Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/zte-axon-m-ausprobiert-toller-doppelter-bildschirm-zu-hoher-preis-1802-132999.html    Veröffentlicht: 26.02.2018 16:56    Kurz-URL: https://glm.io/132999

ZTE Axon M ausprobiert

Toller doppelter Bildschirm, zu hoher Preis

Beim Axon M von ZTE gibt es weder Vorder- noch Rückseite: Das Klapp-Smartphone hat zwei Displays, die sich nebeneinanderlegen lassen. So können wir viele Apps deutlich komfortabler als gewohnt nutzen. Das hat mit 850 Euro aber auch seinen Preis.

Der chinesische Hersteller ZTE hat auf der Mobilfunkmesse MWC (Mobile World Congress) 2018 sein Android-Smartphone Axon M gezeigt. Das Gerät hat zwei Displays, die über ein Scharnier miteinander verbunden sind, und eine Reihe von neuen Bedienungsmöglichkeiten. Wir konnten das Klapp-Smartphone ausprobieren und haben schnell Gefallen an den beiden Displays gefunden.

Die Bildschirme sind jeweils 5,2 Zoll groß, haben eine Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln und sind mit einem 180-Grad-Gelenk verbunden. Zusammengeklappt wird nur der Hauptbildschirm auf der Vorderseite aktiviert, das zweite Display ist deaktiviert. Klappen wir den hinteren Bildschirm nach vorne, können wir die so entstehende Fläche in verschiedenen Modi nutzen.

Diese sind in der Navigationsleiste über eine M-Schaltfläche immer erreichbar. Standardmäßig ist das Axon M so eingestellt, dass aufgeklappt beide Displays zu einem großen zusammengelegt werden. Dann können wir Apps auf einem 6,25-Zoll-Display mit einer Auflösung von 2.160 x 1.920 Pixeln nutzen, was uns besonders beim Browser gut gefallen hat. Im Querformat gehalten liegt die Trennung zwischen den beiden Displays dann so, dass sie uns beim Lesen nicht stört.

Spiele wie Clash Royale und Apps wie Youtube lassen sich im Voll-Display-Modus ebenfalls komfortabler nutzen. Bei Youtube beispielsweise sehen wir im Hochformat das Video im Vollbildschirm-Modus, im Querformat erscheint das Video nur im oberen Bildschirm. Im unteren werden die Kommentare angezeigt.

Ebenfalls praktisch ist der Volldisplay-Modus bei Apps mit Texteingabe: Wir können dann bequem auf einer großen Tastatur tippen, während unser Text im oberen Bereich erscheint. Das ist beispielsweise bei Messenger-Apps und Textprogrammen hilfreich.

Unterschiedliche Inhalte auf beiden Bildschirmen

Alternativ können die beiden Bildschirme auch getrennt voneinander verwendet werden. Dann werden in dem einen Display andere Inhalte angezeigt als im anderen. Auf diese Weise lassen sich beispielsweise der Kalender und ein E-Mail-Client gleichzeitig nutzen, um Termine besser koordinieren zu können.

Ebenfalls möglich ist es, denselben Bildschirminhalt auf beiden Displays anzeigen zu lassen. Dann können etwa zwei Nutzer, die sich gegenübersitzen, dasselbe Video schauen. Alternativ lässt sich das zweite Display spiegeln oder abschalten.

Gute Verarbeitung, Hardware von vorgestern

Der Klappmechanismus wirkt auf uns hochwertig, wie die gesamte Verarbeitung des Axon M. Technisch gesehen ist das Axon M bereits etwas veraltet: Im Inneren arbeitet Qualcomms Snapdragon 821, der Vor-Vorgänger des aktuellen Snapdragon 845. Der Arbeitsspeicher ist 4 GByte groß, was im Alltag reichen dürfte. Der eingebaute Flash-Speicher hat eine Größe von 64 GByte, ein Steckplatz für Micro-SD-Karten ist eingebaut.

Das Axon M unterstützt LTE und WLAN nach 802.11b/g/n - auch das ist kein Anzeichen für ein Top-Smartphone. Im Einschalter ist ein Fingerabdrucksensor eingebaut. Aufgrund des Scharniers sind der Power-Button und die Lautstärkewippe ungewohnterweise auf der linken Seite des Gehäuses, woran wir uns erst einmal gewöhnen mussten.

Die 20-Megapixel-Kamera des Axon M ist oberhalb des linken Displays eingebaut, also auf der Vorderseite. Eine separate Frontkamera hat das Smartphone also nicht. Wollen wir ein normales Foto mit dem Gerät aufnehmen, verwenden wir den zweiten Bildschirm als Sucher. Praktisch an dieser Konstruktion ist, dass wir für Selbstporträts eine 20-Megapixel-Kamera mit Blitz zur Verfügung haben. Die Qualität der Bilder sieht auf den ersten Blick gut aus, Genaueres können wir nach unserem kurzen Test aber noch nicht sagen.

Der 3.180 mAh-Akku ist nicht ohne Weiteres wechselbar und soll laut Hersteller für bis zu 28 Stunden Sprechzeit oder 12 Tage Standby-Zeit ausreichen. Zum Laden wird Quick Charge 3.0 unterstützt. Ausgeliefert wird das Axon M mit Android 7.1, was mittlerweile veraltet ist. Ob das Smartphone ein Update bekommen wird, ist ungewiss.

Fazit

Das Axon M ist zweifelsfrei ein interessantes Smartphone mit innovativer Bildschirmtechnik. In der Vergangenheit hatte sich bereits der japanische Hersteller NEC an einem vergleichbaren Konzept versucht, das Gerät kam allerdings nie nach Europa.

Beim Ausprobieren auf der Messe haben uns primär die Apps überzeugt, die den verdoppelten, 6,25-Zoll-großen Bildschirm nutzen. So lassen sich oben beispielsweise Youtube-Videos schauen, während wir unten die Kommentare lesen. Auch Clash Royale hat im Doppel-Modus Spaß gemacht, wobei es in der Bildschirmmitte beim Übergang zu Fehleingaben kommen kann. Das Entsperren des Telefons per Wischgeste war auch etwas fummeliger als normal.

Der tolle Bildschirm sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Axon M für ein Smartphone mit derartiger Hardware viel zu teuer ist. In Spanien kann das Gerät für 850 Euro bestellt werden, was dem Preis des neuen Galaxy S9 entspricht - das eine wesentlich bessere Ausstattung hat. Wann das Smartphone offiziell nach Deutschland kommt, ist noch nicht bekannt.  (tk)


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