Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/amazon-rekognition-amazon-verkauft-gesichtserkennungssoftware-an-polizei-1805-134522.html    Veröffentlicht: 23.05.2018 11:16    Kurz-URL: https://glm.io/134522

Amazon Rekognition

Amazon verkauft Gesichtserkennungssoftware an Polizei

Amazon verkauft seine Gesichtserkennungstechnologie Rekognition auch an Polizeibehörden und wird dafür kritisiert. Das Unternehmen sieht darin kein Problem - und antwortet, die Software sei auch bei der royalen Hochzeit vergangene Woche zum Einsatz gekommen.

Die US-Bürgerrechtsorganisation ACLU (American Civil Liberties Union) hat Amazon dafür kritisiert, seine Lösung für Gesichtserkennung an Polizeibehörden zu verkaufen, wie Ars Technica berichtet. Die Software soll mehr als 100 Personen in einem Bild erkennen können. Die Bilder werden dann mit einer hinterlegten Datenbank verglichen.

Die Software mit dem Namen Amazon Rekognition wird bereits von der Polizei in Orlando, Florida, und im Sheriffbüro in Oregon eingesetzt, wie nach Angaben der ACLU aus Dokumenten hervorgeht, die mit dem Informationsfreiheitsgesetz befreit wurden. Die Software soll bereits einen Abgleich mit 300.000 Bildern Tatverdächtiger (sogenannte Mugshots) vorgenommen haben. Der Abgleich kann auch über eine mobile Handy-App vorgenommen werden. Amazon geht den Berichten zufolge recht aggressiv vor, um seine Lösung zu vermarkten. In Orlando werde derzeit eine "Proof-of-Concept-Installation" aufgebaut, Amazon bietet die Consulting-Dienste dabei kostenlos an. Die ACLU kritisiert die Software. "Mit Rekognition kann eine Regierung ein System aufbauen, das eine automatische Identifikation und Tracking von jedermann ermöglicht. Wenn Bodykameras von Polizisten mit Gesichtserkennungssoftware ausgestattet werden, können Geräte, die eigentlich für eine bessere Transparenz sorgen sollen, in Überwachungsmaschinen umgewandelt werden." So könnte die Polizei zum Beispiel die Identität von Menschen bei Demonstrationen automatisch ermitteln.

Bezos soll Verkauf stoppen

Die ACLU, Human Rights Watch, die Freedom of the Press Foundation und die EFF fordern Amazon-Gründer Jeff Bezos daher auf, die Software nicht länger an Regierungsstellen zu verkaufen. Amazon schreibt, man habe keine Handhabe, solange sich ein Kunde an die Nutzungsbedingungen von AWS halte.

Ein Sprecher sagte: "Amazon Rekognition ist ein System, das dabei hilft, Menschen, Objekte oder Aktivitäten automatisch in Videos auf der Basis von Inputs durch den Kunden zu identifizieren." Einige Behörden hätten Rekognition bereits erfolgreich eingesetzt, um vermisste Personen zu finden. Bei der kürzlichen Hochzeit im britischen Königshaus zwischen Prinz Harry und Meghan Markle sei das System außerdem genutzt worden, um Teilnehmer der Zeremonie automatisch zu identifizieren.  (hg)


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