Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kailh-ks-switch-im-test-die-bessere-alternative-zu-cherrys-mx-blue-1805-134146.html    Veröffentlicht: 14.05.2018 12:07    Kurz-URL: https://glm.io/134146

Kailh KS-Switch im Test

Die bessere Alternative zu Cherrys MX Blue

Der chinesische Hersteller Kailh fertigt seit fast 30 Jahren verschiedenste Arten von Schaltern, unter anderem auch Klone von Cherry-MX-Switches für Tastaturen. Der KS-Switch mit goldenem Stempel und markantem Klick ist dabei die bessere Alternative zu Cherrys eigenem MX Blue, wie unser Test zeigt.

Tastaturswitches mit Klick bieten eine Taktilität beim Tippen, die über die eines normalen Schalters hinausgeht: Anstatt einfach nur einen Widerstand zu geben, erfolgt auch ein deutlich hörbares Audiosignal. Der Klick ist bei den Switches der Hinweis darauf, dass der elektrische Kontakt erfolgt ist und der Buchstabe entsprechend auf dem Bildschirm ausgegeben wurde - weiteres Drücken ist entsprechend nicht notwendig. Wer dies beherzigt, kann mit weniger Aufwand schneller tippen.

Der weltweit wohl bekannteste Klickswitch ist Cherrys MX Blue, der bereits seit mehreren Jahrzehnten hergestellt wird. Im Laufe der vergangenen Jahre haben besonders chinesische Unternehmen zahlreiche Klone von Cherrys MX-Schaltern produziert, natürlich auch vom MX Blue. Eines davon ist Kaihua, das unter dem Markennamen Kailh Schalter in zahlreichen Ausführungen produziert: als Klickswitches, lineare Switches oder auch speziell vor Staub und Wasser geschützte Schalter.

Neben direkten Klonen der MX-Serie von Cherry hat Kaihua mit der KS-Serie auch eine Reihe von Schaltern im Angebot, die über einen kürzeren Hub verfügen. Das bedeutet, dass der Buchstabe etwas früher ausgelöst wird und der Nutzer den Taster weniger weit hinunterdrücken muss. Und selbst wenn der Schalter komplett durchgedrückt wird, ist der Hub immer noch geringer als bei den originalen Cherry-Schaltern.

Wir haben uns im Test für den klickenden KS-Switch mit goldenem Stempel entschieden und eine Tastatur mit den Schaltern bestückt. Nachdem wir die Switches eine Woche lang benutzt haben, wollen wir nicht zu den blauen Cherrys zurück.

Die goldenen Kailh-Schalter sind eine schnellere Alternative zum Cherry MX Blue: Die Switches haben laut technischem Datenblatt einen Gesamthub von 3,5 mm und einen Auslösehub von 1,4 mm. Diese Entfernung müssen Nutzer drücken, um den Buchstaben auf dem Display erscheinen zu lassen. Damit ist der Gesamthub um 0,5 mm kürzer als beim Cherry MX Blue, der Auslösehub, also der Vorlauf, ist um 0,8 mm kürzer.

Generell ist der Kaihua-KS-Schalter aufgebaut wie ein Cherry-MX-Switch: Der Stempel, auf dem die Tastaturkappe sitzt, drückt gegen ein Kunststoffteilchen, das entlang einer Führung nach unten geschoben wird. Dieses Bauteil hat zwei Nasen mit jeweils einer kleinen Wölbung, die beim Herunterdrücken gegen eine Metallzunge pressen und diese ruckartig zurückschnellen lassen. Durch diese Bewegung entsteht zum einen der Kontakt, der den Buchstaben auslöst, zum anderen kommt hier der charakteristische Klick her.

Die eingebaute Feder sorgt laut Hersteller für eine Schalterbetätigungskraft von 50 cN, was der eines Cherry-MX-Blue-Schalters entspricht. Der taktile Widerstand, der Bump, den wir beim Drücken spüren, soll eine Kraft von 60 cN erfordern - ebenfalls genauso wie bei den Cherry-MX-Blue-Schaltern. Bei beiden Werten gibt Kaihua eine Messtoleranz von 10 cN an.

Die Messergebnisse der Internetseite Input Club bestätigen die Angaben von Kaihua: So haben die Tester einen Federwiderstand von 50 gf pro Millimeter ermittelt, was 50 cN entspricht. Mit der von Kaihua angegebenen Messtoleranz stimmt dieser Wert, er ist dadurch in der Realität aber knapp 10 cN niedriger als bei Cherrys MX-Blue-Schaltern. Die maximale Kraft des taktilen Widerstands messen die Tester mit 53 gf, also knapp 52 cN. Beim MX Blue liegt dieser Wert bei gemessenen 65 gf, also knapp über 63,5 cN. Insgesamt ist der goldene KS-Switch also etwas leichtgängiger als der MX Blue.

Gut verarbeiteter Klick-Switch

Unsere Kaihua-Switches sind sehr gut verarbeitet. Das Gehäuse hat eine transparente Oberschale und eine Öffnung für LEDs, die auf dem jeweiligen PCB montiert werden können. Die Mechanik im Inneren ist an den entscheidenden Stellen geschmiert, also an der Metallzunge sowie dem Kunststoffblock, der dagegen drückt. Dadurch haben die Schalter einen sehr geschmeidigen Laufweg, der durch den Bump nur sanft unterbrochen wird. Die eigentliche Taktilität ist angenehm, die vom Input Club gemessenen 10 cN Unterschied merken wir ehrlich gesagt nicht.

Die unterschiedlichen Vorlaufzeiten zwischen den MX Blues und den Kailhs bemerken wir im direkten Vergleich allerdings schon. Bestücken wir eine Tastatur mit Cherrys Schaltern und eine andere mit den Kailh-Switches, bemerken wir die schnellere Auslösung des Kailh-Switches zudem stärker als den generell kürzeren Hub.

Auffällig ist, wie viel besser die KS-Switches klingen: Der Klick ist sehr definiert, im direkten Vergleich dazu scheppern die MX-Blue-Schalter regelrecht. Der Klick bei den Kailhs ist ein sattes "Ping", während der Grundklang bei Cherrys Switches viel ungenauer ist. Statt eines eindeutigen Klickens erhalten wir hier ein weitaus weniger metallisches Geräusch, das eher an ein Rasseln erinnert. Das dürfte an zu locker montierten Federn liegen. Dazu rasseln die MX-Blue-Schalter auch im Rücklauf stärker, wie wir bei genauem Hinhören bemerkt haben - die Kailh-Switches hingegen sind durch eine bessere Schmierung und eine offenbar bessere Verarbeitung hierbei absolut leise.

Am Ende des Stempelrücklaufs spüren wir beim Kailh-Switch ein etwas stärkeres Zurückschnellen des Schalters als bei Cherrys Switches. Dies ist auch in den Messungen des Input Club deutlich sichtbar: Die Andruckkraft geht ruckartiger als bei den MX Blues um einen stärkeren Wert zurück. Das empfinden wir beim Tippen als sehr angenehm. Da die Schalter aufgrund des geringen Vorlaufs nach diesem zweiten Bump schneller wieder in die Ursprungsposition zurückschnellen, ist das Tippgefühl insgesamt mehr "snappy", wirkt also etwas flotter.

Wir haben die beiden unterschiedlichen Switches nicht in identischen Gehäusen getestet. Die Gehäuse unserer Tastaturen sind aber beide aus Metall und etwa gleich groß, weshalb die Tippeindrücke schon vergleichbar sind. Zudem bemerken wir das stärkere taktile Feedback der Kailh-Switches auch dann, wenn wir nicht auf die Geräusche achten.

Präzises Tippen mit angenehmer Haptik

In der alltäglichen Nutzung tippt es sich mit den Kailh-KS-Switches sehr präzise und flott. Noch schneller wären wir, wenn wir die Switches nicht komplett durchdrücken würden - diesbezüglich sind wir durch Rubberdome-Tastaturen in unserer Tipp-Prägephase leider etwas vorbelastet.

Aber auch beim vollständigem Durchdrücken der Tasten empfinden wir das Tippgefühl noch als schneller und daher angenehmer. Das liegt am generell kürzeren Hub der Tasten. Auch der sauber definierte Klick und die verglichen mit den Cherry-MX-Blue-Schaltern zu vernachlässigenden Nebengeräusche tragen zum angenehmen Tippgefühl bei.

Die Switches eignen sich nicht nur für Vieltipper: Aufgrund des geringen Hubs und des kurzen Vorlaufs sind die Schalter auch für Gaming geeignet. Hier ist es ebenso wie bei Vieltippern aber Geschmackssache, ob man das Klicken mag oder nicht; Kaihua bietet die KS-Switches auch in einer Version ohne Klick, aber mit ebenso kurzem Hubweg an.

Leise sind die KS-Switches nicht

Der präzisere Klick hat in den von uns verwendeten Tastaturchassis natürlich einen Nebeneffekt, der möglicherweise nicht jedem gefällt: Die Kailh-Taster sind lauter als die MX Blues. Uns stört das nicht, die Kollegen hingegen sind von den schnelleren und besseren Switches nicht zwingenderweise begeistert. Wer die Schalter in einem Büro verwenden will, sollte geduldige und nachsichtige Kollegen haben und vorher fragen - oder gleich die taktile Version ohne Klick kaufen.

Verfügbarkeit und Fazit

Kaihua, der Hersteller der Kailh-KS-Switches, verkauft die Schalter nicht direkt in einem Onlineshop. Es ist zwar möglich, eine Anfrage zu stellen und die Switches so zu bekommen, einfacher dürfte es aber über andere Onlinehändler sein. So verkauft beispielsweise Novelkeys die goldenen KS-Switches für 2,80 US-Dollar pro Zehnerpack.

Für eine normale Tastatur im Qwertz-Layout mit Nummernblock benötigen Nutzer 105 Switches. Die Kosten würden sich demnach auf 30,80 Euro plus Versand belaufen. Dabei würden fünf Switches als Ersatz übrig bleiben. Damit sind die Kailh-Switches günstiger als Cherrys MX-Blue-Schalter. Diese kosten bei Reichelt.de ab einem Volumen von 100 Stück pro Schalter 0,476 Euro; bei einer Menge von 105 Switches wäre das ein Preis von knapp 50 Euro plus Versandkosten.

Fazit

Die goldenen Kailh-KS-Switches von Kaihua sind kein bloßer Abklatsch von Cherrys klickenden MX-Blue-Switches. Vielmehr sind sie eine Weiterentwicklung, sowohl in Bezug auf das Auslöseverhalten als auch die Qualität.

Der schnellere Anschlag wird möglicherweise manchen Nutzern nicht unbedingt bewusst; zu merken ist die flinkere Auslösung von Buchstaben allerdings. Wer hier ein wenig trainiert und entsprechend seinen Tastaturanschlag verkürzt, kann schneller schreiben oder spielen.

Die Switches sind aber auch für diejenigen Nutzer von Vorteil, die weiterhin die Switches voll durchdrücken, da auch der Gesamtlaufweg kürzer ist. Durch ihren ruhigen Lauf tippen sich die Kailh-Switches angenehmer als die MX Blue. Im direkten Vergleich scheppern Cherrys Schalter regelrecht, sowohl beim Klicken als auch beim Rücklauf.

Bessere Verarbeitung, besseres Tippgefühl

Die bessere Verarbeitung führt schlicht zu einem besseren Tippgefühl, ob wir die Switches jetzt nur leicht bis zum Klick antippen oder voll durchdrücken. Der Klick ist wohlklingend und satt, das haptische Feedback weitaus definierter als bei den Cherry MX Blue.

Zusätzlich zu den qualitativen und haptischen Vorteilen kommt der finanzielle: Die Kailh-KS-Schalter sind um einiges günstiger als die MX Blue. Der Nachteil: Die Switches von Kaihua gehören bei den Tastaturmodellen der großen Hersteller kaum zur Standardauswahl der verfügbaren Schalter. Wer sie benutzen möchte, muss also entweder einen Anbieter finden, der Tastaturen mit den Switches ausliefert, oder wie wir selbst zum Lötkolben greifen. Lohnen tut sich das allemal.  (tk)


Verwandte Artikel:
Skiller Mech: Sharkoons mechanische Tastatur kostet nur 60 Euro   
(08.06.2016, https://glm.io/121371 )
XMG Neo 15: Spielenotebook mit mechanischen Tasten konfigurieren   
(24.04.2018, https://glm.io/134031 )
Tapdo: Das Smart Home mit Fingerabdrücken steuern   
(28.03.2017, https://glm.io/126993 )
Router und Switches: Kritische Sicherheitslücke in Cisco ASA wird ausgenutzt   
(12.02.2018, https://glm.io/132714 )
MX Low Profile im Hands On: Cherry macht die Switches flach   
(12.01.2018, https://glm.io/132134 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/