Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/imho-ein-lob-fuer-twitter-und-github-1805-134232.html    Veröffentlicht: 04.05.2018 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/134232

Sicherheit

Ein Lob für Twitter und Github

Bei Github wurden Passwörter versehentlich im Klartext gespeichert. Kurze Zeit später meldete Twitter ein ähnliches Problem. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass dadurch Nutzer gefährdet wurden. Trotzdem gingen die Firmen damit transparent um - richtig so!

Zwei Sicherheitsvorfälle, beide sehr ähnlich, wurden in den letzten Tagen bei Github und Twitter bekannt. Am Dienstag meldete sich Github bei einer Reihe seiner Nutzer und teilte ihnen mit, dass aufgrund eines Fehlers Passwörter im Klartext in einer Logdatei gespeichert wurden. Zwei Tage darauf ging Twitter mit einer ähnlichen Meldung an die Öffentlichkeit, dort waren demnach wohl alle Nutzer betroffen.

Normalerweise sollten Passwörter nie im Klartext gespeichert werden, sondern mit Hash-Funktionen geschützt. Das taten auch beide Firmen: Sowohl Github als auch Twitter geben an, ihre Zugangsdaten mit der Bcrypt-Funktion zu speichern, eine speziell für Passwörter entwickelte Hash-Funktion. Doch auch bei der Verwendung von Passwort-Hashes wird das Passwort beim Login im Klartext übertragen. In beiden Fällen wurden wohl Login-Daten in Logs geschrieben, die das unverschlüsselte Passwort enthielten.

Kleiner Vorfall, trotzdem Transparenz hergestellt

Wenn Firmen in Sachen IT-Sicherheit schlampen, ist das oft ein Grund für völlig berechtigte Kritik. Doch daran sollte man in diesem Fall sparen. Die Vorfälle waren vergleichsweise harmlos. Theoretisch hätten Mitarbeiter der Firmen auf die Passwörter zugreifen können, doch es gibt keinen Hinweis darauf, dass das passiert ist. Dass Nutzer gefährdet sind, erscheint eher unwahrscheinlich. Trotzdem entschieden sich beide Firmen, offensiv mit den Vorfällen umzugehen und ihre Kunden zu informieren.

Das steht im lobenswerten Kontrast zu einem Umgang mit Sicherheitslücken, den man viel häufiger erlebt: Es wird verschwiegen, was möglich ist, und nur das Nötigste zugegeben. Beispiele dafür gibt es viele, etwa der jahrelang vertuschte Mega-Datendiebstahl bei Yahoo oder auch das völlig intransparente Verhalten der zuständigen Behörden und der Bundesregierung bei Hacks auf den Bundestag und die Regierungsnetze.

Dabei spricht viel für einen transparenten Umgang mit solchen Vorfällen. Es dürfte kein Zufall sein, dass Twitter zwei Tage nach Github eine sehr ähnliche Sicherheitslücke bekannt machte. Zwar gibt es dafür keine Belege, doch es ist naheliegend, dass Sicherheitstechniker bei Twitter nach der Github-Meldung geprüft haben, ob es dort ein ähnliches Problem gibt.

Transparenz führt zu mehr Sicherheit

Was klar sein dürfte: Viele andere Firmen werden sich in diesen Tagen auf die Suche nach ähnlichen Problemen machen. Sprich: Die Transparenz führt dazu, dass andere etwas daraus lernen und ihre Sicherheit verbessern können. Denn Sicherheitslücken sind in den seltensten Fällen einmalig, meistens werden die gleichen Fehler an vielen Stellen gemacht.

Nutzer von Github und Twitter können sich außerdem nun besser schützen. Auch wenn ein Diebstahl der Passwörter unwarscheinlich ist: Ein Passwortwechsel ist schnell durchgeführt, insbesondere wenn man - was jedem Anwender zu empfehlen ist - einen Passwortmanager nutzt. Wer mehr Sicherheit im Netz möchte, sollte Firmen zu einem transparenten Umgang mit Sicherheitslücken ermutigen - und sie nicht dafür abstrafen, wenn sie auch bei kleineren Problemen an die Öffentlichkeit gehen.  (hab)


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