Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/verdi-amazon-soll-toilettengang-nach-der-pause-bestrafen-1805-134220.html    Veröffentlicht: 03.05.2018 18:12    Kurz-URL: https://glm.io/134220

Verdi

Amazon soll Toilettengang nach der Pause bestrafen

Bei Amazon wird wieder an sechs Standorten von rund 2.500 Lagerarbeitern gestreikt. Der Konzern erklärt wie immer davon nichts zu spüren. Auch zu Gesprächsnotizen über den Toilettengang gibt es eine Kontroverse.

Amazon soll Gesprächsnotizen, eine Art Vorstufe zur Abmahnung, ausgeben, beispielsweise wegen eines Toilettengangs nach der Pause. Das gab die Gewerkschaft Verdi am 3. Mai 2018 bekannt. Amazon-Sprecher Michael Schneider sagte Golem.de auf Anfrage: "Unsere Mitarbeiter können zu jeder Zeit die Toilette benutzen. Wir kontrollieren die Einhaltung von Toilettenpausen nicht."

Der Handscanner werde von Amazon-Beschäftigten gut angenommen. "Die Scanner werden zur Nachverfolgung und Verstauung des Inventars und der Nachvollziehbarkeit von Kundenbestellungen genutzt", erklärte Schneider.

An sechs Standorten von Amazon hat Verdi heute wieder zu ganztägigen Streiks aufgerufen. Betroffen sind die Niederlassungen in Bad Hersfeld, Graben, Koblenz, Leipzig, Rheinberg und Werne. Verdi rechnet mit über 2.500 Streikenden. Da in Polen heute Nationalfeiertag ist, könne Amazon die Wirkung des Streiks durch Umleitung der Warenflüsse über polnische Lager kaum vermindern. Amazon hat kurz hinter der deutschen Grenze in Polen mehrere Standorte errichtet.

Der Streik habe keinen Einfluss auf die Einhaltung des Kundenversprechens, denn die überwältigende Mehrheit der Beschäftigten arbeite normal, erklärte Schneider dagegen.

Die Beschäftigten kämpfen seit Mai 2013 für eine etwas höhere Bezahlung, Urlaubsgeld und tarifliches Weihnachtsgeld durch einen Tarifvertrag sowie bessere Arbeitsbedingungen. Urlaubsgeld fehlt bei Amazon komplett, das Weihnachtsgeld ist deutlich niedriger als die tariflichen 1.058 Euro. Amazon verweigerte von Anfang an Gespräche mit Verdi. Amazon-Sprecher Schneider betonte, der Konzern habe eine offene Unternehmenskultur und kommuniziere ständig direkt mit den Mitarbeitern und Betriebsräten.

Laut Darstellung des Unternehmens werden an allen Standorten in Deutschland mindestens 10,52 Euro brutto pro Stunde gezahlt, im Durchschnitt 10,94 Euro. Inklusive Mitarbeiteraktien, Boni und jährlichen Sonderzahlungen komme ein Festangestellter nach zwei Jahren auf einen monatlichen Durchschnittslohn von 2.621 Euro brutto.

Nachtrag vom 4. Mai 2018, 17:18 Uhr

Verdi-Sprecher Günter Isemeyer sagte Golem.de auf Anfrage: "Ver.di bleibt bei seiner Darstellung hinsichtlich der 'Gesprächsnotizen' und auch zu einem Toilettengang nach der Pause."  (asa)


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