Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/indiegames-rundschau-tiefseemonster-cyberpunks-und-ein-kelte-1802-132883.html    Veröffentlicht: 21.02.2018 09:06    Kurz-URL: https://glm.io/132883

Indiegames-Rundschau

Tiefseemonster, Cyberpunks und ein Kelte

Ein außerirdischer Ozean voller Abenteuer, eine Reise ins Universum und ein Prügelspiel mit einem keltischen Krieger: Empfehlenswerte neue Indiegames bieten tolle Unterhaltung und Geschichten für Herz und Verstand.

Egal, ob man das Early-Access-Modell gut findet oder nicht: Halbfertige Spiele zu unterstützen, die dann hoffentlich irgendwann einmal tatsächlich fertiggestellt werden, hat sich als Finanzierungsmodell für viele Indie-Spiele bewährt. In den vergangenen Wochen haben es gleich drei vergleichsweise prominente Titel aus dem Pre-Release-Zustand geschafft, so dass sie nun als fertig gelten.

Zum einen die Multiplayer-Sandbox Rust von Facepunch (Windows-PC, MacOS und Linux, rund 32 Euro), die sich seit 2013 im Early Access sechs Millionen Mal verkaufte. Wer das Spiel kennt, weiß, dass sowohl Umgangston als auch Sitten in Rust durchaus, nun ja, rustikal sein können.

Entspannter geht es da schon im kleineren, ebenfalls vor kurzem aus dem Early Access gekommenen Salt (Windows-PC, rund 18 Euro) zu. Die dritte Sandbox im Bunde, die nach längerer Early-Access-Phase fertig ist, ist Subnautica - das im Folgenden näher vorgestellt werden soll. Wer übrigens keine Lust auf Sandboxen hat, findet bei den restlichen Empfehlungen des Monats jede Menge Alternativen.

Subnautica: Unterwasserabenteuer für Einzelspieler

Zwei Millionen Mal hat sich Subnautica seit Beginn seiner Early-Access-Phase vor drei Jahren schon verkauft, nun ist das Einzelspieler-Abenteuer fertig. Als einsamer Überlebender eines Raumschiffabsturzes geht es darum, einen außerirdischen Ozean zu erforschen, Rohstoffe zu sammeln und sich langsam eine neue Bleibe am Meeresboden einzurichten.

Subnautica lebt von seiner sorgfältig gestalteten, riesigen und frei erforschbaren Unterwasserwelt, die mit stimmungsvoller Atmosphäre und erstaunlicher Fauna und Flora aufwartet. Vor allem anfangs ist der Aktionsradius noch beschränkt. Durch das Sammeln und Herstellen immer besserer Ausrüstung und schließlich einer eigenen Basis gelangen aber schließlich auch entlegenere Winkel der offenen Unterwasserwelt in Reichweite. Subnautica ist ein für Tage, Wochen und Monate motivierendes Überlebensabenteuer, das sowohl als kreative Sandbox wie auch als sanft durch eine Story-Kampagne führende Geschichte überzeugen kann.

Erhältlich für Windows-PC, MacOS und Xbox One, um 23 Euro. PS4 geplant für 2018.

The Red Strings Club und Iconoclasts



The Red Strings Club: Cyberpunk mit Tiefgang

Seit dem Erfolg von Black Mirror ist die Kurzgeschichte als Science-Fiction-Paradedisziplin wieder im Fokus. Auch das Point-and-Click-Abenteuer The Red Strings Club beweist, dass es für große Fragen und ebenso große Emotionen nicht lange Spielzeit, sondern hauptsächlich Intelligenz und Herz braucht. In der Gestalt von drei sehr unterschiedlichen Cyberpunk-Protagonisten arbeiten Spieler im neuen Werk der spanischen Macher von Gods Will Be Watching an der Vereitelung einer globalen Verschwörung, die die Menschheit weltweit glücklich machen soll. Gehirnwäsche - oder doch Utopia?

The Red Strings Club sieht nur aus wie klassisches Adventure, statt Rätseln stehen allerdings Konversationen, das eine oder andere originelle Physik-Minispiel sowie philosophisch-moralische Entscheidungen im Zentrum. Wie das hübsch gestaltete Spiel seine Story abwechslungsreich in knapp drei Stunden an ein Ende führt und dabei mit sympathischen Figuren und überraschenden Wendungen für Spannung und auch Bestürzung sorgt, ist großes Kino im Kleinformat und wirklich intelligente Science-Fiction.

Erhältlich für Windows-PC, MacOS und Linux, rund 15 Euro.

Iconoclasts: Retrospaß fürs Hier und Jetzt

Sieben Jahre lang hat Joakim Sandberg alias Konjak an seinem 2D-Action-Plattformer Iconoclasts gearbeitet. Herausgekommen ist ein Pixel-Style-Kunstwerk, das seine Vorbilder aus den 90er-Jahren in Sachen Charme, Umfang und Abwechslungsreichtum hinter sich lässt. Als Mechanikerin Robin hüpft, kämpft und rätselt man sich durch eine riesige, halb offene Spielwelt, die vom Charakterdesign bis hin zu den Umgebungen und vor allem den 20 riesigen Oberbossen hinreißend und sichtlich liebevoll gestaltet ist.

Die überraschend aufwendig erzählte Hintergrundgeschichte um eine böse theokratische Diktatur nimmt zwar hin und wieder etwas zu viel Raum ein, doch das tut dem Spaß an dieser Hommage keinen Abbruch. Iconoclasts ist weniger Metroidvania als lineares Abenteuer, in dem Erforschung, Rätsel und die trickreiche Überwindung der beeindruckenden Bossgegner die Glanzlichter darstellen. Ein Spiel, an dem beileibe nicht nur Nostalgiker ihre Freude haben werden.

Erhältlich für Windows-PC, MacOS, Linux, PS4 und PS Vita, um 20 Euro.



Wulverblade und Slay the Spire

Wulverblade: Morbide Cartoon-Kelten

Manche Spiele sind gerade deshalb gut, weil sie sich klar und mit großer Konsequenz auf ihre Stärken konzentrieren. Bei Wulverblade ist das eindeutig der Fall: Das simple Arcade-Prügelspiel orientiert sich an Klassikern wie Golden Axe oder Double Dragon und macht mit seiner Mischung aus niedlichen Cartoon-Kriegern und absurd brutalem Splatter auch ästhetisch eine gute Figur.

Als keltischer Krieger kämpft man mit Hieb- und Stichwaffen gegen verfeindete Clans und römische Legionäre, die sich unvorsichtigerweise in den wilden Norden der spätantiken britischen Inseln vorgewagt haben. Immer wieder wird man witzigerweise bei seinem blutigen Feldzug mit archäologischen und historischen Hintergrundinfos versorgt. Spielerisch absolut solide, toll präsentiert und voll tiefschwarzem Humor, ist Wulverblade ein fast perfektes Spiel für zwischendurch.

Erhältlich für Switch, PS4, Xbox One und Windows-PC, um 15 Euro.

Slay the Spire: Kartenspiel trifft Roguelike

Die meisten Kartenspiele am Computer verlassen sich auf das Free-to-Play-Konzept und den Kampf gegen echte Menschen. Das im Early Access verfügbare Slay the Spire geht einen anderen Weg: Statt kaufbare Sammelkarten ins Zentrum des Spielprinzips zu stellen, geht es hier eher um das Zusammenstellen eines möglichst effizienten Decks, das im Einsatz gegen eine Abfolge von Computergegnern möglichst gut bestehen kann.

Die Mischung aus strategischem Kartenspiel und Rogue-like-Struktur legt großen Wert auf stets klares Interface-Design und lockt so schon nach kurzer Einarbeitungszeit mit angenehm motivierenden Runs und einer Vielzahl an taktischen Möglichkeiten. Trotz Early-Access-Status ist Slay The Spire schon jetzt eines der vielversprechendsten Single-Player-Kartenspiele mit Deckbuilding-Fokus.

Erhältlich im Early Access für Windows-PC, MacOS und Linux, um 16 Euro.

Außerdem: Walfang und Bergsteigen

Auch wenn Celeste (Xbox One, Playstation 4, Switch, Windows-PC, MacOS und Linux, rund 20 Euro) mit seinem 8-bit-Pixel-Look auf den ersten Blick nicht danach aussieht: Der Bergsteiger-Präzisions-Plattformer ist in Sachen Leveldesign, Originalität und Herz ein ganz großes Spiel. Als Bergsteigerin Madeline kämpft man sich in tausend Toden und ebenso vielen kniffligen Herausforderungen von einem originellen Bildschirm zum nächsten.

Eine ähnlich monumentale, sonst aber grundlegend andere Herausforderung bietet das außergewöhnliche Nantucket (Windows-PC, rund 18 Euro). In dieser originellen und komplexen Mischung aus Adventure, Strategie- und Rollenspiel geht es im historischen Setting auf Waljagd, und zwar im Universum des literarischen Klassikers Moby Dick. Ein faszinierendes Spiel mit dichter Atmosphäre!

Ein letzter Early-Access-Hinweis am Schluss: Wer das großartige Hardcore-Rollenspiel Darkest Dungeon zu schätzen weiß, sollte einen Blick auf Deep Sky Derelicts (Windows-PC, rund 16 Euro) riskieren. Das Science-Fiction-Rollenspiel leiht sich nicht nur den eindrucksvollen Comicstil, sondern auch Teile des kniffligen Gameplays vom dunklen Kerker. Ein vielversprechender Epigone, der schon jetzt Lust auf mehr macht.  (rs)


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