Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/windows-10-der-april-2018-update-scherz-1806-134567.html    Veröffentlicht: 07.06.2018 08:49    Kurz-URL: https://glm.io/134567

Windows 10

Der April-2018-Update-Scherz

Microsofts April-2018-Update für Windows 10 hat so viele Fehler, als würden drei Insider-Ringe nicht ausreichen. Das Unternehmen setzt seine Nutzer als Betatester ein und reagiert dann auch noch langsam auf Fehlermeldungen - das muss sich ändern.

"Das sicherste Windows bisher": Aussagen wie diese machte Microsoft bereits zum Release des Creators Update 1703 für Windows 10 im April 2017. Damals plagten das Betriebssystem diverse Probleme: So berichteten einige Nutzer von plötzlichen Framedrops und Leistungseinbrüchen ihrer Computer, nachdem sie das Update aufgespielt hatten. Eine teilweise Lösung kam erst einige Monate später im August 2017. Aktuell zeigen sich diese ärgerlichen Probleme in einem anderen Gewand erneut.

Das April-2018-Update ist ein schlechter Scherz: Es ist ein Beweis für die mangelhafte Qualitätskontrolle seitens Microsoft, das Nutzer letztlich als Betatester verwendet - sehr zu deren Nachteil. Anders lassen sich die bisher unverhältnismäßig vielen und teilweise kritischen Fehler nicht erklären, die Version 1803 in das Betriebssystem einbaut. Das Unternehmen muss bereits hier ansetzen und gefundene Fehler schneller kommunizieren. Auch die trägen Reaktionen auf Fehlermeldungen müssen beschleunigt werden.

Eigentlich ein Mai-2018-Update

Angebahnt haben sich Probleme mit Version 1803 bereits, bevor Microsoft das Update überhaupt auf Clients verteilt hat. Ein fester Release-Termin wurde niemals bekanntgegeben. Nur aus diversen Supporteinträgen konnte ein ungefähres Datum herausgefiltert werden: um den 5. April 2018. Allerdings mussten Kunden letztendlich doch bis zum 30. April warten, um es manuell herunterzuladen. Die automatische Verteilung erfolgte sogar erst ab 8. Mai. Gleichzeitig wurde dies von Microsoft niemals akkurat kommuniziert, so dass Endkunden und die Berichterstatter lange in Dunkeln tappten.

Ähnlich unzureichend handhabte Microsoft die Ankündigung neuer Funktionen. Beim Fall Creators Update, das im Herbst 2017 veröffentlicht wurde, war niemandem wirklich klar, welche Funktionen neu hinzugekommen waren. Am Ende hieß es auf Golem.de: Ein bisschen Kontaktpflege - und das, obwohl neue Funktionen für die Sprachassistentin Cortana und Verbesserungen bei der Barrierefreiheit des Betriebssystems vorher angekündigt worden waren. Letztlich kamen nicht einmal alle versprochenen Änderungen am Fluent Design mit Version 1709.

Beim April-2018-Update lief das zumindest besser: Bereits auf der Entwicklermesse Build 2017 zeigte Microsoft kommende Funktionen wie die Timeline, die auch zum geplanten Zeitpunkt erscheinen sollten. Hier hat Microsoft nicht zu viel versprochen. Einzig beim geplanten Release hat sich das Unternehmen grob verschätzt. Dabei wird Windows-10-Nutzern sogar eine Übersicht zu kommenden und bereits fertiggestellten Neuerungen gezeigt. Die Windows-10-Roadmap ist ein mächtiges Tool, das Microsoft aber genauso wie das Supportforum nur sehr träge pflegt.

Als das April-2018-Update dann doch endlich von Nutzern heruntergeladen werden konnte, häuften sich Berichte von Problemen: So friert ein Bug der Hardwarebeschleunigung in Verbindung mit Drittanbieterbrowsern das komplette System unkontrollierbar ein. Und obwohl nach kurzer Zeit bereits mehrere Nutzer das Problem reproduzieren konnten, ließ sich Microsoft mit einer Antwort Zeit.

Nur wenige Tage später berichteten Windows-10-Nutzer von willkürlichen Abstürzen des Windows Explorers, nachdem das Update aufgespielt wurde. Das Problem scheint mit der Timeline und deren Synchronisation mit Microsoft-Konten zusammenzuhängen. Diese von Microsoft hoch angepriesene Funktion sollte eigentlich eine der Neuerungen des April-2018-Updates sein. Letztlich musste sie abgeschaltet werden, um weitere Abstürze zu verhindern. Mittlerweile hat Microsoft im Insider Build 17672 Verbesserungen diesbezüglich angekündigt. Einige Nutzer, die diese Version testen, haben das Problem aber weiterhin.

Einige der hinzugekommenen Fehler im April-2018-Update haben sogar unmittelbar mit der Hardware zu tun, so dass sie nicht einfach umgangen werden können. Mitte Mai 2018 berichteten Nutzer und auch Microsoft selbst von verkürzten Akkulaufzeiten bei Geräten mit einigen Toshiba- oder Intel-SSDs in Verbindung mit dem Update. Microsoft. Eine Lösung bringt erst das Paket B4100403.

Besonders ärgerlich sind all diese Fehler, wenn bedacht wird, dass Microsoft sogar drei unterschiedliche Insidergruppen nutzt, um neue Windows-Versionen zu testen.

Drei Testkreise sind anscheinend zu wenig

Der erste der drei Testkreise ist der Fast Ring. Seine Mitglieder haben zuerst Zugriff auf neue Windows-Versionen und deren Funktionen. Slow-Ring-Nutzer werden danach mit Vorabversionen versorgt, während im Release Preview Ring größtenteils funktionierende Produkte zum Test zur Verfügung stehen. Trotzdem scheint das nicht zu reichen, so dass viele Fehler letztlich von Endkunden selbst gefunden und berichtet werden müssen, sehr zu deren Ärgernis.

Eine einfache Lösung wäre es etwa, bereits im Fast Ring mehr Tester mit neuen Features zu beliefern. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Bugs auch von Nutzern berichtet werden. Wenn Tester jedoch nicht genau wissen, nach welchen Fehlern sie suchen sollen, bringt die schiere Masse an Leuten nichts. Eine leicht und am besten öffentlich erreichbare Übersicht bekannter Probleme wäre eine Lösung für dieses Problem.

Und auch vor und nach dem Release einer vollständigen Version wie dem April-2018-Update muss die Kommunikation des Tech-Supports mit der Community schneller gehen. Dass die Lösung von Problemen teilweise Wochen auf sich warten lässt, ist inakzeptabel. Dabei geht Microsoft zumindest mit seiner Ehrlichkeit in Bezug auf Fehler in die richtige Richtung.

Was fehlt, ist die schnelle Reaktion auf solche Fehlerberichte und rasche Patches, statt nur wenige Male im Monat ein Update zu veröffentlichen. Hotfixes von wenigen Megabytes stören wohl niemanden, solange diese keinen Systemneustart erfordern. Dann kann Microsoft gerne auch wieder mit Sprüchen wie "Das sicherste Windows bisher" werben.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)  (on)


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