Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/oneplus-6-im-test-neues-design-gleich-starkes-preisleistungsverhaeltnis-1805-134463.html    Veröffentlicht: 21.05.2018 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/134463

Oneplus 6 im Test

Neues Design, gleich starkes Preis-Leistungs-Verhältnis

Das Oneplus 6 hat einen schnellen Prozessor, eine Dualkamera und ein großes Display - mit einer Einbuchtung am oberen Rand. Der Preis liegt wieder unter dem der meisten Konkurrenzgeräte. Das macht das Smartphone trotz fehlender Innovationen zu einem der aktuell interessantesten am Markt.

Mit dem Oneplus 6 hat der chinesische Hersteller Oneplus sein neues Android-Smartphone vorgestellt. Das Gerät ist wie seine Vorgänger von der Hardware her im Oberklassebereich angesiedelt, vom Preis her liegt es aber weit unter den Smartphones der Konkurrenz.

Verglichen mit dem Oneplus 5T hat der Hersteller nicht nur einiges an der Hardware geändert, auch das Design ist beim neuen Modell anders. Im Test von Golem.de zeigt sich, dass das neue Gerät nicht zwingenderweise durch Innovationen auffällt; beim veranschlagten Preis muss das Smartphone dies aber auch nicht.

Beim Oneplus 6 hat der Hersteller erstmals ein Display mit einer Einbuchtung am oberen Rand verbaut, auf Englisch Notch genannt. In dieser Notch sind die Frontkamera sowie Sensoren verbaut, die Bereiche links und rechts daneben werden vom Bildschirm eingenommen. Das führt dazu, dass das Smartphone im oberen Teil mit einem schmaleren Rahmen um das Display gebaut werden kann.

Der Nachteil ist, dass manche Nutzer die Einbuchtung unschön finden könnten. In den Einstellungen lässt sich die Notch ausblenden: Dann werden die Bereiche links und rechts davon schwarz eingefärbt. Da das Display ein OLED-Bildschirm ist, fällt die Einbuchtung dann tatsächlich kaum noch auf. Allerdings können in der Mitte der Benachrichtigungsleiste natürlich immer noch keine Benachrichtigungen angezeigt werden.

Das Display ist 6,28 Zoll groß, durch das längliche 19-zu-9-Format wirkt das Smartphone in der Breite aber nicht wuchtig. Auch die Länge geht in Ordnung: Mit 155,7 x 75,4 x 7,75 mm ist das Gerät fast genauso groß wie Huaweis P20 Pro. Oneplus hat sich beim Bildschirm gegen eine sehr hohe Auflösung entschieden, der Bildschirm hat 2.280 x 1.080 Pixel. Das reicht allemal aus, um die Inhalte scharf genug anzuzeigen. Das Display ist sehr blickwinkelstabil und verliert nur geringfügig an Helligkeit, wenn wir schräg darauf schauen. Die Farben bleiben dabei erhalten. Die maximale durchschnittliche Helligkeit liegt bei 409 cd/qm, was für ein OLED-Display ein guter Wert ist. Insgesamt gefällt uns der Bildschirm des Oneplus 6 sehr gut.

Der Rahmen unterhalb des Displays ist etwas breiter als der oben. Ein Fingerabdrucksensor passt hier nicht mehr hin - diesen hat der Hersteller bei seinem neuen Smartphone auf der Rückseite verbaut. Dort liegt er gut mit dem Finger erreichbar in der Mitte der Rückseite, die nicht wie beim Vorgängermodell aus Metall, sondern aus Glas ist. Unseren Zeigefinger erkennt der Sensor zuverlässig und schnell. Alternativ lässt sich das Oneplus 6 auch über die Frontkamera mit einem Gesichtsscan entsperren.

Gehäuse ist jetzt aus Glas statt Metall

Bei zwei der verfügbaren Farbvarianten - Silk White und Midnight Black - schimmert die Rückseite aus Gorilla Glass 5 matt, was sich sehr gut anfühlt, aber auch etwas rutschig in der Hand ist. Die Reflexionen ergeben ein S-Muster, was Oneplus zufolge durch eine spezielle Behandlung der Oberfläche des Gehäuses erreicht wird. Die Variante in glänzendem Schwarz hingegen schimmert nicht, sondern spiegelt einfallendes Licht direkt. Sie ist ziemlich anfällig für Fingerabdrücke, die sich allerdings leicht wieder abwischen lassen.

Die Verarbeitung des Oneplus 6 ist sehr gut. Gut gefällt uns auch, wie der Hersteller die Antennenstreifen verstecken konnte: Sie sind nicht auf der Rückseite erkennbar, sondern nur im Rahmenbereich der Geräte. Auf den ersten Blick fallen sie so nicht auf. Der Alert Slider ist jetzt auf der rechten Seite angebracht, wo er sich besser mit dem Daumen bedienen lässt. Mit ihm können Nutzer einfach zwischen vollständigen Benachrichtigungen, dem Vibrationsmodus und dem stummen Modus umschalten. Bisher war der Slider immer auf der linken Seite der Oneplus-Smartphones eingebaut, rechts finden wir ihn praktischer.

Auf der Rückseite ist eine Dualkamera eingebaut, deren Einzelkameras jeweils einen 16- und einen 20-Megapixel-Sensor haben. Beide Objektive haben die gleiche Brennweite, ein Teleobjektiv hat das Oneplus 6 nicht. Entsprechend aktiviert der Zoom-Schalter in der Kamera-App auch einen digitalen und keinen optischen Zoom, die Qualität ist aber im niedrigen Vergrößerungsbereich in Ordnung. So gut wie die halbdigitale Vergrößerung des P20 Pro ist sie jedoch nicht.

Bei Tageslicht macht das Oneplus 6 gute Aufnahmen, die einen angenehm starken Kontrast haben. Die Belichtung stimmt, die Schärfe ist gut. Wir haben das Oneplus 6 mit Huaweis P20 Pro und Samsungs Galaxy S9 verglichen - denjenigen Geräten, die in unseren Vergleichstests aktuell am besten abschneiden. Dabei zeigt sich, dass das neue Oneplus vom Kontrast her besser ist als das Galaxy S9 und von der Belichtung her stellenweise besser als das P20 Pro im Automatikmodus.

Allerdings kann das Smartphone in der Vergrößerung nicht immer mit dem Detailgrad der Konkurrenz mithalten: Das Galaxy S9 zeigt etwas feinere Strukturen, die vor allem weniger Artefakte aufweisen. Das P20 Pro liegt mit seinen 40 Megapixeln vom Detailgrad ebenfalls vor dem Oneplus 6, wirkt aufgrund des in diesem Modus weniger starken Schärfealgorithmus aber insgesamt weicher. Im 10-Megapixel-Modus des P20 Pro hingegen liegt das Oneplus 6 vom Bildeindruck her vor dem Huawei-Smartphone. Die mit dem Galaxy S9 gemachten Bilder haben merklich weniger Artefakte als die des Oneplus 6, auch die des P20 Pro im 40-Megapixel-Modus zeigen weniger Störungen. Bei schlechterer Beleuchtung machen das P20 Pro und das Galaxy S9 bessere Bilder als das Oneplus 6. Bei beiden Konkurrenzgeräten ist dann die Schärfe besser und das Bildrauschen geringer.

Porträtaufnahmen trennen gut zwischen Vorder- und Hintergrund

Dank der zwei Kameras auf der Rückseite kann das Smartphone Porträtaufnahmen mit künstlich weichgezeichnetem Hintergrund machen. Das funktioniert auch mit anderen Objekten und nicht nur mit Personen. Die Trennung zwischen Hauptobjekt und Hintergrund ist sehr sauber, auch fliegende Haare erkennt die Kamera zuverlässig. Dabei zeichnet das Oneplus 6 das Hauptobjekt nicht so stark weich wie etwa die aktuellen iPhones.

Die Frontkamera mit 16 Megapixeln kann aktuell noch keine Porträts aufnehmen, eine entsprechende Funktion soll aber mit einem Update nachgeliefert werden. Videos kann die Hauptkamera in 4K mit bis zu 60 fps aufnehmen. Anders als im Fotomodus nutzt die Kamera dann keinen optischen Bildstabilisator, sondern einen elektronischen. Zeitlupenaufnahmen kann das Oneplus 6 entweder mit 240 fps und 1080p oder mit 480 fps bei 720p aufnehmen - an die extrem verlangsamten Aufnahmen der Konkurrenz von Samsung und Sony kommt das Smartphone nicht heran.

Insgesamt betrachtet hat das Oneplus 6 eine sehr gute Kamera - unsere Kritik ist Meckern auf hohem Niveau. Besonders beim Kontrast macht das Oneplus 6 einen besseren Eindruck als die Konkurrenz von Samsung und Huawei, die aber dennoch die bessere Gesamtleistung bei der Kamera bieten, sowohl was Fotos als auch Videos betrifft. Das liegt vor allem an den Spezialfunktionen, die die beiden Geräte haben - die variable Blende beim Galaxy S9 und die dritte Hauptkamera bei P20 Pro. Von der Bildqualität her liegen alle drei Smartphones sehr nah beieinander.

Hardware-Ausstattung im Oberklassebereich

Im Inneren des Oneplus 6 arbeitet ein Snapdragon 845, Qualcomms aktuell leistungsstärkstes SoC. Als Grafikeinheit nutzt das Smartphone eine Adreno 630. Je nach Ausstattungsvariante ist das Gerät mit 6 oder 8 GByte Speicher und 64, 128 oder 256 GByte Flash-Speicher erhältlich. Nutzer können zwei SIM-Karten gleichzeitig verwenden, die beide 4x4 Mimo Gigabit LTE unterstützen. Einen Steckplatz für Micro-SD-Karten hat das Oneplus 6 nicht, Nutzer müssen also mit dem installierten Speicher auskommen.

Unser Testgerät hat 8 GByte Arbeitsspeicher und läuft zusammen mit dem verbauten Prozessor erwartungsgemäß flüssig und flink. Das spiegelt sich auch in den Benchmark-Ergebnissen wider: Im Geekbench 4.2 erreicht das Oneplus 6 einen Single-Wert von 2.445 Punkten, was auf dem Level liegt, das auch andere Snapdragon-845-Geräte wie das Sony Xperia XZ2 erreichen. Im Icestorm-Unlimited-Test des 3DMark kommt das Smartphone auf 62.947 Zähler; auch dies ist ein hoher Wert, der dem anderer Smartphones mit dem gleichen Prozessor entspricht.

Im Grafiktest GFX Bench kommt das Oneplus 6 im Car-Chase-Test auf einen Offscreen-Wert von 35 fps. Das ist das gleiche Resultat, das auch das Xperia XZ2 erreicht. Anspruchsvolle Spiele sind für das Oneplus 6 somit kein Problem.

Ausgeliefert wird das Smartphone mit OxygenOS 8.1, das auf Android 8.1 basiert. Zu den Extrafunktionen gehört unter anderem ein Gaming Mode, mit dem Nutzer während des Spielens andere Funktionen des Smartphones beeinflussen können, um nicht gestört zu werden. Bei seinem neuen Gerät geht Oneplus aber noch weiter: So können nicht nur Benachrichtigungen anderer Apps stummgeschaltet, sondern auch der Bandbreite und der Prozessorauslastung des Spiels Priorität verliehen werden. Dafür können wir Spiele (oder auch jedwede andere App) in einem Menü auswählen; automatisch wird der Modus für keine Anwendung aktiviert. Die Einstellungen zum Gaming Mode sind nicht besonders prominent in den Optionen platziert: Nutzer erreichen sie am Ende der Liste unter "Erweitert".

Neu in OxygenOS 8.1 sind außerdem Gesten, die die Navigationsleiste von Android ersetzen können. Wir können beim Aktivieren der Gesten die drei Navigationstasten am unteren Displayrand komplett ausblenden, um mehr Platz auf dem Bildschirm zu schaffen. Alternativ lässt sich die Leiste auch so einstellen, dass sie bei Bedarf eingeblendet wird.

Gestensteuerung funktioniert zuverlässig

Die gut umgesetzten Gesten erfordern das unserer Meinung nach aber nicht. Mit einem mittigen Wisch von unten in das Display hinein kehren wir zum Hauptbildschirm zurück. Die gleiche Geste am linken oder rechten Rand des Bildschirms entspricht der Zurücktaste. Wischen wir in das Display hinein und heben unseren Finger am Ende zunächst nicht an, öffnet sich die Übersicht der zuletzt genutzten Apps.

Besonders die Hauptbildschirm-Geste ist nichts Neues, Nutzer kennen sie bereits seit den Zeiten von WebOS. In Kombination mit den beiden anderen Wischgesten gelingt uns schon nach kurzer Eingewöhnungszeit eine flüssige Bedienung des Smartphones, die der mit der Navigationsleiste in nichts nachsteht.

Der Akku des Oneplus 6 ist nicht ohne Weiteres wechselbar und hat eine Nennladung von 3.300 mAh. Einen Full-HD-Film können wir bei maximaler Helligkeit 14 Stunden lang anschauen - das ist ein sehr guter Wert. Geladen wird der Akku über einen USB-Typ-C-Stecker und Oneplus' Schnellladesystem Dash Charge. Damit lässt sich das Smartphone in 30 Minuten zu knapp 60 Prozent aufladen. Leider nicht möglich ist drahtloses Laden, obwohl das Smartphone mit seinem Gehäuse aus Glas eigentlich die besten Voraussetzungen dafür mitbringt.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Oneplus 6 wird nicht in allen Speicherkonfigurationen in allen drei Farben erhältlich sein. Die spiegelnde Mirror-Black-Version kostet mit 6 GByte RAM und 64 GByte ROM 520 Euro, mit 8 GByte Arbeitsspeicher und 128 GByte Flash-Speicher 570 Euro. Die matte Midnight-Black-Variante ist nur mit 8 GByte Arbeitsspeicher erhältlich. Mit 128 GByte Flash-Speicher kostet das Gerät 570 Euro, mit 256 GByte Speicher 620 Euro.

Die Silk-White-Version gibt es ausschließlich mit 8 GByte RAM und 128 GByte ROM, sie ist limitiert und kostet 570 Euro. Das Oneplus 6 soll ab dem 22. Mai 2018 auf Oneplus.com und bei Amazon.de erhältlich sein.

Fazit

Oneplus hat mit dem Oneplus 6 wieder ein Smartphone mit Top-Hardware und einer sehr guten Verarbeitung vorgestellt. Für den verlangten Preis von 520 Euro ist es nicht leicht, ein Smartphone mit vergleichbarer Ausstattung und Verarbeitung auf dem Markt zu finden. Auch 620 Euro für die Version mit mehr Speicher halten wir durchaus noch für angemessen.

Die Kamera macht sehr gute Fotos, das Display gefällt uns gut. Die Einbuchtung am oberen Bildschirmrand ist Geschmackssache, uns stört sie nicht. Von der Prozessorausstattung her steht das Oneplus 6 der aktuellen Konkurrenz in nichts nach. Der Hersteller verbaut ebenfalls Qualcomms aktuellen Top-Chip Snapdragon 845 und liefert bereits in der günstigen Version des Smartphones ausreichend Arbeitsspeicher.

Einen Kompromiss macht Oneplus jedoch bei seinem neuen Smartphone: Der Hersteller ordnet die Innovation dem Preis unter. Das Oneplus 6 ist kein Smartphone, das über ein hervorstechendes Merkmal verfügt. Stattdessen setzt Oneplus auf hochklassige Ausstattung, aber nicht zwingenderweise auf ein Hardware-Merkmal, das das Smartphone von Konkurrenzgeräten unterscheidet.

Niedriger Preis anstelle von hervorstechenden Innovationen geht in Ordnung

Den Unterschied macht beim Oneplus 6 der Preis aus, und das funktioniert auch beim neuen Modell wieder sehr gut. Oneplus ist mit diesem Konzept seit seinem ersten Smartphone Oneplus One sehr gut gefahren, auch wenn der Hersteller nicht mehr die Schleuderpreise seiner ersten Geräte erreicht. Das aktuelle Modell und auch die 5er-Serie sind aber auch von viel besserer Qualität als das Oneplus One oder das Oneplus 2.

Wer nicht zwingenderweise auf Extras wie eine Triple-Kamera mit entsprechend überdurchschnittlichem Funktionsumfang wie beim P20 Pro oder eine variable Blende wie beim Galaxy S9 Wert legt, macht mit dem Oneplus 6 nicht viel falsch. Im Gegenteil: Günstiger dürfte ein Smartphone mit Snapdragon-845-Prozessor, großem Arbeitsspeicher und einer derartig guten Kamera kaum zu bekommen sein. Angesichts des Preisunterschiedes dürfte es vielen Käufern nicht schwer fallen, auf Extras wie einen optischen Zoom oder superlangsame Zeitlupe zu verzichten.

Konkurrenz droht dem OnePlus 6 hingegen durch das Honor 10, das noch einmal 120 Euro günstiger ist und ebenfalls eine starke Ausstattung bietet. Inwieweit das neue Smartphone der Huawei-Tochter dem Oneplus 6 wirklich gefährlich werden kann, überprüfen wir in einem separaten Test.  (tk)


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