Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ftth-google-fiber-blamiert-sich-in-atlanta-1805-134506.html    Veröffentlicht: 22.05.2018 16:33    Kurz-URL: https://glm.io/134506

FTTH

Google Fiber blamiert sich in Atlanta

Im Januar 2015 kündigte Google Fiber den FTTH-Ausbau in Atlanta an. Doch bisher wurden kaum Haushalte angeschlossen, aber viel Geld ausgegeben und Straßen aufgerissen.

Seit über drei Jahren warten die Bewohner des Großraums Atlanta auf ihren Internetzugang von Google Fiber. Laut einem Bericht des Atlanta Magazine hat der Konzern zwar begonnen, kostspielige Technik aufzubauen, aber das Versprechen, die Stadt mit FTTH (Fiber To The Home) zu versorgen, wurde bisher nicht eingelöst.

Die einzigen angeschlossenen Haushalte in der Stadt College Park sind in dem 41 Millionen US-Dollar schweren Apartment-Komplex Pad, berichtet die Radiostation WABE-FM, die zusammen mit Atlanta Magazine recherchiert hat. Der Projektentwickler Rod Mullice sagte, er habe dafür persönlich und aggressiv Lobbyarbeit bei Google Fiber betrieben, zudem wäre Dark Fiber nicht weit des Pads zu finden gewesen. Mullice sagte, die Bewohner des Parks hätten nichts als positive Erfahrungen mit Google Fiber gemacht. "Es macht mir keine große Freude", sagte er. "Ich möchte, dass jeder es hat."

Google Fiber: Angeblich in hundert Gebäuden verfügbar

Google Fiber gesteht das Problem teilweise ein. "Leider hat unser Rollout in Atlanta unsere ursprünglichen Ziele nicht erreicht", sagte ein Sprecher von Google Fiber zu Atlanta Inno. "Jeden Tag verbinden wir neue Kunden in Atlanta und allen unseren Ballungszentren. Zu dieser Zeit sind wir in mehr als 100 Wohngebäuden mit mehreren Wohneinheiten und Bereichen mehrerer Stadtteile verfügbar."

Im Januar 2015 war der Google-Fiber-Ausbau in Atlanta angekündigt worden. Scott Levitan, Director Marketing bei Google Fiber, sagte: "Google Fiber wird Atlanta auf Augenhöhe mit den schnellsten Städten der Welt wie Seoul, Tokio und Zürich bringen." Doch eine Zusage für einen Start der FTTH-Netzes machte Google nie, erwartet wurde von den Stadtverwaltungen ein Zeitfenster von zwei Jahren. Im Sommer 2016 begannen Bauarbeiter für Google Fiber Bürgersteige aufzureißen und Straßen abzusperren. Der Backbone des Systems ist ein kilometerlanger Ring aus Glasfaserkabel rund um die städtische Region. Von dort führen Glasfaserkabel zu sogenannten Fiber Huts in Garagengröße, wie Google seine PoP (Point of Present -Hauptverteiler) nennt. Innerhalb der Stadtgrenzen von Atlanta installierte Google zwischen Mitte 2015 und Anfang 2016 ein Dutzend der Fertigeinheiten, die jeweils rund 150.000 US-Dollar bis über 250.000 US-Dollar kosteten.

Google Fiber hat die Gesamtkosten des Atlanta-Projekts nicht öffentlich gemacht, aber sein erstes Ausbauprojekt in Kansas City soll laut Recode 1 Milliarde US-Dollar gekostet haben. Atlanta ist nicht die einzige Stadt, in der es kaum vorangeht.

Das langsames Sterben von Google Fiber

In Nashville klagten große Telekommunikationsbetreiber und blockierten für Google Fiber den Zugang zur Hälfte der 88.000 Kabelmasten der Stadt. Fast vier Jahre, nachdem das Unternehmen bekanntgab, dass es Nashville ausbauen würde, erreichte Google Fiber Ende vergangenen Jahres zehn Stadtviertel in Nashville.

Alphabets Google Fiber war einst angetreten, um TV-Kabelnetz- und Festnetzbetreiber wie Comcast, Time Warner Cable und Verizon, die "träge, räuberisch und innovationsfeindlich" seien, zu ersetzen. Geplant war nichts weniger als ein nationaler FTTH-Ausbau.

Google Fiber hat nie Angaben zur Anzahl seiner Kunden gemacht. Laut Informationen von Motherboard konnte Google Fiber nur 500.000 Kundenverträge abschließen. Weil der Anbieter damit im August 2016 von den ursprünglich geplanten fünf Millionen Kunden fünf Jahre nach seinem Start noch sehr weit entfernt war, setzte die Konzernführung den Ausbau aus. Google Fiber kündigte im Oktober 2016 an, den Ausbau in zehn Städten zu stoppen oder auszusetzen und Beschäftigte zu entlassen.

Google Fiber hatte 2016 den Netzbetreiber Webpass übernommen, um den Ausbau auf der letzten Meile zu sparen. Webpass baut Dachantennen mit Richtfunkverbindungen. Im Haus wird Ethernet-Kabel verlegt. Das Unternehmen nutzt das 2,4-GHz- und 5-GHz-Band, aber auch andere Frequenzen. Es werden Datenraten von 1 GBit/s im Up- und Download für 60 US-Dollar pro Monat ohne Drosselung angeboten. Doch auch Webpass stellt den Betrieb in der ersten Stadt, in Boston, wieder ein.  (asa)


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