Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/hue-sync-im-test-ambilight-zum-nachruesten-1805-134652.html    Veröffentlicht: 31.05.2018 12:12    Kurz-URL: https://glm.io/134652

Hue Sync im Test

Ambilight zum Nachrüsten

Philips Lighting hat mit Hue Sync eine einfache Methode vorgestellt, Videos und Musik mit farbigen Hue-Lampen zu verbinden. Damit werden die in einem Film dargestellten Farben wiedergegeben. Im Test überzeugt uns das System auch als Ambilight-Alternative.

Philips Lighting hat die Software Hue Sync vorgestellt. Mit Hue Sync können Besitzer von mehrfarbigen Hue-Lampen diese verwenden, um Videos und Musik farblich zu untermalen. Je nach verwendeter Quelle wird das Audio- beziehungsweise Videomaterial auf unterschiedliche Weise visualisiert.

Bei Musik können Nutzer verschiedene Lichtfarben wählen, die Hue Sync anschließend verwendet, um im Takt der Musik zu leuchten. Interessanter ist das System bei Videos: Dabei analysiert Hue Sync in Echtzeit das Videomaterial und stellt die darin enthaltenen Farben positionsgerecht auf den verwendeten Lampen dar. Golem.de konnte sich das neue System vor dem Marktstart bereits anschauen - und war sofort im Ambilight-Fieber, trotz kleiner Abstriche.

Um Hue Sync nutzen zu können, benötigen wir mehrfarbige Hue-Lampen, die aktuelle Hue-Bridge (das eckige Modell) sowie einen Windows-PC oder einen Mac. Darauf installieren wir den Hue-Sync-Client, der sich mit unserer Basisstation verbindet. Ein Konto müssen wir nicht eingeben, die komplette Einrichtung ist binnen Minuten erledigt.

Über die Sync-Anwendung steuern wir die Synchronisation zwischen unseren Lampen und den Video- und Audioquellen. Um die Lampen mit dem Programm nutzen zu können, müssen wir allerdings zunächst einen Entertainment-Bereich anlegen - das geht am einfachsten über die Hue-App auf einem Smartphone.

Hue hatte die Entertainment-Option auf der CES 2018 vorgestellt, bisher war sie allerdings nur mit Zubehör von Razer nutzbar. Dabei wurden die Lichteffekte einer Tastatur auf die Lampen gespiegelt, die der Nutzer dem Entertainment-Bereich zugeordnet hat. Diese Muster basieren auf fest definierten Leuchtmustern, im Gegensatz zum neuen Sync-Modell; hier passt sich die Beleuchtung den wechselnden Quellen an, ohne sich an vordefinierte Strukturen zu halten.

Drei Lampen reichen für Disco-Feeling

Wir haben in unserem Setup insgesamt drei Leuchten mit mehrfarbigen Hue-Lampen: Eine steht hinter unserem Fernseher, eine rechts daneben auf einem Schrank, die dritte etwas weiter links davon auf einer Musiktruhe. Ein Druck auf die Synchronisationsschaltfläche in der Sync-Anwendung auf unserem Windows-PC aktiviert das System, nun warten die Lampen auf Input. Also starten wir Spotify und schauen, was passiert.

Direkt mit dem Start der Musik fangen unsere Lampen an, farbig im Takt zu leuchten. Über die Anwendung können wir die Intensität einstellen, von unauffälligem Aufleuchten bis hin zu recht wildem Geflacker. Auch die Helligkeit können wir einstellen. Hue Sync ist erstaunlich taktsicher, die Leuchteffekte passen gut zur Musik.

Natürlich ist der Effekt bei rhythmischer Musik eindrucksvoller als bei einem langsamen Streichquartett. Die Farben, in denen die Lampen aufleuchten, können wir nicht selbst wählen. Stattdessen stehen uns einige voreingestellte Farbauswahlen zur Verfügung, die zwischen dezent und knallig rangieren.

Filme schauen wird zur Lichtshow

Interessanter finden wir Hue Sync aber in Verbindung mit Videos. Starten wir die Videosynchronisation und schauen einen Film auf unserem PC, analysiert die Software die darin vorkommenden Farben und gibt sie auf den Lampen wieder. Auch hier haben wir die Möglichkeit, die Intensität einzustellen. Hue Sync gibt nicht auf allen Lampen die gleichen Farben wieder, sondern passt die Darstellung an die Position der Lampen im Raum in Abhängigkeit zum Fernseher an. Für ein möglichst immersives Gefühl sollten wir natürlich unseren Film vom PC auf den Fernseher spiegeln - entweder per HDMI-Kabel, Miracast oder Airplay, wenn wir einen Mac verwenden. Wichtig ist, dass der Film sichtbar auf dem Rechner läuft, da das Material dann analysiert wird. Daher funktioniert auch Google Cast nicht, da dann auf dem Rechner kein Video läuft.

Da wir unserem Hue-System über die Smartphone-App gesagt haben, wo welche Lampen stehen, weiß Hue Sync auch, auf welchen Leuchten welche Farben dargestellt werden sollen. Unsere Grundaufstellung, die wir bei der Musikwiedergabe genutzt haben, haben wir zum Filmeschauen allerdings aufgegeben: Wir haben alle unsere drei Lampen hinter unseren Fernseher gestellt - eine links, eine rechts und eine in der Mitte. So erhoffen wir uns ein Ambilight-artiges Erlebnis, zudem finden wir die im Raum verteilten flackernden Lampen beim Filmeschauen etwas irritierend.

Für ein gutes Ergebnis mussten wir bei unserem neuen Lampen-Setup allerdings ein wenig schummeln und mit der Position der Lampen im Einstellungsmenü des Entertainment-Bereiches in der Hue-App experimentieren. Sagen wir dem System, dass sich alle drei Lichtquellen direkt hinter dem Fernseher befinden, fasst Hue Sync die Position zu einer zusammen und zeigt auf allen drei Lampen die gleichen Farben - das ist langweilig. Platzieren wir die beiden äußeren Leuchten hingegen virtuell weiter nach links und rechts, zeigen sie jeweils die Farben des linken und rechten Bildrandes an. In der Realität lassen wir sie natürlich hinter dem Fernseher stehen.

Taucht dann im Bild von links ein rotes Objekt auf, wechselt die linke Lampe auf Rot. Die anderen zwei Lampen bleiben hingegen bei den Farben, die in ihrer Ecke dargestellt werden. Dadurch entsteht das Gefühl, dass das Fernsehbild auf der Wand hinter dem Fernseher ausgeweitet wird - ganz wie bei Ambilight. In dieser Konfiguration funktioniert die mittlere Lampe allerdings nicht so zuverlässig wie die beiden am Rand: Tendenziell zeigt sie eher Farben aus der Bildmitte an und nicht vom oberen Rand. Platzieren wir die Lampe im Entertainment-Bereich virtuell vor dem Fernseher, werden die Farben des unteren Bildrandes wiedergegeben.

Ein vollwertiger Ambilight-Ersatz ist Hue Sync aktuell also noch nicht. Die Farbwiedergabe am linken und rechten Rand funktioniert in unseren Experimenten sehr gut, die am oberen Rand hingegen nicht. Zur Verteidigung des Herstellers müssen wir aber natürlich erwähnen, dass Hue Sync nicht als neues Ambilight angepriesen wird und die Positionierung von Hue-Lampen hinter einem Fernseher möglicherweise gar nicht vorgesehen ist. Mit etwas Experimentieren erzielen wir aber durchaus sehenswerte Resultate. Mit im Raum platzierten Lampen funktioniert Hue Sync zudem tadellos und gibt die korrekten Farben wieder.

Auch Audio kann als Effekt einbezogen werden

Zusätzlich zu den anhand des Videomaterials ermittelten Farben können wir Hue Sync auch die Audiospur des Films in das Beleuchtungsmuster einbeziehen lassen. Dann flackert das Bild beispielsweise auf, wenn laute Schüsse fallen. Bei dieser Funktion sollten Epileptiker besonders in der Intensiv-Einstellung vorsichtig sein, da es bei lauten Passagen mitunter zu einem starken Flackern kommen kann. Je nach Film kann sich die Einbeziehung der Audiospur aber lohnen, um zusätzliche Stimmung zu erzeugen; es lohnt sich, mit den verschiedenen Intensitätseinstellungen herumzuprobieren.

In unseren Tests konnten wir eine Vielzahl an Filmquellen nutzen - Hue Sync lässt sich im Grunde mit jedem Video nutzen, das auf dem Display des Computers angezeigt wird. Netflix, Youtube oder lokal gespeicherte Videos - Hue Sync macht dabei keine Unterschiede. Das Gleiche gilt für Audioquellen. Wen die Beleuchtung während der Wiedergabe stört, kann einfach die Synchronisation über die Sync-Anwendung auf dem PC deaktivieren.

Wir haben uns beim Filmeschauen entschieden, die Leuchten hinter unseren Fernseher zu stellen; das bedeutet natürlich, dass wir sie nach dem Ende des Films wieder an ihre angestammten Plätze stellen. Manchen Nutzern mag das zu umständlich sein, uns macht es nichts aus. Natürlich könnten wir einfach weitere Lampen kaufen und verschiedene Entertainmentbereiche einrichten: Einen Bereich mit allen Lampen zum Musikhören und einen zum Filmeschauen, in dem sich die Lampen hinter dem Fernseher befinden. Die Sync-Anwendung erlaubt es uns, aus den verschiedenen Entertainmentbereichen des Hue-Systems zu wählen.

Auch Lösungen mit mehreren Entertainmentbereichen denkbar

Alternativ können wir bei unserem Setup mit drei Leuchten auch alle Lampen an ihren Plätzen lassen und nur die einzelne, eh schon hinter dem Fernseher platzierte Lampe für die Synchronisation verwenden. Auch dafür könnten wir einen zweiten Entertainmentbereich einrichten, in dem nur die einzelne Lampe hinter dem Fernseher verwendet wird. Lassen wir die Lampe in der virtuellen Einstellung aber in der Mitte, ist das Ergebnis aus oben genannten Gründen nicht optimal.

Fazit

Hue Sync ist für Besitzer der aktuellen Hue-Bridge und farbiger Lampen eine tolle Möglichkeit, das heimische Entertainment aufzuwerten. Besonders die Videowiedergabe mit farbiger Untermalung hat uns sehr gut gefallen.

Die Farbsynchronisation ist überraschend gut: Farbigen Elementen im Bild werden sinnvoll entsprechende Lichtmuster zugeordnet. Die Einstellungen für Helligkeit und Intensität helfen, für verschiedene Filme eine passende Beleuchtung zu finden. Ein perfekter Ambilight-Ersatz ist Hue Sync allerdings nicht, will es aber eigentlich auch gar nicht sein - lässt sich aber durchaus dazu verwenden.

Experimentieren lohnt sich

Es lohnt sich, mit der Position vorhandener Leuchten zu experimentieren. Unsere Lösung, drei Stück hinter den Flachbildfernseher zu stellen, fanden wir beim Videoschauen deutlich besser als die Verteilung der Leuchten im Raum. Lassen wir Musik optisch untermalen, ist es besser, sie über den Raum zu verteilen.

Etwas umständlich ist es aktuell noch, dass Hue Sync einen PC erfordert, wobei die kabellosen Lösungen das Filmeschauen über einen Computer erleichtern. Wünschenswert wäre es, wenn Hue Sync irgendwann auch auf Smartphones und Smart TVs funktioniert.

Hue Sync kann kostenfrei heruntergeladen werden, für Besitzer von farbigen Hue-Lampen entstehen also keine Zusatzkosten. Wer noch keine Lampen hat, muss aktuell für das Starter-Kit mit drei farbigen Hue-Lampen, der eckigen Bridge und einem Dimm-Schalter um die 130 Euro im Onlinehandel ausgeben.  (tk)


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