Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/messenger-telegram-soll-in-russland-geheime-schluessel-offenlegen-1803-133440.html    Veröffentlicht: 21.03.2018 11:15    Kurz-URL: https://glm.io/133440

Messenger

Telegram soll in Russland geheime Schlüssel offenlegen

Der umstrittene Messenger Telegram soll den russischen Behörden seine Verschlüsselung offenlegen. Experten warnen allerdings ohnehin vor der Nutzung der Software.

Der Messengerdienst Telegram soll in Russland seine zentral hinterlegten geheimen Schlüssel herausgeben, um den Behörden ein Mitlesen der teilweise verschlüsselten Kommunikation zu ermöglichen. Unter Experten wird die Wirksamkeit von Telegrams Verschlüsselung allerdings in Zweifel gezogen. Das Unternehmen hat 15 Tage Zeit, der Aufforderung des obersten Gerichtshofes nachzukommen, sonst droht eine Sperre in dem autoritär regierten Land, wie Bloomberg berichtet.

Telegram-Gründer Pavel Durov will dem Beschluss nach eigenem Bekunden nicht nachkommen. Das Unternehmen hatte zuvor bereits eine Strafe von 14.000 US-Dollar gezahlt. "Drohungen, Telegram zu blockieren, wenn es keine Nutzerdaten preisgebe, werden nicht erfolgreich sein. Telegram steht für Freiheit und Privatsphäre", twitterte Durov.

Der russische Geheimdienst FSB hatte argumentiert, dass die Weitergabe der geheimen Schlüssel keine Verletzung der Privatsphäre von Nutzern darstelle, weil die Schlüssel an sich keine "Information mit beschränktem Zugang" seien. Wenn einzelne Nutzer überwacht werden sollten, wäre dafür nach wie vor ein Gerichtsbeschluss notwendig. Tatsächlich hat Russland in den vergangenen Jahren mit Sorm ein umfangreiches Überwachungssystem innerhalb des Landes ausgebaut.

Telegram soll 9,5 Millionen Nutzer haben

Telegram soll in Russland mehr als 9,5 Millionen Nutzer haben. Das Unternehmen hatte zuletzt 850 Millionen US-Dollar Kapital eingesammelt und dafür ein Initial Coin Offering (ICO) durchgeführt. Mit dem Geld soll eine eigene Kryptowährung entwickelt werden.

Zur Verschlüsselung der Nachrichten nutzt Telegram das selbst entwickelte Protokoll MTProto, das unter Sicherheitsexperten umstritten ist. Telegram benutzte dabei lange die als unsicher geltende Hashfunktion SHA-1, die aktuelle Version 2.0 von MTProto setzt mittlerweile allerdings auf SHA-256. In der zweiten Version des Protokolls wurden weitere Schwachstellen behoben, mittlerweile werden alle Chats verschlüsselt. Nach Angaben des Unternehmens bedarf es Gerichtsbeschlüssen mehrer Länder, um Nutzerinformation herauszugeben. Nicht alle Chats mit dem Programm sind Ende-zu-Ende-Verschlüsselt.

Nachtrag vom 21. März 2018, 13:46 Uhr

Artikel angepasst, Informationen zur Verschlüsselung von Telegram nachgetragen.  (hg)


Verwandte Artikel:
IETF 101: TLS 1.3 ist jetzt wirklich fertig   
(21.03.2018, https://glm.io/133447 )
Sicherheitsaudit: US-Heimatschutzministerium nutzt altes Flash und Windows   
(08.03.2018, https://glm.io/133214 )
Wahlbeeinflussung: Russischer Präsident Putin will Verdächtige nicht ausliefern   
(05.03.2018, https://glm.io/133147 )
Snet in Kuba: Ein Internet mit Billigroutern und ohne Porno   
(04.01.2018, https://glm.io/131945 )
Datenschutz: Caspar warnt Whatsapp vor Datenweitergabe an Facebook   
(20.03.2018, https://glm.io/133421 )

© 1997–2021 Golem.de, https://www.golem.de/