Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/razer-nommo-chroma-im-test-blinkt-viel-klingt-weniger-1804-133736.html    Veröffentlicht: 10.04.2018 09:30    Kurz-URL: https://glm.io/133736

Razer Nommo Chroma im Test

Blinkt viel, klingt weniger

Wenn die Razer Nommo Chroma eines sind, dann auffällig. Dafür sorgen die ungewöhnliche Form und die LED-Ringe, die sich beliebig konfigurieren lassen. Die Lautsprecher sind aber eher ein Hingucker als ein Hinhörer.

"Sag einfach nichts, say no more, say nommo" - mit solch markanten Werbesprüchen vermarktet der Gamingperipheriehersteller Razer seine Stereolautsprecher Nommo. Zu deren Ankündigung Anfang 2018 haben wir sie auf den ersten Blick erst einmal für Haartrockner gehalten, so ungewöhnlich und skurril sehen sie aus. Razer selbst macht eine Anspielung darauf und präsentiert die Nommo-Boxen mit drückendem Sound, der Haare nach hinten fliegen lässt.

Dass Razer mit seinem Produkt Aufsehen erregt, steht also bereits auf dem Verpackungskarton geschrieben. Doch halten die Lautsprecher auch, was sie vesprechen, nämlich präzisen Raumklang in Spielen und satte Bässe bei Explosionen und elektronischer Musik während des Zockens? Golem.de will das genauer wissen und bestellt ein Testmuster beim Hersteller - die Chroma-Version mit einstellbarer LED-Beleuchtung: wenn schon, denn schon!

Tatsächlich ist die Röhrenform der Razer Nommo auf dem Schreibtisch ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. Doch was ist ein Gamingtisch, wenn nicht das? Tastaturen und Mäuse für Gamer blinken hell auf und sind meist in aggressivem Design gehalten. Da sehen die Razer-Lautsprecher fast schon subtil aus. Die mattschwarze gummierte Oberfläche der Klangkörper gefällt uns gut. Das glänzende schwarze Razer-Logo an der Seite ist unauffällig - gut so.

Jeder der zwei Lautsprecher steht auf einem kreisförmigen Standfuß, der groß genug ist, dass er einen stabilen Halt gibt, aber nicht zu viel Platz auf dem Spieltisch einnimmt. An der Unterseite der Füße befindet sich Gummi, durch den die Lautsprecher nicht so leicht verrutschen können. Die Lautsprecher selbst sind auf recht hohen Ständern angebracht. Der Sinn davon soll wahrscheinlich sein, den Sound dem Spieler mehr auf Kopfhöhe entgegenzuschicken, was gerade in Spielen ziemlich gut funktioniert - dazu später mehr.

Leuchten nur mit Cloud-Anbindung

Die Nommo werden durch die schiere Größe und das irgendwie charmant wirkende eigenwillige Design hervorgehoben. Dazu trägt jedoch vor allem die komplett einstellbare RGB-Beleuchtung bei. Hier zeigen die Nommo eine Stärke und Schwäche zugleich. Eine Schwäche deshalb, weil das Produkt für Einstellungsmöglichkeiten auf die Cloud-basierte Software Synapse 3 zurückgreifen muss. Und diese kann ohne Internetverbindung und Razer-Konto nicht oder nur eingeschränkt verwendet werden. Ohne die Software blinken die Lautsprecher zwar, können aber nicht konfiguriert werden. Wo bleibt da der Spaß?

Synapse 3 ist ein relativ träges Programm, das aber im Gegensatz zu manch anderen Gamingtreibern, etwa von Herstellern wie Logitech oder Roccat, zumindest aufgeräumt und übersichtlich ist. Die Cloud-Anbindung ermöglicht zudem das Importieren und Exportieren von LED-Profilen. Auch stöbern in den hochgeladenen Projekten anderer Razer-Kunden ist möglich. Aber dafür Internetzwang und noch ein leicht zu vergessendes Konto in Kauf nehmen zu müssen, ist ein hoher Preis. Das Razer Chroma genannte Beleuchtungstool kann übrigens nicht nur für die Nommo-Lautsprecher, sondern auch andere Razer-Produkte verwendet werden. So können wir unser gesamtes Gaming-Setup in einer Übersicht konfigurieren.

Der dazugehörige Editor ist von Anfang an recht einfach erlernbar. Wir können aus einer Reihe von Beleuchtungseffekten, etwa Atmen, loderndes Feuer oder Sternenfunkeln, wählen. Jeder der LED-Ringe des Razer Nommo ist dabei in 24 Segmente unterteilt, die sich alle einzeln mit einer Farbe und einem Effekt konfigurieren lassen. Auch ganze Effektsequenzen können wir in der Software zusammenstellen. Das ist für LED-Fans eine regelrechte Spielwiese, für Einsteiger aber trotzdem nicht zu überladen und gut nutzbar.

Einzig die maximale Helligkeit der Lichtringe ist nicht optimal. In hell beleuchteten Arealen können wir unsere Lichteffekte nur schwer erkennen. Das dürfte gerade LED-Enthusiasten nicht gut gefallen. Zumindest ist die Beleuchtung beim Spielen oder Arbeiten niemals störend. Netter Nebeneffekt: Mit dem Drehen des Lautstärkereglers verändert sich die Beleuchtung entsprechend, wie eine Lautstärkeanzeige aus Leuchtdioden. Anzumerken ist, dass die Lautsprecher für den LED-Betrieb einen USB-Typ-A-Port am Mainboard belegen. Ohne eingestecktes 3,5-mm-Klinkenkabel gibt es außerdem keinen Sound. Zumindest die Alternative, den Sound über USB zu leiten, fehlt uns. Das funktioniert nur für angeschlossene Headsets oder Lautsprecher.

Doch sind es ja nicht die Beleuchtungseffekte, die einen Lautsprecher zu einem guten Lautsprecher machen. Wir wollen natürlich wissen, wie sich das Set klanglich beim Hören von Musik und - ganz wichtig - beim Spielen schlägt. Die Bauform der Lautsprecher ist ein Vorteil, der jedoch das grundsätzlich wenig überzeugende Klangbild kaum ausgleichen kann.

Klang wie ein Trommelsolo auf dem Holztisch

Die Voraussetzungen für einen soliden Klang erfüllen die Razer Nommo theoretisch: Ein großer Klangkörper und drei Zoll große Lautsprechertreiber scheinen ein sattes und vor allem lautes Klangbild zu versprechen. Laut sind die kleinen Boxen allemal: Sie auf maximaler Lautstärke zu betreiben, ist sogar recht unangenehm. Das liegt zum einen daran, dass die zwei Satelliten recht nah an uns positioniert werden. Dafür sorgen die ziemlich kurzen Verbindungskabel. Wir konnten Klinke und USB gerade so an dem links vom Schreibtisch positionierten Desktopsystem anschließen. Zum anderen hängt es stark vom voreinstellbaren Soundprofil ab, welche Frequenzen zu stark oder zu schwach definiert sind. Leider gibt es kein Profil, das allgemein rund klingt.

Getestet haben wir den Klang der Nommo mit wenig komprimierter elektronischer Ambient-Musik und bei jeweils einer Partie Counter-Strike: Global Offensive und Playerunknown's Battlegrounds. Für jeden Anwendungsfall stellt Razer in der Synapse-3-Software ein Soundprofil bereit. Einen selbst einstellbaren Equalizer gibt es nicht. Generell gilt: Die Nommo haben bei jedem Profil einen ziemlich starken Fokus auf tiefe Töne. Leider klingen diese mangels Subwoofer nicht durchdringend und imposant, sondern dröhnen wie ein Trommelsolo auf dem Holztisch.

Das Profil Musik eignet sich am ehesten für leise Musikpassagen. Stellen wir die Lautstärke allerdings hoch, kommen die überdefinierten hohen Frequenzen fast übersteuert aus den Boxen heraus. Das geht schon nach einer Minute auf die Nerven. Aber auch bei moderater Lautstärke zeichnet sich gerade in Liedpassagen mit vielen überlagernden Frequenzen ein verwaschenes Klangbild ab, das tiefe und hohe Töne zudem klar über mittlere Frequenzen setzt. Das mag bei einfacher Musik wie Darude - Sandstorm noch in Ordnung sein, komplexe Ambient-Musik - in unserem Fall beispielsweise der Song Equilibrium von Carbon Based Lifeforms - klingt aber einfach nicht sehr gut.

Scharfschützengewehr aus der Büchse

Natürlich können wir bei Vollfrequenzlautsprechern, die alle Frequenzen mit nur einer Membran umsetzen müssen, keine Wunder erwarten. Allerdings ist der Unterschied der immerhin 150 Euro teuren Nommo zu 40-Euro-Stereo-Boxen bis auf die hohe potenzielle Lautstärke des Razer-Produkts nicht wahrnehmbar. Schade ist auch, dass wir für Spielesitzungen das Soundprofil unbedingt umschalten sollten. In CS: GO knallen AWP, AK47 und Desert Eagle nämlich so laut, dass Schritte und andere wichtige Geräusche untergehen. Das Gamingprofil schwächt die hohen Frequenzen etwas ab, übertreibt es aber mehr als so schon mit den tiefen Tönen. Das Nachhallen eines AWP-Schusses dröhnt wie aus einer übergroßen Büchse nach. Gut, dass wir den Bass zumindest am Standfuß herunterregeln können.

Das Gleiche gilt auch für den Titel Playerunknown's Battlegrounds: Im Spieleprofil können die Nommo nicht überzeugen. Stellen wir den Equalizer aber auf Standard ein, dann können die Lautsprecher für kompetitives Spielen genutzt werden. Denn gerade in Games, wo die Position von Geräuschen wichtig ist und in denen Schritte eine Stellung verraten können, spielen die Nommo ihre große Stärke aus. Durch ihre Röhrenform bewegt sich der Schall sehr fokussiert auf uns als Spieler zu. Dadurch wissen wir immer, von wo ein Gegner das nächste Mal zuschlagen wird. Das funktioniert, wenn die Lautsprecher weiter voneinander entfernt stehen, noch besser, kann aber auch überzeugen, wenn sie direkt am Bildschirm positioniert sind. Für Stereolautsrecher ist die räumliche Wiedergabe sehr gut - und darauf kommt es beim Gaming auch an. Allerdings nimmt das merkwürdig unausbalancierte Klangbild auch Atmosphäre aus dem Spiel.

Ein nettes Extra: Wenn wir Musik hören wollen, können wir einfach einen Kopfhörer an den rechten Satelliten anschließen. Dazu muss nicht einmal das 3,5-mm-Kabel eingesteckt werden. Die Nommo leiten den Sound dann über das USB-Kabel. Generell empfiehlt es sich, ein besser abgeschirmtes Klinkenkabel zu besorgen, das bei Bedarf auch noch länger ist. Bei hoher Lautstärke können wir nämlich Geräusche vernehmen, die durch Übersprechen an der Mainboardbuchse verursacht werden. Bewegen wir die Maus, dann hören wir ein leises Fiepen - unschön.

Verfügbarkeit und Fazit

Die Razer Nommo gibt es in mehreren Varianten, allerdings sind die Lautsprecher bisher nicht in Deutschland verfügbar. Interessenten können sie aber aus den USA importieren, beispielsweise über Amazon.com. Dort kostet die Variante ohne LED-Ringe 100 US-Dollar. Für LEDs werden 144 US-Dollar fällig - dies ist die von uns getestete Version. Alternativ gibt es die Razer Nommo auch als Nommo Pro, die mit dediziertem Subwoofer und Satelliten mit zwei Lautsprechertreibern für hohe und mittlere Frequenzen ausgeliefert werden. Für diese Version will Razer 500 US-Dollar haben.

Fazit

Sie sind groß, auffällig und haben LEDs: Die Razer Nommo Chroma sind skurril aussehende Stereolautsprecher, die sich klar an Gamer richten. Sie passen zu den ebenfalls aggressiv designten Mäusen und Tastaturen, die es für Spieler zu kaufen gibt. Sie sind sehr gut verarbeitet und stehen stabil auf dem Tisch.

Definitiv ein Highlight der Lautsprecher sind die einstellbaren LED-Ringe an den Standfüßen. Wir können sie nach Belieben konfigurieren, Farbverläufe einstellen oder ihnen Effekte zuweisen. Das erledigen wir über die Synapse-3-Software, welche übersichtlich und einfach zu bedienen ist. Allerdings sind die Voraussetzung einer aktiven Internetverbindung und ein zwingend notwendiges Razer-Konto ein unnötig ärgerliches Hindernis.

Gesteuert werden die Nommo über den rechten Satelliten, an den USB- und Verbindungskabel zum anderen Satelliten fest angebracht sind. Insgesamt sind die Kabel recht kurz geraten. Ein Desktop-PC auf der linken Schreibtischseite könnte schon zu weit entfernt stehen. Außerdem ist das mitgelieferte Klinkenkabel nicht gut abgeschirmt und verstärkt das schon so prominente Grundrauschen der Lautsprecher noch weiter.

Doch ist es der Klang an sich, der zum größten Problem der Razer-Lautsprecher wird. Ohne Zweifel können sie das Büro oder das Spielerzimmer sehr laut beschallen. Allerdings sind gerade hohe Töne dann unerträglich. Ein Fokus liegt auch auf einem übertrieben definierten Bass: Mittlere Frequenzen sind kaum hörbar. Das fällt gerade beim Hören komplexer Musik auf, wenn sich überlagernde Frequenzen wie eine verwaschene Masse klingen. Das voreingestellte Musikprofil des Equalizers klingt da noch am besten. Wollen wir eine Partie CS: GO spielen, dann scheppern Waffen nervig und blechernd laut. Die Voreinstellung Gaming betont hingegen Bässe viel zu stark, so dass der Hall eines Schusses wie das Dröhnen einer übergroßen Blechdose klingt. Da gibt es wesentlich preiswertere Lautsprecher, die das besser machen.

Während uns die Tonqualität nicht überzeugen kann, ist die Positionserkennung von Geräuschen in Games mit den Nommo einfach und genau - sehr beeindruckend für Stereolautsprecher. Schallwellen kommen bei uns gut fokussiert an, so dass wir noch besser hören können, von wo Schritte kommen. Für einen Preis von 150 US-Dollar reicht das allein aber nicht aus, um uns zu überzeugen. Da hilft auch die coole LED-Beleuchtung nicht. Gut also, dass die Nommo einen zusätzlichen Klinkeneingang haben, an den wir mit Freuden einen guten Kopfhörer anschließen.  (on)


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