Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/raumfahrt-uebertragungslizenz-fehlt-spacex-bricht-live-stream-ab-1804-133699.html    Veröffentlicht: 06.04.2018 10:52    Kurz-URL: https://glm.io/133699

Raumfahrt

Übertragungslizenz fehlt - SpaceX bricht Live-Stream ab

Weil eine US-Behörde ihre Aufgabe plötzlich ernst nimmt, darf SpaceX nur noch eingeschränkt Bilder aus dem Weltall übertragen: Dafür brauchen private Raumfahrtunternehmen eine Lizenz der US-Behörde NOAA. Der sei bisher nicht aufgefallen, dass Raketen Bilder aus dem All übertrügen, sagte eine NOAA-Vertreterin.

Keine Bilder aus dem All: Das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX hat vor einer Woche keine Bilder aus dem Orbit schicken dürfen, weil es keine Erlaubnis der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) hatte. Die US-Wetter- und Ozeanografiebehörde vergibt Lizenzen für Übertragungen aus dem All.

SpaceX hatte wie üblich den Start der Falcon-Rakete, die zehn Satelliten für den Telefonieanbieter Iridium ins All brachte, live übertragen. Doch nach neun Minuten brach die Übertragung ab. Ein Sprecher informierte die Zuschauer, dass der Stream aufgrund einer Bestimmung der NOAA beendet worden sei. Bisher stoppte SpaceX den Stream nur dann, wenn eine Falcon eine geheime Fracht ins All transportierte, die die nationale Sicherheit der USA tangierte, wie das unbemannte Raumfahrzeug X-37B oder zuletzt den Satelliten mit dem Decknamen Zuma.

Die NOAA beruft sich auf ein Gesetz aus dem Jahr 1992, nach dem private Raumfahrtunternehmen ein Lizenz brauchen, wenn sie Bilder der Erde aus dem All aufnehmen wollen. Das will die NOAA jetzt durchsetzen. Ausgenommen davon sind Raumflüge, die von der Regierung oder in deren Auftrag durchgeführt werden. SpaceX darf also die Versorgungsmissionen zur ISS übertragen.

SpaceX hätte zwar eine solche Lizenz für die Iridium-Mission beantragt, sagte Tahara Dawkins, Leiterin von Commercial Remote Sensing Regulatory Affairs (CRSRA), der zuständigen NOAA-Stelle, bei einer Anhörung. Doch der Antrag sei vier Tage vor dem Start bei der NOAA eingegangen. Die Behörde habe sich beeilt, den Antrag zu bearbeiten. Die Zeit habe aber nicht gereicht. Laut Gesetz hat die NOAA eine Bearbeitungszeit von 120 Tagen.

Dass die NOAA bisher nicht auf die Vergabe der Lizenzen bestand, begründete Dawkins mit Unkenntnis. Es sei ihnen nicht bewusst gewesen, dass bei Raumflügen Kameras an den Raketen im Einsatz gewesen seien. "Unsere Abteilung ist sehr klein, und es gibt vieles, was wir verpassen", sagte sie. "Die Unternehmen sind verpflichtet, wenn nötig wegen einer Lizenz zu uns zu kommen."

Es wurde schon darüber spekuliert, ob SpaceX mit dem spektakulären Start der Schwerlastrakete Falcon Heavy, die einen Tesla Roadster im Orbit aussetzte, die Aufmerksamkeit der NOAA auf sich gezogen hat.  (wp)


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