Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/oled-beleuchtung-wabbelig-ziemlich-hell-und-doch-weiter-eine-nische-1803-133425.html    Veröffentlicht: 21.03.2018 11:00    Kurz-URL: https://glm.io/133425

OLED-Beleuchtung

Wabbelig, ziemlich hell und doch weiter eine Nische

Bei OLED als Lichtgeber gibt es Fortschritte. Die Aachener Firma Oledworks zeigt unter anderem ihre nächste, hellere und langlebige Generation und bei LG wird flexibel auf beiden Seiten Licht abgegeben. Aus der Nische kommt die Technik trotzdem nicht.

Die OLED-Lampe hat noch nicht den Massenmarkt erreicht, doch es gibt langsam Fortschritte. Eine Nutzungsdauer von mehreren 10.000 Stunden, höhere Lichtmengen, insbesondere pro Watt und Flexibilität werden möglich. Das südkoreanische Unternehmen LG Display sowie die Aachener Oledworks, früher einmal Philips, zeigten ihre Fortschritte bei den Grundkomponenten für OLED-Leuchten, den Leuchtmitteln. Perfekt sind beide nicht, vielmehr ergänzen sich die beiden Hersteller mit teils sehr unterschiedlichen Lösungen.

Ein Trend geht dabei hin zu flexiblen Leuchtmitteln, eine Domäne von LG Display. Die Aachener ziehen aber nach. Ab Herbst 2018 gibt es basierend auf einem Glassubstrat flexible Panels als Neuerung. Das heißt allerdings auch, dass der Biegeradius eingeschränkt ist und die Leuchtmittel nicht für völlig flexible Installationen geeignet sind. Runde Formen sind damit aber für Oledworks erstmals kein Problem mehr. LG Display hat durch sein Kunstoffsubstrat allerdings Vorteile. Die Leuchtmittel können mittlerweile sogar wabbelig sein, allerdings sind dem wohl auch noch Grenzen gesetzt, die Flexibilität wurde seitens LG Display immerhin mit eigenem Personal vorgeführt. Bei Oledworks wurde nur die vorgegebene Form gezeigt.

Gleichmäßig und rund

Verglichen mit LED-Technik ist die Flexibilität natürlich ein großer Vorteil. Runde Formen sind zwar auch mit LEDs möglich, doch viele Leuchtenhersteller haben noch immer Probleme damit, die punktuelle Lichtquelle mit diffusen Folien oder Lichtleitern zu verstecken. Zudem sind tatsächlich dünne Leuchten sehr selten zu finden. OLEDs haben hingegen eine gleichmäßige Beleuchtung.

Die Nutzungsdauer ist mittlerweile auch im annehmbaren Bereich. Für flexible Leuchten gibt LG Display etwa 20.000 bis 30.000 Stunden (LT70-Wert) für 3.000 beziehungsweise 4.000 Kelvin an. Die fixen Leuchtmittel schaffen grundsätzlich 40.000 Stunden. LT70 heißt dabei, dass nach der Stundenanzahl noch 70 Prozent der Helligkeit erreicht werden. Üblich ist der Wert auch bei der Angabe von Displayhelligkeiten, vor allem in der Forschung und bei Komponenten.

Oledworks nannte auf der Light + Building nur allgemein die Nutzungsdauer, die laut Datenblatt aber ebenfalls auf LT70 basiert, und die hängt von der Helligkeit ab. Die flexiblen Panels schaffen zwischen 10.000 und 50.000 Stunden bei Helligkeitswerten zwischen 7.000 und 3.000 Candela je Quadratmeter. Die nichtflexiblen schaffen zwischen 30.000 und 100.000 Stunden bei gleichen Werten. Austauschbare High-End-Leuchtmittel auf LED-Basis, etwa Philips' Master-Serie, werden oft mit Werten um die 25.000 Stunden angegeben. Diese müssen allerdings auch mit zum Teil sehr hohen Temperaturabgaben über die Fassung zurechtkommen. Richtig vergleichbar ist das aber nicht, da LEDs auf kleinem Raum sehr viel Licht abgeben können.

Starre OLED-Leuchtmittel sind effizienter

OLED-Leuchtmittel werden auch zunehmend effizienter. Im unteren Helligkeitsbereich und bei 3.000 Kelvin gibt Oledworks etwa schon 85 Lumen pro Watt an. LED-Chips sind zwar immer noch deutlich darüber, 300 Lumen pro Watt sind schon seit Jahren möglich, doch in der Praxis werden oft deutlich niedrigere Werte verbaut. Was die Chips können und was dann in den Leuchtmitteln eingesetzt wird, sind zwei sehr unterschiedliche Dinge. Bei OLEDs hingegen kann von praxisgerechteren Werten ausgegangen werden, allerdings auch, weil die Leuchtmittel nicht tauschbar sind. Das bietet sich auch erstmal kaum an, da die Designvorteile von einer klassischen Fassung kaum ausgenutzt werden könnten.

Oledworks schafft die hohe Lumenrate allerdings nur bei 3.000 Kelvin. Bei 4.000 Kelvin sind maximal 60 Lumen pro Watt machbar. LG ist in dem Bereich weiter und gibt Werte von 70 bis 90 Lumen pro Watt an, wenn es ein nicht biegbares Leuchtmittel ist. Die flexiblen Leuchtmittel schaffen hingegen 47 bis 55 Lumen pro Watt. Bei Oledworks sind es etwas über 40 Lumen pro Watt. Die Flexibilität bei OLED-Lampen hat also grundsätzliche Nachteile im Bereich der Effizienz.

Der eine kann groß, der andere kann hell

Zwischen Oledworks und LG Display gibt es aber noch weiter sehr große Unterschiede, die all die technischen Nachteile in den Hintergrund rücken lassen. LG ist beispielsweise in der Lage, recht große Leuchtflächen anzubieten, doch die wirkten für uns sehr viel dunkler als die Muster, die Oledworks zeigte. Zudem wirkte das Licht unruhiger. Dafür kann Oledworks aber nur sehr kleine Panel anbieten. Kunstvolle Flächenbeleuchtung wie die von LG und einigen Preisträgern des vergangenen OLED-Wettbewerbs sind mit Oledworks einfach nicht möglich. Eine Oledworks-basierte Leuchte muss also vor allem kleinteilig arbeiten und liefert dafür unserer Meinung nach ein etwas schöneres Licht. LG-Display-Leuchten hingegen können zu sehr kunstvollem und eindrucksvollem Leuchtendesign führen.

Im Endeffekt entscheidet also das Leuchtendesign, ob nun LG Display oder Oledworks die Quelle für Leuchtmittel sind. Allerdings sei angemerkt, dass der Markt noch immer sehr klein ist. Wer auf der Light + Building nicht gezielt nach OLED sucht, der findet dort eigentlich nur LED-basiertes Licht. Selbst teuer wirkende Designerleuchten setzen weiter auf LEDs und patzen erstaunlich oft bei der Bereitstellung von gleichmäßigem Licht über die Fläche, wenngleich besonders große Flächen mit LEDs weiter besser versorgt werden können.

Problematisch sind auch weiter die Preise. Während LED-basierte Leuchtmittel für ein paar Euros erstanden werden können, müssen für OLED-Leuchten hohe Preise gezahlt werden. Die günstigste OLED-Tischleuchte basierend auf Oledworks kostet laut dem Unternehmen beispielsweise bereits 200 US-Dollar. LG-basierte Leuchten sind uns hierzulande nicht bekannt. 2014 probierte es LG mit einer 450 Euro teuren smarten Tischleuchte, will das Geschäft mit Endkunden, wie auch Oledworks, aber lieber anderen überlassen.

Derzeit lässt sich nicht sagen, ob und wann OLED-Lichttechnik einen bedeutenden Anteil am Lichtmarkt einnehmen wird. Die Fortschritte sind erkennbar, doch die Leuchtendesigner zögern sehr offensichtlich noch damit, die neue Technik anzuwenden. Doch die, die sich trauen, schaffen damit Geräte, die durchaus beeindruckend sind.

In jedem Falle sind OLED-Leuchten kein Experimentierfeld mehr, sondern können gekauft werden. 2014, als unser großer LED-Artikel 'Was uns erleuchten wird' erschien, sah die Situation noch anders aus. In den vergangenen vier Jahren hat sich also einiges getan.  (ase)


Verwandte Artikel:
LG Display CSO: Es tönt aus der OLED-Lampe   
(19.03.2018, https://glm.io/133391 )
OLED-Beleuchtung: LG Display will mit Wettbewerb Leuchtendesigns fördern   
(12.07.2017, https://glm.io/128866 )
Leuchten: Die auffällige Unauffälligkeit der OLED-Technik   
(18.03.2016, https://glm.io/119855 )
LG Display: OLED-Leuchten erhellen ohne sichtbare Stromzuführung   
(13.03.2016, https://glm.io/119711 )
OLED-Lampen: LGs Panels erreichen 100 Lumen pro Watt   
(13.09.2014, https://glm.io/109230 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/