Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/stadtnetze-telekom-wird-in-bereichen-bald-kein-eigenes-netz-mehr-haben-1804-133932.html    Veröffentlicht: 18.04.2018 23:00    Kurz-URL: https://glm.io/133932

Stadtnetze

Telekom wird in Bereichen bald kein eigenes Netz mehr haben

In einigen Metropolen werde die Deutsche Telekom bald kein zusammenhängendes Netz mehr haben, sagt der Chef von Netcologne.

Die Deutsche Telekom wird in einem Jahrzehnt in bestimmten Metropolen kein eigenes Netz mehr haben. Das sagte der Geschäftsführer von Netcologne, Timo von Lepel, am 18. April 2018 bei einem Journalistenabend des Buglas (Bundesverband Glasfaseranschluss). "Es wird in zehn Jahren Bereiche geben, wo die Telekom kein flächendeckendes Netz mehr hat." Er wisse nicht, ob der Konzern das schon realisiert habe.

Die lokalen Netzbetreiber M-net, Netcologne und Wilhelm.tel bauen in ihren Metropolen massiv Glasfaser bis an und in die Häuser aus. In diesen Ballungszentren sei der Kundenrückgang der Telekom laut einem früheren Bericht so stark, dass ihr Marktanteil auf Werte zwischen 18 und 30 Prozent gefallen sei.

Die große Koalition strebt eine flächendeckende digitale Infrastruktur mit Gigabit-Netzen bis zum Jahr 2025 an. Ihr Ziel lautet dabei: Glasfaser in jeder Region und jeder Gemeinde, möglichst direkt bis zum Haus. "Gigabit 2025 ist möglich, aber nicht so wie bisher, sonst werden es nur die Metropolen schaffen, wo wir verantwortlich sind", sagte Theo Weirich, Geschäftsführer Wilhelm.tel aus Norderstedt, der in Hamburg mit Willy.tel partnerschaftlich verbunden ist.

M-net: Stark bei FTTB in München

"Wir werden in drei Jahren 70 Prozent des Münchner Stadtgebiets abgedeckt haben", betonte die Chefin von M-net, Dorit Bode. Der lokale Netzbetreiber ist stark bei FTTB (Fiber To The Building) und baut teilweise auch (FTTH) Fiber To The Home aus.

Eine Regulierung aus der Zeit des Kupfernetzes bringe den Glasfaserausbau aber heute nicht mehr weiter. Weirich sagte: "Das Kupfernetz ist am Ende, aber es behindert den Einsatz der hohen Infrastrukturausgaben des Glasfasernetzes." Das Ziel sei keine Regulierungs- oder Rechtsfreiheit. Doch alle, die in die Infrastruktur investierten, sollten die Möglichkeit dazu haben, auch die Telekom. "Die Telekom baut wegen der Regulierung FTTH nicht aus, weil es für sie unwirtschaftlich wäre, diese Netze Wettbewerbern als Vorleistung anzubieten."

Nötig seien Spielregeln wie ein marktverhandelter, diskriminierungsfreier Open Access, die Bundesnetzagentur als Schiedsrichter, wenn auf eine Regulierung von FTTB/H-Netzen verzichtet werde. Zudem sollten die Marktteilnehmer Vorleistungen auf bereits bestehenden Glasfasernetzen einkaufen statt auf Überbau zu setzen. Damit würden Anreize dafür gesetzt, dass sich mehr Unternehmen im echten Glasfaserausbau engagierten. Denn die Milliarden der Telekom würden für den Glasfaserausbau in Deutschland gebraucht.  (asa)


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