Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/android-8-1-im-test-ein-besuch-auf-der-oreo-baustelle-1804-133635.html    Veröffentlicht: 06.04.2018 09:00    Kurz-URL: https://glm.io/133635

Android 8.1 im Test

Ein Besuch auf der Oreo-Baustelle

Vor einem halben Jahr erwies sich Android 8.0 alias Oreo als noch nicht ganz fertig. Doch wie sieht es jetzt aus? Trotz eines Versionsupdates und zahlreicher Sicherheits-Patches gilt diese Aussage weiterhin. Ein Rundgang auf der Baustelle.

Im August 2017 veröffentlichte Google die Android-Version 8.0 alias Oreo. In unserem damaligen Test erwies sich das Betriebssystem aber zu dem Zeitpunkt als noch nicht so richtig fertig. Das lag vor allem an der mangelnden Anpassung der Google-Apps und dem Fehlen von Funktionen, die einige Custom-ROMs oder Hersteller-Aufsätze bieten.

Über ein halbes Jahr später ziehen wir erneut Fazit: Welche Verbesserungen hat Google am Betriebssystem vorgenommen? Bieten Features wie der Bild-in-Bild-Modus oder die Benachrichtigungspunkte einen größeren Mehrwert? Wird das Pixel 2 (XL) jetzt dem Anspruch an ein Referenz-Smartphone für Android gerecht?

Fertig sieht anders aus

Leider ist es Google selbst nach sieben Sicherheitspatches samt Bug-Fixes und einem Minor-Update auf Android 8.1 immer noch nicht gelungen, einige weit verbreitete Fehler im System zu beheben. Wir haben auf dem Pixel 2 XL immer noch regelmäßig mit den Problemen zu kämpfen, die wir schon in unserem Android-Test im vergangenen Jahr bemängelten.

So wird beim Aufklappen der Bluetooth-Einstellungen in den Quick-Settings beispielsweise regelmäßig kein gekoppeltes Gerät angezeigt. Selbst dann, wenn das Smartphone gerade mit Bluetooth-Kopfhörern verbunden ist. Auch das Stocken der Wiedergabe, das nur durch kurzes Pausieren des Videos behoben werden kann, erleben wir immer wieder. Hinzu kommen Momente, in denen die Nutzeroberfläche des Pixel 2 XL einfriert, Apps im Startprozess hängen bleiben oder das Smartphone spontan neu startet. Selbst das Zurücksetzen des Smartphones auf die Werkseinstellungen verringert nicht die Probleme.

Eines der größeren neuen Features von Android 8 Oreo ist der Bild-im-Bild-Modus. Leider hat es Google ein halbes Jahr nach dem Release der Betriebssystemversion nicht geschafft, den Modus in die dafür wohl wichtigsten eigenen Apps zu integrieren beziehungsweise hierzulande freizugeben. Denn der funktioniert hierzulande weder mit der Youtube- und der Youtube-Gaming-App, noch mit auf Webseiten eingebetteten Videos des Portals. Wohl allerdings mit Playern von Drittanbietern, der Netflix-App oder in Google Play Filme und Serien.

Bild-in-Bild-Modus funktioniert nicht mit Youtube

Das verwundert, weil der Bild-im-Bild-Modus bereits lange Zeit in der App Youtube-Gaming zu finden war und dort bestens funktionierte. Allerdings hat Google das Feature bei Ankündigung von Android 8 aus dieser App entfernt. Wie auch die Wiedergabe im Hintergrund können lediglich Youtube-Red-Abonnenten in den USA, Mexiko, Neuseeland, Australien und Südkorea die Funktion nutzen.

Ohnehin ist die gesamte Funktionsweise des Modus schlecht gelöst, denn an keiner Stelle wird im Betriebssystem auf die neue Funktion hingewiesen. Erst wer aus Versehen beim Betrachten eines Videos im Vollbildmodus die Home-Taste drückt, bemerkt ihn. Warum hier nicht ein separater Button oder die Funktion in die Google-Cast-Option hinzugefügt wird, ist uns ein Rätsel. Zudem ist es nicht möglich, die Größe des Fensters anzupassen, was besonders auf dem Pixel C mit deutlich größerem Display ärgerlich ist.

App-Shortcuts und Benachrichtigungspunkte ohne Mehrwert

An der Funktionsweise der Benachrichtigungspunkte hat sich mit Android 8.1 Oreo auf den Pixel-Smartphones nichts geändert. Die Darstellung in der Hauptfarbe des Icons sorgt dafür, dass sie nur wenig auffallen, und die Anzahl der verpassten Benachrichtigungen wird nicht angezeigt. Außerdem verschwinden die Punkte, sobald die entsprechende Nachricht aus der Benachrichtigungszentrale gewischt wird. Damit bieten sie insgesamt weiterhin wenig bis gar keinen Mehrwert.

Auch die von uns im Test von Android 8 Oreo bemängelte Einschränkung bei den App-Shortcuts gibt es weiterhin: Liegt zum Beispiel eine Nachricht bei GMail vor, kann über die Schnellstartoptionen des Icons nicht mehr der Mail-Account gewechselt werden. Stattdessen wird nur noch das Konto angezeigt, für den die Mail vorliegt. Somit muss diese zunächst weggewischt werden, wenn man die Funktion wieder nutzen möchte. Dass sich an diesen beiden auch von der Community kritisierten Punkten etwas ändern wird, ist unwahrscheinlich.

Ungenutzt: Die kleinen Features von Android 8

Hinzu kommt, dass es immer noch zahlreiche Anwendungen gibt, die die App-Shortcuts einfach nicht unterstützen. Während beispielsweise auf dem iPhone X mit 3D-Touch über das Instagram-Icon in die Kamera gewechselt oder ein neuer Betrag erstellt werden kann, gibt es unter Android nur Zugriff auf die App-Details. Auch Apps wie Facebook, Netflix, Phillips Hue und zahlreiche andere unterstützen die Funktion nicht.

Now Playing und Lens sind zwei weitere Features, die Google als spannende Software-Neuerungen von Android 8 Oreo auf dem Pixel 2 (XL) vorgestellt hat. Wirklich aktiv genutzt haben wir in den vergangenen Monaten allerdings keine der zwei.

Verbesserungswürdig ist auch das Feature Now Playing, bei dem das Pixel 2 XL automatisch Musik erkennt und auf dem Sperrbildschirm anzeigt. Die Erkennung funktioniert gut, wenn Musik ohnehin über den Google Home oder vom Smartphone selbst abgespielt wird. In Cafés oder Bars hat sie hingegen oft mit der Umgebungslautstärke zu kämpfen, obwohl sie gerade da am nützlichsten wäre. Zudem scheint Google das Konzept nicht ganz zu Ende gedacht zu haben, denn wer am nächsten Morgen nach der Kneipentour das am Vorabend gehörte Lied sucht, ist aufgeschmissen. Eine richtige History der erkannten Songs gibt es auf dem Smartphone nicht. Hier ist man auf Drittanbieter-Apps angewiesen.

Google Lens haben wir in den vergangenen Wochen auch nicht mehr als ausprobiert. Die Erkennung von Objekten funktioniert in den seltensten Fällen, und Infos zu Sehenswürdigkeiten sind in der Regel schneller über einen Blick auf Google Maps einzuholen. Als nützlich erweist sich allerdings das Scannen von Visitenkarten. Werden aber nicht alle Angaben auf der Visitenkarte korrekt erkannt, ist ein Anpassen der Textauswahl wie einst bei der Google-App Goggles nicht möglich.

Autofill und die intelligente Textmarkierung

Deutlich nützlicher finden wir nach längerer Nutzung von Android 8 auf dem Pixel 2 XL die systemweite Autofill-Funktion. Über diese lassen sich Passwörter, Kreditkarteninfos, Namen, Adressen oder Telefonnummern speichern und zum Beispiel beim Einloggen oder Registrieren auf einer Seite automatisch einfügen. Das verkürzt beim Zurücksetzten des Smartphones die Einrichtung deutlich und hilft beim Registrieren für verschiedenste Dienste.

Auch die intelligente Textmarkierung hilft: Schnell springt man so von einer im Messenger empfangenen Adresse zu Google Maps oder öffnet eine nicht automatisch von einer App als Link markierte Internetseite im Chrome Browser.

Android 8 Oreo im Langzeittest: Das Fazit

Nach mehreren Monaten Nutzung von Android 8 Oreo auf dem Pixel 2 XL bleibt viel Enttäuschung zurück. Die neuen Features bieten in der aktuellen Form größtenteils keinen Mehrwert und wirken nicht richtig zu Ende gedacht. Dazu fehlen Funktionen zum Anpassen der Nutzeroberfläche oder für höheren Bedienkomfort. Und das Update auf Android 8.1 brachte eigentlich nur Fehlerbehebungen und minimale Verbesserungen mit sich, womit sich nichts merklich verändert hat. Mittlerweile liefert im Android-Bereich sogar das - einst überladene - Samsung-UI eine bessere Nutzererfahrung ab.

Google muss wie Apple mehr Druck auf die App-Entwickler ausüben, bestimmte Features in ihre Anwendungen zu implementieren. Gleichzeitig muss das Unternehmen das Durcheinander beim Design und der Funktionalität der hauseigenen Apps beheben.  (cga-area)


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