Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/far-cry-5-das-fast-ganz-normale-amerika-1804-134072.html    Veröffentlicht: 26.04.2018 08:30    Kurz-URL: https://glm.io/134072

Far Cry 5

Das fast ganz normale Amerika

Berge, Wälder und Seen sind schön - aber eine Welt braucht mehr, damit sie glaubwürdig wirkt. Dan Hay, der Kreativchef von Far Cry 5, hat darüber gesprochen, wie auf Basis des echten Montana ein Actionspiel entstanden ist.

Den meisten amerikanischen Gesprächspartnern fiel früher nichts ein, wenn Dan Hay ihnen von seinen Plänen mit Montana als Schauplatz von Far Cry 5 (Test auf Golem.de) erzählte. Offenbar hatte der Staat im Nordwesten der USA das Problem, dass kaum jemand etwas über ihn wusste - oder wissen wollte. Das hat sich natürlich durch das Ende März 2018 veröffentlichte Spiel gründlich geändert: Seitdem interessieren sich Millionen von Gamern für den Landstrich. Und sogar der Tourismus sei derzeit am Wachsen, erzählte Hay am Ende seiner Keynote auf der Quo Vadis 2018 in Berlin.

In dem Vortrag ging es darum, wie die Entwickler nach und nach eine einigermaßen glaubwürdige virtuelle Welt aufgebaut haben. Hay sagt, dass sein Team in der Frühphase des Projekts vor einigen Jahren drei längere Reisen nach Montana unternommen habe, bei der letzten sei er selbst dabei gewesen. Drei Wochen seien er und Kollegen durch die meist menschenleere Landschaft gefahren, hätten Filme und Fotos aufgenommen, mit den Einheimischen gesprochen und Eindrücke gesammelt. "Für unser Spiel wollten wir das ganz normale Amerika, wie es jeder von uns etwa beim Zelten erleben kann", beschreibt Hay die Entstellung der Entwickler.

Parallel dazu habe das Team dann aber auch angefangen, sich mit den Gegnern zu beschäftigen. Auch für die Sekte des ebenso irren wie charismatischen Anführers Joseph Seed habe es reale Vorbilder gegeben: In Montana habe es bis vor einige Jahre mehrere echte Sekten und paramilitärische Bünde gegeben.

Sobald diese Recherche- und Konzeptphase abgeschlossen war, habe das Team mit der eigentlichen Arbeit begonnen. Erst sei der Grundriss für das fiktive, ungefähr im Nordwesten des echten Montana angesiedelte Spielgebiet Hope County entstanden. Alles sollte so stimmig und aufeinander bezogen wie möglich sein: Flüsse folgen einem echten Lauf, Flora und Fauna stammen weitgehend aus der echten Welt und reagieren (in Maßen) aufeinander.

"Ein riesiger Unterschied zu früheren Far Cry war, dass wir für Teil 5 einen Writer's Room und viel mehr Autoren hatten", beschreibt Dan Hay eine der seiner Auffassung nach wichtigsten Neuerungen im Entstehungsprozess des Spiels. Der Begriff Writer's Room stammt aus dem Bereich der TV-Serien, bei denen die Autoren relativ eng zusammenarbeiten, um sich abstimmen und inspirieren zu können.

Far Cry 5 habe das Konzept übernommen, weil die Entwickler viel mehr Bezüge innerhalb ihrer Welt aufbauen wollten. Statt der Funktürme bekomme der Spieler seine Informationen von computergesteuerten Figuren, die etwas über andere Geiseln erzählen, oder über diese Sache mit dem Bären und den Cheesburgern, oder über den einsamen Hund - oder was auch immer.

Nach Auffassung von Dan Hay ist das eine Änderung gegenüber den Vorgängern, die nicht allen Spielern sehr stark auffällt, die aber unterbewusst dann eben doch eine echte Verbesserung sei - und die den Entstehungsprozess von Far Cry 5 stark geprägt habe. Alles sei miteinander verbunden, alles ergebe innerhalb des Spiels einen Sinn, auch wenn der längst nicht immer offensichtlich sei. Inzwischen dürfte den meisten Gesprächspartnern von Hay etwas zum Thema Montana einfallen - egal, ob es das echte oder das virtuelle ist.

 (ps)


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