Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/autonomes-fahren-uber-sicherheitfahrerin-guckte-vor-dem-unfall-nach-unten-1803-133467.html    Veröffentlicht: 22.03.2018 09:46    Kurz-URL: https://glm.io/133467

Autonomes Fahren

Uber-Sicherheitsfahrerin guckte vor dem Unfall nach unten

Die US-Polizei hat ein Video des tödlichen Unfalls mit einem autonomem Fahrzeug von Uber freigegeben. Darauf ist zu sehen, dass die Sicherheitsfahrerin des Autos unmittelbar vor dem Unfall die Straße nicht beobachtete. Der Unfall scheint aber unvermeidlich gewesen zu sein.

Das im autonomen Modus fahrende Uber-Auto der Marke Volvo, das Sonntagnacht eine Fußgängerin bei der Überquerung einer Straße anfuhr und tödlich verletzte, hatte eine sogenannte Sicherheitsfahrerin an Bord. Diese sitzt am Steuer und kann notfalls wie ein normaler Autofahrer eingreifen.

Die Polizei veröffentlichte jetzt einen Videozusammenschnitt, der das Geschehen unmittelbar vor dem Unfall zeigt, wie Venturebeat berichtet. Dabei ist zu erkennen, dass die Fahrerin des SUV kurz vor dem Aufprall nicht auf die Straße schaut. Was sie betrachtet, ist unklar. Die Fußgängerin, die ein Fahrrad quer über die Straße schiebt, ist auf den Außenaufnahmen erst im letzten Moment vor dem Unfall im Blickfeld der Kamera zu sehen. Sie läuft von links auf die Straße. Der eigentliche Aufprall ist nicht zu sehen, findet jedoch statt, nachdem die Frau die linke Fahrbahnseite schon überquert hat. Die Schreckreaktion der Fahrerin wird jedoch teilweise gezeigt. Angaben darüber, ob die restlichen Sensoren wie Lidar und Radar des Fahrzeugs die Fußgängerin registrierten, liegen noch nicht vor.

<#youtube id="XtTB8hTgHbM"> Das Fahrzeug soll Angaben der Polizei vor Ort zufolge mit 61 km/h unterwegs gewesen sein. Die örtliche Geschwindigkeitsbegrenzung liegt angeblich bei 56 km/h. Nach einem Bericht der New York Times fuhr das Auto sogar 64 km/h und die Begrenzung lag bei 72 km/h.

In einer Sekunde legte das Uber-Auto den ersten, niedrigeren Angaben zufolge demnach eine Distanz von 16,94 m zurück. Der übliche Reaktionsweg, also die Strecke, die zurückgelegt wird, in der der Fahrer ein auftauchendes Hindernis registriert, das Gehirn die Daten verarbeitet und eine entsprechende Reaktion auslöst, liegt bei durchschnittlich 18,3 m. Die Frage bleibt aber, ob das Fahrzeug oder der Fahrer beziehungsweise die Fahrerin die Fußgängerin und ihre Absicht, die Fahrbahn komplett zu überqueren, nicht hätte erkennen müssen.

Die Polizei der Stadt Tempe in Arizona lieferte kein Videomaterial über den Aufprall oder seine Folgen. Die Fußgängerin wurde nach dem Unfall in ein örtliches Krankenhaus gebracht, wo sie an ihren Verletzungen starb. Uber hat seine Testprogramme für autonomes Fahren genauso wie Toyota nach dem Unfall ausgesetzt. Zusätzlich zu den Ermittlungen der Polizei führen das National Transportation Safety Board (NTSB) und die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) eigene Untersuchungen durch.  (ad)


Verwandte Artikel:
Roboterautos: Uber testet autonomes Fahren nicht mehr in Kalifornien   
(28.03.2018, https://glm.io/133566 )
Uber-Unfall: Arizonas Gouverneur legt Ubers selbstfahrende Autos still   
(27.03.2018, https://glm.io/133543 )
Branche denkt um: Nvidia stoppt nach Uber-Unfall Tests autonomer Autos   
(28.03.2018, https://glm.io/133563 )
Unfall: Uber-Bericht zeigt Probleme mit autonomem Fahren auf   
(24.03.2018, https://glm.io/133510 )
Elektroauto: Waymo fährt 20.000 Jaguar I-Pacen autonom   
(28.03.2018, https://glm.io/133564 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/