Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/eeg-unternehmen-in-china-lesen-hirnstroeme-der-mitarbeiter-1805-134169.html    Veröffentlicht: 02.05.2018 11:08    Kurz-URL: https://glm.io/134169

EEG

Unternehmen in China lesen Hirnströme der Mitarbeiter

Was fühlt der Mitarbeiter? Verantwortliche in diversen chinesischen Unternehmen wissen es: Ihre Angestellten tragen Datenkappen, die Stress erfassen können. Die Unternehmen wollen so unter anderem Fehlern vorbeugen. Kritiker warnen vor Eingriffen in die Privatsphäre.

Wie fühlen sich die Mitarbeiter? Verschiedene chinesische Unternehmen scannen die Gehirnströme ihrer Mitarbeiter, um ihre Stimmung zu erkennen. Dadurch wollen die Unternehmen die Effizienz und damit ihre Umsätze steigern.

Bei Unternehmen wie Stade Grid Zhejiang Electric Power in Hangzhou tragen die Arbeiter Kappen, in die Elektroenzephalografie-Sensoren (EEG) eingearbeitet sind. Diese messen die Gehirnströme des Trägers und leiten die Daten drahtlos an einen Computer weiter, der sie auswertet.

So sollen Stress oder Anspannung bei den Arbeitern erkannt werden. So könne beispielsweise das Arbeitstempo, Abläufe oder Pausen angepasst werden, berichtet die Hongkonger Tageszeitung South China Morning Post (SCMP). State Grid Zhejiang Electric Power, wo das System seit 2014 im Einsatz ist, will damit seither die Gewinne um umgerechnet über 200 Millionen Euro gesteigert haben. Andere Unternehmen nutzen die Technik, um neue Mitarbeiter einzuarbeiten.

Stress bedeutet Gefahr

Ein angespannter und unter emotionalem Stress stehender Mitarbeiter an einer Schlüsselposition könne nicht nur die Produktion beeinträchtigen, er sei auch eine Gefahr für sich und andere, sagte Jin Jia, die Hirnforschung und Kognitionspsychologie an der Universität Ningbo lehrt, der SCMP. Stelle der Vorgesetzte den Stress rechtzeitig fest, könne er den Mitarbeiter versetzen oder ihm einen Tag freigeben. In Universität Ningbo in der ostchinesischen Provinz Zhejiang ist eine wichtige Einrichtung für Hirnforschung in China.

Anfangs seien Arbeiter, die die EEG-Sensoren tragen sollten, jedoch misstrauisch gewesen, sagt Jin. Sie hätten befürchtet, dass ihre Gedanken ausgelesen werden. Aber mit der Zeit hätten sie sich daran gewöhnt. Jin glaubt, dass es künftig auch möglich sein wird, über die EEG-Sensoren einen Computer oder ein Mobiltelefon zu bedienen.

Lokführer und Piloten müssen aufmerksam sein

Vor allem sei die Technik aber geeignet für Arbeitsplätze, die eine hohe Konzentration erforderten und keine Fehler passieren dürften, sagt Jin. So lässt etwa der Betreiber der Hochgeschwindigkeitszuglinie zwischen Peking und Schanghai die Lokführer solche Datenkappen tragen, um zu erkennen, ob diese müde oder unaufmerksam werden. Chinesische Fluglinien erwägen ebenfalls den Einsatz dieser Technik.

Qiao Zhian, Psychologe an der Pädagogischen Universität Peking, hingegen warnte in der SCMP vor dieser Technik. Sie helfe zwar Unternehmen, erfolgreicher zu sein. Sie könne aber auch dazu missbraucht werden, um Menschen zu kontrollieren und ihre Privatsphäre einzuschränken. Das sei viel schlimmer als der Verkauf von Facebook-Daten. Außerdem sollte der menschliche Verstand nicht um des Profit willen ausgebeutet werden, sagte er.  (wp)


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