Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/snapdragon-845-im-hands-on-qualcomms-soc-ist-25-prozent-schneller-und-sparsamer-1802-132705.html    Veröffentlicht: 12.02.2018 06:00    Kurz-URL: https://glm.io/132705

Snapdragon 845 im Hands on

Qualcomms SoC ist 25 Prozent schneller und sparsamer

Der Snapdragon 845 wird 2018 in den meisten Oberklassesmartphones stecken. Wir haben vorab die Leistung des Qualcomm-Chips getestet. Fast noch wichtiger ist aber der gesunkene Energiebedarf.

Ende Februar 2018 werden in Barcelona auf dem Mobile World Congress wieder die wichtigsten Smartphones des Jahres vorgestellt - darunter die Topmodelle von LG und Samsung. Sie alle werden eines gemeinsam haben: Im Inneren steckt die neue SoC-Generation (System-on-a-Chip) von Qualcomm, der Snapdragon 845.

Im Oktober 2017 wurden der Chip angekündigt und Änderungen sowie neue Funktionen, verglichen mit dem bisherigen Snapdragon 835, erklärt. Nun stellte Qualcomm in San Diego erstmals Geräte zum Ausprobieren zur Verfügung. Dabei handelte es sich nicht um fertige Smartphones eines bekannten Herstellers, sondern um Referenzgeräte von Qualcomm selbst - sogenannte QRDs (Qualcomm Reference Design). Von diesen Prototypen werden im Verlauf der Entwicklung eines SoC einige hundert Stück für interne Tests hergestellt.

Acht solcher Geräte, darunter eines für Golem.de, standen bereit, um die Geschwindigkeit des Chips zu testen. Relevante Benchmarks wie den 3DMark, den Antutu, den Geekbench und den GFXBench hatte Qualcomm vorinstalliert, aber in modifizierten Versionen, so dass keine Ergebnisse in die jeweiligen Datenbank des Herstellers hochgeladen werden können. Andere Benchmarks konnten wir unter Aufsicht von Qualcomm-Mitarbeitern installieren und ausführen.

Qualcomm selbst testet seine Prototypen vorab mit unter anderem diesen Programmen, um während eines solchen Termins keine Überraschung zu erleben. Die gemessenen Werte lagen am Ende also alle innerhalb der Erwartung von Qualcomm - vorausgesetzt, das Gerät hatte davor ein paar Minuten Zeit zum Abkühlen. Nach dem mehrfachen Ausführen von vielen Benchmarks erhitzen sich nämlich auch die vergleichsweise dicken QRDs deutlich, und die Messwerte sinken geringfügig.

Die Leistungssteigerung verglichen mit dem Vorgänger, dem Snapdragon 835, beträgt im Mittel etwa 25 Prozent in den von uns verwendeten Benchmarks. Im GFXBench allerdings konnte der Snapdragon 845 fast 40 Prozent zulegen. Auch die Steigerung beim Multithreading-Score von Geekbench 4 fällt mit 30 Prozent hoch aus. Das deckt sich mit unserer Einschätzung nach der Ankündigung des Snapdragon 845. Qualcomm zufolge soll auch die neue Adreno-630-Grafikeinheit rund 30 Prozent schneller geworden sein, im GFXBench (Car Chase Offscreen 1080p) haben wir sogar fast 40 Prozent gemessen. Der Hersteller gibt auch an, dass die Sustained-Performance, also Dauerlast, sehr stabil sei. Leider funktioniert aber der Trepn Profiler weder mit dem Snapdragon 835 noch mit dem Snapdragon 845.

Insgesamt sind die Leistungszuwächse von bisherigen zum neuen SoC mehr als respektabel. Dennoch fällt die Steigerung nicht so deutlich aus wie beim Schritt von der bisher vorletzten (Snapdragon 821) zur aktuellen Generation (Snapdragon 835), was wohl unter anderem daran liegt, dass der SD835 und der SD845 beide in einem 10-nm-Verfahren gefertigt werden. An die Werte von Apples A11 Bionic aus dem iPhone X kommt der Snapdragon 845 nur teilweise heran. Im Geekbench 4 verliert er deutlich, während er im Antutu-Benchmark vor dem A11 Bionic liegt.

Daher weist Qualcomm explizit darauf hin, dass solche synthetischen Programme mit Vorsicht zu genießen seien. Sie können nur die CPU, die Grafikeinheit, den Arbeitsspeicher oder gar den NAND-Flash testen. Viele Komponenten eines komplexen SoCs werden von solchen Benchmarks nicht berücksichtigt, etwa das Zusammenspiel einzelner Blöcke für Deep Learning (Inferencing) oder schlicht Audio- und Fotoqualität. In diesen Bereichen lassen sich insgesamt nur schwer objektive Vergleiche anstellen.

Für die Bewertung einer neuen SoC-Plattform darf deswegen also nicht nur die reine Leistungssteigerung herhalten. Gerade im Mobile-Bereich ist gleichzeitig die Akkulaufzeit eines der wichtigsten Kriterien, für welche die Energie-Effizienz des Chips entscheidend ist.

Dynamiq macht den SD845 sparsamer

Die CPU-Kerne des Snapdragon 845 basieren erstmals auf der Dynamiq-Technik von ARM. Ähnlich wie bisher auch gibt es also Kerne mit verschiedenen Aufgaben, Qualcomm bezeichnet diese als Performance Cores (Gold, A75-basiert) und Efficiency Cores (Silver, A55-basiert). Anders als beim bisherigen Big.Little-Konzept können diese beiden Gruppen flexibler dimensioniert werden. Zwar setzt Qualcomm auf eine bewährte Kombination von vier Kernen pro Cluster, allerdings kann nun die Taktfrequenz pro Kerne je Cluster unterschiedlich ausfallen. Die Efficiency Cores arbeiten demnach mit bis zu 1,8 GHz und die Cores mit bis zu 2,8 GHz.

ARMs Dynamiq ist dabei eine von vielen Maßnahmen zur Senkung der Leistungsaufnahme: Weitere sind der 3 MByte große System-Cache, auf den alle SoC-Bestandteile zugreifen können, oder der feinkörnige ansprechbare LPDDR4X-Speicher, der mit 4x 16 Bit statt 2x 32 Bit angebunden ist. Hinzu kommt die 10LPP- statt 10LPE-Fertigung. Das Ergebnis aller dieser Anstrengungen demonstrierte Qualcomm mit einem Vergleichstest: Zwei Referenzgeräte, eines mit Snapdragon 845 und eines mit Snapdragon 835, bearbeiteten dieselbe Aufgabe, gleichzeitig wurde von beiden Geräten der Energiebedarf protokolliert.

Diese Demo wurde mit zwei verschiedenen Szenarien durchgeführt: mit dem GFXBench (Manhattan 3.0, On-Screen) und mit der Wiedergabe eines 4K-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde. In beiden Fällen nimmt das Smartphone mit dem Snapdragon 845 durchschnittlich etwa 30 Prozent weniger Leistung auf als sein Vorgänger. Das sollte in der Praxis dazu führen, dass der Akku des Smartphones weniger schnell geleert wird, wenn eine solchen Aufgabe ausgeführt wird.

Ersteinschätzung

Qualcomm hat mit dem Snapdragon 845 seine populäre SoC-Familie konsequent weiterentwickelt. Ein gemittelter Leistungszuwachs von 25 Prozent in synthetischen Benchmarks ist definitiv respektabel. Gerade bei Multithreading und bei der Grafikleistung sind die Geschwindigkeitsunterschiede überdurchschnittlich. Für bedeutender halten wir aber die Reduzierung der Leistungsaufnahme, von der Smartphone-Besitzer mehr profitieren. Hinzu kommen die bessere Audioqualität und der bessere Bildprozessor, beides konnten wir aber nur kurz austesten.

Offenlegung: Golem.de hat auf Einladung von Qualcomm an der Präsentation in San Diego teilgenommen. Die Reisekosten wurden zur Gänze von Qualcomm übernommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben seitens Dritter.  (mos)


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