Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/wik-bayern-foerdert-fast-nur-vectoring-1803-133256.html    Veröffentlicht: 09.03.2018 16:20    Kurz-URL: https://glm.io/133256

WIK

Bayern fördert fast nur Vectoring

Bayern konzentriert sich im Netzausbau auf Vectoring der Telekom. Doch schon in sieben Jahren werden drei Viertel der Bevölkerung einen Bandbreitenbedarf von 500 MBit/s und mehr haben.

Der Großteil des geförderten Ausbaus in Bayern entfällt auf FTTC-Netztopologien und Vectoring. Das ergab eine Studie des Forschungsinstituts WIK Consult (Wissenschaftliches Institut für Internet und Kommunikationsdienste), die die bayrischen Grünen in Auftrag gegeben und am 9. März 2018 vorgelegt haben. Eine Ausnahme stellt das Sonderprogramm Höfebonus dar, welches einen FTTH-Anteil von 80 Prozent vorschreibt.

Die bayerische Landesregierung habe schon sehr früh angefangen, den Breitbandausbau zu fördern. Die derzeitigen Förderprogramme stünden im Einklang mit dem Ziel der Bundesregierung, eine flächendeckende Verfügbarkeit von 50 MBit/s herzustellen. "Schon im Jahr 2025 werden drei Viertel der Bevölkerung einen Bandbreitenbedarf von 500 MBit/s und mehr haben", prognostiziert jedoch Christian Wernick vom WIK Consult.

Vectoring: Der schnelle Ausbau des Langsamen

Statt wie Schleswig-Holstein konsequent nur Glasfasertechnologie zu fördern, setze der zuständige CSU-Minister Markus Söder bislang auf die Vectoring-Technologie der Telekom. "Dadurch bekamen wir quasi den schnellen Ausbau des langsamen Internets", konstatierte Markus Ganserer (Grüne), der als Mitglied des Wirtschaftsausschusses die Infrastrukturpolitik seiner Fraktion mitverantwortet.

Die derzeitige FTTB/H-Abdeckung innerhalb Bayerns ist laut WIK als kritisch zu betrachten. Nur 9,3 Prozent der Haushalte erreiche ein solches Netz bisher, wobei diese in erster Linie in städtischen Bereichen liegen. Der europäische Vergleich zeige, dass für Bayern enormer Nachholbedarf besteht. Rund elf Milliarden Euro müssten private und öffentliche Investoren ausgeben, um in Bayern bis zum Jahr 2030 jedes Haus mit einem Glasfaseranschluss zu versorgen.



Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Ludwig Hartmann empfiehlt, gerade dort, wo es keinerlei Infrastruktur gibt, mit dem geförderten Ausbau zu beginnen und sich vom ländlichen in den städtischen Raum vorzuarbeiten. Das sei "nur gerecht". Durch Betreibermodelle der Kommunen sollen die Wirtschaftlichkeitsberechnungen beim künftigen Fördermodell nicht auf einen siebenjährigen, sondern auf einen 20-jährigen Nutzungszeitraum ausgelegt werden. Damit kämen selbst ausbauende Kommunen länger in den Genuss einer fest planbaren Förderung, während gleichzeitig die Pachteinnahmen stiegen. Gigabit-Internet in jedes bayerische Haus sei eine machbare Vision.  (asa)


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