Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/fixed-wireless-telekom-baut-gigabit-fuer-ein-viertel-der-deutschen-haushalte-1805-134560.html    Veröffentlicht: 24.05.2018 13:45    Kurz-URL: https://glm.io/134560

Fixed Wireless

Telekom baut Gigabit für ein Viertel der deutschen Haushalte

Die Telekom hat ihre Ziele für den Breitbandausbau mit Fixed Wireless genannt. Die letzte Meile zum Kunden wird per Funk angebunden, der Tiefbau und die Inhouseverkabelung entfallen. Doch das hat auch Nachteile.

Fast ein Viertel der Haushalte in Deutschland soll Zugang zu Gigabit-Geschwindigkeiten über Wireless-to-Home-Technologien erhalten. Dies gab der Konzern am 24. Mai 2018 bei seinem Kapitalmarkttag in Bonn bekannt. Damit ist Fixed Wireless gemeint, die letzte Meile zum Kunden wird per Funk angebunden. Angaben zur zeitlichen Planung für die Gigabit-Versorgung über Fixed Wireless wurden nicht gemacht.

Die Telekom führt verschiedene Versuche mit 5G im Fixed-Wireless-Einsatz durch. Das sagte Arash Ashouriha, Senior Vice President Technology Innovation bei der Telekom, bereits im Februar 2018 im Gespräch mit Golem.de. "Fixed Wireless ist eine großartige Brückentechnologie dort, wo sich Glasfaser ökonomisch nicht lohnt." Im Jahr 2019 werde es erste Einsätze von 5G-Fixed-Wireless geben. Mit Fixed Wireless sind Anbindungen bis zu 1 GBit/s bereits über LTE möglich.

Claudia Nemat, Vorstand Technologie und Innovation bei der Telekom, sagte am 26. Februar 2018 auf dem Mobile World Congress in Barcelona: "Wir setzen 5G für drei Bereiche ein: als Fixed Wireless Access für Leute, die ihren Garten nicht umgraben lassen wollen, für Industrieapplikationen und für mehr Kapazität." Die Technik für Fixed Wireless Access kommt laut Nemat von Huawei und Samsung. Das erste große 5G-Testfeld werde in Deutschland dieses Jahr verfügbar sein, erklärte Nemat. Im Jahr 2020 werde das Netz voll im Einsatz sein.

Telekom Fixed Wireless in Bonn und Berlin

Die Telekom testet WTTH (Wireless to the Home) in Bonn. Der Feldtest läuft im Talweg in Bonn.

Telekom-Netzökonom Gorden Witzel sagte: "Und zwar wird da ein Glasfaserkabel oben an den Kopf der Laterne gebracht." Dort werde ein Access Point installiert, der über Funk die Verbindung zum Kunden herstellt. Der Kunde braucht dafür eine Außenantenne am Fenster. Diese Technologie funktioniert im 60-GHz-Bereich, in einem Frequenzband mit vier Kanälen mit jeweils zwei GHz Frequenzbandbreite. Dem Kunden könnten damit Gigabit-Datenraten geboten werden, die sich aber auf Uplink und Downlink aufteilen.

Die Technologie auf dem hohen Frequenzbereich habe aber eine geringe Reichweite und sei bei starkem Regen störanfällig. "Eine Antenne kann im Moment bis zu 16 und später bis zu 30 Kunden versorgen", erklärte Witzel. Die Kundenantenne lasse sich mit einem Ethernet-Flachbandkabel durch das Gummi des Fensters mit einem handelsüblichen Telekom-Router des Kunden verbinden. Die Kundenantenne benötigt ständigen Sichtkontakt. Die Technik für den Feldtest in Bonn stammt von dem finnischen Telekommunikationsausrüster Nokia.

In Berlin errichtete die Telekom ein drahtloses Multi-Node-System, um Gigabit in die Haushalte zu bringen. Die Telekom nennt dies Virtual Fiber und wird es auch in Ungarn ausprobieren. Facebook hatte im April 2016 auf seiner F8-Konferenz mit Terragraph und Aries zwei neue Systeme vorgestellt. Terragraph ist ein Funksystem für dicht besiedelte Städte. Aries hieß Facebooks Machbarkeitsstudie zur Unterstützung von Funksignalen in Gebieten mit einer geringen Bevölkerungsdichte. Bei Terragraph werden in einem drahtlosen Multi-Node-System viele preisgünstige Wigig-Access-Points entsprechend dem Standard IEEE 802.11ad eingesetzt, auch bekannt als Wireless Display. Dieser funkt im lizenzfreien 60-GHz-Band (Millimeterwellenfunk) und erreicht so deutlich höhere Datenraten als die etablierten WLAN-Standards 802.11ac. Der größte Nachteil von Funkverbindungen mit so hohen Frequenzen ist, dass sie Gegenstände nur sehr schlecht durchdringen können.  (asa)


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