Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/galaxy-s9-und-s9-im-test-samsungs-kamera-kompromiss-funktioniert-1803-133164.html    Veröffentlicht: 08.03.2018 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/133164

Galaxy S9 und S9+ im Test

Samsungs Kamera-Kompromiss funktioniert

Samsungs neue Galaxy-S9-Modelle sollen schneller sein als der Vorgänger und bessere Kameras haben. Besonders Aufnahmen bei schlechter Beleuchtung sehen auf den neuen Modellen besser aus - Straßenbeleuchtung mögen Samsungs neue Smartphones aber nicht.

Auf dem diesjährigen Mobile World Congress (MWC) hat Samsung das Galaxy S9 und das Galaxy S9+ vorgestellt, zwei Topsmartphones, die den Galaxy-S8-Modellen nachfolgen. Äußerlich von den Vorgängern kaum zu unterscheiden, bringen die neuen Modelle einige Detailverbesserungen, einen schnelleren Prozessor und eine weiterentwickelte Kamera.

In der Ankündigung der beiden Smartphones hat Samsung den Fokus klar auf die Kamera gelegt: Dank einer variablen Blende soll die Hauptkamera sich an die jeweilige Lichtsituation besser anpassen können, zusammen mit einem neuen Algorithmus zur Rauschunterdrückung soll die Bildqualität höher sein.

Golem.de hat sich beide neuen Modelle im Test genau angeschaut. Dabei interessiert uns besonders, ob die neue Kamera wirklich besser ist als die des Galaxy S8 und des Galaxy Note 8, das wie das Galaxy S9+ eine Dualkamera hat.

Rein optisch bestehen zwischen den Frontseiten der beiden neuen Galaxy-S9-Modelle und denen der Galaxy-S8-Serie kaum nennenswerte Unterschiede. Der Rahmen ober- und unterhalb der Displays ist bei beiden Modellserien gleich groß, beim Galaxy S9 und Galaxy S9+ ist der Rahmen rechts und links vom Display ein klein wenig breiter. Die neuen Geräte haben einen etwas flacheren Rahmen, weshalb sie etwas kürzer als ihre Vorgänger sind.

Das Display des Galaxy S9 ist 5,8 Zoll groß, das des Galaxy S9+ misst 6,2 Zoll in der Diagonale. Die Auflösung der beiden Bildschirme ist wie die des Vorgängers 2.960 x 1.440 Pixel. Beide Displays haben entsprechend ein Format von 18,5:9, sind also etwas schmaler als die aktuell bei vielen Herstellern eingesetzten 2-zu-1-Bildschirme.

OLED-Displays mit Edge-Rändern

Beide Displays verwenden ein OLED-Panel, entsprechend gut sind die Schwarzwerte. Die Bildschirme sind blickwinkelstabil und zeigen Farben angenehm neutral an. Anders als beispielsweise beim Pixel 2 XL kommt es bei keinem der beiden neuen Samsung-Smartphones zu Farbstichen, wenn wir schräg auf die Geräte schauen. Lediglich an den Edge-Rändern kommt es zu einer Helligkeitsveränderung, die durch das gebogene Display-Glas hervorgerufen wird.

Diesen kleinen Makel halten wir wie bereits bei den Vorgängergeräten für absolut vermeidbar, da die Edge-Ränder für uns immer noch keinen Sinn ergeben. Sie sind lediglich ein optisches Gimmick, das dem Nutzer keine Vorteile bei der Bedienung bringt. Samsung hat seine Topsmartphones mittlerweile leider alle auf die Edge-Rahmen umgestellt, weswegen Käufer schlicht mit den Lichtbrechungen am Rand leben müssen.

Bei der Vorstellung der neuen Smartphones hat Samsung den Fokus stark auf die Kameras der Geräte gelegt. Hier hat sich der Hersteller etwas einfallen lassen, was die anderen aktuellen Konkurrenzgeräte nicht bieten.

Neue Kameras mit variabler Blende

Drehen wir die beiden Smartphones um, kommen die neuen 12-Megapixel-Kameras zum Vorschein, beim Galaxy S9+ ist eine Dual-Kamera verbaut. Beim Galaxy S9 verzichtet Samsung auf eine zweite Hauptkamera, entsprechend verfügt das kleinere Modell über keinen Porträtmodus - dazu später mehr. Die Auflösung der Hauptkameras entspricht der der Galaxy-S8-Modelle, bei den neuen Smartphones kommt aber eine variable Blende zum Einsatz.

Diese schaltet je nach Lichtverhältnissen zwischen Blende f/2.4 und Blende f/1.5 um. Das soll bei schlechter Beleuchtung zu besser belichteten Bildern und bei Tageslicht zu einem größeren Schärfebereich führen. Zum Vergleich: Das Galaxy S8 hat eine feste Blende von f/1.7, genau wie das Galaxy Note 8. Die Umschaltschwelle liegt bei 100 Lux, im Pro-Modus der Kamera-App können wir die Blende aber auch manuell umschalten.

Das Umschalten zwischen den beiden Blenden bringt in dunklen Situationen natürlich einiges, verglichen mit dem Galaxy S8 ist der Unterschied in schlecht belichteten Szenarien bei der Belichtung allerdings nicht allzu groß - die Lichtempfindlichkeit ist beim Galaxy S9 und S9+ schließlich nicht signifikant höher. Auffälliger ist, wie viel weniger die mit den beiden neuen Geräten gemachten Bilder rauschen.

Das liegt daran, dass Samsung statt drei Bildern nun zwölf kombiniert, um Bildstörungen herauszurechnen. In der Praxis führt das zu einem merklich weniger verrauschten Bild, was besonders bei Aufnahmen abends oder in Innenräumen vorteilhaft ist. Vergleichen wir beispielsweise ein mit dem Galaxy S9+ in unserem stockdunklen Archiv aufgenommenes Foto mit dem, was wir mit dem Galaxy Note 8 gemacht haben, erkennen wir bei starker Vergrößerung weniger Rauschen. Dunkle Bereiche sind beim Galaxy S9+ heller als beim Galaxy Note 8, ebenso beim Galaxy S9 verglichen mit dem Galaxy S8.

Schalten wir im Pro-Modus bewusst zwischen Blende f/1.5 und Blende f/2.4 um, erkennen wir auf dem mit der geschlossenen Blende aufgenommenen Foto ebenfalls mehr Bildrauschen. Das liegt schlicht daran, dass die Kamera die Empfindlichkeit erhöhen muss, um das Bild vernünftig belichten zu können. Dadurch erhöht sich die Anzahl der Artefakte, Details werden schwammiger.

Variable Blende bringt Kompromiss in verschiedenen Aufnahmesituationen

Die mit Blende f/2.4 aufgenommenen Bilder sind weitaus schärfer sind als die, die wir mit Blende f/1.5 machen. Das gilt nicht nur für die Bildränder, sondern auch für die Bildmitte. Bei Offenblende sind die Bilder von den Details her wesentlich weicher. Darin unterscheiden sich die beiden Galaxy-S9-Modelle auch von den vorigen Geräten: Das Galaxy Note 8 mit seiner Blende von f/1.7 beispielsweise ist in den Details schärfer als das Galaxy S9+ mit Blende f/1.5, die Bilder des Galaxy S8 sind ebenfalls schärfer als die des Galaxy S9 mit Blende f/1.5. Vergleichen wir die mit dem Galaxy Note 8 und Galaxy S8 gemachten Fotos mit denen des Galaxy S9 und S9+, die wir mit Blende f/2.4 gemacht haben, so gefallen uns hingegen die letzteren besser: Die Schärfe ist natürlicher, die Kanten nicht so überschärft. Der Gesamtbildeindruck ist einfach besser.

Insgesamt betrachtet finden wir die variable Blende gut, da sie einen Kompromiss zwischen angenehm scharfen und detaillierten Bildern bei Tageslicht und besser belichteten und rauschfreien Fotos bei schlechter Beleuchtung bietet. Verglichen mit dem Galaxy Note 8 oder dem Galaxy S8 sind die Fotos der neuen S9-Modelle dank der kleineren Blendenöffnung schärfer und zeigen dank eines neuen Algorithmus bereits bei Tageslicht weniger Artefakte.

Die offenere Blendenöffnung von f/1.5 ist - verglichen mit f/2.4 - merklich weniger scharf und kommt zu Recht nur bei sehr wenig Licht zum Einsatz. Im direkten Vergleich ist der Detailverlust verglichen mit den bei geschlossener Blende gemachten Fotos in der Vergrößerung deutlich sichtbar. Dafür werden Artefakte und Rauschen reduziert, was besonders bei Aufnahmen im Dunklen ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist. Durch den neuen Anti-Rausch-Algorithmus haben die bei schlechter Beleuchtung gemachten Fotos zudem äußerst wenig Bildstörungen.

So gut unser Eindruck von den neuen Kameras ist - eine nervige Eigenschaft haben wir gefunden.

Störende Reflexionen bei Nachtaufnahmen

Machen wir mit den beiden Galaxy-S9-Smartphone Aufnahmen in der nächtlichen Stadt, fällt uns ein nerviges Detail der neuen Kameras auf: Aufgrund fehlender oder ungenügender Entspiegelung des Glases, das die Kameras abdeckt, spiegeln sich Lichter von Straßenlaternen, Lampen, Leuchtreklamen und anderen hellen Objekten in den Aufnahmen wider. Fotografieren wir beispielsweise eine aus einzelnen Glühbirnen bestehende Leuchtschrift, sorgt die Reflexion dafür, daß die Schrift im fertigen Foto etwas nach oben verschoben erscheint.

Smartphone-Kameras sind bei einfallendem Sonnenlicht wie normale Kameraobjektive nicht immer vor Lichtreflexionen gefeit; derartige Lensflares können mitunter sogar kreativ eingesetzt werden. Simple Lichtreflexionen sind aber einfach nur nervig und tragen nicht dazu bei, ein Bild zu verbessern. Bei den jüngst von uns getesteten Smartphones sind uns derartige Probleme nicht aufgefallen; wer häufig mit seinem Galaxy S9 und S9+ abends in Städten fotografieren will, sollte die Schwachstelle berücksichtigen.

Superzeitlupenaufnahmen mit 960 fps möglich

Die beiden Galaxy-S9-Modelle können Videos in 4K bei maximal 60 fps aufnehmen - Samsung hat verglichen mit den vorigen Modellen die Bildwiederholfrequenz erhöht. Zudem unterstützen die beiden Smartphones Superzeitlupenaufnahmen mit bis zu 960 fps bei 720p-Auflösung. Die hohe Bildfrequenz können die Geräte allerdings nur über einen Zeitraum von 0,2 Sekunden aufrechterhalten, die in der fertigen Aufnahme langsam abgespielt sechs Sekunden lang sind.

Um bei einer derartig kurzen Aufnahmezeit den richtigen Moment zu erwischen, hat Samsung eine automatische Auslösung für die Superzeitlupe in den Aufnahmemodus implementiert. Findet innerhalb eines in der Bildmitte positionierten Quadrats eine Bewegung statt, startet die 960-fps-Aufnahme. Nach 0,2 Sekunden wird diese wieder gestoppt und kann nach drei Sekunden Wartezeit erneut gestartet werden.

Die Bewegungserkennung funktioniert in unseren Tests sehr gut, überraschenderweise auch bei sich schnell bewegenden Objekten wie einem Nerf-Pfeil. Sobald der Pfeil in das Quadrat eintritt, wird in 960 fps aufgenommen - die Zeitlupenaufnahme startet, bevor der Pfeil das Gesicht des Kollegen trifft. Auch Ohrfeigen bildet die Superzeitlupe sehr anschaulich ab.

Aufnahmezeit für Superzeitlupe ist sehr kurz

Bei einer Aufnahmezeit von 0,2 Sekunden eignet sich die sehr langsame Zeitlupe der beiden neuen Samsung-Smartphones eher für kurze Clips mit sehr selektiv gesetzter Slow Motion. Eine längere Aufnahmezeit wie bei Sonys neuen Smartphones ist für den Nutzer sicherlich praktischer. Bei der Nutzung der Auslöseautomatik sollte das jeweilige Smartphone sehr ruhig gehalten werden, da die Zeitlupenaufnahme ansonsten aus Versehen gestartet werden könnte; ein Smartphone-Stativ ist hilfreich. Insgesamt betrachtet funktioniert die neue Superzeitlupe in unseren Tests tadellos, für die meisten Nutzer dürfte sie aber eine Spielerei bleiben. Für ernsthafte Aufnahme ist die fortlaufende Aufnahmezeit zu kurz.

Das Galaxy S9+ hat wie das Galaxy Note 8 eine Dualkamera und ist damit das erste Gerät der Galaxy-S-Klasse mit zwei Objektiven auf der Rückseite. Dank der zweiten Kamera kann das Smartphone ebenfalls Porträtaufnahmen mit unscharfem Hintergrund aufnehmen. Das zweite Objektiv hat wie beim Note 8 eine längere Brennweite, was sich für Porträts besser eignet als ein starker Weitwinkel, wie ihn die Hauptkamera des Galaxy S9+ aufweist.

Die Freistellung und Unschärfemaskierung ist beim Galaxy S9+ vergleichbar mit der des Galaxy Note 8. Der Hintergrund wird sauber von der porträtierten Person getrennt, die Übergänge sind nicht zu hart und nicht zu weich. Auf ein starkes Weichzeichnen der Kanten. wie es die Dual-Kamera-iPhones machen, verzichtet Samsung glücklicherweise. Das neue Smartphone hat zusätzlich noch eine Hauttoneinstellung, mit der die fotografierte Person etwas aufgehübscht werden kann. Der Effekt ist bereits bei niedriger Einstellung deutlich sichtbar: Im Vergleich mit den Bildergebnissen des Galaxy Note 8 werden Schlagschatten aufgehellt, die Haut wird etwas weichgezeichnet. Wem der Effekt nicht gefällt, kann ihn auch einfach ausschalten.

Animierte Emojis wirken etwas steif

Die Frontkameras beider Smartphones haben acht Megapixel und eine Anfangsblende von f/1.7. Damit lassen sich auch qualitativ gute Selbstporträts anfertigen. Mit animierten Emojis versucht Samsung zudem, Apples iPhone X nachzueifern: Wir können über Gesichtsbewegungen verschiedene Tierchen steuern oder auch ein Emoji von uns selbst anfertigen. Sie Steuerung ist nicht so genau wie die des iPhone X, der uns abbildende Avatar sieht uns zugegebenermaßen nicht besonders ähnlich.

Wie sich das Galaxy S9 und Galaxy S9+ gegenüber den Topsmartphones anderer Hersteller schlagen, untersuchen wir in einem in Kürze erscheinenden Kameravergleichstest. Dabei lassen wir Samsungs neue Geräte gegen das iPhone 8 Plus, das Mate 10 Pro und das Pixel 2 XL antreten.

Samsung hat bei seinen beiden neuen Smartphones nicht nur die Kamera verbessert, sondern auch das SoC.

Neuer Exynos-Prozessor bringt Top-Benchmark-Werte

Als Prozessor kommt in Europa ein Exynos 9810 zum Einsatz, der vier Kerne mit einer Taktrate von 1,7 GHz und vier Kerne mit einer Taktrate von 2,7 GHz hat und nach dem Big-Little-Prinzip arbeitet. Der Arbeitsspeicher ist beim Galaxy S9 4 GByte groß, beim Galaxy S9+ 6 GByte. Beide Geräte laufen flüssig in den Menüs, auch anspruchsvolle Spiele sind kein Problem für die Smartphones.

Dies spiegelt sich auch in den Benchmark-Tests wieder, die sehr gute Ergebnisse liefern. So erreichen beiden neuen Modelle im Geräte-Benchmark Geekbench einen Single-Wert von um die 3.700 Punkten. Das ist merklich mehr als andere aktuell erhältliche Smartphones wie beispielsweise das Oneplus 5T, das unter den Android-Geräten mit 1.969 Zählern bisher unser Spitzenreiter gewesen ist. Das iPhone X kommt im selben Test auf 4.237 Punkte - Samsung ist mit seinen neuen Modellen also nicht mehr weit von Apples starken Kernen entfernt. Im Grafik-Benchmark GFX Bench kommt das Galaxy S9 im Car-Chase-Test auf einen Offscreen-Wert von 27 fps, das Galaxy S9+ auf 28 fps. Zum Vergleich: Das Oneplus 5T schafft hier 25 fps, das iPhone X 21 fps. Im 3DMark erreichen die neuen Samsung-Geräte im Icestorm-Unlimited-Test um die 37.300 Zähler, was zwar ein sehr gutes Ergebnis ist, aber 2.600 Punkte unterhalb des Oneplus 5T liegt.

Das Galaxy S9 kommt in Deutschland nur in der Version mit 64 GByte Flash-Speicher auf den Markt, das Galaxy S9+ hingegen kann wahlweise mit 64 GByte oder 256 GByte Speicher gekauft werden. Einen Steckplatz für Micro-SD-Karten haben beide Geräte - ebenso wie einen Klinkenstecker für Kopfhörer. Damit ist Samsung einer der verbliebenen Hersteller, die im Oberklassebereich nicht komplett auf die Übertragung von Audiosignalen über den USB-C-Anschluss setzen.

Die beiden Smartphones unterstützen Cat18-LTE und WLAN nach 802.11ac. Nutzer können in den Dual-SIM-Versionen der Geräte auch zwei SIM-Karten gleichzeitig verwenden. Dann ist der Steckplatz für die Speicherkarte nicht mehr nutzbar. Bluetooth läuft in der Version 5.0, ein NFC-Chip und ein GPS-Empfänger sind eingebaut.

Auf der Rückseite ist jeweils ein Fingerabdrucksensor eingebaut, dessen Positionierung Samsung verglichen mit dem Galaxy Note 8 glücklicherweise überdacht hat. Anstelle wie bei Samsungs aktuellem Stift-Smartphone plan neben der Kamera zu sitzen, ist er deutlich besser spürbar unterhalb der Kameramodule eingebaut. Sowohl beim Galaxy S9 als auch beim Galaxy S9+ können wir den Fingerabdrucksensor mit einer natürlichen Handhaltung erreichen und müssen unseren Finger nicht ausstrecken, wie wir es beim Galaxy Note 8 machen mussten.

Intelligent Scan funktioniert recht zuverlässig

Anstatt mit dem Finger lassen sich die neuen Galaxy-S9-Smartphones auch mit dem Intelligent Scan entsperren, einer Kombination aus Iris- und Gesichtsscan. In der Vergangenheit empfanden wir besonders den Irisscan als viel zu umständlich und langsam. Mit dem Intelligent Scan ist das Entsperren der Geräte mit Hilfe des eigenen Gesichtes einfacher und schneller.

In einem zweistufigen Einstellungsverfahren wird erst unser Gesicht registriert, anschließend die Iris beider Augen. Wecken wir das Galaxy S9 oder Galaxy S9+ aus dem Standby-Betrieb auf, müssen wir auf den Sperrbildschirm schauen; die Frontkamera und ein IR-Sensor versuchen dann, unser Gesicht zu erkennen.

Das funktioniert in der Praxis wesentlich schneller als der Irisscanner alleine, allerdings müssen wir auch beim Intelligent Scan senkrecht auf das Display schauen. Das System benötigt dann gefühlt unter eine Sekunde, um das Gerät zu entsperren. Dank des IR-Sensors funktioniert das Entsperren auch in komplett dunklen Räumen - anders als beispielsweise die Gesichtsentsperrung von Oneplus. Ob wir eine Brille tragen oder nicht, hat bei uns in keinem Szenario eine Rolle gespielt. Die Gesichtsentsperrung des iPhone X funktioniert im Vergleich schneller.

Auslieferung mit Android 8.0 und Bixby

Ausgeliefert werden beide neuen Galaxy-S9-Modelle mit Android in der Version 8.0 alias Oreo, worauf Samsung wie gewohnt seine eigene Benutzeroberfläche installiert. Damit erscheinen Samsungs Oberklasse-Smartphones nicht mit der ganz aktuellen Android-Version. Wann ein Update auf Android 8.1 kommen wird, ist nicht bekannt. Ebenfalls dabei ist Samsungs Sprachassistent Bixby, dessen Sprachsteuerung wie beim Galaxy Note 8 und den Galaxy-S8-Modellen bisher nur auf Englisch, Koreanisch und Chinesisch nutzbar ist.

Der Akku hat beim Galaxy S9 eine Nennladung von 3.000 mAh, beim Galaxy S9+ kommt er auf 3.500 mAh. Ein Full-HD-Video können wir bei maximaler Helligkeit auf dem Galaxy S9 13 Stunden lang anschauen, auf dem Galaxy S9+ 14 Stunden lang - das sind sehr gute Akkulaufzeiten.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Galaxy S9 kostet bei Samsung mit 64 GByte Speicher 850 Euro. Für das Galaxy S9+ mit 64 GByte Speicher will der Hersteller 950 Euro haben, für die 256-GByte-Variante 1.050 Euro. Samsung bietet bei Vorbestellung eines der Smartphones ein Geräteaustauschprogramm an, bei dem Käufer - je nach Modell - bis zu 450 Euro wiederbekommen können. Für ein gut erhaltenes Galaxy S6 soll er Samsung zufolge noch 220 Euro bekommen. Für Geräte von Fremdherstellern gibt Samsung keine Richtwerte an.

Fazit

Auf den ersten Blick unterscheiden sich die beiden neuen Galaxy-S9-Modelle nicht besonders von ihren Vorgängern der Galaxy-S8-Serie. Samsung hat aber nicht nur den Prozessor signifikant verbessert, sondern vor allem Arbeit in die Kamera investiert.

Diese Arbeit hat sich gelohnt: Dank der variablen Blende hat Samsung einen guten Kompromiss zwischen scharfer Abbildungsleistung und genügend Lichtausbeute finden können. Bei Aufnahmen in schummriger Beleuchtung schalten die Smartphones auf die offene Blende f/1.5 um, was zu besserer Belichtung und weniger Artefakten führt. In hellen Umgebungen hingegen, beispielsweise bei Tageslichtaufnahmen, verwenden die Kameras die Blende f/2.4, was zu einer schärferen Abbildung führt. Die so gemachten Fotos gefallen uns im direkten Vergleich mit den Vorgängermodellen und dem Galaxy Note 8 besser.

Das Galaxy S9+ hat zudem nun auch eine Dual-Kamera, die gute Porträtaufnahmen macht. Den positiven Gesamteindruck der Kameras stört der Umstand, dass das Schutzglas leider nicht ausreichend entspiegelt ist, was bei Nachtaufnahmen zu störenden Reflexionen führt. Dies erscheint uns als ein eigentlich einfach zu vermeidendes Problem, das wir bei Smartphones in dieser Preisklasse nicht sehen wollen - besonders, wenn die Geräte dank der restlichen Kameratechnik dafür geeignet sind, Aufnahmen in Städten bei Nacht zu machen.

Von der Prozessorleistung her stellen die neuen Samsung-Smartphones im Android-Bereich momentan die leistungsfähigsten erhältlichen Geräte dar. Für den Nutzer äußert sich das in sehr schnellen und gut reagierenden Geräten, die auch mit fordernden Apps keine Probleme haben. Die OLED-Displays beider Geräte gefallen uns von der Abbildungsleistung her gut, leider verbaut Samsung weiterhin Bildschirme mit Edge-Rand. Dieser hat für uns immer noch keinen Zweck, stattdessen führt er zu störenden Lichtbrechungen an den Rändern des Bildschirms.

Wer sich für ein aktuelles Topsmartphone interessiert, sollte sich die neuen Galaxy-S9-Modelle definitiv anschauen, preislich hat sich Samsung aber im Bereich über 800 Euro etabliert. Wer auf die variablen Blenden verzichten kann und mit einem Prozessor auf dem Stand eines Snapdragon 835 zufrieden ist, findet preislich attraktivere Alternativen - von Samsung selbst, beispielsweise das Galaxy S8 und das Galaxy Note 8, sowie von anderen Herstellern, etwa Huaweis Mate 10 Pro oder das Oneplus 5T. Wir halten die variable Blende aber durchaus für ein Verkaufsargument der neuen Galaxy-S9-Modelle.  (tk)


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