Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ni-no-kuni-2-im-test-machtkampf-im-land-der-miezen-und-maeuse-1803-133331.html    Veröffentlicht: 19.03.2018 17:13    Kurz-URL: https://glm.io/133331

Ni No Kuni 2 im Test

Machtkampf im Land der Miezen und Mäuse

Der US-Präsident zwischen den Fronten von Katzen und Nagetieren, herrlich alberne Helferlein namens Gnuffis und ein epischer Soundtrack: Das japanische Rollenspiel Ni No Kuni 2 bietet ein ebenso merkwürdiges wie unterhaltsames Abenteuer.

Wir wollen uns das lieber nicht mit dem aktuellen Amtsinhaber vorstellen... Am Anfang von Ni No Kuni 2 fällt ein US-Präsident namens Roland Klein einem Anschlag zum Opfer - und erwacht als Jugendlicher in einer Fantasywelt. Blöderweise ist die Lage dort auch nicht viel konfliktärmer als in der alten Heimat: Dem Menschen Roland hat das Schicksal offenbar die Rolle zugedacht, dem künftigen König des Reiches Katzbuckel zu helfen. Das ist nötig, weil dieser Evan Pettiwhisker Tildrum - halb junger Mensch mit Prinz-Eisenherz-Frisur, halb junge Katze mit riesigen Ohren - gerade seinen Vater und seinen Thron verloren hat.

Schuld daran ist der ehemalige Königsberater, eine an Nagetiere erinnernde Kreatur namens Ratoleon. Die Details um die Intrige lernen wir relativ zügig noch im ersten Kapitel kennen. Die weitere Aufgabe ist dann klar: Roland muss in der rund 40 bis 50 Stunden langen Kampagne seinem Freund Evan Pettiwhisker Tildrum helfen, zurück auf den Thorn und Ratoleon in den tiefsten verfügbaren Kerker zu bringen.

Ni No Kuni 2 trägt unverkennbar die Handschrift des japanischen Entwicklerstudios Level 5, das für seine im Cartoonstil gehaltenen und stark handlungsbasierten Spiele bekannt ist, etwa für die Professor-Layton-Reihe. Allerdings ist Ni No Kuni 2 mehr Rollenspiel im Stile eines Final Fantasy denn ein Adventure, auch wenn die Abgrenzung nicht immer einfach ist.

Einfluss auf die Charakterwerte können wir kaum nehmen, auch die Ausrüstung wird zum Teil automatisch verwaltet. Dafür dürfen wir etwa durch die Zusammenstellung der allmählich immer weiterwachsenden Gruppe den Ablauf der Kämpfe spürbar nach unseren Vorstellungen gestalten, indem wir sie offensiver oder defensiver ausrichten.

Grundsätzlich gibt es in Ni No Kuni 2 zwei Arten von Abschnitten: Zum einen folgen wir mehr oder weniger linearen Handlungskapiteln, in denen die Geschichte weitererzählt wird. Zum anderen können wir die Fantasywelt auf einer 3D-Karte frei erkunden, und dabei nahezu unbegrenzt Kämpfe gegen herumlaufende Monster austragen, um Ausrüstung und Erfahrungspunkte zu sammeln.

Wer das nicht mag, kann diesen Auseinandersetzungen allerdings auch ausweichen. Sehr sinnvoll ist Grinding sowieso nicht, weil die Hauptgefechte im einzigen Schwierigkeitsgrad an unseren aktuellen Level angepasst werden.

Verfügbarkeit und Fazit

Bei den Kämpfen setzt Ni No Kuni 2 sehr viel stärker auf Action als etwa Final Fantasy. Wir haben es meist mit vier bis zehn Gegnern zu tun, die wir in erster Linie mit Schwerthieben attackieren, sowie aus der Ferne unter anderem mit der Pistole von Roland. Die Kämpfe laufen recht hektisch ab, teils geht es auch unübersichtlich zu - was dazu führt, dass die Figuren wegen der automatischen Zielaufschaltung immer wieder mal quer über das Schlachtfeld sausen, ohne dass wir das gewollt haben.

Im Spielverlauf kommen immer mehr taktische Elemente dazu: Wir müssen spezielle Zauber einsetzen, um bestimmte magische Schutzschilde zu überwinden, oder besondere Waffen verwenden. Eine weitere Hilfe sind die Gnuffis: Das sind kleine Kobolde, die wir zusätzlich zu sonstigen Teammitgliedern in unsere Gruppe aufnehmen können.

Die Gnuffis sehen aus wie bunte Kartoffelsäcke, sie machen ziemlich viel albernen und meist wirklich lustigen Quatsch, vor allem aber kämpfen sie mit. Ein Gnuffi namens Robin Nuff der Held kann sich auf unseren per Knopfdruck erteilten Befehl in eine Kanone verwandeln, die auch größeren Gegnern ordentlich Schaden zufügt, während ein Gnufft namens Pusti der Verwegene unsere Gesundheitspunkte regeneriert.

Neben den Gnuffis und der Verwendung von Magie gibt es noch zahlreiche weitere Elemente, die wir nach und nach lernen - dabei helfen gut gemachte Hinweistafeln, die alle neuen Systeme ausführlich erklären. So gibt es eine Art Aufbauspiel, in dem wir eine eigene Palastanlage namens Evermore erweitern und allmählich mit Anwohnern bevölkern können. Dort können wir Ausrüstung herstellen, was aber von den Beziehungen zu anderen Fraktionen abhängt - wie viele japanische Spiele wird auch Ni No Kuni 2 im Spielverlauf immer komplexer.

Später gibt es auch Scharmützel beim Reisen, bei denen wir mit einer kleinen Armee unterwegs sind, um witzig gestaltete Echtzeit-Schlachten zu schlagen, die allerdings unkompliziert gehalten sind und vor allem ein Verständnis von Schnick-Schnack-Schnuck verlangen.

Ni No Kun 2 erscheint am 23. März 2018 für Playstation 4 (rund 70 Euro) und Windows-PC (rund 60 Euro). Weitere Umsetzungen, etwa für die Xbox One oder die Nintendo Switch, sind derzeit nicht angekündigt. Es gibt weder einen Multiplayermodus noch Mikrotransaktionen.

Das Spiel bietet wahlweise eine englische oder japanische Sprachausgabe, sowie Untertitel in mehreren Sprachen - darunter auch Deutsch. Auf der PS4 Pro unterstützt das Programm 4K-Auflösungen via Checkerboard-Rendering, 60 fps sowie HDR. Von der USK hat das Programm eine Freigabe ab 12 Jahren erhalten.

Fazit

Ni No Kuni 2 nimmt es in Sachen "zuckersüße Inszenierung" locker mit jeder Hochzeitstorte auf - selbst Oberschurke Ratoleon wirkt halbwegs niedlich. Trotzdem erzählt das Programm eine Geschichte, die auch Erwachsene ernst nehmen können. Der Streit zwischen Katzen und Nagern steht natürlich sinnbildlich für Konflikte in der echten Welt, und deren Absurdität bringt Ni No Kuni 2 stellenweise ganz gut auf den Punkt.

Spaß macht auch das erstaunlich hohe Tempo. Fast ständig passiert was: Entweder gibt es größere Entwicklungen bei der Handlung und meist gelungene Überraschungen, oder der Spieler darf neue Spielmechaniken lernen. Ähnlich wie in vergleichbaren Titeln etwa der Final-Fantasy-Reihe geht's aber teilweise auch schlicht überkompliziert zu, ohne dass es aus sich heraus nötig wäre. Etwa beim Kampfsystem, das zwar meist viel Spaß macht, aber stellenweise auch etwas zu unübersichtliche und hektische Gefechte bietet.

Eine Empfehlung ist Ni No Kuni 2 deshalb vor allem für Spieler, die viel Wert auf eine herzerwärmende Handlung legen und die den japanischen Stil mögen. Für sie bietet die Mischung aus Story, schöner Grafik und übrigens auch dem wunderbaren Soundtrack im neuen Werk von Level 5 viel spannende Unterhaltung.  (ps)


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