Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/wacom-intuos-im-test-die-schlankheitskur-tut-wacoms-stift-tablet-gut-1804-133972.html    Veröffentlicht: 23.04.2018 09:16    Kurz-URL: https://glm.io/133972

Wacom Intuos im Test

Die Schlankheitskur tut Wacoms Stift-Tablet gut

Klein, kompakt und leicht: Das neue Intuos-Stift-Tablet zeigt uns, wie überraschend schlank ein Wacom-Produkt werden kann. Trotzdem hat es die gleiche bewährte Digitizer-Stift-Kombination wie wesentlich teurere Geräte. Bei den Makrotasten müssen wir hingegen ein paar Abstriche machen.

Wer in letzter Zeit Grafiktablets von Wacom beobachtet hat, dem fällt schnell auf, wie verwirrend die Namensgebung der Produkte geworden ist. Das gilt vor allem für Geräte der Intuos-Serie. Stand der Begriff früher noch für alle auf professionelle Anwender ausgelegten Stift-Tablets des Herstellers, ist das heute nicht mehr so eindeutig. Nur das Intuos Pro ist für professionelle Anwender gedacht, während das Intuos ohne Pro-Suffix Einsteiger ansprechen soll und gleichzeitig die Bamboo-Tablets komplett ablöst. Bamboo steht jetzt für Eingabestifte und digitale Zeichenblöcke.

Zumindest ist das anscheinend Wacoms Intention. Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen dem Intuos und dem Intuos Pro? Wir wollten das wissen und haben uns die neue Generation des Intuos angeschaut - eine komplett überarbeitete Version der bisherigen Versionen Intuos Comic, Draw, Art und Photo. Wahrscheinlich dachte sich auch der Hersteller genau wie wir: Wer soll da noch durchsehen. Das Ergebnis ist ein einzelnes, neues Produkt für einen bezahlbaren Preis von 200 Euro für unser Testmuster.

Dafür erhalten Kunden ein Zeichentablet mit einer Zeichenfläche im DIN-A5-Format und mit Bluetooth-Modul, damit es auch kabellos betrieben werden kann. Das Produkt gibt es aber auch mit kleinerer Sensorfläche für die Hälfte des Preises. Wer dann noch das Bluetooth-Modul einspart, erhält es sogar für 80 Euro. Dazu gibt es bei unserer Variante drei Programme dazu: Corel Painter Essentials 6, Corel Aftershot und Clip Studio Paint Pro. Auf diese Software möchten wir hier nicht weiter eingehen und konzentrieren uns auf das Gerät selbst. Wir stellen während des Tests fest, dass wir viel mehr nicht brauchen, auch wenn uns einige Komfortfunktionen des Intuos Pro fehlen.

Hast du abgenommen, Intuos?

Angenehm fallen beim Auspacken zunächst das geringe Gewicht und die schlanken Maße des Intuos-Tablets auf. Es misst gerade einmal 26,4 x 20 Zentimeter und wiegt 400 Gramm. Der Stift ist mit seinen 11 Gramm in etwa so schwer wie ein herkömmlicher Kugelschreiber und liegt durch die sich nach vorne hin weitende Form auch gut in der Hand. Durch seine Handlichkeit eignet sich das Intuos sehr gut, um es auf dem Schoß oder auf einem Arm zu halten. Außerdem lässt es auf dem Schreibtisch genug Platz, um das Tablet und eine Tastatur nebeneinander zu bedienen. Das ist bei den Pro-Versionen nicht immer ohne Weiteres möglich, da die dicken Ränder oft im Weg sind.

Die Verarbeitungsqualität des Stift-Tablets ist gut. Die Rückseite des Produktes besteht aus einem rauen Kunstoff, an dessen Ecken gummierte Standfüße befestigt sind, wodurch es auf Oberflächen wenig rutscht. Die konkav geformten Tasten lassen sich gut klicken. Wir würden uns allerdings wünschen, dass sie über ein haptisches Element wie kleine Kunststoffkerben verfügen würden. Einen Kritikpunkt sehen wir auch in der Verbindung des oberen und unteren Teils. Die Spaltmaße sind so breit, dass sich dort schnell Schmutz und Staub sammelt, was dieser auch bereits nach ein paar Wochen tut.

Die eigentliche Zeichenfläche ist mit weißen Punkten markiert, die in einem Raster angeordnet sind. Das soll den Nutzern wohl Anhaltspunkte liefern, allerdings schauen wir ausschließlich auf den Bildschirm und nicht auf das Tablet selbst, so wie bei allen Intuos-Geräten. Diese Bedienung bedarf übrigens gerade bei Anfängern einiger Eingewöhnung. Die Oberflächenstruktur der Sensorfläche ist etwas angeraut, wie schon von anderen Wacom-Grafik-Tablets bekannt.

Nach einer Weile ist das Zeichnen ebenso natürlich machbar wie etwas das Blindschreiben auf der Tastatur. Das können wir auch dem gewohnt exzellentem Stift zuschreiben, den Wacom dem Karton beilegt.

Neuer Stift ohne Radierer, aber mit Extraspitzen integriert

Wacom-Veteranen sollte der veränderte Eingabestift des Intuos auffallen. Im Gegensatz zum Pro Pen oder anderen älteren Modellen verfügt dieser nicht mehr über eine Radierspitze an der Oberseite. Wir können also nicht den Stift umdrehen und unsere gezeichneten Linien löschen. Wir haben uns an diese Funktion gewöhnt und finden das schade. Anderen wird das sicherlich egal sein, denn es lassen sich ja auch die vier Makrotasten mit einer entsprechenden Funktion belegen.

Anstelle des Radierers finden wir am neuen Stift eine Öffnung vor, über die wir die Stiftspitzen wechseln können. Dazu schrauben wir die Abdeckung ab und hebeln die Kunststoffspitzen mit dem Loch heraus. Dieses Prinzip ist simpel und praktisch. Gleichzeitig ist unter der Abdeckung ein Lager mit drei zusätzlichen Stiftspitzen verbaut, statt diese in einem separaten Stifthalter oder Etui unterzubringen - praktisch!

Das Intuos beinhaltet drei gleich texturierte Spitzen. Leider fehlt die Auswahl zwischen einer weichen und einer harten Spitze, je nach Präferenz. Dieses Zubehör bleibt wohl den Pro-Modellen vorenthalten. Trotzdem gehen wir davon aus, dass die Ersatzspitzen je nach Einsatzzeit sehr lange halten. Der harte Kunststoff nutzt sich nur sehr langsam ab.

Wie von anderen Wacom-Produkten gewohnt, funktioniert auch der Eingabestift unseres Testmusters ohne Batterien. Stattdessen lädt das Tablet selbst den Sensor im Stift induktiv über elekromagnetische Felder. Gleichzeitig erkennt der Digitizer des Intuos die Position des Stiftes über der Zeichenfläche, auch wenn er sie nicht berührt. Das Zeichnen funktioniert verzögerungsfrei und ist sehr genau. Auch die Druckempfindlichkeit kann uns überzeugen, wobei der beigelegte Stift nur 4.096 statt 8.192 Druckstufen aufweist. Aber ganz ehrlich: Das ist nur auf dem Papier ein Nachteil. Den Unterschied merken wir nicht.

Schnellerer Treiber, aber noch immer recht spröde GUI

Beim letzten Test eines Wacom Intuos Pro haben wir den Treiber als Kritikpunkt angesehen. Teilweise müssen wir das erneut. Noch immer ist die grafische Benutzeroberfläche nicht sehr schön, vor allem, da das eigentliche Treiber-Interface sich von der Wacom-Desktop-Center-Software optisch unterscheidet. Dabei handelt es sich eigentlich nur um eine zentrale Anlaufstelle, die alle am Computer angeschlossenen Geräte und deren Akkustand anzeigt. Sämtliche Einstellungen nehmen wir über die eigentliche Einstellungssoftware vor - und diese sieht noch immer aus wie ein Windows-XP-Programm.

Allerdings ist es dort zumindest möglich, die Makrotastenbelegungen verschiedenen Programmen zuzuweisen, indem wir Profile erstellen. So können wir für Photoshop oder den Browser unterschiedliche Tastenkombinationen belegen. Das ist praktisch, da wir nur vier Makrotasten zur Verfügung haben. Der Touch Ring fehlt beim herkömmlichen Intuos leider. Was uns hingegen positiv auffällt und uns noch beim Intuos Pro Paper Edition fehlte, ist die fast latenzfreie Verbindung per Bluetooth. Stifteingaben werden schnell erkannt. Fiese Ruckler und Aussetzer konnten wir nicht mehr feststellen. Hier hat Wacom anscheinend an der Firmware nachgebessert.

Auch die Akkulaufzeit des Tablets ist überzeugend. Während unseres Tests haben wir das Gerät nur anfangs voll geladen und dann ausschließlich kabellos verwendet. Nach etwa 10 Stunden Nutzung haben wir noch 52 Prozent Kapazität übrig. Eine Laufzeit von 20 Stunden ist durchaus realistisch. Das mitgelieferte USB-Kabel ist hingegen eher zum Aufladen gedacht. Sobald wir einen Desktop-Computer unter dem Tisch verwenden, reicht es nämlich nicht sehr weit. Ein längeres Kabel wäre hier wünschenswert gewesen.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Intuos gibt es in drei verschiedenen Versionen. Die Variante mit kleiner Sensorfläche und ohne Bluetooth kostet 80 Euro. Dazu gibt es eine von zwei kostenlosen Software-Lizenzen: entweder Corel Painter Essentials 6 oder Corel Aftershot. Für 100 Euro gibt es die kleine Version mit - sehr zu empfehlender - Bluetooth-Konnektivität. Dazu gibt es zwei von drei Lizenzen, neben den erwähnten Programmen auch Clip Studio Paint Pro. Unser Testmuster hat eine größere Zeichenfläche, die etwa einem A5-Blatt entspricht. Dieses Modell gibt es nur mit Bluetooth-Modul und kostet 200 Euro. Dazu gibt es alle drei Softwarelizenzen kostenlos.

Fazit

Das Intuos ist Wacoms Versuch, sein Wirrwarr an Produkten zu entknoten. Das Intuos ist auf jeden Fall ein guter Beweis dafür, dass ein gutes Produkt besser ist als viele verschiedene Geräte. Der Hersteller positioniert sein Tablet als Einsteigergerät und kann uns überzeugen.

Das liegt daran, dass das preiswertere Intuos die gleiche sehr gute Digitizertechnik verwendet wie die teureren Pro-Modelle. Der Stift liegt ebenso gut in der Hand und genug Ersatzspitzen gibt es auch - wenn auch nicht mit unterschiedlicher Härte und Texturierung. Dass der Stift nur halb so viele Druckstufen erkennt, ist nicht merkbar. Lediglich die Radiergummispitze am Stift fehlt, was für uns eine Umgewöhnung ist.

Die Verarbeitungsqualität des kompakten und leichten Gerätes ist gut. Die Zeichenfläche ist rau texturiert und das Gehäuse ist verwindungssteif. Nur die Spaltmaße an der Oberseite sind so groß, dass sich darin schnell Staub und Schmutz ansammelt.

Auch wenn wir bei unserem Testgerät mit weniger Makrotasten und ohne Touch Ring auskommen müssen, funktionieren die vorhandenen Knöpfe gut. Sie lassen sich im Treiber frei belegen. Auch Profile für unterschiedliche Programme können wir anlegen. Die Einstellungssoftware an sich ist aber immer noch genauso spröde wie schon beim Test des Intuos Pro Paper Edition. Trotzdem: Die Latenz per Bluetooth hat sich merklich gebessert und ist mittlerweile kein Nachteil mehr gegenüber dem kabelgebundenen Betrieb.

Ist das Intuos ein gutes Stift-Tablet für Einsteiger? Definitiv, denn es bietet eine vergleichbare Präzision und Makrotasten wie wesentlich teurere Wacom-Produkte. Dieser Fakt und dass das Gerät klein und kompakt ist, machen es zu einem erschwinglichen Werkzeug für angehende digitale Künstler. Aber auch Profis, die mehr Makrotasten und Touch-Eingabe nicht brauchen, werden damit glücklich.  (on)


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