Binding ist stark und hindert besonders bei neuen Nutzern, die noch nicht an die Tastatur gewohnt sind, den Schreibfluss. Bei häufigerer Nutzung haben wir uns langsam an die kleinen Tasten gewöhnt und weniger Fehler gemacht; so fehlerfrei wie auf anderen Tastaturen tippen wir auf dem Gemini aber nicht. Dafür sorgen die immer wieder auftretenden Buchstabenaussetzer aufgrund des Bindings.

Gutes und großes Display

Außer der Tastatur ist bei einem PDA wie dem Gemini natürlich das Display wichtig. Der LC-Bildschirm des Geräts ist 6 Zoll groß und hat ein Format von 2:1. Da wir konstruktionsbedingt quer auf den Bildschirm schauen, finden wir das breite Format bei vielen Anwendungen gut, etwa beim Schreiben von Texten. Die Auflösung liegt bei 2.160 x 1.080 Pixeln, was für eine scharfe Darstellung absolut ausreicht. Mit einer Helligkeit von durchschnittlich 447 cd/qm ist der Bildschirm des Gemini zudem hell genug, um auch bei stärkerer Lichteinstrahlung noch Inhalte erkennen zu können. Die Blickwinkelstabilität ist gut, die Farben angenehm und realistisch. Insgesamt betrachtet ist das Display sehr gut und gibt keinen Anlass zur Kritik.

Allzu stark dürfen wir nicht auf das Touchdisplay drücken, wenn wir Bildschirminhalte antippen: Die im Scharnier eingebaute Stütze verhindert nicht, dass das Gemini leicht nach hinten umkippt, wenn wir auf den Bildschirm tippen. Für die Nutzung auf dem Schoß ist das Gemini übrigens unserer Meinung nach zu klein, um bequem daran arbeiten zu können. Auch auf einem Bein als Ablagefläche geht das nicht, da das Gerät dann zu sehr wackelt.

Wir finden zudem die Benutzung der Tastatur unpraktisch, wenn das Gemini nicht irgendwo abgelegt wird. Halten wir den PDA in der Hand, ist die Tastatur zu breit, um bequem mit beiden Daumen darauf zu tippen - also wie bei einem Blackberry. Die Texteingabe ist zwar möglich, wenn der Nutzer große Hände hat; aber auch dann sind die mittleren Buchstaben schon außerhalb der komfortabel erreichbaren Zone. Außerdem ist die Eingabe von Sonderzeichen mit dem Gemini in der Hand sehr mühselig, weshalb wir die Tastatur unterwegs nicht praktisch finden - es sei denn, wir stellen den PDA jedes Mal ab.

Bei der Auslieferung läuft das Gemini mit Android in einer vom Hersteller angepassten Version. Ein Blick auf die Versionsnummer führt zu leichtem Stirnrunzeln bei uns: Installiert ist Android 7.1, der Sicherheitspatch ist vom Februar 2018. Android 8.0 oder eine noch neuere Version hätte uns besser gefallen, allerdings lassen wir als Gegenargument gelten, dass es sich um das Produkt eines kleinen Herstellers handelt, dessen Entwicklung vor über einem Jahr startete. Wir hoffen allerdings, dass es bald ein Upgrade gibt.

Zu den Modifikationen gehört unter anderem die App Bar, die sich über eine spezielle Taste links von der Leertaste einblenden lässt. Hier können wir App-Icons als Shortcuts ablegen, auf die wir so schnell Zugriff haben, auch wenn wir uns in anderen Anwendungen befinden. Zusätzlich gibt es die von Android gewohnte App-Schnellzugriffsleiste, die sich aufgrund des Querformats des Gemini am rechten Rand statt unten befindet.

Einige Apps sind vorinstalliert

Die Übersicht der installierten Apps rufen wir mit einem Wisch von unten nach oben auf. Die voreingestellte Größe der Icons war uns zu groß, wir haben die komplette Anzeige um einen Schritt verkleinert. So finden wir die Bedienung besser, da übersichtlicher.

Planet Computers hat zudem einige Anwendungen vorinstalliert. Dazu gehören Einstellungs-Apps für die App Bar, ein Gemini-Sprachassistent sowie eine Notiz-App. Der Sprachassistent hat eine eigene Oberfläche und macht beim Drücken der Sprachtaste ein schickes Geräusch, ist letztlich aber nur ein Frontend für den Google Assistant, den wir natürlich auch direkt aufrufen können. Der Sprachassistent lässt sich auch über eine Taste am rechten Rand starten. Das funktioniert auch, wenn der Gemini zugeklappt ist - Antworten erhalten wir sinnloserweise aber erst, nachdem wir das Gerät aufgeklappt haben.

Ebenfalls vorinstalliert ist die App LEDison. Damit können wir die fünf in der Mitte der Vorderseite installierten RGB-LEDs programmieren und in bestimmten Mustern blinken lassen. Sieben Muster sind vorinstalliert (darunter natürlich auch ein roter Lichtverlauf wie bei KITT), wir können aber auch eigene Muster erstellen. Einen echten Sinn haben die blinkenden Lichter nicht, das Benachrichtigungslicht operiert unabhängig davon, wir finden die Funktion aber schön nerdig.

Software ist noch nicht ausgereift

Schauen wir uns die aktuell installierte Android-Version an, gibt es einige Baustellen, an denen Planet Computers arbeiten muss. So ziehen sich fehlende oder unglückliche deutsche Übersetzungen durch die Menüs. Die Tastatureinstellungen sind etwas verwirrend, da sich die Einstellungs-App mit dem Namen Gemini-Tastatur hauptsächlich auf die Softwaretastatur zu beziehen scheint. Wir haben zunächst kein Glück gehabt, bei der physischen Tastatur die Auslösetöne und Vibrationen auszuschalten. Irgendwann hat die Tastatur dann nicht mehr gebrummt, warum, wissen wir nicht. Einer externen Tastatur konnten wir in den Einstellungen beim besten Willen nicht das deutsche QWERTZ-Layout zuweisen.

Zudem arbeitet die automatische Helligkeitsregulierung unzuverlässig; sie hat uns nach kurzer Zeit so sehr genervt, dass wir sie wieder deaktiviert haben. Interessanterweise ist sie nach der Ersteinrichtung generell ausgeschaltet, Planet Computers weiß vielleicht, warum. Die Helligkeit kann wie bei einem Laptop über die Tastatur reguliert werden, was wir in der täglichen Nutzung angesichts der erratischen automatischen Helligkeitsregulierung akzeptieren.

Die Bildschirmrotation funktioniert beim Gemini ebenfalls nicht so, wie wir es gerne hätten. Zwar haben wir in den Einstellungen festgelegt, dass das Display auch im Hochformatmodus verwendet werden kann, in der Praxis geht das allerdings nicht. Bei manchen Anwendungen würden wir es schon bevorzugen, das Gemini kurz hochkant zu verwenden.

Neben der vorinstallierten Android-Version ermöglicht es der Gemini uns auch, ein Debian-Linux als zweite Boot-Option zu installieren. Dafür gibt es auf der Homepage von Planet Computers eine Anleitung sowie ein Flash-Tool, mit dem die Installation einfach ist. Aktuell können wir aber nicht dazu raten, die Linux-Version zu installieren, da sie ziemlich enttäuschend ist.

Die verbaute Hardware schafft es schlichtweg nicht, eine halbwegs ruckelfreie Nutzung zu ermöglichen. Stattdessen warten wir mitunter mehrere Sekunden, bis sich Apps oder Webseiten öffnen. Das ist bei derartigen Linux-auf-Android-Lösungen leider auch nach Jahren noch üblich. Denn die für Android erstellten Hardwaretreiber sind oft proprietär und darüber hinaus nicht zu einer üblichen Linux-Distribution kompatibel.

Probleme mit Debian

Überbrücken soll dieses Problem eigentlich die Bibliothek Libhybris, die bereits vor mehreren Jahren von Jolla für Sailfish OS geschaffen wurde. Doch trotz zahlreicher Community-Aktivitäten und der Verwendung in kommerziellen Projekten ist die Adaption der Technik für neue Projekte schwierig, was sich auch an dem Gemini zeigt. Immerhin gibt es eine Community-Anleitung, wie darüber zumindest der Chromium-Browser beschleunigt werden kann. Das ist im aktuellen Image aber weder standardmäßig aktiviert noch für alle Anwendungen umgesetzt.

Auch darüber hinaus sind viele grundlegende Funktionen nur schwierig nutzbar. So ist zum Beispiel das Einrichten einer drahtlosen Internetverbindung ziemlich umständlich. Bei manchen Fenstern konnten wir nicht mit der Maus auf den OK-Button klicken - auf dem Display des Gemini war dieser schlicht nicht immer zu sehen. Das Fenster lässt sich dann auch nur per Alt+Klick entsprechend verschieben, was ebenfalls in der Community-Anleitung erwähnt wird. Darin finden sich auch viele weitere Details, etwa zur Audiokonfiguration, der Tastaturbelegung oder zum Setzen einer Shell-Umgebung, um das Gemini auch über die Kommandozeile zu verwenden. In künftigen Versionen des Debian-Images könnten die in der Anleitung aufgeführten Dinge bereits vorkonfiguriert werden.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Wir halten es für löblich, dass Planet Computers es den Nutzern ermöglicht, weitere Betriebssysteme auf das Gemini spielen zu können - geplant ist auch eine Version von Sailfish OS, eine erste Version von Lineage OS gibt es bereits. Im Falle von Debian ist die aktuelle Version aber bei weitem noch nicht alltagstauglich. Sollte der Port von Sailfish OS zufriedenstellend umgesetzt werden können, sollte davon auch die Nutzung von Debian profitieren. Wir haben aber erhebliche Zweifel, ob ein kleines Community-Projekt dies je erfolgreich schaffen kann, da selbst Unternehmen wie Samsung sichtlich Probleme damit haben, eine handelsübliche Linux-Distribution auf einem Android-Gerät anzubieten. Die Crux an diesem Vorhaben sind die fehlenden freien Treiber im Hauptzweig des Linux-Kernels. Solange sich daran nichts grundlegend ändert, bleiben diese Projekte nicht viel mehr als Basteleien.

Kein eingebautes HDMI-Out

Ein Problem ist es, die Bildschirminhalte des Gemini auf einen anderen Monitor zu spiegeln. Im Einstellungsmenü findet sich eine Option für den HDMI-Out, mit verschiedenen USB-Typ-C-Dongles haben wir allerdings keine HDMI-Verbindung zu unterschiedlichen Monitoren herstellen können. Der Grund dafür ist einfach: Wir benötigen dafür ein spezielles Kabel. Dieses konnten Unterstützer der Crowdfunding-Kampagne mitbestellen; wer es bei der Indiegogo-Kampagne also nicht mitgeordert hat, muss es für 40 Pfund nachbestellen. Display Port unterstützt das Gemini leider auch nicht, immerhin können wir das Signal drahtlos per Miracast an unterstützte Geräte senden.

Die fehlende Display-Port-Unterstützung ist auch deswegen ärgerlich, da das Gemini gleich zwei USB-Typ-C-Anschlüsse hat. Diese sind allerdings nur zum Laden und für den Anschluss externer Geräte gedacht. Die Ladefunktion ist dabei nur im Anschluss am linken Rand realisiert, dafür soll die Buchse am rechten Rand mit dem passenden Kabel einen HDMI-Out bieten.

Von der Leistung her ist das Gemini ein Mittelklassegerät. Der eingebaute Helio-X27-Prozessor von Mediatek hat zehn Kerne und erreicht maximal 2,6 GHz. Im Geräte-Benchmark Geekbench erreicht der PDA einen Single-Wert von 966 Punkten. Das liegt ungefähr auf dem Level anderer Mittelklasse-Smartphones wie dem Honor 9 Lite und dem Huawei P Smart. Im Icestorm-Unlimited-Test des 3DMark kommt das Gemini auf 14.207 Punkte, was ebenfalls nicht besonders viel ist.

Für alltägliche Aufgaben und auch nicht allzu komplizierte Spiele reicht der Prozessor in Verbindung mit 4 GByte Arbeitsspeicher allerdings vollkommen aus. Wir können mit dem Gemini surfen, E-Mails abrufen, Texte schreiben und Videos schauen, die auf dem guten Display gar nicht mal schlecht aussehen. Ist eine Anwendung allerdings zu anspruchsvoll, kommt das Gerät ins Stocken.

Der eingebaute Flash-Speicher ist 64 GByte groß, ein Steckplatz für Micro-SD-Karten ist eingebaut. Dieser ist wie der SIM-Slot in unserem LTE-Modell unter einer Metallklappe versteckt, die fast die gesamte Oberseite der Display-Einheit bedeckt. Entfernt wird sie mit einem mitgelieferten Werkzeug, welches das durch Spannung gehaltene Metallstück löst - hierfür brauchten wir am Anfang schon ein wenig Überwindung. Unter der Klappe ist übrigens auch der Steckplatz für die optionale 5-Megapixel-Kamera verbaut, die wir nicht mitbestellt haben. Unser Modell hat nur eine 5-Megapixel-Frontkamera für Videotelefonie. Das Kameramodul kann für 40 Pfund nachbestellt werden.

eSIM ist eingebaut

Das Gemini unterstützt WLAN nach 802.11ac, das LTE-Modell zusätzlich noch mobile Internetverbindungen. In dieser Variante ist auch eine eSIM verbaut, die in den Einstellungen als Karte 2 angezeigt wird. Verwenden können wir diese noch nicht, Planet Computers gibt die Funktion auch nur als "eSIM ready" an. Bluetooth läuft in der Version 4.1, ein GPS-Modul ist eingebaut. Einen NFC-Chip hat der PDA nicht.

Links und rechts im Rand sind Lautsprecher eingebaut, die Stereoklang wiedergeben sollen. Das funktioniert allerdings nicht: Beide Lautsprecher geben das gleiche Audiosignal aus, wie wir mit verschiedenen Audio-Testdateien feststellen konnten. Bei Auslieferung ist eine Klangmodifikation aktiviert, die im Menü unter dem Stichwort "Klangverstörung" geführt wird. Wir glauben immer noch, dass es sich um einen weiteren Übersetzungsfehler handelt, es lässt sich aber nicht leugnen, dass der Sound tatsächlich schlechter wird.

Die Lautstärke wird zwar merklich gesteigert, gleichzeitig nehmen aber auch Nebengeräusche und das Scheppern der Höhen stark zu. Das Problem ist, dass das Gemini ohne diese Lautstärkeanhebung recht leise ist - am sinnvollsten scheint es uns, das Gerät mit Kopfhörern zu verwenden, eine Klinkenbuchse ist eingebaut.

Telefonieren per Freisprecheinrichtung oder mit Kopfhörern

Kopfhörer empfehlen wir auch allen, die mit dem Gemini telefonieren wollen. Die LTE-Version des PDA hat eine Telefoniefunktion, die ohne Kopfhörer nur mit einer Freisprechanlage nutzbar ist. Diese ist für unseren Geschmack viel zu leise, sie hat in etwa die Lautstärke von Musik, die ohne die Lautstärkeanhebung abgespielt wird. Leider können wir mit der Anhebung die Lautstärke eines Telefonats nicht verstärken. Unser Gegenüber hat uns über das eingebaute Mikro gut verstanden, auch wenn wir nicht direkt vor dem Gemini gesessen haben.

Der Akku hat eine Nennladung von 4.220 mAh und kann vom Nutzer ausgetauscht werden. Eigenartigerweise können wir den PDA nicht mit dem mitgelieferten USB-C-Kabel laden. Erst mit einem unserer Kabel lässt sich das Gerät über das mitgelieferte Netzteil aufladen, ein Umstand, der auch bei Crowdfunding-Kampagnen kleiner Startups nicht passieren sollte. Einen Full-HD-Film können wir bei voller Helligkeit 5,5 Stunden lang anschauen, ein durchschnittlicher Wert.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Gemini PDA kostet in der WLAN-Version im Onlineshop des Herstellers Planet Computers 500 Pfund, was umgerechnet 570 Euro sind. Mit LTE-Modul müssen Käufer 600 Pfund hinlegen, also knapp 685 Euro. In den Preisen sind das HDMI-Kabel oder das Kameramodul nicht inbegriffen.

Fazit

Als PDA- und Tastaturliebhaber wollen wir das Gemini mögen; wir finden die Idee eines kleinen Gerätes charmant, auf dem man auch mal bequem einen längeren Text schreiben kann. Planet Computers macht es uns mit der aktuellen Version des Gemini aber nicht leicht, uns für den PDA zu begeistern.

Das liegt vor allem an zahlreichen nervigen Bugs bei der Software und auch der Hardware. Allen voran erscheint uns die installierte Android-Version nicht ausgereift; die nachinstallierbare Debian-Version ist aktuell für uns kein Grund, sich das Gemini zu kaufen. Wir halten sie für nicht nutzbar und halten es auch für fraglich, ob es beim aktuellen Entwicklungsansatz jemals eine wirklich gute Linux-Version für das Gemini geben wird.

Nervig finden wir, dass wir für eine HDMI-Verbindung zu einem Monitor ein spezielles Kabel brauchen, das uns umgerechnet 45 Euro kostet. Die Verbindung mit Miracast kann zwar ein Ersatz sein, dies funktioniert aber meist nur mit Fernsehern und nicht mit Computermonitoren.

Bei der Tastatur sind wir zwiegespalten: Generell lassen sich mit dem Gemini auch längere Texte gut tippen, allerdings benötigt es eine Einarbeitungszeit aufgrund des Key-Bindings. Dies erfordert ein recht genaues Tippen auf die Mitte der Tasten, da es sonst zu Buchstabenaussetzern kommt. Wir finden schon, dass es einen merkbaren Unterschied zu einer "echten" Tastatur gibt. Lobenswert finden wir das Tastaturlayout, das zwar ebenfalls eine Einarbeitung erfordert, aber einen sinnvollen Kompromiss aus Praktikabilität und Platzangebot schafft.

Braucht es heute noch PDAs?

Wir haben uns während unseres Tests aber gefragt, ob es die Gerätegattung PDA heutzutage überhaupt noch braucht. PDAs stammen aus Zeiten, in denen Mobiltelefone bestenfalls eine T9-Texteingabe hatten und eine echte Tastatur das Tippen bei den meisten Nutzern stark beschleunigt hat. Die heutigen Smartphones mit Softwaretastaturen wie Gboard, die eine gute Textkorrektur, eine Autovervollständigung von Wörtern und Slide-Funktionen haben, sind eigentlich ganz gut aufgestellt, wenn es um das Tippen von Texten geht.

Wir haben den Test gemacht und die gleichen Texte auf dem Gemini und auf einem P20 Pro von Huawei mit Gboard getippt. Wir waren mit dem PDA nicht schneller, zudem haben wir mit der Softwaretastatur bei normalen Sätzen dank der gut eingestellten Autokorrektur weniger Fehler gemacht.

Dazu kommt, dass wir die Tastatur des Gemini für die schnelle Whatsapp-Nachricht unterwegs unpraktisch, da zu groß finden. Auch aus diesem Grund sehen wir den PDA nicht als vollwertigen Ersatz für ein Smartphone, obwohl es im Herzen eigentlich eines ist. Das liegt auch an der standardmäßig fehlenden Kamera, die nachgerüstet letztlich auch nur 5 Megapixel hat, und der Notwendigkeit, zum Telefonieren mit Privatsphäre immer ein Headset nutzen zu müssen.

Das Gemini ist - die Probleme mal außen vorgelassen - letztlich leider ein Gerät ohne echten Zweck. Die Zeit für ein Smartphone mit derartig großer Tastatur scheint vorbei zu sein, auch wenn uns diese Erkenntnis schmerzt; moderne Geräte mit einer Softwaretastatur sind schlicht komfortabler zu bedienen. Zudem gibt es zum Preis des Gemini deutlich leistungsfähigere Geräte.

Den Einwand, dass das Gemini auch als kleiner Debian-Computer verwendet werden kann und daher mehr bietet als ein normales Smartphone, lassen wir aktuell aufgrund der Qualität der Software-Implementierung nicht gelten. Wir wollen den Gemini-Entwicklern aber nicht absprechen, dass sie die Software in Zukunft noch verbessern; daher werden wir die Entwicklung weiterhin verfolgen, auch im Hinblick auf die kommende Sailfish-OS-Version für das Gemini. In der aktuellen Form halten wir das Gemini aber schlicht für nicht nützlich.  (tk)


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