Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ryzen-5-2600x-im-test-amds-desktop-allrounder-1805-134160.html    Veröffentlicht: 08.05.2018 09:11    Kurz-URL: https://glm.io/134160

Ryzen 5 2600X im Test

AMDs Desktop-Allrounder

Der Ryzen 5 2600X ist eine der besten sechskernigen CPUs am Markt. Für gut 200 Euro liefert er die gleiche Leistung wie der Core i5-8600K. Der AMD-Chip hat klare Vorteile bei Anwendungen, das Intel-Modell in Spielen.

Neben dem achtkernigen Topmodell Ryzen 7 2700X (Test) hat AMD noch drei weitere Chips veröffentlicht, darunter den Ryzen 5 2600X mit sechs Kernen und nahezu identischen Taktfrequenzen. Die CPU aus der intern Pinnacle Ridge genannten Prozessorfamilie passt auf den aktuellen Sockel AM4 und liefert für gut 200 Euro ein exzellentes Paket ab, ein echter Desktop-Allrounder eben.

Der Vorgänger, der Ryzen 5 1600X (Test), war und ist zwar ein empfehlenswertes Modell, der Nachfolger weist aber gerade in Spielen eine klar höhere Leistung auf, was ihn im Vergleich zur Intel-Konkurrenz besser positioniert. Wir haben den Ryzen 5 2600X und den Ryzen 5 1600X mit dem Core i5-8600K (danke an Alternate!) und mit dem Core i5-8400 verglichen, die aktuell schnellsten Chips - der 2700X und der 8700K - sind als Referenz ebenfalls in den Benchmarks integriert.

Die Ryzen 2000 alias Pinnacle Ridge unterscheiden sich von den Ryzen 1000 alias Summit Ridge bei ein paar Punkten: Der Chip an sich ist gleich groß und hat dieselbe Anzahl an Transistoren, AMD nutzt aber das neuere 12LP- statt das 14LPP-Verfahren. Dadurch takten die Schaltungen höher und durch Optimierungen an der Hardware sowie der Firmware wurde das Speichersubsystem schneller. Die Pinnacle Ridge haben daher latenzärmere Caches und nutzen flotteren RAM, wovon gerade Games profitieren.

Auffällig beim neuen Ryzen 5 2600X ist die Frequenz von bis zu 4,25 GHz. Damit der Chip diese dauerhaft erreicht, darf die CPU nicht mehr als 95 Watt an Energie aufnehmen und die Temperatur (Tdie) muss unter 60 Grad Celsius betragen. Mit einem halbwegs leistungsstarken 120/140-mm-Kühler ist das zumindest in Spielen kein Problem, auch bei kaum mehr als 1.000 Umdrehungen pro Minute. In Anwendungen wie Blender erreichten wir zudem weniger als 70 Grad, das ist aber auch CPU-Volllast.

Wir testen den Prozessor mit 16 GByte DDR4-2933-CL14 (Single Rank), was AMDs Spezifikationen entspricht. Bei den Summit Ridge wird offiziell nur DDR4-2667 unterstützt, genauso wie bei Intels Core i5/i7-8000. Die Messwerte entstanden noch mit Windows 10 v1709, also vor dem April 2018 Update. Alle CPUs sind gegen Spectre v2 gepacht.

Gleichauf mit Intels i5

Verglichen mit seinem Vorgänger, dem Ryzen 5 1600X, schlägt sich der Ryzen 5 2600X gut: Wir messen im Mittel einen Vorsprung von 9 Prozent in Anwendungen und einen von gleich 15 Prozent in Spielen. Den größten Leistungszuwachs erzielt der neue Chip mit 13 Prozent beim x265-Encoding und mit 17 Prozent in Grand Theft Auto 5. Gerade Letzteres profitiert vom Precision Boost v2, welcher die CPU-Kerne, unabhängig davon, wie viele rechnen, höher takten lässt.

Anders ausgedrückt überholt der Ryzen 5 2600X das bisherige Topmodell Ryzen 7 1800X in Games, der Achtkerner ist messbar langsamer - gerade in GTA 5. Der Octacore hat zwar Vorteile bei Blender oder x265, aber bei 7-Zip oder Adobe Premiere fällt der Unterschied zum neuen Sechskerner recht gering aus. Beide Anwendungen nehmen Verbesserungen wie schnellere Caches und höher taktenden RAM dankend an.



Das Duell gegen den günstigeren Core i5-8400 und den gleich teuren Core i5-8600K müssen wir im Detail betrachten. Beide Intel-Chips haben ebenfalls sechs Kerne, ihnen fehlt aber Hyperthreading für zwölf Threads. Lassen wir Singlethread-Workloads außen vor, ist der Ryzen 5 2600X rund 22 Prozent und 9 Prozent schneller. Bei Anwendungen, die auf einem Kern laufen, rechnen die zwei Core i5 aber 4 Prozent und 14 Prozent zügiger.

In Spielen ist der Ryzen 5 2600X zumindest bei unserer Auswahl gleichauf mit dem Core i5-8400, was sich mit dem Durchschnitt aus vielen Tests deckt. Der Core i5-8600K liegt etwa 9 Prozent vor dem AMD-Chip, auch das war zu erwarten, weil das dem üblichen Abstand zum Core i5-8400 entspricht. Einen Unterschied zwischen flüssig oder unspielbar macht das ergo nicht, entweder läuft ein Titel auf allen drei Prozessoren rund oder er stottert eben. Alles andere ist nur mess- statt spürbar.

AMDs Ryzen 5 2600X hat jedoch den Vorteil des offenen Multiplikators bei CPU-Kernen und Speicher. Mehr Core-Takt lässt sich der Pinnacle Ridge schwer entlocken, da der Hersteller das Frequenzpotenzial sehr gut ausnutzt. Alle Ryzen 2000 profitieren aber von schnellem DDR4: Unser Testmuster schafft DDR4-3466 mit CL15 und verschärften Subtimings, wenn RAM mit Samsungs B-Dies verwendet wird. Das bringt etwa 10 Prozent mehr Leistung, der Core i5-8600K ist jedoch üblicherweise besser übertaktbar.

Verfügbarkeit und Fazit

AMD verkauft den Ryzen 5 2600X zu einem offiziellen Listenpreis von 225 Euro, im Handel ist der Chip für ein paar Euro weniger verfügbar. Mit in der Packung liegt neben dem Prozessor noch der Wraith Spire genannte CPU-Kühler, der ohne LEDs auskommt.

Fazit

Der Ryzen 5 2600X liefert unterm Strich die gleiche Leistung wie der Core i5-8600K, auch der kostet etwa 220 Euro. Der AMD-Chip hat Vorteile bei Multithreaded-Anwendungen, das Intel-Modell dafür in Spielen. Die paar Bilder pro Sekunde mehr erachten wir für vernachlässigbar, mal eben ein Viertel kürzere Render-Zeiten in Blender hingegen sind im semiprofessionellen Segment hilfreich.

Hinsichtlich der Plattform geben sich beide Chips wenig, denn natives USB 3.1 Gen2 und M.2-Slots für NVMe-SSDs haben der Sockel AM4 und der Sockel 1151 v2. Zumindest bei den Ryzen ist zu erwarten, dass Chips mit Zen 2 noch in die Fassung passen. Für Intels Ice Lake, die wohl 2019 erscheinen, braucht es wohl eine neue Platine. Wir raten Nutzern daher eher zum Ryzen 5 2600X.

Nachtrag von Dienstag, 8. Mai 2018, 16:20 Uhr

Wir haben unseren Test um den Livestream erweitert.

 (ms)


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