Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/e-sport-dfb-will-e-soccer-statt-killerspiele-1804-133977.html    Veröffentlicht: 20.04.2018 16:06    Kurz-URL: https://glm.io/133977

E-Sport

DFB will E-Soccer statt "Killerspiele"

Der Deutsche Fußball-Bund hat sich nach umstrittenen Äußerungen seines Vorsitzenden auf eine offizielle Linie beim E-Sport geeinigt. E-Soccer findet der Verband nun nach eigenen Aussagen ganz gut, den ganzen Rest inklusive der "Killerspiele" nicht so.

Von E-Sport hält der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nichts. In einer offiziellen Stellungnahme versteht der Verband darunter "Gewalt-, Kriegs- und Killerspiele", die nicht zu den eigenen satzungsgemäßen Werten passten. Deshalb wollen sich die Mitglieder des DFB ab sofort auf "fußballbezogene Spiele und Formate beschränken", und dafür den Begriff E-Soccer verwenden.

E-Sport-Vereine können ab sofort nur dann Mitglied im DFB werden, wenn sie über eine Anerkennung durch die Landessportbünde und den Deutschen Olympischen Sportbund verfügen und sich nur mit fußballbezogenen Spielen und Wettbewerben befassen.

Die allermeisten E-Sport-Teams etwa der großen Bundesligavereine spielen zwar tatsächlich Fifa, es gibt aber prominente Ausnahmen. Schalke 04 ist international recht erfolgreich in League of Legends vertreten. Und gerade erst hat Bayern München bekannt gegeben, mit der Basketballsimulation NBA2K in den E-Sport einzusteigen. Da dient dann zwar immerhin eine klassische Sportart als Grundlage - aber eben kein Soccer.

Ein Grund für die Stellungnahme des DFB dürften Äußerungen seines Präsidenten Reinhard Grindel von Anfang 2018 gewesen sein. Grindel hatte im Gespräch mit Reportern des Weser-Kurier gesagt, dass E-Sport kein Sport sei. "Fußball gehört auf den grünen Rasen und hat mit anderen Dingen, die computermäßig sind, nichts zu tun." Die intensive Beschäftigung von Kindern und Jugendlichen etwa mit Smartphones bezeichnete er als "Verarmung". Die Äußerungen hatten unter E-Sportlern und in der Spieleszene für Verärgerung und Spott gesorgt.

Auch die nun vorliegende, gegenüber "computermäßigem" Sport zumindest teilweise positive Stellungnahme sorgt in der Branche nicht nur für Begeisterung. So begrüßt Hans Jagnow, Präsident des E-Sport-Bund Deutschland (ESDB) zwar, dass sich der DFB offener positioniere. Jagnow findet es aber "wenig sinnvoll, eine Spaltung von E-Sport zu betreiben".

Er könne zwar nachvollziehen, dass sich der DFB als Fußballverband vorrangig für Fußballsportsimulationen als Ergänzung für das Angebot der von ihm vertretenen Vereine interessiere. "Dazu aber eine Abgrenzung zur gesamten E-Sport-Familie zu betreiben und dafür den längst vergessenen Begriff der 'Killerspiele' aus der Mottenkiste der Geschichte zu holen", werde dem Stand der gesellschaftlichen Debatte nicht gerecht.  (ps)


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