Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/sieben-bluetooth-ohrstoepsel-im-test-jabra-zeigt-apple-was-den-airpods-fehlt-1805-134440.html    Veröffentlicht: 23.05.2018 12:05    Kurz-URL: https://glm.io/134440

Sieben Bluetooth-Hörstöpsel im Test

Jabra zeigt Apple, was den Airpods fehlt

Es bleibt eine Herausforderung, einen gut sitzenden und angenehm zu bedienenden Bluetooth-Hörstöpsel zu finden. Dabei mühen sich die True Wireless In-Ears, einen so intensiven Bass wie die Airpods zu erreichen. Ein Testgerät überzeugt uns in allen anderen Disziplinen - hier sollte sich Apple einiges abschauen.

Wir wollen immer noch mehr hören: Nach unserem ersten Vergleich von vier komplett kabellos arbeitenden Bluetooth-Hörstöpseln gehen wir in die zweite Runde. Wir haben sieben weitere Bluetooth-In-Ears getestet. Dabei zeigt sich erneut, dass Hersteller bei komplett kabellosen Ohrhörern viel falsch machen können. Diesmal sehen wir aber auch, wie es richtig geht.

Wir haben uns für diesen Test Geräte von Sony, Jaybird, Jabra, Bang & Olufsen (B&O) und Bragi ausgesucht. Dabei haben wir vor allem die Wünsche unserer Leser berücksichtigt und besonders vielversprechende Modelle ausgewählt. Alle bis auf Sonys WF1000-X und Jaybirds Run haben dedizierte Lautstärketasten. Viele Hersteller bezeichnen diese Geräte als True Wireless In-Ears.

Elite 65t und Elite Sport von Jabra werden ebenso wie Headphone von Bragi mit Druckknöpfen bedient. Beim Beoplay E8 von B&O und dem Dash Pro von Bragi erfolgt die Bedienung über Sensorbereiche. Davon erhoffen wir uns einen Komfortgewinn im Vergleich zu vielen Geräten aus dem ersten Vergleichstest, bei dem wir feststellten, wie lästig es ist, zum Ändern der Lautstärke jedes Mal zum Smartphone greifen zu müssen.

Und vor allem wollen wir sehen, ob die sieben neuen Testkandidaten bessere Gesamtpakete sind als die vier von uns bereits getesteten Geräte. Denn beim Test von Apples Airpods, Boses Soundsport Free, Ankers Zolo Liberty Plus und Googles Pixel Buds waren wir mit keinem der Kandidaten rundum zufrieden.

Spezielle Anforderungen an komplett kabellose Geräte

Komplett kabellose Hörstöpsel müssen einige Ansprüche erfüllen: Sie sollen nicht drücken, ein gutes Klangbild haben, bequem zu regulieren sein und lange am Stück genutzt werden können. In unserem ersten Test hatten nicht nur alle Geräte gelegentliche, kurze Ausfälle auf der linken Seite, es hatte auch jedes von ihnen mindestens eine entscheidende Schwäche. Den Airpods fehlt eine Lautstärkeregelgung am Gerät und die ohnehin nicht gerade lange Laufzeit verkürzt sich, wenn sie an einem Nicht-Apple-Gerät genutzt wird. Außerdem arbeitet die Ohrerkennung nicht immer wie erwartet und steht auch nur im Zusammenspiel mit Apple-Geräten zur Verfügung. Die Pixel Buds haben keinen guten Klang, halten nicht im Ohr und lassen sich schlecht bedienen. Boses Stöpsel haben Lautstärketasten, die viel zu schwergängig sind und das Ladeetui hat zu wenig Reserven. Die Anker-Stöpsel haben eine zu kurze Laufzeit und auch hier fehlen Regler zur Änderung der Lautstärke.

Neben den wichtigsten Grundfunktionen haben wir uns bei den Geräten im neuen Test auch noch Besonderheiten angesehen. Sonys WF1000-X haben eine Technik zur Geräuschreduzierung. Dem Run der Logitech-Tochter Jaybird fehlen dedizierte Lautstärketasten, aber mit einem Kniff will der Hersteller diesen Nachteil mittels Software umgehen. Die Elite 65t und Elite Sport von Jabra sind auf den zweiten Blick im Detail sehr unterschiedlich, das Elite 65t kann als einziger uns bekannter Stöpsel parallel mit zwei Geräten verwendet werden. Das Headphone hat keinen Akku im Ladeetui und ist auch das einzige Gerät im Test, für das es keine App für Anpassungen gibt. Die Beoplay E8 haben eine sehr besondere Sensorsteuerung und die Dash Pro können auch unabhängig vom Smartphone genutzt werden, weil sie mit einem eigenen Betriebssystem laufen. Zudem können sie auch mittels Kopfschütteln bedient werden.

Die grundlegende Bedienung ist bei den meisten Geräten identisch. Es gibt einen Multifunktionsknopf, mit dem sich laufende Musik pausieren oder fortsetzen lässt. Wenn ein Anruf eingeht, kann dieser mit einem Knopfdruck angenommen werden. Zudem lässt sich mit einem längeren Druck oder einem Doppeltippen bei fast allen Probanden der jeweilige digitale Assistent auf dem Smartphone aktivieren. Wenn die Stöpsel keine Tasten haben, wird das alles über einen Sensorbereich gemacht.

Mehrere Testteilnehmer haben eine sogenannte Transparenzfunktion. Damit sollen Nutzer die Umgebungsgeräusche besser hören, wenn sie die Stöpsel im Ohr haben. Die Umgebungsgeräusche werden über das Mikrofon eingespielt. Überzeugt hat sie uns bei keinem Gerät. Auch traten vermehrt Probleme mit Schritthall auf, aber dazu später mehr.

Bezüglich des Klangtests wurden alle sieben Testteilnehmer mit dem soliden Bassfundament der Airpods von Apple verglichen, die in unserem ersten Test zusammen mit Boses Soundsport Free den intensivsten Bass hatten. Alle Stöpsel im Test werden in das Ohr hineingedreht, um einen sicheren Halt zu erreichen.

Versatz von Bild und Ton bei Videos

Bei der Nutzung von Bluetooth-Kopfhörern kann es beim Schauen von Videos zu einem zeitlichen Versatz zwischen Bild und Ton kommen. Das Gesagte ist dann den Lippenbewegungen etwa eine Sekunde hinterher. Das Anschauen von Filmen und Serien macht so kein Vergnügen. Ob es dazu kommt, hängt davon ab, ob das Zuspielgerät das Bluetooth-Protokoll Audio Video Distribution Transport Protocol (AVDTP) in der Version 1.3 vollständig unterstützt. Mit diesem Protokoll können Kopfhörer und ähnliche Geräte Anweisungen zur Videowiedergabe an das Bluetooth-Gerät senden, damit der Ton synchron abgespielt wird.

Leider geben die meisten Smartphone-Hersteller nicht an, ob sie AVDTP in der Version 1.3 abdecken. Wer sich also für ein Bluetooth-Headset entscheidet, hat es nicht gerade leicht, vorher herauszubekommen, ob das eigene Smartphone das Protokoll unterstützt. Das Problem betrifft vor allem Android-Geräte, denn Apple unterstützt das nötige Protokoll in den iPhone- und iPad-Modellen. Wir haben alle im Test vertretenen Probanden mit einem iPhone 5S und einem iPhone 8 Plus ausprobiert und alle Bluetooth-Geräte spielten Videos mit synchronem Bild und Ton ab. Bei Android-Geräten ist nicht einmal Bluetooth 5.0 ein Garant gegen den Versatz.

Im Folgenden schauen wir uns zunächst die beiden Geräte ohne dedizierte Lautstärkeregelung am Gerät genauer an, danach diejenigen mit Lautstärketasten am Gerät und zum Schluss die beiden Modelle mit Sensorsteuerung. Wir starten mit den Sony-Stöpseln, die eine wirksame Abschottung vor Umgebungsgeräuschen versprechen.

Sonys WF-1000X nutzt Technik zur Geräuschminimierung

Die WF-1000X von Sony sind die einzigen kabellosen Ohrhörer im Test mit einer Technik, die aktiv Umgebungsgeräusche minimieren soll. Ziel ist es, dass Nutzer störende Außengeräusche ausblenden und sich auf die Audioausgabe konzentrieren können. Das Gerät unterstützt außerdem als einziges NFC für eine bequemere Bluetooth-Kopplung und kehrt die Master-Slave-Aufteilung um. Während bei allen übrigen Testmustern die rechte Seite als Master dient, ist es beim Sony-Modell die linke.

Diese Besonderheiten sind aber kein Kaufargument, wie wir im Test festgestellt haben. Die Funktion zur Geräuschminimierung haben wir in der S-Bahn ausprobiert und waren enttäuscht. Umgebungsgeräusche waren mit aktivierter Funktion genauso stark wahrnehmbar wie ohne. Hier haben wir uns deutlich mehr versprochen. Die Master-Slave-Umkehrung machte bezüglich der Stabilität der Bluetooth-Verbindung keinen Unterschied. Es kam nicht vor, dass einer der beiden Stöpsel kurzzeitig die Verbindung verlor. Die Bluetooth-Kopplung wird mittels NFC vereinfacht. Das normale Koppeln ist aber nicht so umständlich, dass der Weg über NFC einen gewaltigen Vorteil bringt - zumal der Nutzer üblicherweise nur ein oder zwei Mal die Ohrhörer mit einem anderen Gerät koppelt.

Auch bei den Grundfunktionen enttäuschen Sonys WF-1000X teilweise. Gut sind die beiliegenden Aufsätze in verschiedenen Größen. Mit farblichen Markierungen macht es Sony dem Kunden so einfach wie kein anderer Konkurrent, die zusammenpassenden Aufsätze zu finden. Das wünschen wir uns von allen Herstellern.

Die Stöpsel werden ins Ohr hineingedreht und sitzen sicher, ohne zu drücken. Sobald wir eine Mütze aufsetzen, sind sie allerdings unbenutzbar: Weil sie vergleichsweise weit aus dem Ohr ragen, drückt eine Mütze sie so stark ins Ohr, dass es schmerzt.

An jeder Seite gibt es einen Knopf; links kann die Geräuschminimierung umgeschaltet werden, rechts ist der typische Multifunktionsknopf. Beide Tasten sind gut erfühlbar und leichtgängig. Uns fehlen aber Tasten zur Lautstärkeregelung. Unpraktisch ist, dass Telefonate nur auf einem Ohr zu hören sind: dem linken. Auch mit dem Klang sind wir nicht zufrieden, und das liegt am Schritthall, der bei jedem Aufsatz auftritt. Beim Laufen hallt jeder einzelne Schritt im Ohr nach, und das macht das an sich voluminöse Klangbild zunichte. Im Bassbereich reicht Sony zudem längst nicht an den Tiefbass der Airpods heran.

Zum Gerät gibt es eine spezielle App, mit der die Geräuschminderung konfiguriert werden kann - allerdings ist sie, wie oben beschrieben, ohnehin wirkungslos. Zudem gibt es einige Equalizer-Voreinstellungen; der Ladestand der Stöpselakkus wird in der App grob angegeben, eine Prozentangabe fehlt. Die App ermöglicht keine Ortung der Stöpsel, falls sie mal verlegt wurden. So können die Stöpsel nicht auf einer Karte gezeigt werden und auch das Abspielen eines Signaltons in Bluetooth-Reichweite ist nicht möglich - hier heißt es also: selber suchen. Alle Ansagen des Sony-Geräts selbst werden in englischer Sprache ausgegeben.

Sony-Stöpsel mit sehr kurzer Akkulaufzeit

Bei der Akkulaufzeit gehören die Sony-Stöpsel zu den schlechtesten dieses Tests. Nach 2,5 Stunden können wir keine Musik mehr hören - das gilt bei abgeschalteter Geräuschminimierung. Wenn diese aktiv ist, verringert sich die Akkulaufzeit auf etwas mehr als 2 Stunden. Und wenn wir dann nur 5 Minuten Ladezeit spendieren, ist der Akku schon nach einer halben Stunde wieder leer. Das mitgelieferte Ladeetui hat nur Reserven für zwei Nachladungen, das ist in Anbetracht der geringen Laufzeit der Stöpsel zu wenig.

Das Ladeetui ist uns zu groß und sperrig. Es ist gerade noch hosentaschentauglich, dürfte aber gerne kompakter sein. Das Öffnen, Entnehmen und Ablegen der Stöpsel gelingt gut; es ist allerdings etwas ungewohnt, dass die Stöpsel extra eingerastet werden müssen, weil die Akkus sonst nicht geladen werden.

Zwischenfazit zu Sonys WF 1000X

Wer die WF-1000X von Sony wegen der Geräuschreduzierung kaufen will, kann sich das Geld sparen. Wir können keinen Unterschied mit und ohne aktivierte Geräuschreduzierung ausmachen. Leider sind die Stöpsel auch bei der Laufzeit die Enttäuschung dieses Tests. Zwei weitgehend positive Aspekte gibt es aber auch: Wer sie nicht unbedingt mit einer Mütze nutzen möchte, findet immerhin eine angenehme Passform, die allerdings nicht ganz an das angenehme Tragegefühl der Elite 65t heranreicht. Und wären nicht die Probleme mit dem Schritthall, wären wir auch mit dem Klang der Sony-Stöpsel durchaus zufrieden, zumal alle Probanden daran scheitern, das Tiefbasspektrum der Airpods zu erreichen.

Kommen wir jetzt zu den Run von Jaybird, die mittels Software das Fehlen von Lautstärketasten kompensieren sollen.

Jaybirds Run soll fehlende Lautstärketasten mit Software ausgleichen

Die Run der Logitech-Tochter Jaybird haben wie Sonys WF 1000X nur jeweils eine Taste an jedem Hörstöpsel. Mittels Software will der Hersteller das Fehlen dedizierter Lautstärketasten ausgleichen.

Den Bluetooth-Ohrhörern liegen fünf Aufsätze bei: Neben drei Größen in runder Bauform gibt es auch zwei ovale. Aufsätze und Ohrpassstücke lassen sich vorbildlich leicht wechseln. Bei den Aufsätzen fehlen leider Markierungen, so dass die Zuweisung der Aufsatzpaare nicht gerade einfach ist, wenn sie sich nicht mehr in den mitgelieferten Tütchen befinden. Zudem gibt es vier verschieden große Ohrpassstücke, um die Stöpsel noch sicherer im Ohr zu halten.

Die Aufsätze sorgen für einen sicheren Halt, liegen aber nicht ganz schmerzfrei im Ohr. Nach einigen Stunden sind wir froh, sie loszuwerden. Eine Mütze drückt die Stöpsel noch etwas tiefer ins Ohr, so dass sich die Schmerzen verstärken. Außerdem sorgt der Kontakt der Stöpsel mit der Mütze für Raschelgeräusche, sobald sich der Kopf nur minimal bewegt. Damit sind die Stöpsel unter einer Mütze nicht nutzbar.

Anders als bei den Sony-Stöpseln finden wir hier auch Aufsätze, die keinen Schritthall verursachen. Das geht dann zu Lasten der Bassleistung. Im Vergleich zur Konkurrenz klingen die Run etwas zurückhaltender und bieten ein weniger voluminöses Klangbild. Der Mitten- und Höhenbereich vermischt sich zu stark. Nicht schön: Anrufer sind nur im rechten Stöpsel zu hören.

Gesteuert werden die Run mit einer Drucktaste an jedem der Stöpsel. Leider sind die Tasten zu schwergängig, so dass es im Ohr schmerzt, wenn sie gedrückt werden. Ein Druck auf den linken Stöpsel aktiviert den jeweiligen Assistenten, auf der rechten Seite befindet sich der Multifunktionsknopf zur Musik- und Anrufsteuerung. Wird doppelt auf den rechten Stöpsel gedrückt, wird ein Lied vorgesprungen.

Run-Knöpfe lassen sich per App umbelegen

In der zugehörigen Jaybird-App kann die Bedienung so verändert werden, dass die Knöpfe die Lautstärke regeln. Dann führt ein Tastendruck links zur Reduzierung der Lautstärke und rechts wird es lauter. Eine Unterbrechung der Musik ist dann nicht mehr möglich, nur Anrufe können noch angenommen werden. Uns hat die Software-Lösung nicht überzeugt, hier ziehen wir Stöpsel mit dedizierter Lautstärkeregelung vor.

In der Jaybird-App gibt es zudem Equalizer-Einstellungen, um den Klang anzupassen. Die Ohrhörer können bei Bedarf auf einer Karte angezeigt werden. Sie zeigt, wo sie das letzte Mal eingeschaltet waren. Es fehlt eine Möglichkeit, die Stöpsel einen Signalton abspielen zu lassen, wenn sie eingeschaltet in Bluetooth-Reichweite irgendwo herumliegen.

Jaybird-App zeigt sehr genau den Akkuladestand der Run-Stöpsel

Vorbildlich informiert die Jaybird-App über den Ladestand der Stöpsel in Prozent und zeigt diesen auch im Benachrichtigungsbereich an - bei Bedarf abschaltbar. Zudem lassen sich die leider nur in englischer Sprache vorhandenen Ansagen durch Pieptöne ersetzen.

Bezüglich der Akkulaufzeit sind die Run-Stöpsel die angenehme Überraschung in diesem Test: Statt der versprochenen vier Stunden Laufzeit halten sie sogar fünf, bevor sie wieder aufgeladen werden müssen. Wenn die leeren Stöpsel für 5 Minuten geladen wurden, können sie fast eine Stunde lang zum Musikhören genutzt werden - sehr angenehm. Dieser Wert wird nur von den Airpods von Apple mit 1 Stunde und 15 Minuten übertroffen. Mit dem Ladeetui lassen sich die Stöpsel-Akkus maximal zweimal aufladen. Zur Akkuschonung schalten sie sich nach 30 Minuten ab, falls sie nicht aktiv benutzt werden. Nach unserem Geschmack ist uns eine halbe Stunde etwas zu wenig, aber das ist noch tolerabel.

Das Ladeetui der Run gehört zu den dicksten in diesem Test. Es ist durch seine ovale, dicke Form nicht für die Hosentasche geeignet, eine flachere Bauform wäre hier wünschenswert. Die Stöpsel liegen im Etui vergleichsweise sicher, eine magnetische Halterung gibt es aber nicht. Beim Öffnen des Etuis und dem Entnehmen der Stöpsel ist also Sorgfalt gefragt.

Zwischenfazit zu Jaybird Run

Den Jaybird Run fehlen die Knöpfe zur Lautstärkeregelung. Den Komfortnachteil bei der Bedienung kann auch eine Softwarelösung nicht ausgleichen. Auch der Sitz ist nicht optimal: So ganz ohne Schmerzen können wir die Run nicht verwenden. Auch das etwas zurückhaltende Klangbild gefällt uns nicht. Vorbildlich sind die Run bei der Akkulaufzeit, und der Schnelllademodus ist eine echte Bereicherung.

Im Gegensatz zu den ersten beiden betrachteten Geräten haben die Elite 65t dedizierte Lautstärketasten und eine Menge Komfortfunktionen.

Jabra macht mit dem Elite 65t alles richtig

Die Elite 65t von Jabra haben Lautstärketasten am Gerät, so dass sich Musik ohne Zücken des Smartphones lauter oder leiser stellen lässt. Als weitere Besonderheit lassen sich damit parallel zwei Bluetooth-Verbindungen nutzen und es gibt eine Ohrerkennung. Zudem können Android-Nutzer die Elite 65t auch zusammen mit Amazons Sprachassistenten Alexa verwenden. Seit dem 18. Juni 2018 steht Alexa auch auf iOS-Geräten zur Verfügung.

Die Elite 65t werden mit drei verschieden großen Aufsätzen ausgeliefert, deren Markierung gerne besser gelöst sein dürfte. Das Tauschen der Aufsätze bereitet keine Probleme, allerdings ist uns ein Aufsatz beim Abnehmen gerissen - ein klassischer Garantiefall. Von allen getesteten Stöpseln sitzen die Elite 65t am angenehmsten im Ohr. Das typische Druckgefühl der Konkurrenten oder gar Schmerzen treten hier nicht auf. Mit noch weniger Druck hängen sonst nur die Airpods von Apple im Ohr.

Auch wenn wir die Elite 65t unter einer Mütze tragen, drückt und schmerzt nichts. Allerdings gibt es hier die gleichen Probleme wie beim Jaybird Run. Sobald der Kopf leicht bewegt wird, gibt es Raschelgeräusche, die den Musikgenuss trüben.

Am rechten Stöpsel befindet sich ein angenehm leichtgängiger und zugleich präzise arbeitender Multifunktionsknopf. Hier schmerzt nichts, wenn er betätigt wird. Am linken Stöpsel gibt es statt einer zwei Lautstärketasten, die genauso leichtgängig sowie präzise sind. Kleine Erhebungen helfen, die beiden Tasten sicher zu erfühlen. Mit einem Doppeltippen ist es zudem möglich, ein Musikstück vor- oder zurückzuspringen. Damit lassen die Elite 65t bei der Steuerung keine Wünsche offen und Jabra legt die beste Knopfsteuerung vor, die wir bisher gesehen haben. Im Vergleich zu den Airpods ist es ein enormer Komfortgewinn, die Lautstärke zu regeln oder das Lied zu wechseln, ohne dafür jedes Mal zum Smartphone greifen zu müssen.

Das Jabra-Gerät kämpft mit Schritthall und den damit einhergehenden Beschränkungen bei der Basswiedergabe. Die einzigen Geräte ohne dieses Problem sind in unseren Tests Apples Airpods und Boses Soundsport Free. Mit einem kleineren Aufsatz verschwindet der Schritthall auch bei den Elite 65t und sie entfalten ein ansonsten gutes Klangbild. Sie liefern ausgewogene Mitten und Höhen, die sauber getrennt sind. Das Klangbild ist voluminös, lebhaft und angenehm. Bei Telefonaten ist der Anrufer angenehmerweise auf beiden Stöpseln zu hören.

Die Jabra-Stöpsel sind die einzigen, die parallel zwei Bluetooth-Verbindungen zulassen. Wir können also die Stöpsel etwa mit einem Tablet und einem Smartphone verbinden. Kommt über das Smartphone ein Anruf herein, während wir auf dem Tablet einen Film schauen, können wir diesen mit den Elite 65t direkt annehmen. Aber auch wer ein berufliches und ein privates Smartphone parallel nutzt, kann Anrufe beider Geräte mit den Ohrhörern annehmen, ohne irgendwas umstellen zu müssen.

Jabra setzt die Ohrerkennung perfekt um

In den Elite 65t befinden sich Sensoren, die erkennen, ob die Stöpsel im Ohr sitzen. Eine vergleichbare Ohrerkennung gibt es auch bei den Airpods, aber Apples Umsetzung ist weniger gut gelungen. Wenn wir einen der Jabra-Stöpsel aus dem Ohr nehmen, pausiert die Musik sofort. Sobald sie wieder im Ohr sitzen, dudelt die Musik weiter. Das gilt auch, wenn beide Stöpsel aus dem Ohr genommen werden.

Die Airpods unterbrechen die Musik, wenn ein Stöpsel aus dem Ohr genommen wird, und setzen sie fort, wenn wieder beide im Ohr stecken. Allerdings wird die Musik nicht fortgesetzt, wenn beide Airpods aus dem Ohr genommen und wieder eingesetzt werden. Als weitere Einschränkung gibt es die Ohrerkennungsfunktion bei den Airpods nur für iPhone-Besitzer, Android-Nutzer bleiben außen vor. Eine solche Missachtung eines Teils der Kundschaft ist uns bislang bei keinem anderen Hersteller aufgefallen.

Die Ohrerkennung der Elite 65t ist in der zugehörigen App umschaltbar. Während unseres Tests hat Jabra die App zum Gerät sehr umfangreich überarbeitet. Zuvor gab es die App nur in englischer Sprache mit deutlich weniger Einstellungen als in der neuen Version, die nun auch in deutscher Sprache vorliegt. Die App zeigt den Akkustand in Prozent an; eine Anzeige in der Statusleiste eines Android-Geräts gibt es hier nur, wenn es vom Betriebssystem unterstützt wird. Das ist schade, denn beim Elite 25e vom selben Hersteller gibt es diese nützliche Funktion auf allen Android-Geräten.

Die Elite 65t gehört zu den Modellen mit Transparenzmodus, der über die App konfiguriert werden kann. Aktiviert oder abgeschaltet werden kann er am Stöpsel, der Moduswechsel ist nur über die App möglich. Erst mit der neuen Version kann die Musikwiedergabe bei aktiviertem Transparenzmodus weiter genutzt werden. Aufgrund der guten Ohrerkennung brauchen wir die Transparenzfunktion aber nicht sehr - es ist schneller, einen Stöpsel kurz aus dem Ohr zu nehmen, als die Funktion einzuschalten.

In der Jabra-App gibt es einen Equalizer zum Anpassen des Musikklangs, das Klangbild beim Telefonieren kann justiert werden. Bei Bedarf kann das Gesprochene bei Telefonaten im Stöpsel mitgehört werden. In der Jabra-App vermissen wir eine Ortungsfunktion, die beim Elite 25e und auch beim Elite Sport so vorbildlich gut umgesetzt ist.

Jabra-Stöpsel kann Alexa verwenden

Android-Nutzer haben die Wahl, ob sie den Google Assistant oder Amazons Alexa verwenden. Seit Mitte Juni 2018 steht Alexa auch für iOS-Nutzer bereit. Diese Einstellung ist weiterhin wichtig, obwohl Alexa seit Anfang Mai 2018 als Standardassistent auf Android-Geräten aktiviert werden kann. Allerdings gilt das bislang nicht für den Aufruf von einem Headset aus, so dass Alexa noch nicht ganz so eingesetzt werden kann wie der Google Assistant.

Die Elite 65t haben eigene Ansagen in den Stöpseln - die Sprache lässt sich umstellen. Dazu müssen die passenden Sprachdateien über die Jabra-App auf die Stöpsel gespielt werden. So gelangt auch eine neue Firmware auf die Stöpsel - beides ist vorbildlich gelöst. Bei Bedarf können die Sprachansagen auch deaktiviert werden.

Auch bei der Akkulaufzeit gehören die Elite 65t zu den Besten. Der Hersteller verspricht fünf Stunden und genau das erreichen wir auch im Test. Wie die Run lassen sich die Elite 65t in fünf Minuten so weit aufladen, dass sie eine volle Stunde lang verwendet werden können. Besser schneiden hier nur Apples Airpods ab, die mit einer Fünf-Minuten-Ladung eine Laufzeit von einer Stunde und 15 Minuten schaffen. Wenn die Stöpsel über Bluetooth verbunden sind, aber nicht benutzt wurden, schalten sie sich nach einer Stunde ab. Dieser Wert erscheint uns angemessen.

Das Ladeetui kann die Stöpsel bis zu zweimal aufladen und hat eine angenehme Größe. Es beult die Hosentasche nicht unnötig aus. Das Öffnen des Etuis bereitet anfangs etwas Schwierigkeiten, aber nach einiger Übung gelingt es gut. Die Stöpsel liegen nur im Etui und werden leider nicht von einem Magneten fixiert. Daher ist hier Vorsicht geboten, damit die Stöpsel nicht versehentlich herunterfallen.

Zwischenfazit zu Jabras Elite 65t

Mit den Elite 65t schafft es doch noch ein Hersteller, komplett kabellos arbeitende Ohrstöpsel mit Lautstärketasten anzubieten, bei denen die Betätigung der Knöpfe keine Schmerzen oder andere Probleme verursacht. Die leichtgängigen Tasten sind vorbildlich. Dabei liegen die Elite 65t sehr sicher und schmerzfrei im Ohr; auch stundenlanges Tragen macht keine Probleme. Beim Klangbild gehören die Elite 65t zu den Besten in diesem Test, nur gegen die Airpods muss sich Jabra im Bassbereich geschlagen geben. Sehr angenehm ist die Ohrerkennung. Diese ist besser als bei den Airpods gelöst und nicht nur auf eine Plattform beschränkt. Die parallele Nutzung von zwei Bluetooth-Geräten ist eine nette Dreingabe zur guten Akkulaufzeit und der sehr praktischen Schnellladefunktion.

Von Jabra gibt es auch eine Variante für Sportler, die sich in vielen Punkten von den Elite 65t unterscheidet.

Jabra hat die Elite Sport sehr groß gebaut

Die Elite Sport von Jabra haben ebenfalls eine Knopfbedienung mit dedizierten Lautstärketasten. Zudem haben sie spezielle Sportfunktionen, um etwa das Training zu protokollieren und den Puls zu messen. Für diese Sportfunktionen wurden aber andere Funktionen der Elite 65t eingespart, so dass sich beide erheblich unterscheiden.

Der Elite-Sport-Käufer erhält Silikon- und Schaumstoff-Aufsätze in jeweils drei verschiedenen Größen. Diese werden durch Ohrpassstücke in drei Größen ergänzt. Während sich die Ohrpassstücke besonders leicht wechseln lassen, sind die Stöpsel etwas hartnäckiger. Hier müssen wir schon ganz schön fummeln - vergleichbare Probleme gab es bei der Konkurrenz nicht.

Die Elite Sport sind die einzigen Hörstöpsel im Test, die wir nicht richtig tief ins Ohr eindrehen können, wie es die Anleitung vorgibt. Der Grund: Das Gehäuse ist schlicht zu groß. Trotzdem sitzen die Ohrstücke sicher und drücken nicht. Allerdings könnte sich das ungünstig auf den Klang auswirken. Unter einer Mütze drücken die Elite Sport nicht, aber man muss sich wie bei den Elite 65t mit Raschelgeräuschen abfinden, sobald der Kopf leicht bewegt wird.

Bezüglich der Bedienung verhalten sich die Elite Sport weitgehend wie die Elite 65t. Am linken Stöpsel sind dedizierte Lautstärketasten. Am rechten gibt es neben einer Multifunktionstaste noch einen Sportknopf, mit dem sich die besonderen Sportfunktionen steuern lassen. Alle Knöpfe sind gut erfühlbar, die Umsetzung ist aber schlechter als bei den Elite 65t.

Die Knöpfe sind deutlich schwergängiger und somit drückt es auch stärker im Ohr. Die Lauter- und die Sporttaste sind leider so weit oben angebracht, dass wir die Stöpsel bei der Bedienung aus dem Ohr drücken - vermutlich, weil wir sie gar nicht erst weit genug hineinbekommen haben.

Mit keinem der Aufsätze kommt es zu Schritthall, dafür gibt es aber auch keinen nennenswerten Bass. Der Mitten- und der Höhenbereich sind sauber getrennt, das Klangbild hat Volumen, aber bei der Dynamik vermissen wir hier etwas. Anrufer sind immer in beiden Ohren zu hören.

Die zugehörige Jabra-App bietet vor allem alles rund um den Sport. Im Zuge dessen sind einige der besonderen Fähigkeiten des Elite 65t weggefallen. So gibt es keinen Sensor für die Ohrerkennung. Werden die Elite Sport aus dem Ohr genommen, pausiert die Musik nicht.

Ein Equalizer, der Mithörton beim Telefonieren und die Einstellungen für den Transparenzmodus sind vorhanden, aber das separate Einstellen des Klangbilds beim Telefonieren fehlt genauso wie die Alexa-Funktion. Dafür gibt es für die Elite Sport eine ähnlich gute Ortungsfunktion wie bei den Elite 25e: Wir können uns den Standort auf der Karte anzeigen lassen und die Stöpsel dazu bringen, einen Signalton abzuspielen.

Elite Sport bei Akkulaufzeit nicht ganz so gut wie Elite 65t

Die Elite-Sport-App zeigt den Akkustand anders als beim Elite 65t an: Hier sieht der Nutzer keinen Prozentwert, sondern die Information, wie lange die Stöpsel noch verwendet werden können. Auch die Elite Sport können sehr bequem über die App aktualisiert werden. Das gleiche gilt für die Änderung der Ansagesprache.

Bezüglich der Akkulaufzeit schneiden die Elite Sport minimal schlechter ab als die Elite 65t. Das Sport-Modell übersteigt die versprochenen 4,5 Stunden nur knapp. Wenn die Akkus in den Ohrstücken leer sind, müssen diese mindestens 20 Minuten geladen werden, damit wieder eine Stunde lang Musik gehört werden kann. Bei einer Ladezeit von 5 Minuten ist schon nach 15 Minuten wieder Schluss.

Das Ladeetui für das Elite Sport ist komplett anders als beim Elite 65t. Es ist etwas größer, passt aber gut in die Hosentasche. Das Öffnen gelingt auf Anhieb. Auch hier gibt es keinen Magnetmechanismus für die Stöpsel, beim Einlegen und Entnehmen ist also Obacht geboten, damit sie nicht herausfallen. Das Etui kann die Stöpsel-Akkus zwei Mal neu beladen.

Zwischenfazit zu Jabras Elite Sport

Was Jabra mit den Elite 65t gelungen ist, gilt so leider nicht für die Elite Sport. Die Tasten beim Sportmodell sind ähnlich schwergängig wie bei der Konkurrenz. Weil uns die Sport-Stöpsel wohl zu groß sind, werden sie aus dem Ohr gedrückt, sobald die Taste betätigt wird. An sich sitzen sie sicher und fest, ohne zu drücken, aber vermutlich ist der Klang besser, wenn sie weiter im Ohr sitzen. Wir wundern uns, dass die praktische Ohrerkennung, Alexa, die Akkuschnellladung und die Nutzung von zwei Bluetooth-Geräten der Elite 65t bei den Elite Sport fehlen.

The Headphone von Bragi hat physikalische Tasten und eine ganz sonderbare Eigenart.

Bragi The Headphone ohne Akku im Ladeetui

The Headphone von Bragi arbeiten ebenfalls mit einer Knopfbedienung und auch hier gibt es dedizierte Lautstärketasten. Den Bluetooth-Ohrhörern liegt ein Ladeetui bei, das selbst keinen Akku hat, was ein bequemes Laden der Ohrstücke zwischendurch erschwert. Als weitere Besonderheit sind es die einzigen Teilnehmer im Test, für die es keinerlei App gibt.

Den Headphone liegen drei unterschiedliche Aufsätze bei, die sich problemlos wechseln lassen. Damit sitzen die Stöpsel sicher, drücken aber im Ohr unangenehm und schmerzen. Zudem sind die Tasten am Ohrstück viel zu schwergängig, jede Betätigung erhöht die Schmerzen im Ohr. Wir wollen die Tasten am liebsten gar nicht betätigen. Eine Mütze verstärkt die Schmerzen immerhin nicht weiter. Allerdings kommt es auch hier zu den Raschelgeräuschen, sobald der Kopf bewegt wird.

Bragi hat alle Steuerungsknöpfe nur auf den rechten Stöpsel gelegt. Oberhalb des Multifunktionsknopfes gibt es zwei Lautstärketasten. Anders als bei den meisten Konkurrenzgeräten schalten sie sich weder ein noch aus, wenn sie aus dem Ladeetui entnommen werden. Durch langes Drücken des Multifunktionsknopfes werden die Stöpsel ein- oder ausgeschaltet. Direkt unterhalb des Knopfes befindet sich ein LED-Bereich, der anzeigt, ob sie eingeschaltet sind. Er ist immer verdeckt, wenn wir die Stöpsel in der Hand halten - das ist sehr unglücklich gelöst.

Die Bedienung ist insgesamt missglückt. Ist es bei Bluetooth-Headsets weithin üblich, mit einem langen Druck auf die Lautstärketasten ein Lied vor- oder zurückzuspringen, wird das von Bragi nicht unterstützt. Denn zum Titelsprung dient der Multifunktionsknopf: Er wird durch einen zweifachen, respektive dreifachen Druck ausgelöst und ist weniger intuitiv und auch mühsamer. Die klassische Steuerung ist hier deutlich angenehmer. Die Bragi-Stöpsel sind zudem die einzigen in diesem Test, die keinen digitalen Assistenten aufrufen können.

The Headphone gehören auch klanglich zu den schwächsten Stöpseln. Der Bass ist so gut wie nicht vorhanden, es mangelt an Volumen und Dynamik, hier schafft die Konkurrenz bessere Ergebnisse. Die Bragi-Stöpsel leiden mit einigen Aufsätzen zudem unter Schritthall. Angenehm ist wiederum: Den Gesprächspartner eines Telefonats hören Nutzer auf beiden Ohren.

Bragi bietet keine App für The Headphone an

The Headphone sind die einzigen Stöpsel in diesem Test, für die es keinerlei App und damit auch keine Einstellungen gibt. Auch bei der Dokumentation geht Bragi ganz eigene Wege: Während andere Hersteller zumindest online umfangreiche Handbücher auch in deutscher Sprache zur Verfügung stellen, fehlt das hier komplett. Der aus Deutschland stammende Hersteller bietet seine Supportseiten nämlich nur in englischer Sprache an - sehr enttäuschend.

The Headphone sind zusammen mit den Sony-Stöpseln die beiden Testteilnehmer, die die zugesicherte Akkulaufzeit nicht erreichen. Statt erst nach sechs Stunden sind die Akkus schon nach fünf Stunden leer. Wenn wir die Headphone-Akkus dann fünf Minuten aufladen, ist schon nach 20 Minuten wieder Schluss.

Dem Headphone-Ladeetui fehlt ein Akku

Das Ladeetui für die Headphones ist für uns eine große Enttäuschung. Es gehört zu den klobigsten Etuis und hat dafür die geringste Leistung. Denn es fehlt ein Akku, um die Stöpsel unterwegs unkompliziert aufladen zu können. Das mindert den Komfort komplett kabellos arbeitender Ohrhörer erheblich, die sich sonst im Grunde automatisch laden lassen, indem sie zur Verwahrung weggepackt werden.

Das Ladeetui dient also vornehmlich dafür, die Headphones an einer Steckdose zu laden. Prinzipbedingt ließe sich zwar auch jedes handelsübliche Akkupack anschließen, aber das müsste auch erst einmal angeschafft werden. Und wenn es unterwegs verwendet wird, muss der Nutzer immer das Etui zusammen mit einem Akkupack mitschleppen. Beides zusammen passt dann kaum mehr in eine Hosentasche. Weil das Ladeetui keinen eigenen Akku hat, liegt die Gesamtakkulaufzeit bei lediglich fünf Stunden - der mit Abstand schlechteste Wert.

Aber auch an anderer Stelle überzeugt uns das Headphone-Etui nicht. Es verwendet einen Schiebemechanismus und besteht aus zwei Teilen, der Ladeschale und einer Abdeckung. Es ist einige Übung nötig, um die Stöpsel mit nur zwei Händen aus dem Etui zu bekommen oder wieder darin abzulegen. Hier schneiden alle Konkurrenzprodukte besser ab. Zudem hat die Abdeckung unpraktischerweise noch einen Schlitz, so dass die Stöpsel im Etui nicht vor Verschmutzung geschützt sind.

Gut gelöst ist die Ablage der Stöpsel in der Ladeschale. Sie werden mittels Magneten fixiert und können so nicht versehentlich herausfallen. Nachdem sie entfernt wurden, müssen sie allerdings immer erst manuell eingeschaltet werden. Das alles macht den Umgang mit den Headphone-Stöpseln äußerst unkomfortabel.

Zwischenfazit zu Bragis The Headphone

Bragis The Headphone gehören zu den großen Enttäuschungen in diesem Test. Komplett kabellose Hörstöpsel brauchen einfach ein Ladeetui mit eingebautem Akku. Ansonsten ist die Akkulaufzeit viel zu kurz. Zu allem Überfluss schneiden The Headphone beim Sitz, beim Klang und der Schmerzfreiheit nicht besonders gut ab, so dass sie klar zu den Schlechtesten im Test gehören.

Zum Schluss kommen wir zu zwei Stöpseln, die über Sensorflächen bedient werden. Den Anfang machen die Beoplay E8 von B&O.

Beoplay E8 nutzen eine Sensorbedienung

Von B&O stammen die Beoplay E8. Sie haben keine Tasten, sondern werden über Sensorbereiche gesteuert. Bei unserem ersten Test zeigte Google mit den Pixel Buds, was dabei alles schiefgehen kann. Die Sensorflächen der Pixel Buds sind so empfindlich, dass damit immer wieder ungewollt Befehle ausgeführt werden, wenn die Stöpsel nur angefasst werden. Apple hat sich bei den Airpods damit beholfen, dass der Sensorbereich nur eine einzige Funktion kennt - das schränkt wiederum den Komfort stark ein. Wir waren gespannt, ob B&O das besser hinbekommt.

B&O legt den Beoplay E8 sechs verschieden große Aufsätze bei - mit dabei ist auch ein Schaumstoffaufsatz. Die Beoplay E8 sitzen sicher im Ohr, drücken aber nach einiger Zeit, so dass keine dauerhaft schmerzfreie Nutzung möglich ist. Die Verwendung der Stöpsel unter einer Mütze ist kaum möglich. Die Schmerzen im Ohr steigern sich und zudem gibt es die leidigen Raschelgeräusche, sobald wir den Kopf auch nur leicht bewegen.

Wenn es um Sensorflächen an Hörstöpseln geht, stehen die Hersteller vor besonderen Herausforderungen, denn der Sensorbereich sollte nicht versehentlich aktiviert werden, wenn die Stöpsel nur angefasst werden. Hier zeigt B&O, in welche Richtung es gehen muss. Die Sensorflächen am Beoplay E8 sind gut erfühlbar und klar abgegrenzt vom übrigen Gehäuse. Die Stöpsel lassen sich ins Ohr drehen, ohne dabei unerwünschte Befehle auszuführen. Bequem kann dann mit einem Antippen ein Anruf entgegengenommen sowie Musik pausiert oder fortgesetzt werden. Die Stöpsel werden dabei nicht schmerzhaft ins Ohr gedrückt.

Bei den Beoplay E8 wird die Lautstärke erhöht, indem die Sensorfläche auf dem rechten Stöpsel länger gedrückt wird. Zum Leiserstellen wird länger auf den linken Stöpsel gedrückt. Diese pfiffige Lösung reagiert nicht ganz so schnell und zuverlässig wie dedizierte Lautstärketasten, ist aber weniger fehleranfällig als eine Wischgeste. Ganz fehlerfrei funktioniert aber auch das System nicht: Lassen wir die Sensorfläche zu früh los, bleibt die Lautstärke unverändert und die Musik pausiert, weil die Stöpsel einen einfachen Tipp wahrgenommen haben. Es bedarf also einiger Übung, dann gelingt es ganz gut.

Mit einem Doppeltipp auf den rechten Stöpsel wird ein Stück vorgesprungen, beim linken Stöpsel wird damit ein Musikstück zurückgesprungen. Meistens wird unser Doppeltipp allerdings vom Stöpsel nicht als solcher erkannt. Hier ist die Umsetzung also weniger gut gelungen als bei der Lautstärkeregelung. Mit einem dreifachen Druck auf die Sensortaste wird der jeweilige digitale Assistent aktiviert - ebenfalls recht fehleranfällig. Am linken Stöpsel kann zudem der Transparenzmodus mit einem einfachen Tippen umgeschaltet werden.

Beoplay-App gibt es nur in englischer Sprache

Viele Beoplay-E8-Aufsätze verursachen den unangenehmen Schritthall, ohne die Bassintensität nennenswert zu verbessern. Die Stöpsel erreichen nicht den Tiefbass der Airpods, sie liefern aber ein lebendiges, voluminöses Klangbild, wenn Stöpsel ohne Schritthall zum Einsatz kommen. Mitten und Tiefen werden ausgewogen und sauber getrennt wiedergegeben. Damit gehören die B&O-Stöpsel zu denen mit dem besten Klangbild im aktuellen Test. Beim Telefonieren ist der Gesprächspartner angenehmerweise auf beiden Seiten zu hören.

Die B&O-App ist die einzige im Test, die es nur in englischer Sprache gibt. Sie zeigt den Akkuladestand sehr grob an und bietet eine Konfiguration des Transparenzmodus. Zudem kann das Klangbild über die App konfiguriert werden, die Funktion nennt sich Tonetouch. Durch Herumschieben wird das Klangbild angepasst, einen klassischen Equalizer gibt es nicht. Das Zurücksetzen der Klangveränderungen ist etwas versteckt in einem Untermenü zu finden; das dürfte gerne einfacher sein. Ortungsfunktionen bietet die App nicht. Angesichts des hohen Preises der Beoplay-Stöpsel ist es etwas ungewöhnlich, dass es keinerlei Sprachansagen gibt.

Bei der Akkulaufzeit gehören die Beoplay E8 zu den Modellen, die mehr schaffen als der Hersteller verspricht. Wir können mit den Stöpseln statt 4 Stunden 4,5 Stunden am Stück Musik spielen. Eine Auffälligkeit gibt es im Bereitschaftsmodus: Wenn die Stöpsel mit einem Smartphone verbunden sind und 15 Minuten nicht aktiv verwendet werden, schalten sie sich aus. Diese Zeitspanne ist uns entschieden zu kurz. Wenn die Stöpsel-Akkus leer sind, können sie nach einer fünfminütigen Ladung nur 25 Minuten verwendet werden.

Das Ladeetui hat eine angenehme Größe und lässt sich unkompliziert öffnen oder schließen. Angenehm: Die Stöpsel werden magnetisch gehalten und können bequem entnommen oder abgelegt werden. Mit dem Ladeetui lassen sich die Beoplay E8 zweimal laden. Beim Ablegen in das Ladeetui schalten sich die Beoplay E8 ab, sie schalten sich aber nicht ein, wenn sie entnommen werden.

Damit will der Hersteller wohl verhindern, dass beim Hineindrehen ins Ohr ungewollt Befehle ausgeführt werden. Diese Vorsicht erscheint uns übertrieben. Wir schalten die Beoplay E8 immer ein, bevor wir sie ins Ohr drehen, und dabei gab es dank der klar abgegrenzten Sensorfläche keine ungewollte Bedienung. Der Komfortverlust sieht so aus, dass der Sensorbereich am rechten Stöpsel länger gedrückt werden muss. Halten wir die Stöpsel in der Hand, zeigt eine innen angebrachte LED gut sichtbar, wenn sie eingeschaltet sind.

Zwischenfazit zum Beoplay E8

Von allen bisher getesteten Stöpseln mit einer Sensorbedienung schneiden die Beoplay E8 am besten ab. Obwohl B&O vieles richtig macht, bekommen aber auch sie das Grundproblem nicht in den Griff: Eine Touchsteuerung ist weniger präzise als ein Knopfdruck und fehleranfälliger. Beim Klang gehören die Beoplay E8 zu den besten in diesem Test, aber auf das tiefe Bassfundament der Airpods müssen Käufer hier verzichten. Leider ist kein schmerzfreies Tragen der Stöpsel möglich, dafür ist die Akkulaufzeit sehr gut.

Der letzte im Test ist Bragis Dash Pro, der nicht nur in einem Punkt eine Sonderrolle einnimmt.

Bragis Dash Pro braucht kein Smartphone

Die teuersten Bluetooth-In-Ears im Test sind Bragis Dash Pro. Darauf läuft ein eigenes Betriebssystem, so dass die Stöpsel unabhängig vom Smartphone genutzt werden können und Nutzer etwa beim Sport das Smartphone nicht dabei haben müssen. Zudem haben die Dash Pro eine Sensorfläche, können aber auch mit anderen Techniken bedient werden.

Bragi legt den Ohrhörern vier verschieden große Aufsatzpaare und vier Ohrpassaufsätze bei. Während sich die einfachen Aufsätze leicht wechseln lassen, gilt das nicht für die Ohrpassaufsätze, die nur sehr mühsam auf die Stöpsel zu bekommen sind. Die Dash Pro haben auf der Innenseite eine große Wölbung, die nach einiger Zeit schmerzhaft im Ohr drückt. Vergleichbares haben wir bei keinem anderen Testmuster vorgefunden. Damit legt Bragi hier eine 1a-Fehlkonstruktion hin. Wir tragen die Dash Pro nicht gerne - und mit einer Mütze verstärken sich die Schmerzen nochmals erheblich.

Das Sensorfeld kennt deutlich mehr Befehle als bei den Beoplay E8, aber genau das führt dann auch zu Problemen. Auf dem linken Stöpsel sind neun Befehle hinterlegt, auf dem rechten sind es 18, teilweise abhängig vom jeweiligen Betriebszustand. Die gebräuchlichen Befehle sind schnell erlernt, aber bei den Spezialfunktionen wird es dann unübersichtlich, weil es einfach zu viele sind.

Bei all dem kommt erschwerend hinzu, dass die Sensorfläche nicht so eindeutig identifizierbar ist wie beim Beoplay E8. Dadurch passiert es immer wieder, dass Befehle nicht angenommen werden, weil wir nicht den zugewiesenen Bereich betätigen; das frustriert bei der Nutzung.

Ergänzend dazu können die Grundfunktionen des Geräts auch mit Kopfbewegungen gesteuert werden. Ein Anruf kann durch Kopfnicken angenommen und mittels Kopfschütteln abgelehnt werden. Dabei sieht der Nutzer aber schon ziemlich bekloppt aus - wir konnten uns nicht so recht daran gewöhnen, solche Gesten in der Öffentlichkeit zu verwenden. Noch komplizierter wird es, wenn wir das zuschaltbare 4D-Navigationsmenü aktivieren. Dann können wir mit Kopfbewegungen durch das Bedienungsmenü navigieren. Für uns ist das kein sinnvoller Ersatz für eine klassische Steuerung.

Dash Pro funktionieren auch ohne Smartphone

Zudem gibt es noch eine sogenannte Shortcut-Steuerung. Dabei wird der rechte Wangenbereich vor dem Ohr zu einer Touch-Oberfläche und wenn Nutzer diesen doppelt antippen, kann einer von drei Befehlen ausgeführt werden. Wir haben die Funktion nur selten verwendet, weil der eine Befehl eben auch über den Sensorbereich aufgerufen werden kann. Alle zusätzlichen Steuerungsfunktionen können in den Geräteeinstellungen abgeschaltet werden.

Alle genannten Steuerungsmöglichkeiten stehen auch bereit, wenn die Dash Pro ohne verbundenes Smartphone verwendet werden. Dafür stehen auf dem Gerät 4 GByte Speicher für Musikdateien bereit. Sämtliche lokale Musik muss dabei auf vier Verzeichnisse verteilt werden. Diese Ordner stehen dann für Wiedergabelisten. Das wäre an sich kein Problem, aber wir dürfen die Verzeichnisse nicht umbenennen, so dass die Orientierung schwerfällt. Bald stellt sich die Frage: Welche Musik habe ich in Wiedergabeliste 1 abgelegt? Anwender müssen sich also genau merken, was wohin kopiert wurde. Wenn Bragi es gestatten würde, die Ordner umzubenennen, wäre das viel bequemer.

Derzeit ziehen wir es vor, ein Smartphone mitzuführen und dann über ein Display die gewünschte Musik auszuwählen. Zudem haben wir dann auch Zugriff auf Streamingdienste, die ohne Smartphone nicht genutzt werden können.

Bragi enttäuscht beim Dash Pro mit mangelhaftem Handbuch

Standardmäßig wird die Musik vom internen Player im Zufallsmodus abgespielt. Das finden wir lästig und wir müssen uns erst durch die Dokumentation wühlen, um das abschalten zu können. Wir haben es bereits beim Headphone von Bragi bemängelt, aber beim Dash Pro fällt es noch stärker ins Gewicht, weil das Gerät deutlich mehr kann: Uns fehlt eine vernünftige, deutschsprachige Anleitung. Wir können nicht nachvollziehen, warum ein aus München stammendes Unternehmen alle weitergehenden Informationen nur in englischer Sprache bereitstellt.

Zu allem Überfluss ist das nur in Form von Webseiten vorhandene Handbuch schlecht strukturiert. Als wir den Zufallsmodus abschalten wollen, finden wir erst mal keine Einstellung dafür. Denn auf der Webseite zur Steuerung des Geräts wird die Zufallswiedergabe nicht einmal erwähnt und es gibt auch keinen Querverweis. Erst als wir weitersuchen, finden wir die Funktion auf der Hilfeseite zum Musik-Player. Der Hersteller macht es Käufern hier unnötig schwer.

Beim Klang sind die Dash Pro schwach, auch hier macht sich bei einigen Aufsätzen starker Schritthall bemerkbar. Generell fehlt es uns an Dynamik und ein überzeichneter Höhenbereich bewirkt ein nicht ausgewogenes Klangbild. Wie bei anderen Testteilnehmern fehlt auch hier der Tiefbass der Airpods komplett. Beim Telefonieren ist der Anrufer angenehmerweise auf beiden Seiten zu hören.

Anders als bei The Headphone gibt es für die Dash Pro eine passende App. Darin können vor allem die genannten Steuerungsoptionen konfiguriert werden. Abseits davon gibt es wenig. Es gibt keine genaue Anzeige für die Akkukapazität der Stöpsel und auch eine Ortungsfunktion fehlt. Neben dem Elite 65t ist Dash Pro das einzige Testmuster, das auf Alexa zugreifen kann, wenn eine Smartphone-Verbindung besteht. Die Alexa-Funktion wird über die App eingestellt. Anders als beim Jabra-Stöpsel können auch iPhone-Nutzer Alexa mit dem Dash Pro verwenden. Obwohl Alexa seit diesem Monat als Standardassistent auf Android-Geräten verwendet wird, ist diese Einstellung nicht obsolet. Denn der Alexa-Aufruf vom Headset funktioniert bislang nicht.

Dash Pro mit unzuverlässiger Bluetooth-Verbindung

Die Bragi-Stöpsel sind als einzige in unserem Test anfällig für Ausfälle der Drahtlosverbindung. Das zeigt sich bereits bei normaler Nutzung. Wenn die Ohrstücke mit einem Smartphone verbunden sind, genügt es, den rechten Stöpsel nur ein paar Zentimeter aus dem Ohr zu nehmen und schon wird die Verbindung zum Smartphone gekappt. Das Ganze wirkt zunächst wie eine Ohrerkennung, die sehr unbefriedigend umgesetzt ist, ist aber keine. Mit dem linken Stöpsel gibt es diese Probleme nicht, dafür ganz andere.

Im Test passiert es, dass der linke Stöpsel komplett die Verbindung zum rechten Stöpsel verliert. Wir hören Musik nur noch auf der rechten Seite. Vergleichbare Vorfälle gab es mit keinem anderen von uns jemals getesteten komplett kabellos arbeitenden Bluetooth-Stöpsel. Als einzige Abhilfe bleibt dann, die Stöpsel für ein paar Minuten ins Ladeetui zu legen und danach wieder ins Ohr zu drehen. Das ist nichts, womit sich ein Käufer eines so teuren Produkts herumplagen möchte.

Wenn bei der Installation der Firmware etwas schiefgeht

Während wir etwa die Stöpsel von Jabra sehr bequem und vor allem fehlerfrei über die betreffende Smartphone-App drahtlos aktualisieren können, bietet Bragi keine solche Möglichkeit. Für die Aktualisierung der Stöpsel wird ein Computer benötigt - das ist umständlicher als die Aktualisierung über eine Smartphone-App. Als wir die Dash Pro aktualisiert haben, ist das Koppeln mit einem Smartphone nicht mehr möglich. Ein Werksreset hilft nicht und auf den Bragi-Webseiten gibt es keine Lösung.

Als wir uns an den englischsprachigen Support wenden, erkennt dieser schnell, dass die Firmware fehlerhaft eingespielt wurde. Dies hätten auch Laien erkennen können, so dass wir uns solche Informationen auf der Webseite gewünscht hätten. Zumindest wäre ein Hinweis auf eine falsch installierte Firmware hilfreich, wenn partout keine Kopplung mit dem Smartphone möglich ist. Nachdem wir die Firmware erneut installiert haben, laufen die Dash Pro wie erwartet. Auch zum Ändern der Ansagesprache muss die Firmware über einen Computer eingespielt werden.

Die Dash Pro haben als einzige unserer Testmuster eine eigene Lautstärkeregelung, die parallel zur Basislautstärke am Smartphone verändert werden kann. Das ist an sich erstmal positiv, weil so eine genauere Einstellung der Lautstärke möglich ist. In der Praxis nervt es aber: Denn die Stöpsel vergessen die zuletzt eingestellte Lautstärke und wir müssen diese immer wieder neu einstellen, wenn die Stöpsel zwischendurch im Ladeetui geparkt wurden.

Erfreulicherweise hält sich Bragi beim Dash Pro anders als bei The Headphone an die versprochene Akkulaufzeit von fünf Stunden. Mit dem Ladeetui lassen sich die Stöpsel bis zu fünfmal aufladen. Mehr bietet in diesem Test kein anderer Teilnehmer, so dass die Dash Pro als einzige auf eine Gesamtakkulaufzeit von 25 Stunden kommen.

Das Dash-Pro-Ladeetui gehört zu den wuchtigsten im Test, uns ist es viel zu groß. Wie auch bei The Headphone hat sich der Hersteller unerklärlicherweise für einen Schiebemechanismus aus zwei Komponenten entschieden. Das macht das Einlegen und Entnehmen der Stöpsel unnötig kompliziert. Weiteren Verdruss bringen der schwergängige Schiebemechanismus und der Schlitz im Deckel: Damit sind die Stöpsel im Etui nicht vor Schmutz geschützt.

Zwischenfazit zu Bragis Dash Pro

Die Dash Pro bieten eine Menge, aber es kommt dabei nur wenig Freude auf, die Möglichkeiten können nicht ausgereizt werden. Die Schmerzen beim Tragen sind das eine, das andere sind die strengen Vorgaben beim Speichern lokaler Musik auf den Stöpseln. Der Zugriff auf die Musik ist zu kompliziert, so dass wir das lieber auf einem Smartphone erledigen. Die Sensorbedienung ist zwar sehr umfangreich, damit aber auch viel zu kompliziert geraten; ganz abgesehen davon, dass Befehle immer wieder nicht oder falsch interpretiert werden. Hier ist eine klassische Knopfbedienung im Vorteil, wenn sie so gut gelöst ist wie beim Elite 65t. Auch bei den Dash Pro setzt Bragi alles auf ein möglichst klobiges, unpraktisches Ladeetui - für uns unverständlich. Wir finden es bei den vielen Funktionen der Dash Pro eine Zumutung, dass es kein deutschsprachiges Handbuch gibt.

Verfügbarkeit und Fazit

Alle getesteten Bluetooth-Ohrhörer sind regulär im Handel verfügbar. Das teuerste Modell ist Bragis Dash Pro, es kostet 350 Euro. Preislich folgen die Beoplay E8 von B&O für 300 Euro. Die Elite Sport von Jabra kosten 230 Euro und Sonys WF-1000X 220 Euro. Logitech verlangt für die Jaybird Run 200 Euro. Der Preis für Jabras Elite 65t beträgt 170 Euro. So viel kosten auch Bragis The Headphone, bei denen keine Akkuladeschale dabei ist.

Fazit

Bei komplett kabellos arbeitenden Ohrhörern können Hersteller viel falsch machen - das belegt auch unser zweiter Vergleichstest dieser Gerätegattung. Die Stöpsel können aus dem Ohr fallen, drücken, schlecht klingen, nach zu kurzer Zeit keinen Strom mehr haben oder unkomfortabel zu steuern sein - oder gleich mehrere dieser Probleme haben, wie die meisten der Testgeräte. Nur die Elite 65t von Jabra erreichen in fast allen Belangen das Optimum.

In diesem Vergleichstest zeigt sich ganz klar: Nur ungern verwenden wir komplett kabellos agierende Hörstöpsel, wenn diese keine dedizierte Lautstärkeregelung haben. Die meisten Testgeräte haben diese, aber nicht immer führt das auch zu einem zufriedenstellenden Ergebnis. Die meisten Probanden haben erhebliche Probleme mit Schritthall, dafür liegt die Akkulaufzeit bis auf eine Ausnahme durchweg bei vier bis fünf Stunden. Bei der Bassstärke schafft es keiner der sieben Neuen, gegen die Airpods zu bestehen, die wie die Soundsport Free von Bose einen intensiven Bass bei ausgewogenem Klangbild liefern.

Das größte Problem in diesem Test sind Schmerzen. Die meisten Stöpsel haben wir nicht gerne lange im Ohr, weil es bald weh tut. Hatten wir beim ersten Test noch bei allen Probanden mit Ausfällen auf einer Seite der Stöpsel zu kämpfen, haben die meisten Teilnehmer aus diesem Testfeld das immerhin deutlich besser im Griff. Außer bei den Dash Pro traten bei uns keine solchen Ausfälle auf, sie liefern hier also bessere Ergebnisse als Apples Airpods.

Die meisten Stöpsel können mit dem Ladeetui zweimal nachgeladen werden. Hier schafft nur Dash Pro mit fünf Ladevorgängen mehr. Die zwei Nachladungen finden wir etwas knapp, aber noch tolerabel. In dieser Disziplin liefern die Liberty Plus von der Anker-Marke Zolo aus dem ersten Test derzeit den Spitzenwert: Mit dem Etui lassen sie sich bis zu 16-mal aufladen.

Sony hat sich mit den WF-1000X viel vorgenommen, aber wenig erreicht. Die Funktion zur Geräuschreduzierung ist in unserem Test wirkungslos. Unschön ist auch der Schritthall, den wir mit keinem der beiliegenden Aufsätze wegbekommen haben. Das trübt das an sich gute Klangbild und die gute Passform, sofern auf den Einsatz einer Mütze verzichtet wird. Obwohl die Stöpsel recht groß sind, gehören sie zu den schlechtesten bei der Akkulaufzeit, die uns entschieden zu kurz ist. Und solche Stöpsel ohne Lautstärkeregelung sind einfach zu unpraktisch.

Auch beim Run der Logitech-Tochter Jaybird fehlen uns Lautstärketasten - aber nicht nur die. Ein dauerhaft schmerzfreies Tragen gelingt damit nicht und die Knöpfe am Stöpsel sind viel zu schwergängig. Der Klang ist uns zu zurückhaltend und nicht differenziert genug. Über das klobige Ladeetui könnte man noch hinwegsehen, zumal die Akkulaufzeit zusammen mit Schnellladung ein echter Pluspunkt ist, aber in den anderen Disziplinen ist das Ergebnis bleibt einfach zu wenig überzeugend.

Wir haben es ausprobiert: Funktionieren komplett kabellose Hörstöpsel ohne ein Ladeetui mit eingebautem Akku? Die klare Antwort ist nein. Der Komfortverlust bei Bragis The Headphone ist enorm - zumal wir für das gleiche Geld deutlich bessere Stöpsel in allen Belangen erhalten. Die Ohrhörer schneiden dann auch noch beim Klang und beim schmerzfreien Sitz zu schlecht ab. Schade ist auch, dass die Knöpfe viel zu schwergängig sind und damit die Schmerzen beim Tragen noch intensivieren.

Auch bei Bragis anderem Testgerät, dem Dash Pro, überwiegen die negativen Aspekte. Allen voran die instabilste Bluetooth-Verbindung in diesem Test. Aber auch klanglich schneiden die Dash Pro kaum besser ab und eine Fehlkonstruktion verursacht starke Schmerzen im Ohr. Die Sensorsteuerung und auch die anderen Optionen zur Bedienung des Geräts können uns nicht überzeugen. Unglücklich finden wir die schwer nachvollziehbaren Beschränkungen bei der autarken Nutzung ohne Smartphone. Aus Käufersicht ist das Fehlen einer vernünftigen deutschsprachigen Bedienungsanleitung nicht zu tolerieren - vor allem nicht bei dem hohen Preis.

Etwas schwer zu beurteilen sind die Elite Sport, die für unser Ohr etwas zu groß sind und sich daher möglicherweise nicht immer so verhalten, wie sie sollten. Das Klangbild ist bassarm und insgesamt zurückhaltend. Prinzipiell wünschen wir uns weniger Kraftaufwand bei der Betätigung der Knöpfe am Stöpsel. Wir verzichten nur ungern auf die vielen Komfortfunktionen des Elite 65t und können die Entscheidung des Herstellers nur bedingt verstehen, den Produkten einer Gerätegattung eine so unterschiedliche Ausstattung zu geben.

Klanglich zum Spitzenfeld in diesem Test gehören die Beoplay E8 von B&O. Wie alle anderen erreichen sie zwar nicht den Tiefbass der Airpods, liefern aber ein homogenes, dynamisches Klangbild. Dazu gesellt sich eine - in Anbetracht der Einschränkungen einer Sensorsteuerung - gelungene Lösung für die Bedienungsprobleme. Eine ganz fehlerfreie Ausführung von Befehlen ist damit allerdings nicht möglich. Wer unbedingt Stöpsel mit Sensorbedienung sucht, sollte es mit den Beoplay E8 versuchen, die allerdings bei uns nicht ganz schmerzfrei im Ohr liegen.

In diesem Vergleichstest liegt kein Konkurrent so angenehm und dauerhaft schmerzfrei im Ohr wie die Elite 65t von Jabra. Auch bei der Steuerung macht Jabra hier alles richtig: Es gibt angenehm leichtgängige Tasten, so dass sich alles Wichtige rund um die Musik oder das Telefonieren direkt am Stöpsel regeln lässt - das Smartphone kann getrost in der Tasche bleiben. Die Akkulaufzeit gehört zum Spitzenfeld und mit der Schnellladung sind nach fünf Minuten Wiedergabepause schon wieder eine Stunde Hörgenuss möglich. Das Klangbild gehört zusammen mit dem Beoplay E8 zu den besten in diesem Test. Allerdings kommt auch Jabra nicht an den Tiefbass der Airpods heran.

Dafür macht Jabra ansonsten alles besser als Apple: Die Ohrerkennung funktioniert bei den Elite 65t immer, wie es der Kunde erwartet, und das bei jedem verbundenen Gerät und nicht nur bei einer Auswahl. Durch die umfangreiche Steuerung müssen sich Jabra-Kunden nicht auf die Komforteinbußen der Airpods einlassen, bei denen eine Lautstärkeregelung durch Berührung des Stöpsels nicht möglich ist. Nutzer müssen hier immer wieder zum Smartphone greifen. Wer sich erst mal daran gewöhnt hat, die Stöpsel parallel mit zwei Bluetooth-Geräten zu betreiben, wird sich auch darüber freuen - das bietet außer dem Elite 65t kein anderes Gerät im Test.

Von allen elf insgesamt getesteten Stöpseln gefallen uns die Elite 65t von Jabra am besten - neben den sieben aus diesem Test waren das im ersten Test Apples Airpods, Googles Pixel Buds, Boses Soundsport Free und Ankers Zolo. Ein ordentlicher Sitz im Ohr, eine angenehm umfassende und intuitive Bedienung mit vielen Komfortfunktionen gepaart mit einem guten Klangbild sprechen für die Elite 65t. Wer Musik partout nicht ohne einen satten Tiefbass hören mag, sollte zu den Airpods von Apple oder den Soundsport Free von Bose greifen. Wir würden die Airpods vorziehen, weil sie auch mit Mütze verwendet werden können, ohne dass es im Ohr schmerzt. In der Praxis arrangieren wir uns aber lieber mit weniger Bassfundament als mit Einschränkungen bei der Bedienung, die wir bei den Airpods haben.

Nachtrag vom 19. Juni 2018

Jabra hat die iOS-App für die Elite 65t aktualisiert. Vor dem Update fehlte der App die Möglichkeit, Alexa auf einem iOS-Gerät zu nutzen. Seit dem Update kann Alexa auf einem iPhone oder iPad verwendet werden. Die Einrichtung funktioniert wie mit der Android-App: Der Nutzer muss sich einmalig mit seinem Amazon-Konto in der Jabra-App anmelden. Dann kann er künftig Alexa statt Siri als digitalen Assistenten verwenden. Wir haben die Textpassagen im Testbericht entsprechend angepasst.  (ip)


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