Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/us-gesetz-google-loescht-pornos-von-sexarbeitern-1803-133524.html    Veröffentlicht: 26.03.2018 13:24    Kurz-URL: https://glm.io/133524

US-Gesetz

Google löscht Pornos von Sexarbeitern

Google hat Werke von Sexarbeitern aus Google Drive gelöscht, Craigslist stellt seine Rubrik für persönliche Anzeigen ein. Betroffene vermuten einen Zusammenhang zu einem umstrittenen US-Gesetz gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung.

In der vergangenen Woche ist in den USA ein Gesetzespaket (Fosta, vorher Sesta) verabschiedet worden, das eigentlich dazu gedacht ist, Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung zu verhindern beziehungsweise zu erschweren. Erreicht werden soll das unter anderem dadurch, dass Onlineplattformen sogar für illegale Inhalte haftbar gemacht werden können, von denen die Betreiber keine Kenntnis haben. Die US-Bürgerrechtsorganisation EFF ist allerdings der Ansicht, dass das Gesetz den Opfern mehr schadet als nützt. Und offenbar werden auch viele Sexarbeiter in ihrer legalen Arbeit eingeschränkt.

Letzteres berichtet das Magazin Motherboard unter Verweis auf die Aussagen verschiedener Sexarbeiterinnen. Demnach sind einige von deren Pornovideos einfach aus Google Drive verschwunden. Der Darstellung zufolge wurden die Videos genau genommen nicht direkt gelöscht, sondern der Zugriff auf die Inhalte ist schlicht nicht mehr möglich. Dadurch ist auch das Teilen von Videos mit Kunden nicht mehr möglich.

Auf Anfrage von Motherboard verweist Google auf seine Benutzungsrichtlinien, wonach weder sexuell explizite noch pornografische Bilder und Videos erlaubt seien. Darüber hinaus seien insbesondere jene Inhalte verboten, die kommerzielle Pornografie unterstützten. Diese Begründung halten viele der Betroffenen dem Bericht zufolge aber nur für vorgeschoben - einerseits weil sie Google Drive teilweise schon seit Jahren benutzen und andererseits weil nun eine große Anzahl von Sexarbeitern in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum von den Problemen betroffen ist. Sie vermuten deshalb einen direkten Zusammenhang mit dem Fosta.

Löschen statt Klagen riskieren

Die EFF kritisiert, dass das Gesetz viel zu allgemein gefasst sei. Außerdem erweitere das Gesetzespaket bereits bestehende Regeln auf Internetangebote, die Prostitution "erleichtern und befördern". Aus diesen Punkten folgert die EFF, dass Unternehmen künftig lieber "Inhalte zensieren" als möglicherweise jahrelange und ruinöse Klagen zu riskieren. Dies scheint Google nun sehr großflächig umzusetzen.

Im Gegensatz zu Google mit seinen eher zurückhaltenden Äußerungen und der fehlenden direkten Erklärung für die betroffenen Nutzer setzen die Betreiber der Anzeigeseite Craigslist einige Maßnahmen mit direktem Bezug auf Fosta um. Die seit Beginn der Seite im Jahr 1995 vorhandenen Rubriken für persönliche Anzeigen, wie etwa "casual encounters" (zufällige Begegnungen), "misc romance" (Romantik, Vermischtes) oder "strictly platonic" (rein platonisch) zeigen nun keine Inhalte mehr. Stattdessen verweist die Seite laut Motherboard auf Fosta und das damit verbundene Risiko für die Betreiber. Aus Deutschland führt der Zugriff auf die Rubriken für Städte in den USA zu einem 404-Fehler, für Städte in Deutschland sind die Rubriken zurzeit aber weiterhin verfügbar.

Kritik an dem Gesetz übt nicht nur die auf das Internet fokussierte Organisation EFF. So sieht die Bürgerrechtsorganisation ACLU ebenso die Meinungsfreiheit in Gefahr, "während behauptet wird, ein Problem zu lösen, das auf andere Weise angegangen werden könnte", wie es in einer Pressemitteilung heißt. Die EFF verweist außerdem darauf, dass sogar das US-Justizministerium Fosta kritisiert. Demnach sei eine Ausweitung bestehender Gesetze nicht notwendig und Fosta könnte sogar Ermittlungen der Behörden unterlaufen.

Die EFF hat bereits angekündigt, weiter gegen das Gesetz vorzugehen. Auch die ACLU könnte folgen. Beide Organisationen sind für ihre Klagen bekannt.  (sg)


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