Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/noctua-nf-a12x25-im-test-spaltlos-lautlos-1805-134282.html    Veröffentlicht: 11.05.2018 08:02    Kurz-URL: https://glm.io/134282

Noctua NF-A12x25 im Test

Spaltlos lautlos

Der NF-A12x25 ist ein 120-mm-Lüfter von Noctua, der zwischen Impeller und Rahmen gerade mal einen halben Millimeter Abstand hat. Er ist überraschend leise - und das, obwohl er gut kühlt.

Wenn es um Lüfter für CPU-Kühler oder PC-Gehäuse geht, gehört Noctua zu den bekanntesten und beliebtesten Herstellern. Die Propeller der Österreicher haben nicht nur eine eigenwillige Farbgebung, sondern sind auch leise und langlebig. Beim neuen NF-A12x25 waren wir dann aber doch etwas ungläubig: Weil der Lüfter im Betrieb selbst aus kurzem Abstand fast nicht zu hören ist, wollten wir der ausgelesenen Drehzahl erst keinen Glauben schenken und wechselten sogar das Mainboard.

Das Ungewöhnliche am NF-A12x25 sind der Abstand zwischen den Blattspitzen und der Innenseite des Rahmens sowie die Rotorgeometrie. Üblicherweise beträgt der Laufradspalt gut 1 mm bis 3 mm, beim neuen Noctua ist es nur ein halber Millimeter. Der geringe Abstand hilft, durch verringerte Leckströme eine hohe Förderleistung für Gehäuse und einen hohen statischen Druck für CPU-Kühler oder Radiatoren zu erreichen. Üblicherweise ist ein Lüfter nur bei einer dieser beiden Disziplinen wirklich überzeugend.

Um den NF-A12x25 zu entwickeln, hat Noctua laut eigener Aussage fast fünf Jahre gebraucht und dabei alljährlich auf der Komponentenmesse Computex in Taipeh die Fortschritte demonstriert. Um den Lüfter zu optimieren, setzten die Österreicher unter anderem Laser ein, um die Oberflächenvibrationen und somit Resonanzgeräusche zu erfassen, da aufgebrachte Sensoren das Schwingungsverhalten verändern. Der minimale Laufradspalt erfordert zudem spezielle Vorkehrungen und Materialien.

Weil der Motor eine Kriechdehnung aufweist, arbeitet Nocuta mit Messing und Stahl. Um Zentrifugalkräften entgegenzuwirken, wird zugfestes Sterrox für die Blätter verwendet, so nennt der Hersteller sein Flüssigkristallpolymer (Liquid Crystal Polymer). LCPs sind weit verbreitet, einer der Einsatzzwecke sind Aramide wie PPTA, was als Kevlar vermarktet wird. Bisherige Lüfter fertigen die Österreicher aus dem günstigeren, glasfaserverstärkten Polybutylenterephthalat - ein Kunststoff.

Noctua sieht den NF-A12x25 als Allrounder an, der als Gehäuselüfter ähnlich gut ist wie der bisherige NF-S12A, den NF-F12 auf CPU-Kühlern und Radiatoren aber deutlich schlagen soll, weil sich durch den geringeren Laufradspalt die Leckströme verringern. Die Blätter können so mehr Luft durch die Lamellen pressen und erzeugen weniger Verwirbelungen, was die Kühlleistung steigert und die Lautheit reduziert.

Zeit, den NF-A12x25 auf einen CPU-Kühler zu schnallen!

Extrem leise und kühl

Um Noctuas Versprechen zu überprüfen, verwenden wir AMDs aktuellen Ryzen 7 2700X (Test), eine CPU mit 105 Watt thermischer Verlustleistung. Der NF-A12x25 tritt als ULN-Variante (Ultra Low Noise) mit 1.200 Umdrehungen pro Minute gegen den NF-F12 mit gleicher Drehzahl an, der CPU-Kühler ist in beiden Fällen ein Noctua NH-U12S. Um es dem NF-A12x25 schwerer zu machen, stellen wir noch den größeren NH-U14S mit einem NF-A15 bei 1.200 rpm dagegen, also 140 mm gegen 120 mm. Als Volllast rendern wir 30 Minuten mit Blender.

Schon beim Einschalten hören wir - nichts. Erst aus 10 cm Entfernung ist der NF-A12x25 überhaupt richtig wahrnehmbar, dabei gehören schon der NF-F12 und der NF-A15 zu den ziemlich leisen Modellen. Typisch beim NF-F12 ist bei niedrigen Drehzahlen allerdings ein wahrnehmbarer Motor, der sich beim NF-A12x25 gar nicht in den Vordergrund drängt. Selten haben wir einen so nahezu lautlosen Lüfter gehört - Noctuas Bemühungen zahlen sich definitiv aus.

Alle Messungen entstanden bei 24 Grad Celsius Raumtemperatur in einem Fractal Design R6 mit zwei 140-mm-Lüftern bei 5 Volt, also unter echten Bedingungen und nicht mit einem offenen Bench-Table. Unter Blender-Volllast kühlt der NF-A12x25 auf dem NH-U12S den Ryzen 7 2700X auf 71,6 Grad (Tdie). Der weniger leise NF-F12 auf demselben Kühler schafft 72,8 Grad (Tdie), der ebenfalls akustisch auffälligere NF-A15 auf dem größeren NH-U14S kommt auf 67,7 Grad (Tdie) und der NF-A12x25 auf dem NH-U14S auf 69,3 Grad (Tdie).

Verfügbarkeit und Fazit

Noctua verkauft den NF-A12x25 in drei Varianten, alle kosten 30 Euro. Es gibt den Lüfter als PWM-geregelte Variante mit 450 bis 2.000 Umdrehungen pro Minute, als 3-Pin-Voltage-Pendant mit bis zu 2.000 rpm und als ULN-Ableger (Ultra Low Noise) mit 1.200 Umdrehungen pro Minute. Das Zubehör umfasst Gummibolzen, einen Entkoppler für Radiatoren, eine 30-cm-Verlängerung, einen ULN-Adapter und einen Y-Splitter oder ein Molex-Kabel. Wer den NF-A12x25 im Gehäuse einsetzen will, benötigt gegebenenfalls den NA-SFMA1 genannten Adapterrahmen für 140-mm-Montageplätze.

Uns hat der fast spaltlose Lüfter überzeugt: Die etwas bessere Kühlleistung verglichen mit dem NF-F12 bei deutlich geringerer Lautheit machen den neuen NF-A12x25 zur Empfehlung für Silent-Freunde, die Wert auf ein extrem leises System legen und den vergleichsweise hohen Anschaffungspreis nicht scheuen.

Allerdings muss der restliche Rechner entsprechend ausgelegt sein, etwa indem CPU und Grafikkarte per Triple-Radiator gekühlt werden. Denn selbst der im Leerlauf nur schwach wahrnehmbare Lüfter einer Geforce GTX 1080 Ti Founder's Edition ist schon hörbar lauter als der NF-A12x25 bei 1.200 Umdrehungen pro Minute.  (ms)


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