Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/indiegames-rundschau-kampfkrieger-und-abenteuer-in-1001-nacht-1805-134391.html    Veröffentlicht: 16.05.2018 12:07    Kurz-URL: https://glm.io/134391

Indiegames-Rundschau

Kampfkrieger und Abenteuer in 1001 Nacht

Battletech schickt Spieler in toll inszenierte Strategieschlachten, eine königliche Fantasywelt und Abenteuer im Orient: Unsere Rundschau stellt diesmal besonders spannende Indiegames vor.

Früher gab es die "reguläre" Spieleindustrie mit einer Vielzahl an Publishern und einer Reihe von Studios, die für diese Großfirmen gearbeitet haben. Und daneben die minikleine Indie-Szene mit mehr oder weniger undergroundigen Einzelkämpfern. Heute ist die Branche anders organisiert: Es gibt jetzt auch unabhängige Studios mit Millionenbudgets und Erfahrungen bei der Produktion von hochglanzpolierten Highend-Spielen. Jede Woche erscheinen auf Steam allein an die 200 Games, die meisten davon von unabhängigen Entwicklern.

Wie schwierig die Zuordnung inzwischen ist, beweisen aktuell zwei unterschiedliche "Indie"-Titel: Ein Spiel wie Frostpunk (Test auf Golem.de) wäre früher vermutlich ebenso selbstverständlich unter der Flagge eines großen Publishers veröffentlicht worden wie das soeben erschienene Pillars of Eternity 2 (Test auf Golem.de). Letzteres fand nicht einen großen, sondern 33.000 Publisher, nämlich die Unterstützer auf Kickstarter: Sie haben die Produktion dort mit 4,4 Millionen US-Dollar vorfinanziert.

Ist das noch Indie? Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten. Wesentlich klarer ist, dass die folgenden Titel auf jeden Fall für viele verspielte Stunden sorgen können.

Battletech: Die Mechs sind wieder da

Abseits vom Free-to-Play-Ableger Mechwarrior Online war es lange Zeit ruhig um die gewaltigen Kampfroboter aus dem kultigen Sciencefiction-Universum. Mit Battletech kehrt Chefentwickler Jordan Weisman - Schöpfer des Original-Tabletop-Strategiespiels aus dem Jahr 1984 - zu den Wurzeln der Serie zurück. Statt actionreicher Simulation ist das neue Mech-Spiel ein rundenbasiertes Taktikschwergewicht, das näher an die Brettspielvorlage herankommt als alle anderen Titel zuvor.

Als Anführer einer kleinen Söldnerkompanie gilt es nicht nur, zunehmend haariger werdende rundenbasierte Schlachten zu gewinnen, sondern zwischen diesen Einsätzen auch die Finanzen und Ausbauten zu beaufsichtigen. Wie in der Xcom-Reihe greifen die verschiedenen Elemente geschickt ineinander und führen durch eine spannende Kampagne und unzählige Scharmützel mit immer größeren Herausforderungen. Momentan fühlen sich die Kämpfe mit ihren langwierigen, leider nicht ganz abschaltbaren Animationen und dramatischen Pausen etwas zu langsam an, ein Patch soll Abhilfe schaffen. Abgesehen davon ist Battletech ein Pflichtspiel für Freunde von rundenbasierter Strategie - und für Fans des Universums sowieso.

Erhältlich für Windows-PC und MacOS, um 40 Euro.

For the King und Dusk



For the King: Abenteuer mit maximalem Wiederspielwert

Zufallsgenerierung, maximale Abwechslung durch komplexe Systeme plus sprichwörtliche Härte: Das ist das Patentrezept der sogenannten Rogue-likes, und von FTL bis hin zu Spelunky haben diese Mechaniken für fast endlosen Wiederspielwert gesorgt. Das strategische Fantasy-Rollenspiel For the King bedient sich an diesem Erbe ebenso wie an Brettspielen und japanischen Rollenspielelementen, um ein Spielerlebnis mit maximalem Wiederspielwert zu schaffen.

Mit einem Trio unterschiedlicher Abenteurer stürzt man sich in eine zunehmend öffnende Fantasywelt, bekämpft rundenweise böse Monster, sammelt Beute und Erfahrung, und das allein oder in Online-Koop. Sympathischer Low-Poly-Stil, viele liebevolle Details und vor allem eine erfolgreich absolvierte Early-Access-Phase zur Perfektionierung machen For the King zum empfehlenswerten Abenteuer, das ein wenig an klassische Tabletop- und Pen-and-Paper-Rollenspiele erinnert.

Erhältlich für Windows-PC, MacOS und Linux, um 20 Euro.

Dusk: Ballern wie vor 20 Jahren

1996 erschien das Actionspiel Quake, und für manche ist die Liebe zu dieser ganz speziellen Ära der First-Person-Shooter ungebrochen. Dusk ist eine Zeitreise, die aber mehr ist als bloße Nostalgie: Das geradezu absurd blutige Spiel mit der auf den ersten Blick angestaubten Grafik ist eine clevere Hommage an frühere Shooter-Zeiten und ihre fast in Vergessenheit geratenen Qualitäten - allen voran eine fast hypnotische und heutzutage unerhörte Rasanz und Schnelligkeit.

Was auch Spätergeborene, die über die simple, aber liebevoll gestaltete Grafik hinwegkommen, zu schätzen wissen werden, ist seine Konzentration auf "klassisches" Leveldesign, das Realismus beiseitelässt und vertrackt verwinkelte Architekturen bietet, in denen Raum für halsbrecherische Bewegung und zahllose Geheimnisse bleibt. Wer die immer noch quicklebendigen Qualitäten der frühen Shooter-Ära (wieder-)erleben will, wird mit Dusk hervorragend unterhalten; das Early-Access-Spiel soll in Kürze um die finale dritte Episode erweitert werden.

Erhältlich für Windows-PC, um 17 Euro.

City of Brass, Far Lone Sails und mehr



City of Brass: Action aus 1001 Nacht

Wenn in einem Werk von ehemaligen Bioshock-Entwicklern ein Klassiker wie Spelunky auf Prince of Persia trifft, kommt so etwas wie City of Brass heraus. Das flotte First-Person-Spektakel versetzt seine Spieler in einen mythischen Orient mit der Aufgabe, möglichst viele Schätze aus der verwunschenen, von Monstern und Fallen übersäten Stadt zu stehlen. Eine Peitsche und ein Schwert sind die Grundausrüstung, doch regelmäßig leistet auch die Umgebung bei der Bekämpfung der Gegner Hilfe.

City of Brass spielt sich tatsächlich ein wenig wie ein 3D-Spelunky, trotz größerem Fokus auf Kampf und natürlich trotz der First-Person-Perspektive. Die prozedural generierten, recht linearen Levels bieten immer neue Parcours aus Fallen und lästigen Gegnern, und es macht mit zunehmendem Können einfach Spaß, sich möglichst schnell und spektakulär durch die Spielwelt zu bewegen, mit akrobatischen Manövern Monster in Fallen zu schubsen und im Flow von Kampf und Bewegung aufzugehen. Das Zeitlimit in jedem Level sollte wirklich nur besonders langsamen Dieben zum Problem werden.

Erhältlich für Windows-PC, Playstation 4 und Xbox One, um 17 Euro.

Far - Lone Sails: Ausnahmespiel mit großartiger Atmosphäre

Wer sich besondere Spiele wie Journey oder Limbo als Vorbild nimmt, legt die Latte schon recht hoch. Doch das Debütspiel des Schweizer Indiestudios Okomotive, das aus einem Studentenprojekt entstanden ist, übernimmt sich mit der Nennung dieser Inspirationen keineswegs. In beeindruckendem Grafikstil aus Grautönen mit einzelnen Farbtupfern gestaltet und von tollem Soundtrack unterlegt, erzählt das außergewöhnliche Spiel ohne Worte von einer Reise durch eine einsame Postapokalypse.

Der kleine, rot gewandete Protagonist ist allerdings nur anfangs zu Fuß unterwegs, denn schon nach wenigen Minuten betritt er sein riesiges Gefährt, das zugleich die zentrale, originelle Spielmechanik von Far - Lone Sails darstellt: Das mit Wind- oder Dampfkraft bewegte Riesending muss sorgfältig gewartet und am Laufen gehalten werden. Gewalt oder Gegner gibt es nicht; langweilig ist das berückend atmosphärische Spiel, das auf Puzzles und Environmental Storytelling setzt, aber deshalb absolut nicht. Ein beeindruckendes Debüt und - wie seine Vorbilder - selbst ein ganz besonderes Spiel.

Erhältlich für Windows-PC und MacOS, um 15 Euro.

Außerdem: Zelda-like, Zombies und Spione

Das knuffig-bunte The Swords of Ditto (Windows-PC, MacOS, Linux und PS4, 20 Euro) verbindet klassisches Action-Adventure-Rollenspiel der 2D-Zelda-Tradition mit - erraten - Rogue-like-Elementen. Ergebnis: ein vor allem im Couch-Koop-Modus äußerst unterhaltsames Erlebnis.

Das Gegenteil von Couch-Koop wiederum bietet Spy Party (Windows-PC, MacOS, rund 25 Euro), das nach schier endlosen Jahren der Vor-Entwicklung endlich im Early Access erschienen ist. Die ebenso originelle wie makabre Prämisse des Zweispieler-Spiels: Ein Spieler ist ein Scharfschütze, der zweite mischt sich als Spion unter die Besucher einer - von NPCs bevölkerten - Party. Ziel des Scharfschützen ist es, den menschlichen Spieler zu erkennen und auszuschalten. Dieser wiederum muss eine Reihe an Missionszielen erreichen, ohne aufzufallen - eine Art umgekehrter Turing-Test. Was kompliziert klingt, ist ein faszinierendes Experiment und ein ziemlich einzigartiges Multiplayer-Erlebnis.

Zum Abschluss noch eine bemerkenswerte Portierung: Der hysterisch lustige Zombie-Roadtrip-Simulator Death Road to Canada (iOS, Windows-PC, MacOS, Linux und Nintendo Switch, ab 13 Euro) ist seit kurzem auch für Nintendos Switch erschienen - und auf der tragbaren Konsole macht das pixelige Zombie-Massaker eine besonders gute Figur.  (rs)


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