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Xperia XZ2 im Hands on

Sonys neues Smartphone lässt die Bässe brummen

Sony hat das Design seiner Top-Serie überarbeitet und stellt mit dem Xperia XZ2 ein gut aussehendes Smartphone mit starker Hardware und interessanten neuen Funktionen vor. Eine Dual-Kamera verbauen die Japaner aber immer noch nicht - hier will man die eigene Entwicklung erst abschließen.

Sony hat auf der Mobilfunkmesse Mobile World Congress (MWC) 2018 das Android-Smartphone Xperia XZ2 vorgestellt. Der Nachfolger des Xperia XZ1 kommt mit einem grundlegend veränderten Design, Sony hat endgültig seine kantigen Gehäuse und die breiten Rahmen um das Display aufgegeben.

Stattdessen kommt das Xperia XZ2 mit einem 2-zu-1-Display und einem verhältnismäßig schmalen Gehäuse aus Metall und Glas. Golem.de konnte sich das neue Top-Smartphone vor der Vorstellung bereits anschauen - und feststellen, dass Sony sich auf einem sehr guten Weg befindet.

Das Xperia XZ2 wirkt dank des neuen Designs grundverschieden zu seinen Vorgängern. Das fällt als ersten bei der Gestaltung der Rückseite des Smartphones auf: Anstelle Metall kommt hier Glas zum Einsatz, der Rahmen ist allerdings weiterhin aus Aluminium. Die Rückseite ist zum Rahmen hin abgerundet, weshalb das nach IP68 vor Wasser und Staub geschützte Xperia XZ2 gut in der Hand liegt. Deutlicher könnten die Designunterschiede verglichen mit den kantigen vorigen Sony-Smartphones allerdings nicht sein.

Endlich ein schmaler Display-Rahmen

Das setzt sich beim Display fort: Mit dem Xperia XZ2 sind auch bei Sony die Zeiten breiter Displayränder endlich vorbei. Das 5,7 Zoll große IPS-Display hat ein Format von 2:1, was zu einem schmalen Smartphone führt. Die Auflösung des Bildschirms liegt bei 2.160 x 1.080 Pixeln, was zu einer Pixeldichte von 423 ppi führt - das reicht aus, um Inhalte scharf anzuzeigen. Mit einer 1440p-Auflösung wäre die Schärfe zwar noch besser gewesen, im Alltag reicht Full HD aber eigentlich aus.

Die Blickwinkelstabilität des Xperia XZ2 ist sehr gut, die Farben sind nicht zu kräftig. Der Bildschirm ist HDR-fähig, kann entsprechendes Material also mit größerem Dynamikumfang anzeigen. Dies wird durch eine maximale Helligkeit von 700 cd/qm unterstützt. Material, das nicht in HDR verfügbar ist, kann das Smartphone hochskalieren und einen HDR-Effekt simulieren.

HDR-Aufnahmen in 4K

Praktischerweise können Nutzer des Xperia XZ2 mit der eingebauten 19-Megapixel-Kamera auch selbst HDR-Videos aufnehmen. Es handelt sich zwar um das gleiche Kameramodul wie beim Vorgänger, dank des Snapdragon 845 im Inneren sind nun aber HDR-Videoaufnahmen möglich. Die Bildqualität der Kamera ist sowohl bei Fotos als auch bei Videos auf den ersten Blick gut, genaueres kann aber erst ein detaillierter Test zeigen.

Mit Sonys neuem Smartphone können wir auch Zeitlupenaufnahmen mit bis zu 960 Bildern pro Sekunde in Full HD aufnehmen - das war mit dem Vorgänger nur in 720p möglich. Auch Konkurrent Samsung mit seinen neuen Galaxy-S9-Modellen schafft hier nur 720p und 0,2 Sekunden anstelle von einer Sekunde bei Sony.

Die Frontkamera hat mit 5 Megapixeln eine schlechtere Auflösung als die des Xperia XZ1, soll aber bessere Bilder machen - beurteilen konnten wir das noch nicht. Mit der Frontkamera können Nutzer nun auch den 3D Creator nutzen und 3D-Modelle des eigenen Gesichtes erstellen. Bei den vorigen Sony-Smartphones, die den 3D Creator bereits unterstützten, ging das nur mit der Hauptkamera auf der Rückseite. Die Auflösung des 3D-Scans wurde zudem erhöht, was zu mehr Details führt: Das von uns aufgenommene Modell sieht tatsächlich wie ein modelliertes Foto aus. Die Erstellung mit der Frontkamera geht leicht von der Hand.

Insgesamt machen die neuen Kamerafunktionen einen guten Eindruck auf uns. Besonders die Möglichkeit, Videos in 4K und HDR aufzunehmen, birgt interessante neue Möglichkeiten für Nutzer. Eine Dual-Kamera hat Sony auch bei seinem neuen Smartphone nicht verbaut: Der japanische Hersteller entwickelt aktuell noch ein duales Modul, das sich gänzlich von denen der Mitbewerber unterscheiden soll. Mit der Kamera sollen durch die Kombination zweier Objektive weitaus höhere Empfindlichkeiten erreicht werden als bisher.

Laute Stereolautsprecher ober- und unterhalb des Displays

Ober- und unterhalb des Displays hat Sony den Rahmen noch etwas breiter gelassen. Der Grund dafür liegt in den Stereolautsprechern, die dank S-Force Surround räumlich klingen sollen. In unserem kurzen Test klangen die Lautsprecher recht kräftig und laut. Das Xperia XZ2 hat einen eingebauten DAC und soll mit der Funktion DSEE HX Audiomaterial mit einer geringen Bitrate klanglich verbessern. Testen konnten wir das in unserem Hands on noch nicht.

Tiefe Frequenzen werden durch Vibrationen visualisiert

Im Soundbereich hat sich Sony noch eine Besonderheit einfallen lassen, die das Xperia XZ2 von den Mitbewerbern abhebt: Mit dem Dynamic Vibration System (DVS) hat der Hersteller einen Weg gefunden, tiefe Bassfrequenzen auch auf einem kleinen Gerät wie einem Smartphone darstellen zu können. Die Idee ist, dass das Gerät bei der Wiedergabe von Videos fortlaufend die Frequenzen analysiert und Bässe durch den eingebauten Vibrationsmotor verstärkt.

Damit soll das Grollen, das ein Subwoofer erzeugt, simuliert werden. Spielen wir ein Video ab, befindet sich unterhalb der Lautstärkeleiste ein zweiter Schieber, über den wir DVS in drei Stärken regulieren oder auch ausschalten können. Im schwachen Modus erzeugt der Vibrationsmotor bei tiefen Frequenzen nur ein leichtes Vibrieren, bei starker Einstellung rumpelt das Xperia XZ2 merklich. Die Vibrationen sind allerdings nicht so stark, dass das Smartphone sich etwa auf einem Tisch abgelegt bewegen würde.

Interessant ist DVS etwa bei Actionfilmen, bei denen es mitunter mal laut wird. Explosionen beispielsweise nehmen wir dank der Vibrationen anders war: Zur audiovisuellen Komponente kommt nun noch eine haptische. Wir finden das zusätzliche Rumpeln durchaus interessant, problematisch ist allerdings, dass DVS auch bei Musik, die tiefe Frequenzen enthält, anspringt. So empfinden wir das System bei einem Video mit Hintergrundmusik als sehr störend, da es permanent vor sich hin vibriert - hier schalten wir es entsprechend lieber ab. DVS funktioniert auch bei selbst aufgenommenen Videos.

Sony zufolge sind die Vibrationen des DVS tieffrequenter als die eines herkömmlichen Vibrationsmotors. Das soll dazu führen, dass Vibrationsalarme bei Anrufen oder Benachrichtigungen besser wahrgenommen werden sollen. Im Alltag überprüfen konnten wir das noch nicht.

Bei der Hardware im Inneren des Xperia XZ2 setzt Sony auf aktuelle Komponenten: Als SoC kommt Qualcomms neuer Snapdragon 845 zum Einsatz. Dieser hat eine maximale Taktrate von 2,6 GHz. Der Arbeitsspeicher ist 4 GByte groß, auf 6 oder gar 8 GByte hat Sony verzichtet. Im Alltag reichen 4 GByte eigentlich auch mehr als aus. Der eingebaute UFS-Flash-Speicher ist 64 GByte groß, ein Steckplatz für Micro-SD-Karten ist eingebaut. Die Benutzeroberfläche lief während unseres kurzen Tests flüssig, genaue Aussagen zur Leistung können wir aber noch nicht treffen.

Schnelles LTE, kein Klinkeneingang

Das Xperia XZ2 unterstützt Cat18-LTE mit Downloadraten von bis zu 1,2 GByte pro Sekunde und WLAN nach 802.11ac. Bluetooth läuft in der Version 5.0, ein GPS-Empfänger und ein NFC-Chip sind eingebaut. Nutzer können zwei SIM-Karten gleichzeitig verwenden, dann allerdings keine Micro-SD-Karte mehr. Der USB-Typ-C-Anschluss unterstützt USB 3.1 und dient auch als Anschluss für einen Kopfhörer - einen Klinkeneingang hat das Smartphone nicht mehr. Ein passendes Headset legt Sony dem Smartphone bei, ebenso ein Klinkenadapter.

Drahtloses Schnellladen mit Qi-Station

Der Akku hat eine Nennladung von 3.180 mAh, zur Laufzeit macht Sony keine Angaben. Er kann mit Hilfe eines mitgelieferten Quick-Charge-3.0-Schnellladers aufgeladen werden, oder drahtlos über eine Qi-Ladestation. Sony wird auch eine eigene Ladestation in den Handel bringen, die Schnellladen über Qi ermöglicht. Ausgeliefert wird das Xperia XZ2 mit Android 8.0 alias Oreo.

Der Fingerabdrucksensor ist wie beim Xperia XA2 auf der Rückseite angebracht, auf den seitlichen Einschaltknopf hat er Sony zufolge nicht mehr gepasst. Für unseren Geschmack sitzt der Sensor etwas zu tief, instinktiv legen wir unseren Finger erst einmal auf die Kamera des Smartphones. Da der Sensor aber anders als der des Galaxy Note 8 gut ertastbar ist, finden wir ihn trotzdem ohne Hinschauen.

Fazit

Das Xperia XZ2 stellt Sonys endgültige Abkehr vom bisherigen Design dar - und das nicht nur leicht, indem die Kanten weiter gerundet wurden, sondern recht radikal. Die neue Gehäuseform mag an sich nicht bahnbrechend neu sein, uns gefällt sie aber wesentlich besser als die der letzten Modelle.

Gleichzeitig hat Sony endlich den breiten Rahmen um das Display aufgegeben und kann so ein viel kompakteres Gerät zeigen. Dazu trägt auch das Bildschirmformat 2:1 bei. Dass das Display eine 1080p-Auflösung hat und keine 1440p-Auflösung, stört uns nicht.

Die Kamera kann dank des neuen Chipsets trotz gleichem Sensor wie bei den vorigen Top-Modellen Sonys mehr: Videos können wir jetzt in 4K und HDR aufnehmen, zudem steht uns die Superzeitlupe in Full-HD-Auflösung zur Verfügung. Die Bildqualität sieht auf den ersten Blick gut aus.

Interessant finden wir das Dynamic Vibration System, das mit Vibrationen tiefe Frequenzen betont. Bei Actionfilmen empfanden wir die Vibrationen auf schwacher oder mittlerer Stärke eingestellt als durchaus interessante Verstärkung der audiovisuellen Eindrücke. Das System ist aber sicherlich Geschmackssache, auf voller Stärke oder bei Videos mit basslastiger Musik empfanden wir DVS auch eher als störend.

Insgesamt betrachtet gefällt uns das Xperia XZ2 gut. Sony zufolge soll das Smartphone 800 Euro kosten und spätestens ab Anfang Mai 2018 im Handel erhältlich sein. Der Hersteller will allerdings versuchen, das Gerät schon im April auf den Markt zu bringen.  (tk)


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